19.08.12 Zuerst Regatta, dann zur KRUZENSHTERN

Für die Teilnehmer der Flensburg Nautics 2012 gab es am Samstagabend eine ganz besondere Attraktion als Krönung und - so kann man es auch sehen - als Belohnung.
Denn der Tag auf der Regattabahn hatte es in sich. Pünktlich um 11.00 Uhr ging es beim Start mit mageren zwei Beaufort aus südlicher Richtung los. Gemach, gemächlicher am gemächlichsten trennte sich das Feld zwischen den großen, schweren Schiffen und den kleinen, leichten. Zum Beispiel die holländischen Großseglern und die offenen Boote vom Bohlwerk. Wobei sich nicht alle auf den Wind als Antrieb verließen, sondern leise laufende Maschinen oder noch leisere Riemen einsetzten um das zu tun, was die Franzosen "corriger la fortune" nennen. Sollte jemand daran zweifeln: Wir haben uns das verkniffen, erstens wg. Moral und zweitens wg. unserer Maschine, deren kerniger Klang keine Heimlickeit zulässt.
Kurz nach dem Start kamen uns lustig geschmückte Teilnehmer des Fischkutter - Korso auf dem Weg zu dem Fischerfest im Stadthafen entgegen. Das sah hübsch aus und war auch sicherlich gut für die Nautics, denn was ist weniger spannend als eine maritime Großveranstaltung, wenn alle Schiffe ausgelaufen sind?



Wer eine Breitfock hatte oder sogar Rahsegel setzen konnte, war eindeutig im Vorteil. Sonst half nur Geduld üben und Segel wechseln. Bei uns kam zuletzt der 45 qm große Klüver zwei und das gleich große Besanstagsegel ran. Aber der Mensch denkt, Gott lenkt. Nach der Wendeboje, auf der verkürzten Bahn östlich der Ochseninseln, nahm der Wind zu und unsere Bereitschaft ab, entweder das leichte Tuch oder Zeit für einen weiteren Segelwechsel zu opfern. Also weg mit den Leichtwindsegeln  und "hoch die Fock". Die Segelführung war nicht wirklich optimal, aber wir kamen noch in der Wertung an, ohne einen einzigen Liter Treibstoff einzusetzen. Mit einer Ausnahme. Als wir einem auslaufenden Großsegler auswichen und der nicht Kurs hielt, sondern einfach mit zog. Nun, das ist ja auch der Grund, weshalb auf derartigen Veranstaltungen die Schipper ausdrücklich aufgefordert werden, ihre Maschine stand-by zu halten. 
Schließlich war die Schlacht geschlagen und jeder war auf die Wertung und Preisvergabe gespannt. Die sollte auf der KRUZENSHTERN, ex PADUA stattfinden. Um es kurz zu sagen: Wer das verpasste, hatte doppeltes Pech. Zum einen hat er von der herzlichen Begrüßung durch die gesamte Besatzung nichts mit bekommen, auch nicht den überwältigenden Eindruck dieser riesig großen Windmaschine aus unzähligen Leinen, Drahtseilen, Blöcken und Winden unmittelbar auf sich wirken lassen können. Für uns war der Besuch auf dem größten Segelschiff, das wir je betreten haben ein großes Erlebnis.
Groß auch die Gastfreundschaft. Unser Besuch wurde gekrönt von einer Show russischer Volkstänze, artistisch in atemberaubendem Tempo aufgeführt von den jungen Kadetten. Die sind übrigens, so erfuhren wir aus der Ansprache des Kapitäns, durchweg Zivilisten und Berufsfischer in Ausbildung.
Leider konnten wir keine Bilder von diesem Ereignis mitbringen, da auf dem ganzen Schiff fotografieren nicht erwünscht ist. Und das wollten wir dann auch schweren Herzens respektieren.
Schließlich noch die Wertung (hier "Bewertung" genannt) durch die Regattaleitung. Dass wir uns mit unserer Sonderrolle als Schlusslicht eingerichtet haben, ist mangelndem Ehrgeiz geschuldet. Aber wenn schon Regatta, dann auch Wertung. Und was so vielen Seglern wichtig ist, muss einfach sein. Wirklich beeindruckt hat uns die Crew der Fregatte SHTANDARD, die tatsächlich die ganze Strecke zurück von den Ochseninseln aufgekreuzt ist. Das heißt mehrere dutzendmal: Fock, Mars und Brahmsegel back brassen, mit Gegenruder rückwärts treiben, bis der Wind von der richtigen Seite kommt, alle übrigen Segel brassen und warten, bis das schwere Schiff wieder Fahrt aufnimmt. Sie kamen als Allerletzte ins Ziel, waren aber in sportlicher Hinsicht die Allerersten. Sie haben ihren Sonderpreis als "das schnellste Schiff mit mehr als drei Kanonen" redlich verdient!