19.01.19 Vor Ultimo

Das Jahr der Bootsfreunde kennt drei Jahreszeiten: Im Sommer segeln mit, im Winter werkeln am und immer arbeiten fürs Boot. Heute kam die letzte der Lüttfischerjollen auf ihren Winterplatz.


Wer den Wetterfröschen glaubt, bereitet sich auf die erste längere Frostperiode in diesem Winter vor. Die Tageszeitungen berichten, dass Deutschland eine "Sibirische Kätewelle" erwartet, mit Temperaturen bis zu minus 20 Grad und dass dieses Wetter sogar vier Wochen anhalten kann (Spiegel online). Der Sprecher des DWD wird zitiert "Ich habe es selten erlebt, dass alle Rechenmodelle so eindeutig auf eine gleiche Entwicklung hinweisen".

Gestern fiel schon der erste Schnee, legte sich, noch blütenweiß, auf Hafen, Bohlwerk und die Boote. Nach der ersten frostkalten Nacht lag er auch morgens noch dort. Wie in jedem Winter hat sich die Reihe der traditionellen Gaffelsegler gelichtet, denn einige liegen während der Wintermonate in anderen Häfen, zumeist in der Nähe der Wohnorte ihrer Eigner. Die können dann schneller nach ihnen sehen, wenn Wind und Wasser das fordern. Oder - siehe oben - an ihnen werkeln. Auch alle kleinen Jollen der "Lüttfischer" sind jetzt im Winterlager. Die letzte kam heute aus dem Wasser. Die Fürsorge kommt nicht von ungefähr. Sein Eigner bekam sie im Alter von acht Jahren von seinem Vater geschenkt. Jetzt begleitet sie ihn schon fast dreimal so lange.
Wenn die Wetterfrösche recht behalten, war der Umzug heute übrigens knapp vor Ultimo, denn bald müsste der Hafen zufrieren. 




... gebaut von Chr. Isaak auf den Ochseninseln
Historisches Boot in Historischem Kaufmannshof ...













16.01.19 Winterfreuden

Wer sich heute über das Wetter freuen möchte, denkt besser an den nächsten Frühling. DENN: So sieht es heute in Flensburg aus.  Und das alles nur, weil die im Süden den ganzen Schnee für sich alleine haben wollten. Sei's ihnen gegönnt. Wir hatten  unsere Schneekatastrophe schließlich schon vor vierzig Jahren.

Mittags am Hafen. 

13.01.19 OLINE im Fernsehen

Das Regionalfernsehen NDR Schleswig-Holstein Magazin hat heute über den Untergang der OLINE berichtet:




11.01.19 OLINE: 1,30 € und ein Kasten Bier

Fagen über Fragen. Der Bericht des Landessenders NDR1 über den Untergang der OLINE lässt den Leser ratlos zurück.  

Der NDR1 "Nachrichten aus Schleswig-Holstein" von gestern titelt "Museumshafen Flensburg: Traditionsschiff gesunken" über den Untergang der OLINE. Jedoch: der Titel informiert falsch, denn die Havarie fand nicht im Museumshafen Flensburg statt. Auf Facebook informiert Martin Schulz,  Geschäftsführer des Vereins: "Das Schiff wurde, bzw sollte restauriert werden und weil abzusehen war, dass das ein längerer Prozeß wird, lag das Schiff in der Museumswerft. Und die Werft bestimmt wer/wo liegt, nicht der Historische Hafen, oder der Museumshafen." Richtig ist hingegen, dass der Ponton, an dem OLINE seit ein paar Tagen vor dem Untergang festgemacht war, zur Museumswerft gehört. Er wurde, so der Artikel, von der Museumswerft gepachtet. 

Da kann man die merkwürdige Aussage zur vermuteten Ursache des Untergangs schon nahezu vernachlässigen: "Entweder wurden die Wasser-Pumpen über Nacht nicht richtig mit Strom versorgt, oder der starke Nordwestwind peitschte so stark gegen die Schiffsseite, so dass das marode Metall nachgab und Wasser eindringen konnte." (Zitat Uwe Kutzner, Geschäftsführer der Museumswerft gGmbH). Klingt plausibel, der Rumpf von OLINE wurde jedoch aus Eichenholz gebaut. Das mit den Pumpen könnte hingegen schon eher zutreffen. Aber was den Untergang nun tatsächlich bewirkt hat kann man, so Zitat in dem selben Beitrag von NDR1, so bald nicht erfahren "Warum das Schiff wirklich unterging, lässt sich erst genau sagen, nachdem es geborgen wurde, so Kutzner. Wann das so weit sei, stünde aber noch in den Sternen."

Da muss man wohl über den Sinn der Antwort auf die Frage nach der Verantwortung an dem Unglück nicht länger nachdenken. In dem Bericht heißt es nämlich: "
Kutzner vermutet, dass der Eigentümer nichts für das Sinken des Schiffes könne. Schließlich habe er die "Oline" laut Kaufvertrag für nur einen Euro dreißig und einen Kasten Bier erstanden."

Bleibt nur noch die Frage ab wieviel Bierkästen ein Käufer für sein Schiff auch verantwortlich wird. 




Unterwasserschiff der OLINE, bevor sie zum letzten Mal zu Wasser gelassen wurde. Um den Rumpf abzudichten und weil die maroden Planken nicht mehr kalfatert werden konnten, hat sie der vorletzte Eigner mit Plastikplanen benagelt.  

10.01.19 Aus der Wetterküche

Vor einer knappen Woche haben wir getestet, ob die Wetterregel mit dem Abendrot tatsächlich immer zutrifft. Wir wissen jetzt: Nicht am letzten Samstag. Für heute wurde trübes Wetter vorhergesagt. Auch der Morgenhimmel ("Morgenrot Schlechtwetter droht") verspricht genau das.  Heute hat sich auch Petrus daran gehalten.

































So sah heute morgen um neun Uhr der Himmel über Flensburg aus. Das Farbenspiel dauerte nur wenige Minuten. Tagsüber war der Himmel bedeckt und der Wind, der in den letzten Tagen stark aus nördlicher Richtung wehte war auf ein schwaches Lüftchen abgeflaut. Und das kam zudem aus südlicher Richtung. Nachmittags fielen zuerst ganz vereinzelte, winzige Schneeflocken. Später fiel ein leichter Regen.

Wir haben uns seit Jahren angewöhnt, Wetternachrichte zu hören oder anzusehen. Die Wetterkarte mit den Drucksystem und ihren Isobaren gehört unbedingt dazu. Sie sind etwa das, was ein Fernglas für den Ausguck ist. Vor Jahren konnten wir die Stationsmeldungen im DLF MW-Programm bekommen. Morgens um 6:35 und um Mitternacht. Aus denen wurden die Wetterkarten an Bord erstellt. Der Vergleich von Tag zu Tag ließ auf die vermutliche Bewegung der Fronten zu. Besonders aufmerksam haben wir die Entwicklung von Trögen verfolgt. Tröge bedeuteten meist heftige Winde mit starken Drehern. Heute bekommt man das Wetter per App. Mit Ventusky oder Windy sogar die Windströmungen der nächsten Tage bis in die kleinste Ankerbucht frei Bildschirm.
Das hat aber einige Haken. Diese Darstellungen geben den Anschein detaillierter Vorhersage und hoher Genauigkeit. In Küstenrevieren spielen jedoch oft ganz andere Einflüsse eine Rolle, als die mathematischen Modelle berücksichtigen. Und fern der Küste kann man sie nicht empfangen.


Auf  Seereisen in etwas abgelegene Reviere ist man auch in diesen Jahren immer wieder außerhalb der Reichweite des Internet und der UKW-Küstenfunkstellen. Und die früher hilfreichen Dienste auf Kurz- Mittel- und Langwelle werden nur noch lückenhaft bedient. Und wer hat noch einen entsprechenden Empfänger an Bord?
Wer dann sein eigenes Wetter "machen" kann, ist fein raus. Das geht natürlich nicht so einfach wie wenn man eine App aufruft. Ist aber dafür auch viel interessanter, sorgt für Gesprächsthemen an Bord und führt oft zu besseren Ergebnissen. Besonders deswegen, weil die öffentlichen Angaben wie "Nördliche Ostsee West drei, rechtdrehend zunehmend fünf bis sechs" statistisch gesehen für das ganze große Revier im Mittel richtig sein kann. Nur eben nicht in der speziellen Ecke, wo man gerade ankert. Da hilft immer noch zusätzlich der prüfende Blick zum Himmel, aufs Barometer und auf das Thermometer. 


Einfach mal probieren und mit dem tatsächlichen Wetter vergleichen. Mit fortschreitender Übung kann sich jeder zunehmend auf erstaunliche Treffer freuen. Wer jetzt beginnt, ist dann fein raus.

09.01.19 Ausgeträumt - OLINE gesunken

Nur wenige Tage lang hat OLINE an ihrem neuen Liegeplatz auf der Nordseite des Pontons der Museumswerft überlebt. Sie wurde dort bereits durch elektrische Pumpen über Wasser gehalten. Heute Nacht zog Tief Benjamin über Jütland. Und heute morgen fiel in Flensburg zusätzlich der Strom aus. Jetzt liegt OLINE ein paar Meter tiefer, immer noch am Ponton, aber auf Grund.

Das "Glückskind" Benjamin brachte der 140 Jahre alten OLINE kein Glück. Wie berichtet, lag sie neuerdings ungeschützt an dem großen Ponton der Museumswerft. Und wie befürchtet, ist sie nun gesunken. Und damit war das Ende einer Reihe von Ereignissen erreicht, das schon lage absehbar war.
Der Anfang liegt ein paar Jahre zurück. Da stand ein Eigner, der, selber in die Jahre gekommen, sein altes Schiff  nicht länger unterhalten konnte oder wollte. Denn es waren umfangreiche Reparaturen notwendig, um den Rumpf langfristig zu sichern. Also stand OLINE zum Verkauf. Nach vielen geplatzen Bemühungen fand sich tatsächlich einer, der sich Reparatur, Restaurierung und Infahrthaltung des Traditionsseglers zutraute. Aber was immer er tat, es war zu wenig oder manchmal nicht wirklich geeignet, um das Projekt vorwärts zu bringen. Dazu kamen Seeunfälle, die dem ohnehin geschwächten Rumpf weiter schadeten. Zuletzt musste er das Schiff aus dem Museumshafen verlegen, in dem es einige Jahre seinen Liegeplatz hatte.
Mit dem alten Schiff ging es weiter bergab, auch wenn immer wieder einmal daran etwas gearbeitet wurde. Das Ende war absehbar, als vor zwei Wochen die Feuerwehr anrücken musste, um den Rumpf mit Pumpen vor dem Absaufen zu bewahren. Jetzt kam Sturmtief Benjamin und drückte während der Nacht mit Starkwind und Sturmböen das Wasser der Förde in den Hafen. Die Wellen haben in der Förde bei der nördlichen Windrichtung den längsten möglichen Anlauf. Das erzeugt im Hafen einen starken Schwell. Der lässt die großen Schiffe schaukeln, während die kleinen auf den Wellen tanzen. OLINE bekam die dynamische Belastung in der denkbar ungünstigsten Position zu spüren: Winddruck und Wellenstoß genau von der ungeschützten Seite an einer harten Stahlwand mit untauglichen Fendern abgefedert. Der marode Rumpf des alten Seglers wurde dauernd hart gegen Ponton gestoßen. Durch jahrelange Verwahrlosung geschwächt, war er mittlerweile soweit zermürbt, dass die ohnehin schon zu weit gewordenen Plankennähte unter der dünnen Plastikplane dem mechanischen Druck nachgeben mussten. "Ein Glück, dass die Pumpen von der Feuerwehr noch an Bord sind", mag sich der Eigner getröstet haben. Als dann heute Morgen gegen sieben Uhr der Strom ausfiel, war es mit dem Trost und auch mit OLINE zuende.

Wie in anderen, ähnlichen Fällen hat auch OLINE in den Tagen vor ihrem endgültigen Ende den Besitzer gewechselt.

Vom Deck ist Gerümpel aufgeschwommen
OLINE auf Grund 










Das sah so aus. Vermutlich ein Teil des Aufbaus. 
Mittags bargen Helfer Treibgut von OLINE.
Die Poller waren unter der Last zerissen.










Derweil steigt das Wasser im Hafen weiter
Unterm Krahn schwimmt ein Tank

05.01.19 Abendhimmel über Flensburg

Kaum zu glauben, dass für morgen trübes Wetter angesagt ist. Der Abendhimmel ("Abendrot Gutwetterbot") verspricht das Gegenteil. Mal sehen, wer Recht behält.














Heute gegen 17:00 Uhr














P.S.: Tags drauf war es trüb und nass. Diese Runde ging also an die amtlichen Wetterfrösche.

05.01.19 Träume und Schäume

Im Wartesaal zum großen Glück
Da warten viele, viele Leute
Die warten seit gestern auf das Glück von morgen
Und leben mit Wünschen von übermorgen
Und vergessen, es ist ja noch heute
Tja, die armen Leute


(Text Walter Andreas Schwarz)


Gestern kam die Meldung vom drohenden Untergang des Dreimasters SEEADLER herein, der in Friedrichstadt nach jahrelanger Verwahrlosung zu sinken droht. Schon 2015 fassten die Husumer Nachrichten die Situation so zusammen: "Bäume und Gras an Deck". Vorgestern musste die Feuerwehr mit starken Pumpen anrücken, um den Rumpf zu stabilisieren. Der Vorfall ist der jüngste in einer Reihe ähnlicher Havarien, über die wir in den letzten Jahren berichteten. Wir erinnern uns an NINIVE, RAKEL, DAGNY, ROLAND von BREMEN, GIDDY UP. Auch das Ende der LILLE BJØRN, die zu Hälfte abgewrackt bei der Museumswerft in Flensburg liegt, gehört in diese Reihe. Und in allen Fällen gab es bis zur letzten Minute große Träume von der Zukunft auf und mit dem Schiff. 
Bei der Museumswerft bahnt sich jetzt auch das Ende der 140 Jahre alten Handelskvase OLINE an, die seit ihrer Ankunft in Flensburg vor nun bald sechs Jahren ihrem Ende entgegendämmert. Nach ein paar Jahren als Gast im Museumshafen wurde sie auf die Wasserfläche der Museumswerft verholt, wo auch schon die Hulken der WILHELMSHAFEN, MARIE und der LILLE BJØRN vor sich hin rotten. Vor ein paar Tagen hatte nun auch OLINE Besuch von der Feuerwehr. Die war angerückt, weil das Schiff zu sinken drohte. Jetzt wurde sie an einen anderen Liegeplatz verholt, wo sie von Pumpen über Wasser gehalten wird. Der neue Liegeplatz ist mal gerade "um die Ecke" auf der anderen Seite des großen Pontons, an dem sie bislang schon angeleint war. Jetzt aber auf der Nordseite, wo sie bei den hier gefürchteten NE-Stürmen vollkommen ungeschützt im Schwell liegen wird. Ein Schelm, der hierbei Arges denkt.
Schade um das Schiff. Es hätte ein besseres Schicksal verdient. Immerhin ist es (noch) das älteste Segelschiff auf der Ostsee. 


--- bekommt das zu sehen
Wer dem Wegweiser nach OLINE folgt ...

02.01.19 Land unter

Bilder und Szenen vom Hochwasser, heute gefilmt und fotografiert von Harald Harpke:





Am Hafen gesichtet

Helfer im Einsatz
Retter unterwegs













Hoch und trocken
Hoch, nicht trocken



















Alle Fotos © Harald Harpke

02.01.19 Wasser marsch

Gestern schrieben wir noch über den Wasserstand im Hafen "Ist er erst einmal so niedrig, kann er nur noch steigen". Als hätte Neptun nur darauf gewartet, schickte er das Wasser umgehend zurück. Heute meldete Flensburg heute bei strahlendem Sonnenschein und mäßigem Nordwestwind "Land unter ". 

Das Wasser im Hafen kletterte schon kurz nach Mitternacht über den mittleren Pegelstand von 502 cm und stieg bis zum Nachmittag um weitere 70 cm. Schon morgens zeigten erste große Pfützen auf der Schiffbrücke und den Norderhofenden die niedrigsten Stellen an. Bald schwappte das Wasser über den Vorplatz der Museumswerft. Wer jetzt noch auf diesem Weg das Bohlwerk erreichen wollte, musste Wathosen mitbringen oder geeignetes Sportgerät. Nachmittags um 15 Uhr erreichte der Pegel den ersten Höchststand von 571 cm. Hier ein Eindruck vom ersten Hochwasser des Jahres: 



Des Einen Leid, des Anderen Freud:
Stand-up Paddeln war heute Nachmittag die einzige Fortbewegungsart auf der Schiffbrücke





Nirderfischerstraße:
Zufahrt zur Schiffbrücke gesperrt
Schiffbrücke
Dauerparkplatz mit Unterbodenwäsche 













Mittags war das Bohlwerk noch passierbar


... von Süden
Jedoch nicht ...











... und die Jollen auch
Die Schiffe schwammen auf Augenhöhe ...

01.01.19 Neujahr bei Niedrigwasser

Silvester 2018 ist Vergangenheit. Wie in jedem Jahr glich der Hafen einem Hexenkessel, als Flensburg mehr als eine Stunde lang den Jahreswechsel feierte. Aber es gab auch einen Ruhepol in dem furiosen Spektakel. Frischluft statt Feinstaub am Morgen danach.

Silvesterabend in der Klimahauptsadt
Es soll Leute geben, die alljährlich zu Silvester um besonders schlechtes Wetter beten. Am liebsten solle es wie aus Eimern schütten, flehen sie. Aber im Himmel wurden ihre Rufe  in diesem Jahr wieder nicht erhört. Und so war auch gestern Nacht anscheined wieder ganz Flensburg auf den Beinen, pilgerte mit Feuerwerk beladen zum Hafen. Besonders bei den Kontorhäusern auf der Ostseite, an der Hafenspitze, am Willi-Brandt-Platz und bei der Museumswerft schienen sich viele in Feierlaune zur großen öffentlichen Silvesterparty eingefunden zu haben. Auch an der gesamten restlichen Hafenhante war kaum noch ein Durchkommen. In den zwei Stunden um den Jahreswechsel krachte, blitzte heulte und donnerte es ohne Unterbrechung. Die in diesem Jahr besonders beliebten Feuerwerk-Batterien brachten eine bislang unbekannte Steigerung der Feuerkraft der Pyromanen. Und so war der Hafen nach kurzer Zeit in dichte Rauchschwaden gehüllt, die auch der Westwind nicht vollends wegblasen konnte. Der Rauch, bzw. Feinstaub an Silvester macht im Mittel 15 Prozent der Werte des Kraftverkehrs im ganzen Jahr aus. Der ist in Flensburg rund um den Hafen ohnehin besonders hoch. Fünfzehn - das ist die Gesamtmenge von 55 Tagen zu 24 Stunden. Diese Menge wurde in der letzten Nacht im wesentlichen während drei Stunden in die Luft geblasen. So erwies Flensburg auch in dieser Nacht seinem selbst gewählten Ziel als Klimahauptstadt keine Ehre. Das Klima in der Fördestadt war zu Silvester mindestens genau so miserabel wie in der übrigen Republik. Wie könnte es auch anders gekommen sein, hat doch der Stadtsprecher im Vorfeld des Tages herausgestellt, dass dies in Flensburg kein Problem sei, das durch Verordnungen geregelt werden müsse. Und außerdem - wer solle das kontrollieren? Während andere Städte in Deutschland mit gutem Beispiel vorangehen und Feuerwerk komplett oder zumindest teilweise verbieten, feiert Flensburg seine Großzügigkeit und Toleranz bis zur Selbstaufgabe. Und prompt wurden in der Nacht auch wieder Fallschirmraketen in großer Zahl abgeschossen. (Anm.: Sie sind Seenotzeichen und dürfen nur im Notfall (logisch) über See gezündet werden. Über See, um Verwechslungen zu vermeiden. Über Land sind sie verboten, weil die Raketen weiterbrennen, auch wenn sie auf dem Boden oder auf Häusern, Schiffen im Hafen, Bäumen oder sonstwo gelandet sind. Das scheint Manchem oder Mancher nicht logisch zu sein.)

Die Wasserschutzpolizei fuhr während des Spektakels bis Mitternacht im Hafen umher, anscheinend um die Aussicht zu geniessen. Denn, wie sagte der Stadtsprecher Teschendorf in der Tageszeitung "Ich muss es auch effektiv überwachen können" Eben.

Neujahrsmorgen 
Und der Ruhepol? Kaum zu glauben, in diesem Inferno war das Bohlwerk der einzige Ort im Hafen, an dem keine Raketen abgeschossen wurden. Den im letzten Jahr endlich installierten Toren und dem zuverlässige "Torwächter" Axel zum Dank konnten die Schiffeigner endlich einmal Silvester ohne Sorge um ihre maritimen Schmuckstücke verbringen.

Eine andere Sorge konnten die Tore jedoch nicht abwehren. Während der Nacht  sank der Wasserstand im Hafen um mehr als einen Meter und der Neujahrsmorgen sah die Traditonsschiffe weit unterhalb der Bohlwerkskante. Bei den Lüttfischern lagen die letzen beiden Boote derweil schon auf Grund. Aber kein Problem. Alle Festmacherleinen waren lang genug und keines der Boote hatte sich "aufgehängt". Wäre ja auch ein schlechter Start ins neue Jahr gewesen.

Bleibt nur der Wunsch, dass dem dem guten Start ein gutes Jahr folgt. In diesem Sinne "Willkommen 2019!"

Am Morgen nach dem Abend vorher. Ist das Wasser erst einmal so niedrig, kann es danach nur noch steigen.