03.10.19 Werftbilder

Es gibt noch Werften, die sich um traditionelle segelnde ehemalig Berufsfahrzeuge verdient machen. Um sie kennenzulernen, muss man allerdings Flensburgs hinter sich lassen. Wir haben heute nach längerer Pause wieder einmal die Weft von Chr. Jonsson in Egernsund besucht und uns mit der Kamera umgesehen.


Ist schon ein merkwürdiges Gefühl, den Ort aufzusuchen, wo das eigene Boot fast zwanzig Jahre lang regelmäßig gewartet und, wenn nötig auch repariert wurde. Jetzt liegt der vereinbarte Termin für die jährliche Wartung einen Monat zurück. Wir haben ihn abgesagt, weil wir unsere WIEBKE BOHLEN, segelnder Lebensmittelpunkt und schwimmendes Sommerhaus vorher in neue Hände gegeben haben. Wir trafen einige alte Bekannte, redeten über Boote und die Welt und alles war wieder fast so wie früher. Hier nun einfach ein paar Bilder.

Der historische Ewer KAREN aus Fanø ...
... nähert sich dem Ende seiner Restauratio
Fast ein Neubau, aber nur fast
Traditionelles Bootsbauer- Handwerk

Alte Bekannte aus Flensburg. Hier: AURORA von ALTONA
und CHARLOTTE
VEGA mit Glühkopfmotor mal von hinten ...
... und mal von vorne betrachtet
E 87 RUTH mit eingezogemen Klüverbaum ...
... wird gerade aufgeriggt
STORE BJØRN (li) und CASTOR im Päckchen draußen ...
... und kerniger Duft von Eichenholz drinnen

22.09.19 SEUTE DEERN schwimmt wieder

Beim zweiten Anlauf und mit stärkeren Pumpen konnte der einhundert Jahre alte Squarerigger wieder auf seine Wasserlinie gebracht werden. 

Der NDR hat vor wenigen Minuten den aktuellen Stand veröffentlicht.











21.09.19 SEUTE DEERN: Bergung begonnen

Seit 14:00 Uhr laufen die Pumpen mit denen das Wasser aus dem Rumpf des im Hafen am Deutschen Schifffahrtsmuseum gesunkenen hundertjährigen Frachtseglers.

Zuvor wurden 20 Luftsäcke an Gurten befestigt, die in den letzten Tagen durch Taucher unter dem Rumpf hindurch geführt wurden. Dafür musste der Schlick auf dem Hafengrung an den jeweiligen Stellen entfernt werden. Die Arbeiten erforderten mehr Zeit als geplant.

Das Online Portal von Nord24 hat soeben ein Video veröffentlicht zum Stand der Bergung der hölzernen Dreimastbark. Darin informiert der Leiter der Aktion von Möller Survey über die Risiken:




18.09.19 SEUTE DEERN soll morgen schwimmen

Vor fast drei Wochen sank die hundert Jahre alte und sanierungsbedürftige Dreimastbark des Deutschen Schifffahrtsmuseums in Bremerhaven an der Pier des Alten Hafens. Morgen soll sie wieder aufschwimmen.

SEUTE DEERN
Foto: buten un binnen
Seit Anfang des Monats wurde die Bergung des Dreimasters aus dem Jahr 1919 geplant und vorbereitet. Unmittelbar nach dem nächtlichen Unglück wurde Bremerhavens Oberbürgermeister Melf Grantzhof in der Kreiszeitung mit der Hoffnung zitiert, das Wahrzeichen der Stadt an der Wesermündung bergen und restaurieren zu können. Schon bald danach liefen die Vorbereitungen an. Zunächst wurden Teile der schweren Takelage entfernt. Das sollte ein Kentern bei der Bergung verhindern. Zudem wurde der Rumpf unter Wasser mit einem Tauchroboter per Kamera untersucht, um den Zustand des desolaten Rumpfes genauer zu erfassen. Auch das eine Sicherungsmaßnahme, um weiteren Schaden an dem Wahrzeichen der Stadt zu verhindern. Dass die SEUTE DEERN schwer heruntergekommen war, ist schon vorher bekannt gewesen. Gelder wurden für ihre Sanierung bereitgestellt. In der Presse wurden wurden große Beträge genannt, 1,4 Millionen Euro allein für die Planung, 30 Millionen für die Sanierung. Jetzt werden zusätzlich über eine Million für die ungeplante Bergung genannt.

Mittlerweile ist die eigentliche Bergung angelaufen. Taucher haben Hebegurte durch den Schlamm unter dem Rumpf gezogen, an denen morgen Luftkissen für den notwendigen Auftrieb angebracht werden. Zudem wurden die Leckstellen im Rumpf so weit möglich geschlossen. Während das Wasser durch Pumpen aus dem Rumpf geschafft wird, soll das Schiff aufschwimmen. Kritisch bleibt die Gefahr, dass das "Süsse Mädchen" während des Manövers kentert. Schließlich konnte der Rumpf soweit er im Schlamm steckt nicht untersucht werden und auf eine Besichtigung von innen durch Taucher wurde verzichtet um sie nicht zu gefährden.


Wie es nach einer erfolgreichen Bergung weitergeht ist indessen noch unklar. Man will überlegen, ob die zugesagten Mittel tatsächlich in voller Höhe bereitgestellt werden. Darüber werden die Stiftung Deutsches Schiffahrtsmuseum und die Politik entscheiden. Der Ausgang ist ungewiss. 

06.09.19 Das gab's nur einmal...

... das kommt nicht wieder/ das war zu schön um wahr zu sein./ So wie ein Wunder fiel auf uns nieder/ vom Paradies ein gold'ner Schein.
Heute endete das Wunder. Nach vier Tagen reiste Königin Margarethe II. mit ihrer Yacht in Richtung Kopenhagen ab. 



Am Tag ihrer Ankunft vor vier Tagen sagte sie in einer Rede wie sehr es sie berührt, dass so viele Menschen zu ihrer Begrüßung erschienen sind und dass sich so viele in Deutschland Geborene Dänemark zugehörig fühlen. Zum Abschied heute haben sich trotz des Regenwetters wieder Viele auf der Schiffbrücke eingefunden, darunter viele Kinder mit Dannebrog-Fähnchen aber auch ältere und alte. Man spricht dänisch und deutsch, harrt ruhig auf die Ankunft der Königin. Sie soll mit einer größeren Eskorte anreisen, hört man. Die Zeitung hat 16:30 Uhr als Termin angekündigt, aber es wird dann doch noch etwas später. Vielleicht ist es bei Königinnen so, wie bei anderem lieben Besuch. Man mag sich nicht trennen und so vergeht die Zeit. 
Die Gangway liegt schon bereit, die Königin kann kommen. Am Fuß der langen Treppe steht eine blonde Soldatin in schmucker Uniform und hält mit der Hand am Rapier Wache. An Deck Offiziere mit weißen Mützen und Seesoldaten in weißen Hosen zu schwarzblauen Uniformjacken. Man kann ja zum Militär stehen wie man will, aber solche Uniformen machen schon Eindruck. Das auf Ironie getrimmte Kleinhirn lässt das Wort "Operette" durch die Synapsen zittern, aber das Gefühl sagt, sieht so aus, trifft es aber nicht den Kern der Sache. Die spürbare Vorfreude vieler Wartender spricht dagegen. Das hier ist nicht eine beliebige Show.

Jetzt zucken blaue Lichter über die Fassade des Hotels "Hafen Flensburg". Die Vorauseskorte der Polizei mit sieben Motorrädern kündigt sich an, gefolgt von einer Kolonne großer schwarzer Limousinen. Im Fond, die Scheibe ist herabgelassen, eine Dame mit großem Hut. Nein, das ist sie doch wohl noch nicht. Dann verstellen andere Schaulustige die Sicht. Jetzt sammeln sich an Deck immer mehr Besatzungsmitglieder und nehmen Haltung an. Und dann steigt die Königin auf die Gangway und begrüßt die Wartenden an Deck und an Land. Dänische Lieder werden gesungen, viele Stimmen fallen ein. Das sind keine einstudierten Chöre, da singen Leute wie Du und ich. In den Augen mancher alten Männer und Frauen glitzern Tränen. Ein Mann in der Menge reckt seine Mittelfinger hoch. Andere raunen sich zu: "Einfach ignorieren".
Als die Königliche Yacht schließlich den Hafen verlässt, leert sich der Platz auf der Schiffbrücke nur langsam. Der Staatsgast ist abgereist. Einen solchen Besuch werden wir wohl nicht noch einmal erleben.


03.09.19 Tag der Symbole

Was nur alle vierzig Jahre passiert, verdient größere Beachtung als das Tagesgeschäft. Heute ist so ein Tag: Die Königin von Dänemark wird mit der Königlichen Yacht in den Flensburger Hafen einlaufen um hier vier Tage lang zu verweilen.





Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus. Gestern wurden die Parkplätze an der Schiffbrücke komplett gesperrt. Heute morgen geschäftiges Treiben im Hafenquartier. Schon kurz nach neun holt ein Nachbar mit ein rotem T-Shirt (Aufdruck "Danmark") gewandet, eilig sein SUP-board, um vermutlich ihre Dänische Majestät beim Einlaufen in den Flensburger Hafen auf eigenem Kiel zu begrüßen. Die Bea (Beste Ehefrau von allen) des Hafenmelders ist schon mit rotem Rock und und passendem Top mit der Kamera auf dem Weg zum Hafen. Der Hafenmelder muss die Stellung halten: Die im Versandhandel bestellten roten Sandalen kommen wieder mal zu spät, könnten aber heute noch kommen.

Flensburg voller Symbole. Die Königin - Symbol der Identität unseres Nachbarn im Norden, Der Besuch - Symbol ihrer Verbundenheit. Das Rot - Symbol der Nation. Symbole sogar vom Himmel gespendet: Es regnet. Wie sangen wir als Kinder? Gott segnet, die Erde wird nass! Zeus näherte sich Danae als goldener Regen. Der Boden braucht Nässe so sehr wie Menschen royale Huld besonders wenn kein Gold vom Himmel fällt wie in der mythischen Geschichte. 
Und dann - ja dann erscheint die Royale Yacht im Hafen, fast 80 Meter lang, strahlend weiss mit goldener Bugzier und Seesoldaten an Deck, in adretten Uniformen. Der Regen hat aufgehört, die Menge an der Hafenkante klappt die Schirme zu. Und jetzt: DIE KÖNIGIN! Ein Kommando -  die Soldaten salutieren Ihre Majestät schreitet über die Gangway an Land und lächelt. Kinder mit Dannebrog - Fähnchen winken und jubeln. 



Schiffbrücke bereit zum Empfang
KDM DANNEBROG dreht ein zum Anlegen




Gleich wird sie angekommen sein ...
... und das Begrüßungskommitee muss nicht länger warten


































Mehr Fotos gibt's auf Facebook

02.09.19 Nicht perdü

Jeder denkt sie sind perdü, aber nein noch leben sie (Max und Moritz, sechster Streich)
Man kann sich kaum etwas Toteres vorstellen, als einen Bahnhof, in dem keine Züge ankommen oder abfahren. Mit Häfen ist es ganz ähnlich. Man könnte meinen, ohne Bens Fischhütte wäre im Museumshafen überhaupt nichts mehr los. Aber weit gefehlt. Bei den Lüttfischern geht noch was.



Erst vor zwei Tagen fragte uns ein Nachbar, ob es am Bohlwerk noch sowas wie Vereinsleben gibt. Als ehemalige langjährige Mitglieder konnten wir darauf nicht verbindlich antworten. Aber der Blick in die Aktuellen Schiffsmeldungen zeigt, dass es, abgesehen von den Großveranstaltungen, bisher in diesem Jahr erheblich weniger Schiffsbewegungen im Museumshafen gab, als im letzten Jahr. Allein im Juli waren es 75% weniger Ab- und Anlegemanöver. Nimmt man die Manöver bei Tagesausflügen hinzu, war der Unterschied noch größer, denn pro Boot gibt es nur eine Meldung  pro Tag. Und im gerade verstrichenen August war der Unterschied minus 68%. Aber auch sonst sieht man nur wenig Aktivität auf und an den Schiffen. Die meisten liegen da wie bestellt und nicht abgeholt. 

Das gilt aber nur für die unmittelbar am Bohlwerk liegenden "großen" Boote. 

Anders ist es am abseits gelegenen Anleger der Lüttfischerjollen. Wie es aussieht, gibt es hier zuwenig Platz für alle; einige liegen schon geraume Zeit am Ponton der Museumswerft gegenüber
Und heute bekamen wir dazu noch eine erfreuliche Mail mit aktuellen Bildern von den Jollenseglern: 
"Hallo Ihr beiden,  es ist vollbracht...der Fischerjollenanleger, der seit einem Jahr kräftigen Zulauf bekommt, hat sich am Freitag und Samstag wie die Krabben über das Bootshaus hergemacht.Die Hütte stahlt nun wieder in Ihrem elegant schwarzen Kleid.Zeitweise waren ca. 8 Menschen rund um die Hütte beschäftigt lose Substanz zu entfernen, die Türen zu weißen und neue Teerfarbe auf die zum Teil Morschen Bretter zu streichen... frei nach dem Motto Arbeit zieht Arbeit nach sich, hat sich leider herausgestellt, daß es einige morsche Stellen gibt, die zum Teil ausgebessert wurden. Wie im wahren Leben kommen wir nicht drumrum die Seite zur Wasserschutzpolizei komplett zu erneuern.Bei strahlendem Wetter war es eine Freude das Bootshaus zu pflegen. Alles im Allen eine tölle Aktion, die allen Nutzern zu Gute kommt und am Freitag Abend in eine Geburtstagtparty mündete."
Tatsächlich: Bei dem Spaziergang heute zeigte sich die Hütte in strahlendem Schwarz und die Türen und Fenster in hellem Lack ließen sie noch frischer wirken. 


Lüttfischer in Aktion
Foto; Sven Keller

02.09.19 Velkommen til Flensborg!

Morgen  wird die Dänische Königin Margrethe II mit ihrer Yacht DANNEBROG für einen viertägigen Besuch im Flensburger Hafen erwartet - zum ersten mal seit 1978.



HDMY Dannebrog (A540) 2017-08-16.jpg
KDM DANNEBROG
Foto: Wikipedia
Königliche Hoheiten aus Dänemark sind in Flensburgs Umgebung immer wieder zu Besuch. Wer auf dem Nybol Nor bei Gravenstein segelt, kann schon mal Prinz Frederik begegnen, wenn er mit seinem Drachenboot einen Segelausflug macht. Kein Wunder, Schloss Gravenstein, die Sommerresidenz des Dänischen Königshauses, ist gleich nebenan. 
Seltener ist die Königsyacht DANNEBROG auf der Förde zu sehen. Aber ab morgen wird sie gleich vier Tage lang im Flensburger Hafen festmachen. Das geht natürlich im meist ruhigen business as usual des von Freizeit- und Handelsschiffahrt geprägten Hafens nicht unter. 

Damit Ihre Königliche Majestät sicher und so weit möglich auch unbehelligt an Bord leben kann, werden die Parkplätze als Teil einer Sicherungszone rund um die Königliche Yacht komplett gesperrt. Schon heute gab es kein Erbarmen für Parkplatz suchende Autofahrer. Selbst Fußgänger und Radfahrer wurden vom überwiegenden Teil der Promenade abgewiesen. Ein ungewohntes Bild, ist doch dieser Teil der Kaikante mittags meist gut besucht.

Die Königin ist zwar dafür bekannt, dass sie offen auf Menschen jeder Herkunft zugeht, allerdings nur, wenn man ihr nicht gar zu nahe kommt. Leontine Gräfin von Schmettow schreibt in NDR.de dazu: "Wir wissen, dass die skandinavischen Königshäuser gar nicht so auf Etikette pochen. Aber wenn man es genau nimmt und alles richtig machen will, dann sollte man vielleicht bei der Begegnung mit dieser Königin warten, bis man selber angesprochen wird. Man sollte ihr nicht die Hand reichen, bevor sie nicht signalisiert, dass sie einen begrüßen möchte. Man kann als Frau einen Knicks machen. Man muss es aber nicht. Und das gleiche gilt für den Herren. Man kann mit einem leichten Nicken des Kopfes eine Verbeugung andeuten. Wichtig ist bis heute noch die richtige Anrede - also "Majestät". Und als Regel Nummer fünf: Vielleicht eine gewisse Distanz bewahren. Wir wissen: Königinnen und Könige möchten nicht gerne umarmt werden. Zuviel Körperkontakt gefällt den Monarchen nicht." Das können wir nachvollziehen. Nur das mit dem Knicks müssten wir wohl noch ein wenig üben. Wer die Königin besonders begrüßen möchte, sollte mit einem Dannebrog winken, der bekannten Dänischen Nationalflagge oder rote Kleidungsstücke tragen. (Für die Peniblen unter uns: Der originale Farbton ist RGB-Hex-Code E31836).

Dem Dänischen Generalkonsulat in Flensburg zufolge gilt der königliche Besuch tatsächlich als Auftakt für die offiziellen Feierlichkeiten im nächsten Jahr zum 100. Jahrestag der Festlegung der deutsch-dänischen Staatsgrenze. Die Grenze war nach einer Volksabstimmung im Jahr 1920 gezogen worden. Im Norden Schleswig-Holsteins verblieb die dänische Minderheit, der heute etwa 50.000 Menschen zugerechnet werden.

Margrethe II, erfahren wir aus dem Flensburger Tageblatt, sieht sich als Königin aller Dänen, egal ob sie im In- oder Ausland leben. Die Südschleswiger Dänen stehen ihr vermutlich besonders nahe. Diese gibt es unter diesem Namen seit 1920, als die heutige Grenzlinie zwischen Deutschland und Dänemark festgelegt wurde; Königin Margrethe entstammt dem Haus  Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg und ihr Ururgroßvater war Prinz Christian von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg, ab 1863 König Christian IX. von Dänemark. Das mag ihre besondere Nähe erklären. 

Ihre Majestät besucht in dieser Woche unter anderem ein dänisches Pflegeheim und die Duborg-Skolen in Flensburg. Die dänische Minderheit lädt die Königin außerdem in die A.P. Møller Skolen in Schleswig ein. Außerdem besucht sie die historische Grenzbefestigungsanlage Danewerk, Schloss Gottorf in Schleswig und das Wikingermuseum Haithabu. Außerdem im Programm der Königin: Friedrichstadt, eine dänisch-friesische Schule in Risum-Lindholm, das dänische Unternehmen Danfoss, das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein und das Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel.
Am kommenden Freitag reist sie wieder ab. Natürlich mit der DANNEBROG. Dann heisst es an der Schiffbrücke wieder "freie Bahn" für Radler, Fußgänger und Parkplatzsuchende. 
Bis dahin sagen wir "Velkommen til Flensborg!"

Über das das Schiff:
Die KDM DANNEBROG, so der offfizielle Name, wurde nach der Dänischen Nationalflagge benannt. Sie wurde von 1931-1932 auf der Marinewerft in Kopenhagen gebaut und ersetzte die königliche Yacht von 1879, einen Raddampfer, der ebenfalls DANNEBROG hieß.
Sie hat zwei Funktionen. Zum einen ist sie in Friedenszeiten "Königliche Yacht", in Zeiten von Notstand oder Krieg kann sie als Lazarettschiff eingesetzt werden. Das Schiff ist eine genietete Stahlkonstruktion auf Querspanten, es hat einen Klipperbug und ein elliptisches Heck. In der Seitenansicht gliedert es sich in zwei Sektionen: Vor dem Schornstein ist der Raum für die Mannschaft, Ladung, und die Maschinenanlage. Das Königliche Logis ist im hinteren Teil untergebracht. Hier können im Notfall auch die Patienetn untergebracht werden, wenn das Schiff als Lazarett genutzt werden soll. Bei Besuchen in Dänischen oder ausländischen Häfen, wird das überdachte Achterdeck für Empfänge genutzt.

Die Königlichen Gemächer umfassen Räumlichkeiten für die Königin und den Prizgemahl, einen Speisesalon einen Aufenthaltsraum, das Schlafgemach etc. Die Bauherrin Königin Alexandrine hat die Inneneinrichtung nach ihren persönlichen Vorstellungen gestaltet. Das Königliche Appartement enthält Möbel und Einrichtungsgegenstände der vorherigen Königlichen Yacht von 1879.
Die Royal Yacht Dannebrog ist ein unabhängiges Kommando, das vom Chef des Marinehaushalts der Königin verwaltet wird. 
Technische Daten: 
Verdrängung:1,238 t 
Länge:78.43 m 
Breite:10.4 m 
Höhe:32 m 
Tiefgang:3.62 m 
Antrieb:
Geschwindigkeit:13.5 knots (15.5 mph; 25.0 km/h)
Radius:3,600 sm (6,700 km)
Besatzung:9 Offiziere und 43 Mann der Königlichen Dänischen Marine
(Wikipediain Auszügen übersetzt von HAFENMELDUNGEN)

01.09.19 Bark SEUTE DEERN gesunken

Wer bisher angenommen hat, dass der Denkmalschutz ein Denkmal schützt, wurde jetzt eines Besseren belehrt. Die vor 14 Jahren mit dem besonderen Schutzstatus ausgezeichnete Dreimastbark SEUTE DEERN aus dem Jahr 1919 ist gestern Abend im Alten Hafen von Bremerhaven auf Grund gegangen. Damit ist ein weiteres mal ein "letztes Schiff seiner Art" in Not geraten. 
Foto: NDR

Erst vor drei Monaten ging die Nachricht vom spektakulären Unfall des Lotsenschoners Nr. 5 ELBE durch die Presse. Der gerade erst aufwendig restaurierte, ebenfalls denkmalgeschützte 136 Jahre alte Segler sank nach einem spektakulären Zusammenstoß mit einem Container Feeder. Zurzeit wird die Überführung zur erneuten umfangreichen Reparatur auf der Werft in Hvide Sande in Dänemark vorbereitet.

Während die ELBE am hellen Tag und vor den Augen zahlreicher Zeugen mit dem Frachtschiff zusammenstieß, spielte sich das Drame der SEUTE DEERN nahezu unbemerkt ab. Das Hamburger Abendblatt berichtet, dass ein Passant um 21.30 Uhr die Feuerwehr alarmiert habe, weil das Schiff Schlagseite nach Steuerbord entwickelt habe. Der Rahsegler lag zu der Zeit an seinem Liegeplatz im Alten Hafen. Weiter erfahren wir, dass die 39 Einsatzkräfte das Schiff zu ihrer eigenen Sicherheit  wieder verlassen mussten, zumal die Festmacherleinen zu brechen drohten und die ersten Planken im Rumpf gebrochen waren. Vor Mitternacht zwei Meter tiefer als vorher und saß auf dem Hafengrund. 


Das hunderste Jahr des historischen Schiffes steht offensichtlich unter einem bösen Stern. Mitte Februar brach im Abluftkanal einer Abzugsanlage ein Brand aus. Das war jedoch nicht der einzige Tiefpunkt im langen Leben des Seglers. Nach einer Recherche von "Buten un Binnen" machte sie von Beginn an "Ärger", musste ständig gelenzt und oft repariert werden. In Bremerhaven, wo sie seit 1966 zuhause ist, wurde sie grundsaniert. Aber bis 2005, als ihr der Denkmalschutz-Status zugesprochen wird, verschlechterte sich ihr Zustand wieder. Pro Tag mussten zuletzt lt. NDR 150 Tonnen Wasser aus dem Rumpf gepumpt werden. Als Ursache dafür dass sie jetzt im Hafen gesunken ist, wird durch ein Versagen der Pumpen vermutet. 

Es gab bereits Überlegungen, was mit dem Aushängeschild vom Deutschen Schifffahrtsmuseum und von der Stadt Bremerhaven geschehe solle. Da wird ein Gesamtumfang von 30 Millionen Euro genannt. An anderer Stelle wird berichtet, im Mai seien 1,4 Millionen sollten für erste Sanierungsarbeiten bereitgestellt. werden. Laut der Kreiszeitung hat Bremerhavens Oberbürgermeister Melf Grantz weiter Hoffnung für das historische Segelschiff. „Auch wenn die „Seute Deern“ schwer beschädigt ist, müssen wir das Schiff zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht aufgeben“, sagte er am Samstag. Entscheidungen zum Wahrzeichen der Stadt müssten mit großer Sorgfalt vorbereitet werden.
In der nächsten Woche soll sich ein Gutachter, den das Deutsche Schiffahrtsmuseum als Eigentümer des Seglers bestellt hat, ein Bild über die entstandenen Schäden verschaffen und zu ersten Ergebnissen kommen.

30.08.19 Gerettet!

Wer in Flensburg die lange Treppe von der Rathausstraße zum Museumsberg hinauf steigt, wird durch den Blick auf eine anrührende Bronzeplastik belohnt. Nun haben wir bei einem Besuch der Deutschen Nationalgalerie in Berlin die gleiche Plastik wiedergesehen.

Der Fischer - Gerettet von Adolf Brütt (1887/1892)
Ein bisschen kann einem der Fischer mit der jungen Frau schon leid tun. Da hat er - vermutlich selbstlos - ein Menschenleben vorm Ertrinken gerettet und zum Dank muss er auf ewig und fern ab von jedem Wasser die hoffentlich noch lebende Schönheit mit sich herumschleppen. Und das dazu noch in der Hitze des Sommers bei 35 Grad im Schatten vor der Deutschen Nationalgalerie. Wo der nur mit seiner wohlgeformten Last herkommt? Vermutlich nicht vom Historischen Hafen Berlin am Märkischen Ufer der Spree. Da laufen genügend Leute herum, die einen Rettungswagen gerufen hätten. Das Flensburger Pendant der Berliner Plastik ist aus demselben Grund vermutlich nicht beim Historischen Hafen Flensburg aus dem Wasser geklettert.
Wir verdanken die lebensgroße Bronzegruppe dem Husumer Bildhauer Adolf Brütt. Er war seinerzeit führender Vertreter des "Norddeutschen Realismus", hochdekoriert und weithin bekannt. Da hätten die Plastik und ihre Kopien eigentlich realistische Standorte verdient.

Tatsächlich liegt der Ursprung des anrührenden Bildwerks an der Kieler Förde. Zumindest hat das der Künstler der Nachwelt hinterlassen: Ein Unglück an der Kieler Förde habe ihn zu dieser Skulptur angeregt. Dort hat man ihm diese Arbeit gedankt: Eine Kopie von "Gerettet" steht in Heikendorf - ganz realistisch und nahe beim Wasser.

22.08.19 Muß man hin und sehen

Oliver Berking hat America's cup nach Flensburg geholt. Die ehrwürdige weltberühmte Kanne ist ein Highlight unter vielen der aktuellen Ausstellung im Robbe & Berking Yachting Heritage Center. Sie wurde heute Abend im Kreis zahlreicher Gäste eröffnet. Der Americas Cup, das älteste Yachtrennen der Welt wird seit 1870 ausgetragen. Thema der Ausstellung ist "die Geburtsstunde der ältesten Trophäe im Segelsport und die Entwicklung hin bis zur neuen Zeit". 



Schoner AMERICA, Namensgeberin der
Regatta
© America's Cup
"America's Cup" heisst auch die Trophäe der Regatta. Sie verdankt ihren Namen dem Schoner AMERICA vom NY Yacht Club, der sie 1851 in einer Regatta gegen 15 Yachten des Royal Yacht Squadron aus dem Vereinigten Königreich gewann. Nach dem Sieg vor der Isle of Wight dauerte es noch bis zum Jahr 1870 als das Rennen unter dem bis heute gebräuchlichen Namen "America's Cup" ausgetragen wurde.

"Den Pokal, den das erfolgreiche Syndikat erhielt, übergab es dem New York Yacht Club mit der Auflage, dass der Pokal von anderen Yachtclubs, die aus anderen Nationen stammen müssen, herausgefordert werden könne" (WIKIPEDIA). Und weiter: "Die Amerikaner verteidigten den Pokal in einer unvergleichlichen Siegesserie 132 Jahre lang (von 1851 bis 1983) bei 25 unregelmäßig stattfindenden Wettbewerben."
Während die nach dem legendären Schoner AMERICA genannte Regatta immer noch gesegelt wird, wurde die Namensgeberin 1942 abgewrackt. Sie war in einem Schuppen der U.S. Navy verrottet.








Die Trophäe ist eine nach heutigem Geschmack ziemlich gewöhnungsbedürftig gestaltete "alte Kanne" aus versilbertem Zinn. Der Royal Yacht Squadron hatte den Pokal für 100£  erworben. Aber bekanntlich entsteht Schönheit im Auge des Betrachters; zumal, wenn er die Kanne gewonnen hat. Von dem knapp 70 cm hohen Original gibt es nur sechs Kopien. Eine davon wird in der Ausstellung des Robbe& Berking Yachting Heritage Center präsentiert. Wer sie sehen will, muss sich aber ziemlich hoch recken. Sie schwebt, für die Betrachter unerreichbar, weit über den Köpfen. Die meisten Besucher werden das gute Stück in ihrem Leben vermutlich nur einmal zu sehen bekommen und das hier in Flensburg.







Über die "100 Sovereign-Kanne" schreibt die amerikanische Zeitschrift Boat:
"Der America's Cup ist eine besonders hässliche Trophäe - und ihr fehlt ein Boden, so dass man noch nicht einmal aus ihr trinken kann aber dennoch haben einige der reichsten Männer in der Geschichte hunderte Millionen Dollar ausgegeben bei dem Versuch, sie zu gewinnen. Unsummen für den Cup auszugeben ist eine Tradition, die unmittelbar zu seinem Ursprung zurückführt. John Cox Stevens, commodore des New York Yacht Club, leitete 1851 ein sechsköpfiges Syndikat, dass den 31 Meter großen Schoner AMERICA  über den Atlantik brachte um Preisgeld zu gewinnen. Sie forderten jedermann, ohne Rücksicht auf Alter, Befähigung oder Erfahrung zu einer Wette über 10.000$ auf den Sieg heraus, aber niemand wollte darauf eingehen. ... Sie gewannen im Rennen eine Trophäe im Wert von 100£. Aber durch den überzeugenden Sieg stieg der Wert des Schoners und so konnte er für 5000$ über den Anschaffungspreis verkauft werden. Seitdem wurden Unsummen für den Versuch ausgegeben, den Preis nach England zurückzuholen. Der hartnäckigste Herausforder war Thomas Lipton. Geboren in Glasgow, wo seine Eltern ein Lebensmittelgeschäft besaßen, verließ er sein Elternhaus im Alter von 14 Jahren mit acht Dollar in der Tasche und kam als Millionär zurück. In diese Zeit fallen die ersten seiner fünf Herausforderungen für den America 's Cup. Im Jahr 1899 kontrollierte er 10 Prozent des weltweiten Teemarktes, aber er gewann nur zwei der 16 Rennen, in denen er für die Trophäe konkurrierte." 
(auszugsweise Übersetzung von HAFENMELDUNGEN)
Die Magie des America's Cup wirkt bis heute. Die nächste Ausscheidung, die 37ste, findet 2021 in Auckland, New Zealand statt.   

Gäste, das Modell der RELIANCE und der Cup
Herz der Ausstellung ist das Modell der Yacht RELIANCE. Durch seine schiere Größe beherrscht das Prachtstück die Halle des Yachting Heritage Centre. Das Urteil der Besucher über diese einzigartige Attraktion ist dennoch einhellig positiv ausfallen. Die originale Yacht aus dem Jahr 1903 war mit ihrer Länge über Alles von rund 61 Metern und einer Segelfläche von 1500 m² die größte, die je für eine Regatta um den America's Cup gebaut und gesegelt wurde. Das Modell steht dem Original in Punkto physischer Größe in nichts nach - bei einem Maßstab von 1:6 und somit 10 Metern Gesamtlänge und ebenfalls zehn Metern Höhe bis zum Masttopp. Das Modell hat Sandy Lee vom Herreshoff Museum in Bristol, Rhode Island gebaut, es ist als Leihgabe nach Flensburg gekommen. Wer es betrachtet, bekommt unmittelbar einen Eindruck von der gewaltigen Größe des Originals. Das liegt auch an den maßstabgerechten Figurinen des damaligen Rudergängers Charlie Barr und einiger andere Yachtleute an Deck. In Kampfstärke besetzt, brachten 60 bis 70 Profisegler die riesige Yacht an den Wind. Sie soll damals 175.000 $ gekostet haben. Das sind nach heutigem Wert etwa dreihundert Millionen Euro. Vor dem ersten Weltkrieg waren internationale Ausscheidungen Maßstab für das Prestige der Industriestaaten. Da spielte Geld nur die zweite Rolle. Der zeitgenössische Yachtdesigner G.L. Watson spottete damals: "Als Ballast empfehlen wir Platin; sollte der Auftraggeber wegen der Kosten grummeln, nehmen wir eben Gold."





Über den America's Cup ist in der Ausstellung viel zu erfahren. 


Alleine schon die originalen Halbmodelle der Siegeryachten zu betrachten ist eine eine Zeitreise durch den Yachtbau. Sie beginnt mit großen Schoneryachten, teils mit Schwenkkiel über die nicht minder großen J-Jachten bis zu den Hydrofoil-Konstruktionen von heute. Nicht zu vergessen die 12-er, die Jahrzehnte lang um den America's Cup segelten und die wir immer wieder auf der Förde unter Segeln sehen können. Dazu zahlreiche kleine und große Modelle weiterer Yachten. Bei nahezu jedem könnte man stundenlang die maßstabgerechten Details der Rümpfe und Riggs erkunden. Wer das beginnt, erlebt ein Kopfkino besonderer Güte. Dazu originale historische Filme, die bisher nicht gezeigt wurden. 
Aber verweilen wir noch bei der RELIANCE. Die Riesenyacht, entworfen von N. Herreshoff, gewann 1903 das Rennen gegen SHAMROCK III von W. Fife. Schnell auf der Regattabahn, ging es mit ihr danach auch schnell zuende. Denn, technisch auf der Höhe ihrer Zeit, war sie unter anderem aus Tobin Bronze (Messing) auf Stahlspanten gebaut, die einen Bleikiel von 102 Tonnen trugen. Auch damals hätte man diese Werkstoffe nicht mehr ohne weiteres zusammen verarbeitet. Denn zusammen mit Salzwasser eignet sich diese Kombination hervorragend als
 Stromquelle. Zeitgenossen nannten RELIANCE daher zutreffend eine "schwimmende Batterie". Aber der Konstrukteur hatte die Auftraggeber vor der Korrosionsgefahr gewarnt und prophezeit, dass sie das erste Jahr nicht überstehen würde. Aber sie sollte nicht dauerhaft, sondern schnell sein, meinten die Kunden. Tatsächlich wurde sie nur ein Jahr nach dem siegreichen Rennen gegen SHAMROCK III abgewrackt. Den Auftrag dazu bekam die Abwrackwerft folgerichtig gleich nach dem Baubeginn der Yacht. SHAMROCK III verlor die Regatta, überdauerte aber bis 1920. 

"The America's Cup, the history of the oldest and one of the most fascinating trophies in sports", so der offizielle Name der Ausstellung. Der Besuch lohnt sich. Wir konnten schon mal beim  "making of" reinschnuppern.


Rigging-up  RELIANCE's model
Zeichnung W.Kühn



21.08.19 Lotsenschoner Nr.5 aktuell

Der NDR berichtete über den aktuellen Stand der Wiederherstellung des historischen Lotsenschoners, der am 08. Juni auf der Elbe mit einem Containerfrachter kollidierte, in einer Blitzaktion nach Stadersand geschleppt wurde wo er sank und wieder gehoben wurde. Seine letzte Station war die Peters Werft in Wewelsfleth. Nun ist entschieden, wo das alte Holzschiffe wieder instand gesetzt werden soll. 
Die Kollision am 08. Juni 2019
Foto: Daniel Beneke

Freiwillige Feuerwehr Hansestadt Stade

Wenige Monate bevor das Segelschiff mit dem Frachter CMS ASTRO SPRINTER zusammenstieß, hatte es die Hvide Sande Shipyard (DK) nach einer aufwendigen Restaurierung verlassen. Diese Werft soll nun voraussichtlich auch den Unfallschaden beseitigen. Denn einem Bericht des NDR zufolge wurden etliche Planken und Spanten gebrochen auch soll sich der Rumpf unter der enormen Wucht des Zusammenpralls verzogen haben. Der Sender zitiert Joachim Kaiser, Vorstand der Eigentümerin, Stiftung Hamburg Maritim, es habe sich auf eine Ausschreibung "keine andere Werft gemeldet, die sich an den mehr als 130 Jahre alten Schoner herantraut". Auf der Petersen Werft soll der Havarist in den nächsten Wochen soweit schwimmfähig gemacht werden, dass er die Reise im Schlepp nach Hvide Sande auf eigenem Kiel überstehen kann. Weiterhin wird berichtet "Wie lange die Arbeiten nun dauern ist nicht absehbar. Auch die Reparaturkosten sind noch unklar."

Unklar ist auch, wann der abschließende Bericht der Bundesstelle für Seeunfalluntersuchungen (BSU) veröffentlicht wird. Unabhängig vom Ergebnis der Ermittlungen veröffentliche die BSU eine Sicherheitsempfehlung zu dem "sehr schweren Seeunfall". Darin wird Eignern und Betreibern von Traditionsschiffern die mehr als zwölf Fahrgäste befördern empfohlen "zu prüfen, ob die Sinksicherheit im Leckfall für den 1-Abteilungsstatus erfüllt ist und ggfs. wasserdichte Schotten einzubauen." 

Artikel der HAFENMELDUNGEN zu Lotsenschoner Nr. 5 ELBE

25.07.19 Besuch besonderer Freunde

Nach drei Tagen in Flensburg sind unsere Freunde aus Norwegen auf ihrem Heimweg. Sie unternehmen die Reise mit einer ganz besonderen Yacht. Hier ein Porträt.

Das Boot heißt RAAK. Es wurde 1914 nach einem Entwurf des Norwegers Bjarne Aas nach der Meterformel als "Zwölfer" gebaut. Bjarne Aas zählt den besten Yachtdesignern der ersten Hälfte des  20. Jhdt. und hat unter anderen auch die Viking Einheitsklasse entworfen, zu der  die BRITTA am Steg der Klassischen Yachten im Historischen Hafen gehört. 

RAAK ist aber nicht allein durch ihren Konstrukteur exklusiv, sondern auch durch ihr für eine Yacht beachtliches Alter von 115 Jahren. Dazu ist sie ein "Zwölfer" der ersten Generation (first rule), von denen es auch nur noch sehr wenige Exemplare gibt. Zwei von ihnen, die CINTRA und HETI kann man immer mal auf der Inneren Förde sehen.



Meter-Klasse-Yachten werden nach einer Formel gebaut in der mehrere Parameter als Ergebnis die Zahl "12" ergeben. Ihre Namen sind manchen Bootsfreunden geläufig. Mit ihrem weit überragenden Bug und Heck gelten sie Vielen als Inbegriff der eleganten oder rassigen Rennyacht früherer Tage. Dass ihre Decks länger sind als die Wasserlinie hat den Vorteil, dass sich die Länge der Wasserlinie vergrößert, wenn sie "auf Kante" gesegelt werden. Sie können damit ihre "Rumpfgeschwindigkeit erhöhen. Genügend Wind vorausgesetzt, sind sie daher schneller zu segeln als Verdränger-Boote mit kürzerer Wasserlinie. Schließlich ist die Höchstgeschwindigkeit eines Bootes in Verdrängerfahrt proportional zur Länge der Wasserline. Woraus man leicht folgern kann, dass es sich nicht unbedingt lohnt, Spitzgatter mit viel "Lage" zu segeln - trotzdem wird es immer wieder versucht. 


Nicht so RAAK. Anders als ihre viel bewunderten "Klassenkameradinnen" hat diese Yacht keine langen Überhänge. Sie ist stattdessen in der typischen skandinavischen Bootsbautradition als Spitzgatter konstruiert, wie man ihn auch von Colin Archer kennt. Dem entsprechend ist sie auch rund zehn Meter kürzer in der Deckslinie als die meisten anderen. 
Für uns markiert RAAK als "Zwölfer" mit Spitzgatt auch das Ende einer wichtigen Epoche im Yachtbau. Historische Yachten sind auch Ausdruck des Lebensgefühls, der Mode und der Gebräuche ihrer Zeit.  Als RAAK gebaut wurde, war der Yachtsport schon längst nicht mehr ausschließlich dem Adel und hochgestellten Bürgerlichen vorbehalten. Es gab bereits viele bürgerliche und studentische Segelvereine. Die "Zwölfer" waren damals wie heute wenigen Menschen vorbehalten. 
Uns hat an RAAK beeindruckt, dass sie unter Deck weitgehend ihre alte Eleganz bewahrt hat, die heute auf Yachten der Meterklasse nur noch selten angetroffen wird. Wer heute seine Freunde beeindrucken will, muss Regatten gewinnen. Früher, so scheint es, wurden sie auch unter Deck eingeladen und standesgemäß bewirtet. Wir konnten wir uns  in dem getäfelten Salon aus Mahagoni, gemütlich auf stilechten Samtpolstern ruhend, gänzlich auf das Gespräch konzentrieren und unsere Augen an dem in Facetten geschliffenen Glas der kleinen Vitrinen erfreuen. Darin spiegelte sich das übrige Interieur, funkelte freundlich im gelblichem Lichtschein der Lampen.  
Nach drei Tagen ist RAAK wieder auf dem Heimweg. Leider. Wir konnten ihr von Holnis aus ein letztes "Farewell" zuwinken. Dann passierte sie unter Vollzeug die "Schwiegermutter", rundete die grünen Tonnen und verschwand schließlich im Dunst der sommerlichen Äußeren Förde. Ihre Reise konnten wir noch auf AIS verfolgen. Bei drei bis vier Beaufort aus West legte sie pro Stunde bis über sieben Meilen zurück.
 Dank an dieser Stelle an die Yachtwerft von Robbe & Berking. Sie hat unserem Besuch zu einem sicheren Liegeplatz in Flensburg verholfen. Unsere Freunde und die besondere RAAK wollen gerne wieder hierher kommen. 

14.07.19 Was sonst noch dampft

Dies könnte der längste Beitrag zum Dampf Rundum werden, aber wir wollen uns aber kurzfassen beim Bericht über alles was es sonst noch rum den Hafen zu sehen gab .

Dampfpinassen
Tuckernd wie eine alte Tretnähmaschine kommt ein Boot mit Schornstein und zwei Mann an Bord die Kaikante entlang gefahren. "So klein und schon ein Dampfer!" freut sich eine Passantin. Als Antwort tutet es hoch und laut. Am Schwimmsteg der "Klassischen Yachten" treffen wir den Winzling wieder. Dort quirlen noch ein paar andere Artgenossen das graugrüne Hafenwasser.










Modellbau
im Hof hinter dem Schifffahrtsmuseum geht dem Schiffsmodellbauer das Herz auf.
Auf dem Platz davor puffelt das Modell eines Dampflastwagens über das Straßenpflaster. Er hat - natürlich - Kohle geladen. Schließlich braucht der Kessel genügend Nachschub.
Dampfmaschinen in allen Größen unter Maßstab 1:1, die kleinsten könnten in eine Walnusschale passen. Auch eine Dampflokomotive ist uns aufgefallen. Der Fahrstand ist so klein, dass  Fingerspitzen gerade so eben die Dampfventile erreichen und drehen können! Aber dann setzen sich die Schubstangen in Bewegung und die Räder drehen sich. Und dazu die Hafenanlage der "Kaiserlichen Marine", seit Jahren ein Höhepunkt im Landprogramm des Dampf Rundum, mit ferngesteuerten Modellschiffen in einer historischen Hafenumgebung des späten 19. Jahrhunderts. Alles im selben Maßstab. Krane beladen Schiffe, Hunde laufen über das Kai und ein Linienschiff gleitet von einer Helling ins Wasser. Allein in diesem Teil der Ausstellung hätten wir Stunden verbringen können!







Landmaschinen
Wir können unsere Blicke nur mühsam von dem kleinen Dampf-LKW losreissen. Aber da stürmt gerade der Dampfbus der Firma Stanley über die Schiffbrücke und hinterlässt große Dampfschwaden. Bei seinem Tempo kann er im normalen Sonntagsverkehr munter mithalten. Er fährt Richtung Hafenspitze. Auf dem Platz ist ein mobiles Sägewerk in Aktion. Eine Dampf-Lokomobile treibt eine Horizontalgattersäge über lange Transmissionsriemen aus Leder. Die schneidet aus dicken Baumstämmen Bretter. Mit sowas könnte man prima Planken für Holzschiffe machen. Während dessen verlangt ein Dampf-Traktor freie Fahrt. Auf dem meterhohen Fahrstand ein stämmiger Maschinist. Der steuert die Dampfmaschine und eine junge Frau. Sie ist für die Lenkung zuständig. Die Vorderachse wird an einem zentralen Scharnier gedreht, wenn die Steuerfrau an einem Kurbelrad dreht. Servolenkung ist hier nicht vonnöten, eIn bisschen Muskelfett aber schon. Zwei prachtvoll herausgeputzte Lokomobile glänzen in tadelloser Lackierung, kunstvoller Bemalung und mit glanzpoliertem Messing. Ob die wohl früher mal auf Jahrmärkten eingesetzt waren?

Uns was lernen wir dabei?
Hier sind auch viele Kinder und junge Erwachsene unterwegs. Wir sehen so häufig wie sehr Smartphones diese Altersgruppe interessiert und lesen so oft von Problemen, sie statt dessen für die alte Technik zu begeistern. Nun sehen wir einen jungen Mann, der das realistische Modell einer historischen Dampfmaschine betrachtet. Vielleicht können wir von ihm erfahren, ob er so ein Modell einem Smartphone neuester Generation vorziehen würde? "Natürlich" kommt die spontane Antwort. " Auf unseren Kommentar, jetzt müssten wir wohl unser Bild von "der Jungend" radikal überdenken erfahren wir, dass sein Großvater Maschinist auf einem Teilnehmer beim Dampf Rundum ist. Na, dann ist das ja kein Wunder.
Faszit: Wenn Alte für eine gute Sache brennen, können sie in den Jungen eine Flamme entzünden.

Und dann noch das Feuerwerk
Hat zwar nicht gedampft, war aber trotzdem sehenswert.



13.07.19 Das Dampferrennen

Müssten wir uns entscheiden, beim diesjährigen Dampf Rundum würden den Wettstreit der Dampfer zum ultimativen Höhepunkt der Veranstaltung erklären. Es war nicht einfach überhaupt Karten zu bekommen, aber mit Beharrlickeit und Spürsinn kamen wir doch noch auf das anscheinen sorgsam versteckte Buchungsportal. Das Schiff unserer Wahl in diesem Jahr: SCHAARHÖRN. 



SCHAARHÖRN, unser Favorit 2019
In letzter Minute hat sogar Petrus versucht, uns das Erlebnis zu vermiesen. Dichte Regenschauer setzen die Schiffbrücke unter Wasser und die Besucher der Hafenmeile suchen unter Marktständen, bei den Open-Ship-Teilnehmern und auch Schirmen anderer Passanten Zuflucht. Aber nachmittags ist der Spuk nach Norwesten abgezogen und droht nur noch von ferne über dem Steilufer.










Skylight im Salon der SCHAARHÖRN
Vor dem Schiff mit den vielen Bezeichnung (Peil-, Bereisungs-, Senats- oder auch Staatsdampfer) haben sich schon eine halbe Stunde vor Termin zahlreiche Shiplover mit weißen Buchungsunterlagen in der Hand versammelt. Gefühlte statistische Mehrheit weiß, männlich, alt. Das ist in diesen Tagen schon mal eine Beobachtung wert, sagt man dieser Bevölkerungsgruppe in den Medien doch häufig nach, den Klimawandel zu leugnen. Vor den anderen Dampfern dasselbe Bild. Glücklicherweise weht der schwache Wind im Hafen aus nördlicher Richtung. So treiben die dunklen Rauchschwaden aus den Schornsteinen über das Wasser zur anderen Hafenseite, wo sie sich auflösen. "Von Feinstaub wollen wir heute mal nicht reden" hatte ein durchaus sympathisierender Post über das Dampf Rundum in Facebook getitelt und damit einen kleinen Shitstorm losgetreten. Also
lassen auch wir das einfach mal auf Seite. Schließlich gibt es für uns heute etwas Wichtigeres als Greta und Klima: Das Dampferrennen.

Jetzt ist es soweit. Auch die wenigen Smartphone- Süchtigen haben gemerkt, dass wir an Bord gehen dürfen. Die Reservierung vorweisen und wir sind, nur ein paar kleine Scherze später, schon an Bord. Der Salon ist nahezu verwaist; unser Innenohr signalisiert leichte Krängung nach Steuerbord. Tatsächlich, auf dem Seitendeck der Wasserseite haben sich erheblich mehr Passagiere
Senatsdampfer SCHAARHÖRN: jeder der zwölf
Senatoren hatte seinen Platz
versammelt. Ein Schiff nach dem anderen legt ab und schließlich kommen Kommandorufe in den Raum. Sie klingen wie "Achterleine und Mittschiffsleine los." Aha, wir werden in die Spring einfahren, um das Heck von der Schiffbrücke frei zu bekommen.

Hier gibt es schon eine Servolenkung - natürlich mit Dampf
Ein Blick aus den Salonfenstern zeigt: SCHAARHÖRN nimmt langsam Fahrt auf. Wäre nicht dieser Blick auf die langsam vorbeiziehenden Menschen auf dem Kai - kein Geräusch und keine Erschütterung hätte uns über die Bewegung informiert. Erst als wir später an Deck stehen, ist aus dem Maschinenraum ein leises rhythmisches Zischen zu hören. Später klingelt der Maschinentelegraph und das Zischen steigt an. In lockerer Geschwaderfahrt bewegen sich die jetzt noch heftiger qualmenden Schiffe in Richtung Ochseninseln, wo das Rennen in etwa einer Stunde beginnen wird, Hinter uns nähert sich der Schleppdampfer WOLTMAN. Er will wohl unsere Geschwindigkeit testen, aber dann wird er wieder langsamer und fällt auf sicheren Abstand zurück. Heute ist der Wind wirklich sehr schwach! Die wenigen Segelschiffe und -boote liegen bekalmt auf dem glatten Wasser. Der schwarzbraune Rauch der Dampfer steigt nahezu senkrecht hoch, nur vom Fahrtwind gebeugt. Die Gebäude der Marineschule in Mürwik werden sich bei diesem Bild an ihre Gründungstage erinnern, als sie Treffpunkt vieler Marineschiffe waren.
Vor den Ochseninseln wendet das Feld, verschlingen sich die Kurse der Teilnehmer- BUSSARD quert unseren Kurs, dreht ab.

Was für ein Unterschied zur Rumregatta! Hier gesittetes Gleiten, keine Schreie,  keine Drängelei vor dem Start. Das Feld nimmt die Startpositionen ein, bildet schließlich eine Linie. Jetzt liegen alle Schiffe ruhig nebeneinander. Dann ein lautes Hornsignal der ALEXANDRA, der Maschinentelegraph klingelt und schon kommt langsam zunehmend Fahrt in die SCHARHÖRN. Neben uns ALEXANDRA, anfangs etwas voraus, daneben STETTIN etwas zurück. Sie wird bald aufholen und dem ganzen Feld vorausfahren. Über die Bordlautsprecher kommt von der Brücke die Information: STETTIN wird wegen zu hoher Geschwindigkeit disqualifiziert. Ist doch schön, wenn der Humor bei dem Tempo noch mitkommt. Wieder klingelt der Maschinentelegraph, vermutlich sollen wir noch ein bisschen schneller werden. Und tatsächlich: Die Bugwelle macht jetzt ein scharf zischendes Geräusch wenn sie das Wasser zur Seite drückt und in breite Schaumstreifen verwandelt, die noch weit hinter uns den Kurs markieren. Noch immer ist keine Erschütterung zu spüren und kein Motorengeräusch zu hören. Nur das Zischen der Maschine ist jetzt hastiger geworden und klingt schon fast ein wenig zornig. Der Bordlautsprecher: "Wir machen 10,2 Knoten bei 350 Umdrehungen. Eigentlich wollten wir die Maschine mit 280 schonen, aber schließlich ist das hier doch ein Rennen!" Nun machen wir tatsächlich gegenüber ALEXANDRA langsam gut. Nur STETTIN ist für uns unerreichbar weit voraus. PRINZ HEINRICH schließt das Feld nach hinten ab. Das kommt davon, wenn der erste (STETTIN) 2200 PS auf die Welle bringt und der Letzte nur 200. Gemessen daran war das ein wirklich gutes, ein sportliches Rennen. Feuerschiff ELBE 1 markiert die Ziellinie. Geschafft! Pünktlich erreichen wir den Hafen.





Auch die Gastfreundschaft der gemeinnützigen Crew bleibt uns in guter Erinnerung. Nicht zu vergessen die wirklich leckeren Würstchen! Smut Norbert will an Bord keine Speisen aus der Dose dulden. "Das sind wir unseren Gästen schuldig". Die Würstchen kommen übrigens von seinem Schlachter. Und wir sagen herzlich Danke! Unsere Beharrlichkeit hat sich ausgezahlt. Es war ein schönes Erlebnis auf dem schönen Schiff mit den vielen Bezeichnungen. Ach, ja auch das noch zum Schluß: Wir haben den Dritten Platz erreicht. Bei einer Olympiade wäre das Bronze. und am Montag schreibt das Flensburger Tageblatt, dass WOLTMAN, der Schleppdampfer aus Hamburg den ersten Platz gewonnen hat.