25.07.19 Besuch besonderer Freunde

Nach drei Tagen in Flensburg sind unsere Freunde aus Norwegen auf ihrem Heimweg. Sie unternehmen die Reise mit einer ganz besonderen Yacht. Hier ein Porträt.

Das Boot heißt RAAK. Es wurde 1914 nach einem Entwurf des Norwegers Bjarne Aas nach der Meterformel als "Zwölfer" gebaut. Bjarne Aas zählt den besten Yachtdesignern der ersten Hälfte des  20. Jhdt. und hat unter anderen auch die Viking Einheitsklasse entworfen, zu der  die BRITTA am Steg der Klassischen Yachten im Historischen Hafen gehört. 

RAAK ist aber nicht allein durch ihren Konstrukteur exklusiv, sondern auch durch ihr für eine Yacht beachtliches Alter von 115 Jahren. Dazu ist sie ein "Zwölfer" der ersten Generation (first rule), von denen es auch nur noch sehr wenige Exemplare gibt. Zwei von ihnen, die CINTRA und HETI kann man immer mal auf der Inneren Förde sehen.



Meter-Klasse-Yachten werden nach einer Formel gebaut in der mehrere Parameter als Ergebnis die Zahl "12" ergeben. Ihre Namen sind manchen Bootsfreunden geläufig. Mit ihrem weit überragenden Bug und Heck gelten sie Vielen als Inbegriff der eleganten oder rassigen Rennyacht früherer Tage. Dass ihre Decks länger sind als die Wasserlinie hat den Vorteil, dass sich die Länge der Wasserlinie vergrößert, wenn sie "auf Kante" gesegelt werden. Sie können damit ihre "Rumpfgeschwindigkeit erhöhen. Genügend Wind vorausgesetzt, sind sie daher schneller zu segeln als Verdränger-Boote mit kürzerer Wasserlinie. Schließlich ist die Höchstgeschwindigkeit eines Bootes in Verdrängerfahrt proportional zur Länge der Wasserline. Woraus man leicht folgern kann, dass es sich nicht unbedingt lohnt, Spitzgatter mit viel "Lage" zu segeln - trotzdem wird es immer wieder versucht. 


Nicht so RAAK. Anders als ihre viel bewunderten "Klassenkameradinnen" hat diese Yacht keine langen Überhänge. Sie ist stattdessen in der typischen skandinavischen Bootsbautradition als Spitzgatter konstruiert, wie man ihn auch von Colin Archer kennt. Dem entsprechend ist sie auch rund zehn Meter kürzer in der Deckslinie als die meisten anderen. 
Für uns markiert RAAK als "Zwölfer" mit Spitzgatt auch das Ende einer wichtigen Epoche im Yachtbau. Historische Yachten sind auch Ausdruck des Lebensgefühls, der Mode und der Gebräuche ihrer Zeit.  Als RAAK gebaut wurde, war der Yachtsport schon längst nicht mehr ausschließlich dem Adel und hochgestellten Bürgerlichen vorbehalten. Es gab bereits viele bürgerliche und studentische Segelvereine. Die "Zwölfer" waren damals wie heute wenigen Menschen vorbehalten. 
Uns hat an RAAK beeindruckt, dass sie unter Deck weitgehend ihre alte Eleganz bewahrt hat, die heute auf Yachten der Meterklasse nur noch selten angetroffen wird. Wer heute seine Freunde beeindrucken will, muss Regatten gewinnen. Früher, so scheint es, wurden sie auch unter Deck eingeladen und standesgemäß bewirtet. Wir konnten wir uns  in dem getäfelten Salon aus Mahagoni, gemütlich auf stilechten Samtpolstern ruhend, gänzlich auf das Gespräch konzentrieren und unsere Augen an dem in Facetten geschliffenen Glas der kleinen Vitrinen erfreuen. Darin spiegelte sich das übrige Interieur, funkelte freundlich im gelblichem Lichtschein der Lampen.  
Nach drei Tagen ist RAAK wieder auf dem Heimweg. Leider. Wir konnten ihr von Holnis aus ein letztes "Farewell" zuwinken. Dann passierte sie unter Vollzeug die "Schwiegermutter", rundete die grünen Tonnen und verschwand schließlich im Dunst der sommerlichen Äußeren Förde. Ihre Reise konnten wir noch auf AIS verfolgen. Bei drei bis vier Beaufort aus West legte sie pro Stunde bis über sieben Meilen zurück.
 Dank an dieser Stelle an die Yachtwerft von Robbe & Berking. Sie hat unserem Besuch zu einem sicheren Liegeplatz in Flensburg verholfen. Unsere Freunde und die besondere RAAK wollen gerne wieder hierher kommen. 

14.07.19 Was sonst noch dampft

Dies könnte der längste Beitrag zum Dampf Rundum werden, aber wir wollen uns aber kurzfassen beim Bericht über alles was es sonst noch rum den Hafen zu sehen gab .

Dampfpinassen
Tuckernd wie eine alte Tretnähmaschine kommt ein Boot mit Schornstein und zwei Mann an Bord die Kaikante entlang gefahren. "So klein und schon ein Dampfer!" freut sich eine Passantin. Als Antwort tutet es hoch und laut. Am Schwimmsteg der "Klassischen Yachten" treffen wir den Winzling wieder. Dort quirlen noch ein paar andere Artgenossen das graugrüne Hafenwasser.










Modellbau
im Hof hinter dem Schifffahrtsmuseum geht dem Schiffsmodellbauer das Herz auf.
Auf dem Platz davor puffelt das Modell eines Dampflastwagens über das Straßenpflaster. Er hat - natürlich - Kohle geladen. Schließlich braucht der Kessel genügend Nachschub.
Dampfmaschinen in allen Größen unter Maßstab 1:1, die kleinsten könnten in eine Walnusschale passen. Auch eine Dampflokomotive ist uns aufgefallen. Der Fahrstand ist so klein, dass  Fingerspitzen gerade so eben die Dampfventile erreichen und drehen können! Aber dann setzen sich die Schubstangen in Bewegung und die Räder drehen sich. Und dazu die Hafenanlage der "Kaiserlichen Marine", seit Jahren ein Höhepunkt im Landprogramm des Dampf Rundum, mit ferngesteuerten Modellschiffen in einer historischen Hafenumgebung des späten 19. Jahrhunderts. Alles im selben Maßstab. Krane beladen Schiffe, Hunde laufen über das Kai und ein Linienschiff gleitet von einer Helling ins Wasser. Allein in diesem Teil der Ausstellung hätten wir Stunden verbringen können!







Landmaschinen
Wir können unsere Blicke nur mühsam von dem kleinen Dampf-LKW losreissen. Aber da stürmt gerade der Dampfbus der Firma Stanley über die Schiffbrücke und hinterlässt große Dampfschwaden. Bei seinem Tempo kann er im normalen Sonntagsverkehr munter mithalten. Er fährt Richtung Hafenspitze. Auf dem Platz ist ein mobiles Sägewerk in Aktion. Eine Dampf-Lokomobile treibt eine Horizontalgattersäge über lange Transmissionsriemen aus Leder. Die schneidet aus dicken Baumstämmen Bretter. Mit sowas könnte man prima Planken für Holzschiffe machen. Während dessen verlangt ein Dampf-Traktor freie Fahrt. Auf dem meterhohen Fahrstand ein stämmiger Maschinist. Der steuert die Dampfmaschine und eine junge Frau. Sie ist für die Lenkung zuständig. Die Vorderachse wird an einem zentralen Scharnier gedreht, wenn die Steuerfrau an einem Kurbelrad dreht. Servolenkung ist hier nicht vonnöten, eIn bisschen Muskelfett aber schon. Zwei prachtvoll herausgeputzte Lokomobile glänzen in tadelloser Lackierung, kunstvoller Bemalung und mit glanzpoliertem Messing. Ob die wohl früher mal auf Jahrmärkten eingesetzt waren?

Uns was lernen wir dabei?
Hier sind auch viele Kinder und junge Erwachsene unterwegs. Wir sehen so häufig wie sehr Smartphones diese Altersgruppe interessiert und lesen so oft von Problemen, sie statt dessen für die alte Technik zu begeistern. Nun sehen wir einen jungen Mann, der das realistische Modell einer historischen Dampfmaschine betrachtet. Vielleicht können wir von ihm erfahren, ob er so ein Modell einem Smartphone neuester Generation vorziehen würde? "Natürlich" kommt die spontane Antwort. " Auf unseren Kommentar, jetzt müssten wir wohl unser Bild von "der Jungend" radikal überdenken erfahren wir, dass sein Großvater Maschinist auf einem Teilnehmer beim Dampf Rundum ist. Na, dann ist das ja kein Wunder.
Faszit: Wenn Alte für eine gute Sache brennen, können sie in den Jungen eine Flamme entzünden.

Und dann noch das Feuerwerk
Hat zwar nicht gedampft, war aber trotzdem sehenswert.



13.07.19 Das Dampferrennen

Müssten wir uns entscheiden, beim diesjährigen Dampf Rundum würden den Wettstreit der Dampfer zum ultimativen Höhepunkt der Veranstaltung erklären. Es war nicht einfach überhaupt Karten zu bekommen, aber mit Beharrlickeit und Spürsinn kamen wir doch noch auf das anscheinen sorgsam versteckte Buchungsportal. Das Schiff unserer Wahl in diesem Jahr: SCHAARHÖRN. 



SCHAARHÖRN, unser Favorit 2019
In letzter Minute hat sogar Petrus versucht, uns das Erlebnis zu vermiesen. Dichte Regenschauer setzen die Schiffbrücke unter Wasser und die Besucher der Hafenmeile suchen unter Marktständen, bei den Open-Ship-Teilnehmern und auch Schirmen anderer Passanten Zuflucht. Aber nachmittags ist der Spuk nach Norwesten abgezogen und droht nur noch von ferne über dem Steilufer.










Skylight im Salon der SCHAARHÖRN
Vor dem Schiff mit den vielen Bezeichnung (Peil-, Bereisungs-, Senats- oder auch Staatsdampfer) haben sich schon eine halbe Stunde vor Termin zahlreiche Shiplover mit weißen Buchungsunterlagen in der Hand versammelt. Gefühlte statistische Mehrheit weiß, männlich, alt. Das ist in diesen Tagen schon mal eine Beobachtung wert, sagt man dieser Bevölkerungsgruppe in den Medien doch häufig nach, den Klimawandel zu leugnen. Vor den anderen Dampfern dasselbe Bild. Glücklicherweise weht der schwache Wind im Hafen aus nördlicher Richtung. So treiben die dunklen Rauchschwaden aus den Schornsteinen über das Wasser zur anderen Hafenseite, wo sie sich auflösen. "Von Feinstaub wollen wir heute mal nicht reden" hatte ein durchaus sympathisierender Post über das Dampf Rundum in Facebook getitelt und damit einen kleinen Shitstorm losgetreten. Also
lassen auch wir das einfach mal auf Seite. Schließlich gibt es für uns heute etwas Wichtigeres als Greta und Klima: Das Dampferrennen.

Jetzt ist es soweit. Auch die wenigen Smartphone- Süchtigen haben gemerkt, dass wir an Bord gehen dürfen. Die Reservierung vorweisen und wir sind, nur ein paar kleine Scherze später, schon an Bord. Der Salon ist nahezu verwaist; unser Innenohr signalisiert leichte Krängung nach Steuerbord. Tatsächlich, auf dem Seitendeck der Wasserseite haben sich erheblich mehr Passagiere
Senatsdampfer SCHAARHÖRN: jeder der zwölf
Senatoren hatte seinen Platz
versammelt. Ein Schiff nach dem anderen legt ab und schließlich kommen Kommandorufe in den Raum. Sie klingen wie "Achterleine und Mittschiffsleine los." Aha, wir werden in die Spring einfahren, um das Heck von der Schiffbrücke frei zu bekommen.

Hier gibt es schon eine Servolenkung - natürlich mit Dampf
Ein Blick aus den Salonfenstern zeigt: SCHAARHÖRN nimmt langsam Fahrt auf. Wäre nicht dieser Blick auf die langsam vorbeiziehenden Menschen auf dem Kai - kein Geräusch und keine Erschütterung hätte uns über die Bewegung informiert. Erst als wir später an Deck stehen, ist aus dem Maschinenraum ein leises rhythmisches Zischen zu hören. Später klingelt der Maschinentelegraph und das Zischen steigt an. In lockerer Geschwaderfahrt bewegen sich die jetzt noch heftiger qualmenden Schiffe in Richtung Ochseninseln, wo das Rennen in etwa einer Stunde beginnen wird, Hinter uns nähert sich der Schleppdampfer WOLTMAN. Er will wohl unsere Geschwindigkeit testen, aber dann wird er wieder langsamer und fällt auf sicheren Abstand zurück. Heute ist der Wind wirklich sehr schwach! Die wenigen Segelschiffe und -boote liegen bekalmt auf dem glatten Wasser. Der schwarzbraune Rauch der Dampfer steigt nahezu senkrecht hoch, nur vom Fahrtwind gebeugt. Die Gebäude der Marineschule in Mürwik werden sich bei diesem Bild an ihre Gründungstage erinnern, als sie Treffpunkt vieler Marineschiffe waren.
Vor den Ochseninseln wendet das Feld, verschlingen sich die Kurse der Teilnehmer- BUSSARD quert unseren Kurs, dreht ab.

Was für ein Unterschied zur Rumregatta! Hier gesittetes Gleiten, keine Schreie,  keine Drängelei vor dem Start. Das Feld nimmt die Startpositionen ein, bildet schließlich eine Linie. Jetzt liegen alle Schiffe ruhig nebeneinander. Dann ein lautes Hornsignal der ALEXANDRA, der Maschinentelegraph klingelt und schon kommt langsam zunehmend Fahrt in die SCHARHÖRN. Neben uns ALEXANDRA, anfangs etwas voraus, daneben STETTIN etwas zurück. Sie wird bald aufholen und dem ganzen Feld vorausfahren. Über die Bordlautsprecher kommt von der Brücke die Information: STETTIN wird wegen zu hoher Geschwindigkeit disqualifiziert. Ist doch schön, wenn der Humor bei dem Tempo noch mitkommt. Wieder klingelt der Maschinentelegraph, vermutlich sollen wir noch ein bisschen schneller werden. Und tatsächlich: Die Bugwelle macht jetzt ein scharf zischendes Geräusch wenn sie das Wasser zur Seite drückt und in breite Schaumstreifen verwandelt, die noch weit hinter uns den Kurs markieren. Noch immer ist keine Erschütterung zu spüren und kein Motorengeräusch zu hören. Nur das Zischen der Maschine ist jetzt hastiger geworden und klingt schon fast ein wenig zornig. Der Bordlautsprecher: "Wir machen 10,2 Knoten bei 350 Umdrehungen. Eigentlich wollten wir die Maschine mit 280 schonen, aber schließlich ist das hier doch ein Rennen!" Nun machen wir tatsächlich gegenüber ALEXANDRA langsam gut. Nur STETTIN ist für uns unerreichbar weit voraus. PRINZ HEINRICH schließt das Feld nach hinten ab. Das kommt davon, wenn der erste (STETTIN) 2200 PS auf die Welle bringt und der Letzte nur 200. Gemessen daran war das ein wirklich gutes, ein sportliches Rennen. Feuerschiff ELBE 1 markiert die Ziellinie. Geschafft! Pünktlich erreichen wir den Hafen.





Auch die Gastfreundschaft der gemeinnützigen Crew bleibt uns in guter Erinnerung. Nicht zu vergessen die wirklich leckeren Würstchen! Smut Norbert will an Bord keine Speisen aus der Dose dulden. "Das sind wir unseren Gästen schuldig". Die Würstchen kommen übrigens von seinem Schlachter. Und wir sagen herzlich Danke! Unsere Beharrlichkeit hat sich ausgezahlt. Es war ein schönes Erlebnis auf dem schönen Schiff mit den vielen Bezeichnungen. Ach, ja auch das noch zum Schluß: Wir haben den Dritten Platz erreicht. Bei einer Olympiade wäre das Bronze. und am Montag schreibt das Flensburger Tageblatt, dass WOLTMAN, der Schleppdampfer aus Hamburg den ersten Platz gewonnen hat.

13.07.19 PRINZ HEINRICH aus der Nähe

Lange Zeit war die Gunst der Besucher des Dampf Rundum fest verteilt. Der eine schätzte ALEXANDRA, die andere SCHAARHÖRN. Egal ob sie oder BUSSARD, SKJELSKØR, STETTIN, WAL, oder WOLTMAN, alle hatten ihre eingeschworenen Liebhaberinnen und Liebhaber. In diesem Jahr ist mit dem Paket- und Personendampfer PRINZ HEINRICH ein neuer Kandidat erschienen. Wir haben uns an Bord umgesehen.


PRINZ HEINRICH
Homepage
Salon 1ster Klasse
Kurbelwelle der Backbordmaschine. Rechts ein Pleuel .
Der rote Kasten enthält Schmieröl für das Lager darunter.
Der erste Eindruck: Einfach aber très chic. Das liegt sicherlich auch an dem weißen Anstrich, er gibt dem Schiff mit der elegant geschwungenem Silhouette, verstärkt durch das lange Vorschiff und den niedrigen Decksaufbauten, jenen Stil, den man sonst nur bei klassischen Yachten findet. Wer da einst an Bord ging hat sich bestimmt schon ein bisschen besonders gefühlt. Dabei ist der Salon auf dem Hauptdeck - einst nur für die Passagiere erster Klasse - durchaus schlicht, aber auch zweckmäßig gestaltet. Wir erfahren, dass die Passage erster Klasse immer einschließlich Verpflegung angeboten wurde. Nicht ganz einfach für das "Personal", habe man doch alles auch bei Seegang aus der Kombüse einzeln heranschleppen müssen. Im übrigen fanden sich auf der Meyerwerft in Papenburg, von der das Schiff stammt, originale Unterlagen für die Restauration und Teile der Inneneinrichtung wurden dort auch im Rahmen einer Sponsorenaktion nachgebaut.  
Da müssen hin: Zur Kommandozentrale auf der Brücke

Auch wenn es es wichtig ist, der Wirkung von Stil und Design nachzuspüren - den Maschinenraum zu sehen ist absolutes Muss. Uns zieht es also unter Deck zu "den Maschinen". Es sind zwei, weil PRINZ HEINRICH ein Doppelschraubendampfer ist. Jede dieser beiden leistet etwa 100 PS, erfahren wir. Genaueres weiss man nicht. Als PRINZ HEINRICH im Jahr 2003 von Leeraner Enthusiasten vor dem verschrotten bewahrt wurde, hatten seine Dampfmaschinen schon längst Motoren weichen müssen. Glücklicherweise konnten in Schottland zwei dem Original bauähnliche Dampfmaschinen aufgetrieben werden werden und der passende Kessel war auch noch dabei. Ein Unterschied zum Original blieb dennnoch bestehen: Die Kessel werden jetzt nicht mehr mit Kohle, sondern mit Dieselöl befeuert. 
Nach dem Blick in Passagierbereich und in den Maschinenraum führt der Weg zur dritten Zentrale an Bord: Das Steuerhaus auf der Brücke. 

PRINZ HEINRICH ist als dampfgetriebenes Doppelschrauben Post- und Passagierschiff die letzte ihrer Art. Sie wurde im Jahr 2013 als nationales Kulturdenkmal anerkannt.

Alles in Allem ein sehr informativer Besuch an Bord. Aber besonderen Eindruck hat auch die sehr gastfreundliche ehrenamtliche Crew bei uns hinterlassen. Für Ihre Geduld und Bereitschaft es uns angenehm zu machen an dieser Stelle nochmals herzlichen Dank.

Später erfahren wir im Internet noch interessante Details zur Geschichte des Schiffes PRINZ HEINRICH:
"Sie verkehrte in erster Linie zwischen Emden und Borkum und fuhr in beiden Weltkriegen als Versorger. 1953 in HESSEN umbenannt, wurde das Schiff 1958 von der Reeederei AG-Ems zum Motorschiff umgebaut. 1970 wurde es außer Dienst gestellt und als Museumsschiff „MISSISSIPPI“ für eine Überseeausstellung an die Trave nach Lübeck verkauft. Im Jahr 2002 wurde die Ausstellung in den „Teepott“ nach Warnemünde verkauft, das Schiff blieb in einem bedauernswerten Zustand im Rostocker Hafen zurück. Im Sommer 2003 kaufte der neu gegründete Verein „Traditionsschiff Prinz Heinrich“ e.V. ehemaliger Ems Borkum Dampfer von 1909" den alten Dampfer von einem Rostocker Geschäftsmann und schleppte ihn bei herrlichem Sonnenschein über Ost- und Nordsee, an Borkum vorbei durch den Dollart und über die Ems zurück nach Hause in seine ostfriesische Heimat nach Leer.Vom Verein sind große Anstrengungen unternommen worden, den hohen historischen Wert, die Schönheit, die besondere Bedeutung des Historischen Dampfers für unsere Heimatstadt Leer, für die Menschen und das Land an Ems und Dollart, gerade in der heutigen Zeit der Containerschiffe deutlich zu machen."

13.07.19 Lüttfischer auf Tour

Die Jollensegler des Museumshafens haben auch in diesem Jahr die Tradition der Sommerreisen fortgeführt. Am Freitag (12.07.) waren sie in Marstal auf Ærø. 

Wir bekamen die erfreuliche Mail von Thomas. Er schreibt:
ARVED und HILDING voraus, ABBI(vo.)
"die Lüttfischer sind am Montag auf einen zweiwöchigen Sommerturn gegangen und sind jetzt in Marstal mit insgesamt 6 Booten und 13 Personen. Dabei sind ABBI, HILDING und ARVED aus dem Lüttfischerhafen sowie Freunde aus Kappeln mit 2 Folkebooten. Vielleicht ist dies eine Nachricht wert. Die alten Lüttfischer (sind) zu Hause geblieben, die jungen zeigen wie es laufen soll. Wir sind begeistert."
ARVED und HILDING (Fotos: Thomas Kähler)
Das sind wir auch und leiten die Begeisterung gerne weiter. Immer wieder mal aus dem Hafen raus und wieder rein zu segeln ist ja ganz nett.. Aber wir können aus eigener Erfahrung sagen, dass uns Fahrtensegeln erheblich mehr Freude gemacht hat. Und dass gerade die Jungen sich auf die Reise machen, begeistert uns ganz besonders. Mit kleinen offenen Booten segeln ist immer noch segeln pur. Und wer wenn nicht sie sollten sich auf ein Wagnis einlassen? Denn das ist segeln in offenen Booten fern der Küste immer noch in unserer durchtechnisierten und verplanten Welt. 
Sicherheit muss selbstverständlich sein (siehe Rettungswesten, GPS und guter Ausrüstung) aber wie sagt der Engländer "No risk - no fun. Und so wünschen wir der kleinen Flotte auch viel Vergnügen auf ihrer Reise! 

12.07.19 Dampf Rundum am Kai

Das Dampf Rundum ist auch vom Land aus gesehen spannend. Wir haben mittags einen Spaziergang an der Schiffbrücke gemacht. Da waren erst wenige Besucher unterwegs. So blieb genügend Zeit, Schiffe zu besuchen und dabei ein bisschen Stimmung einzufangen. 

PRINZ HEINRICH, der Passagier- und Postdampfer aus Lemmer, war erstmals zum Dampf Rundum nach Flensburg gekommen. Den haben wir etwas genauer angesehen. An der Hafenspitze haben wir eine Lokomobile entdeckt, die mit langen Transmissionsriemen eine Horizontalsäge antreibt.

Dann fesselte ein Omnibus gebaut von Stanley unser Interesse. Die US.amerikanische Firma war Anfang des vorigen Jahrhunderts mit Dampfkraftwagen bekannt geworden. An Stelle von Auspuffqualm strömte nur weißer Dampf aus dem Rohr und vom Motor war nichts zu hören - typisch für alle Dampfantriebe.

Leider war das Schifffahrtsmuseum heute wegen einer anderen Veranstaltung geschlossen. Bei früheren Veranstaltungen haben wir die Schau der Modellfahrzeuge und -dampfmaschinen gerne länger angesehen und dann vor allen Dingen die große Hafenlandschaft der "Kaiserlichen Marine".

Doch die Zeit ging auch so viel zu schnell vorbei. Und dann gab es später auch noch einen kräftigen Guss von oben. Doch schon vor dem großen Dampferrennen war der Spuk wieder vorbei. Ob Petrus auch ein Fan der alten Dampfer ist?


SKJELSKØR Personenfähre aus ROSKILDE
Pfeifenputzer auf SKJELSKØR












BUSSARD Tonnenleger aus Kiel
SCHAARHÖRN Staatsdampfer aus Kiel












Dampfeisbrecher STETTIN (li.) und WAL (re.)
PRINZ HEINRICH Personen- und Paketdampfer












PRINZ HEINRICH
Sonnendeck wenn's nicht regnet
PRINZ HEINRICH
Salon 1ster Klasse

PRINZ HEINRICH Brückendeck
PRINZ HEINRICH Ankerwinde 












STANLEY Dampfmobil
Lokomobil für Horizontal-Sägewerk












FODEN Dampkraftwagen (Modell)
Dampfbootfreunde bei der Sache












...am Regenhimmel ein heller Streifen in Sicht
Und dann kommt der Regen. aber bald kommt...













11.07.19 Ausflug auf WOLTMAN

Nebelnässen statt Regenschauer. Das Juliwetter als Kontrastprogramm zur Junihitze. Aber vielleicht ist das auch ganz gut so, wenn man mit einem 115 Jahre alten Dampfschlepper unterwegs ist. Da kann es nämlich mächtig warm werden.

Das Foto entstand vorgestern. Da schien noch die Sonne
Freundliche Anmache vom Feinsten auf der Schiffbrücke. Vor uns hat ein alter
Dampfschlepper  festgemacht, Der hohe schwarze Schornstein hinter dem Ruderhaus aus Teakholz entlässt eine dünne graue Rauchfahne. Daneben zwei Große Windhutzen aus Kupfer, die das Feuer unter dem Kessel beständig mit Frischluft versorgen. Der schwarze Rumpf aus genieteten Blechplatten schwarz lackiert, die Aufbauten darüber glänzend weiß. Am Bug in großen Buchstaben der Name WOLTMAN.

Heute war es auch  unter der Plane trocken
Das alte Schiff wollen wir gerne mal bei einer Hafenrunde entlang der Schiffbrücke in
Nicht mehr Platz als nötig da unten 
Ruhe betrachten. Sein wortgewandter Bootsmann an der Gangway erkennt das Zögern unserer Schritte und lässt nicht locker, bis wir an Bord gehen. Nun denn. Schließlich wollten wir ja ohnehin mal mitfahren und Dampf Rundum ist ja auch nur alle zwei Jahre. Schon als wir den Fuß auf die Gangway setzen fühlen wir, wie es bei jedem Schritt etwas wärmer wird. Jetzt an Deck hören wir auch ein leises Zischen und beständiges Klicken. Das macht die "Speisewasserpumpe" wenn sie das Wasser im Kessel ersetzt, das mit dem Dampf verloren geht. Kaum zu hören bei dem Verkehrslärm hinter uns auf den Norderhofenden.
Außer uns sind noch zwei bis drei handvoll Passagiere an Deck. Junge und alte Frauen und Männer, ein paar Kinder. Und natürlich die ehrenamtliche Crew. freundlich und aufmerksam.
Ja, wir dürfen auch in den Maschinenraum, aber erst wenn der Schlepper in Fahrt ist. Warum? "Da ist es eng und vorher brauchen wir den Platz selber". Das leuchtet ein. Später, unten in der
Herzkammer des technischen Denkmals sehen wir, es ist tatsächlich
nicht viel Platz zum herumstehen. Nur so viel wie benötigt wird um Kohle durch die beiden Feuertüren unter den Kessel zu schaufeln und um die wichtigsten Teile der Dampfmaschine zu erreichen: Den Maschinentelegrafen und die Steuerung und die Manometer und die Schmierstellen, die jedes Gelenk versorgen und bestimmt noch viel mehr als wir auf einen Blick erkennen.





Diese Pfeife kann man nur hören, aber nicht rauchen
"Wenn wir tuten, müsst ihr euch die Ohren zuhalten" werden wir gewarnt. "Sonst bläst es euch den Rest vom dem weg, was ihr dazwischen noch übrig behalten habt". Nett gesagt und die Kinder bekommen Ohrenschützer aufgesetzt. Und tatsächlich ist das Dampfhorn unglaublich laut. Aber es gibt auch Entwarnung "Feinstaub gibt es bei uns nicht" werden wir beruhigt, "bei uns sind das noch echte Rußflocken". Na, dann ist ja alles gut.
WOLTMAN ist auch an Deck rauchfrei

Voraus kommt der Tonnenleger BUSSARD" aus Kiel in Sicht. Rasch gleitet er vorbei.

Der kleine Ausflug geht bis nach Kollund oder vor die Meierwik, je wie man will. Dann ein großer Bogen im kabbeligen Fördewasser und schon zeigt der Bug zurück nach Flensburg. Wer möchte, darf auch mal an das große Radruder aus Holz. Damit wird die Steuermaschine in Gang gesetzt. Ebenfalls mit Dampf angetrieben, bewegt sie die Steuerketten und -Stangen und letztlich auch das Ruderblatt unter dem Heck. Daneben moderne Navigationselektronik. Die ist vorgeschrieben, schließlich ist ja auch die Welt um den historischen Dampfer herum nicht stehengebleiben.
Nun gleiten wir schon in langsamer Fahrt das Bohlwerk entlang zurück zum Liegeplatz. Jetzt tönt die Dampfpfeife dreimal kurz "Maschine geht zurück!" und folgsam dreht das Heck nach Backbord in die Position zum Anlegen. Noch einmal klingelt der Maschinentelegraf. Wir sind wieder angekommen.

Auch wenn wir uns anfangs shanghait fühlten, hat uns der kleine Ausflug doch gut gefallen.

11.07.19 PRINZ HEINRICH

Heute Nachmittag kommt PRINZ HEINRICH, Post- und Passagierdampfer von 1909 als weiterer Teilnehmer des Dampf Rundum nach Flensburg.
Achtung: Die Abfahrtszeit in Langballigau ist um eine halbe Stunde auf 16:00 UHr vorgezogen worden!





Zur Einstimmung hier ein Video des Senders Hallo Niedersachsen. Wir haben es auf der Internetseite des Traditionsschiffs und wünschen eine gute Überfahrt von Langballigau nach Flensburg!

PRINZ HEINRICH
Video von Hallo Niedersachsen




10.07.19 Willkommen SCHARHÖRN!

Heute Nachmittag ist der vierte Teilnehmer des Dampferrennens beim diesjährigen Dampf Rundum eingetroffen: Der Staatsdampfer SCHARHÖRN aus Hamburg. 

Wer nicht in die Zukunft blicken kann um seine Vorfreude zu steigern, muss sich an schöne Erlebnisse in der Vergangenheit erinnern. Vor 14 Jahren hat Klaus Hildebrandt das Dampferrennen auf der Förde in seinem Video festgehalten:

Video: Klaus Hildebrandt (bitte Bild anklicken!)

Wir freuen uns, das Dampferrennen diesmal auf SCHARHÖRN mit zu erleben. Am Freitag geht's um 19:00 Uhr los und der Spaß soll bis 21:30 Uhr andauern. Jetzt muß nur noch das Wetter mitspielen, denn da könnte Petrus noch ein bisschen was dran tun. Auf jeden Fall nehmen wir eine Regenjacke mit.



09.07.19 Gute Nachricht

Am Freitag bleibt Flensburg der Zusammenprall zweier Welten erspart. Während die Jugend für ihre Zukunft demonstriert, erhält das Dampf Rundum vom Flensburger Klimarat Dispens in Sachen CO2. 


Dampfeisbrecher STETTIN lässt Dampf ab
In drei Tagen beginnt das große Fest der Dampftechnik. Schon sind die ersten großen Teilnehmer des Spektakels angekommen. Außer dem Salondampfer ALEXANDRA liegen jetzt zwei weitere Fossilien der Technik an der Schiffbrücke und ziehen die ersten Schaulustigen an. Dicke schwarze Rauchschwaden quellen aus den Schornsteinen der STETTIN, dem alten Eisbrecher, und der noch älteren WOLTMANN, ihres Zeichens HafenschlepperIn. In Zeiten der allgemeinen Klimahysterie nicht ganz frei von Sorgen wg. CO2, zumal der erste Tag des Nostalgie-Events samt Dampferrennen auf den Freitag fällt. Dieser Wochentag gehört neuerdings auch in Flensburg der CO2-Freiheit fordernden Jugend. Das Flensburger Tageblatt versucht diese Sorgen in einem Artikel zu zerstreuen und beruhigt schon in der Überschrift mit den Worten "Klimapakt gelassen". 
Gelassen - das ist ist lt. Wörterbuch "kühl und ruhig trotz ärgerlichen, unangenehmen Geschehens o. Ä.". Verschwiegen wird leider, was denn so ärgerlich sein soll an der Veranstaltung, die alle zwei Jahre zigtausend Menschen in die Stadt lockt, weil sie sich eben daran freuen, was der zitierte Klimapakt¹) nur gelassen hinzunehmen bereit ist. Nun zumindest ist er ja kühl und ruhig. Bei der für Freitag vorhergesagten Höchsttemperatur von 23 Grad kann man das ja noch gerade hinnehmen. Zudem sieht der zitierte Klaus Schrader auch "keine Mehrheit für Einschränkungen bei der beliebten (sic!) Hafenveranstaltung" weil er denkt "die Mehrheit freut sich auf das Dampf-Rundum". Da hat er wohl nicht so ganz unrecht. Laut Zeitung sieht er dem Treffen der Dampfer "gelassen entgegen" und wird mit den Worten zitiert "Es gibt keine Dauerbelastung wie durch den Straßenverkehr". (Andere Mehrheiten, die sich auf der Sraße gelegentlich an etwas klimarelevantem freuen, möchten auch gerne mal so viel Nachsicht. Aber das nur nebenbei.)
Da der Freispruch hauptamtlicher Klimaschützer nun also heute Morgen im Briefkasten angekommen ist, können die Teilnehmer des nostalgischen Technik-Spektakels in Ruhe, wenn auch nicht kühl, weiter ihre Kessel befeuern. Das ist doch schon mal eine gute Nachricht. Uns jedenfalls hat Dampftechnik seit frühester Kindheit fasziniert.   

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¹gemeint ist wohl der Flensburger Klimapakt, in dessen Impressum der Internetseite  Klaus Schrader genannt ist. Die Website nimmt am Programm "CO2-freie Webseite" teil. Allerdings nur bis zum 30.09.2019. wie wir derselben Seite entnehmen können. 

06.07.19 TARA gegen Plastikmüll

Das die Gewässer durch immer mehr Plastikmüll verseucht werden, müssen wir leider auch unmittelbar vor unserer Haustüre feststellen. Heute und morgen liegt das futuristisch aussehende französische Forschungsschiff TARA an der Schiffbrücke. Seine Mission: Aufklärung über Mikroplastik in den Weltmeeren.

Seit Mai 2019 ist die Besatzung unterwegs, um die Auswirkungen von Mikroplastik im Meer zu erforschen. Bei ihrem Besuch in Flensburg möchten die Forscher von ihren Erkenntnissen erzählen und der Öffentlichkeit verdeutlichen, dass Lösungen zur Eindämmung der Mikroplastikflut an Land gefunden werden müssen. Informationen im Robbe & Berking Yachting Heritage Centre heute um 18:00 Uhr und Open-Ship auf TARA heute und morgen.

Zur "Mission Microplastik 2019" schreibt die Fondation taraocéan auf ihrer
Website:


Woher kommt der Plastikmüll? Wie kommt es im Ozean an? Wo sollten wir unsere Anstrengungen konzentrieren, um den Abfallfluss zu stoppen? Welche Auswirkungen haben Kunststoffe auf die Artenvielfalt der Meere? Jüngste Schätzungen gehen davon aus, dass 80% des Plastikmülls auf See an Land landen. Die Tara Ocean Foundation und das European Molecular Biology Laboratory (EMBL) sind seit 2010 an dieser Forschung beteiligt. Nun ist es dringend erforderlich, den Fluss von Kunststoffabfällen von Land zu Meer zu untersuchen und zu identifizieren, um ihn zu stoppen. Die kommende Mission Microplastics 2019 - für die wissenschaftliche Koordination ist das CNRS zuständig - wird den Schoner Tara 6 Monate lang durch mehrere Regionen in Europa führen und dabei 10 große europäische Flüsse erkunden. Die Reise beginnt am 27. Mai 2019 in Lorient (Morbihan), Taras Heimathafen. (Übersetzt mit Google Übersetzer) 

06.07.19 Dampf Rundum ad portas

Flensburg ist zum 14. Mal Ziel der Freunde historischer Dampftechnik. Dampfgetriebene Personenschiffe, Dienstfahrzeuge, Eisbecher, Pinassen und Lustboote auf dem Wasser, Lokomobile, Dampfwalzen und Maschinenmodelle aller Maßstäbe an Land laden am Flensburger Hafen zu einem Besuch.




Zur Einstimmung: Video vom  der Seite der Historischer Hafen Flensbug gGmbH

An allen Veranstaltungstagen können die Schiffe besichtigt und im Wortsinn "erfahren" werden. 
Einer der Höhepunkte ist das traditionelle Dampferrennen. Hierbei geben die Heizer vor den glühend heissen Feuertüren wieder alles um auch die letzte Pferdekraft aus den Dampfmaschinen herauszuholen, schaufeln tonnenweise Kohlebrocken auf die rotglühenden Roste bis der Hafen und die Förde in Wolken von fett-schwarzen Qualm verschwinden. Den Männern vor den Kesseln rinnt der Schweiß in  Strömen über ihre rußgeschwärzten Gesichter und Mineralwasser rinnt literweise durch die durstigen Kehlen. Jetzt rasseln Maschinentelegrafen zum Ventile öffnen und schimmernde Pleuel stoßen Kurbelwellen kraftvoll geschmeidig bis zu wirbelnder Umdrehung. "Volle Kraft voraus!" Öler aus Messing und Glas tropfen Gelbschimmerndes auf Gleitflächen von Wellen, Bolzen, Schiebern. Bald zittern Zeiger der Manometer zur roten Markierung.  Jetzt heißt es Druck halten, schaufeln, schaufeln, schaufeln und Wettbewerbern keinen Meter schenken. Die eisernen Rümpfe beben während Schiffschrauben das Heckwasser zu quirligem Schaum schlagen und -zig Tonnen schwere Stahlkolosse mit höchster Kraft zur Ziellinie treiben. Wer nicht auf einem der Kolosse mitfahren kann, tröstet sich mit einem Blick von Land auf das Spektakel auf der Förde. Auch ein Besuch im Schifffahrtsmuseum lohnt. Dort werden wieder Dampfmaschinenmodelle und die Mdellschau der "Kaiserlichen Marine" zu sehen sein. (Hier eine Erinnerung an frühere Veranstaltungen)  


Video: Tonnenleger BUSSARD auf Youtube

Dampfschlepper WOLTMANN und Schlepper WILLI, beide aus Hamburg haben als Gäste des Dampf Rundum heute schon an der Schiffbrücke festgemacht.

05.07.19 SUNTHORICE gibt's nicht mehr

Da wollten wir einfach mal im Internet nachsehen wo sich das ehemalige Feuerschiff SUNTHORICE aktuell aufhält, dessen AIS-Position zuletzt in Assens verortet wurde und was passiert? Zurück kommt mit der selben IMO- Kennung und dem vertrauten Bild mit den drei Masten auf rotem Rumpf und auf der selben Position aber mit einem anderen Schiffsnamen: LOBO DE MAR. Da scheint wohl irgendwem der Name nicht mehr gefallen zu haben. Er wurde im Jahr 2000 aus den Namen der drei Kinder des damaligen Schiffseigners gebildet (Suse, Thore und Maurice). Also jetzt LOBO DE MAR - Seewolf wie in dem Roman von Jack London. Hoffentlich geht es an Bord nicht genau so gewalttätig zu wie auf dem Robbenschoner GHOST unter Kapitän Wolf Larsen. 

05.07.19 ANNY back home

ANNY von GLÜCKSTADT verließ Ende Oktober im letzten Jahr den Museumshafen wo sie eine zeitlang zuhause war, anfangs unter dem Namen LINA. Nun ist sie im malerischen Cornwall,  im Südwesten der Englischen Insel angekommen. Dort wurde sie mit dem Jubelruf "ANNY back home" begrüßt. 

Als ANNY im Oktober 2012, damals noch unter dem Namen LINA als Gastlieger im Museumshafen aufgenommen wurde, markierte das einen längeren Grundsatzstreit über die Frage ob Haikutter- von denen man sagte sie seien nie durch das Rigg eines Schoners erkennbar sondern fast immer als Galeassen und manchmal auch als Kutter gefahren worden - ob also dieser "Haischoner" so bierernst diskutiert wie grundsätzlich entschieden seine Leinen an den Pollern des Museumshafens festmachen dürfe. Nun denn, LINA, alias ANNY wurde Mitglied im Verein Museumshafen. Diese ANNY legte vorgestern, am 03. July in Charlestown Harbour in Cornwall an. Dort gibt es ebenfalls einen Museumshafen, der sie auf Facebook mit dem zitierten Ruf begrüßte. Von der Ankunft gibt es auch ein Video, das wir unseren Lesern nicht vorenthalten möchten:



Die Einfahrt in den Hafen ist nicht ganz ohne, wie man so sagt. Um die scharfe Kurve in den Kanal sicher hinzubekommen, hat man offensichtlich schon eine lange Spring an Land bereitgehalten. Jetzt, bei schwachem Wind erscheint das vielleicht als übertriebene Vorsicht. Bei Starkwind wird man sich vermutlich über diese Hilfe freuen. Schon in Flensburg war es nicht immer ganz einfach den Schoner bei Starkwind auf Anhieb in die "Box" zu steuern. Langkieler mögen das eben nicht so gerne. Auch in einem weitern Punkt muss sich ANNY nicht neu eingewöhnen: In Charleston Harbour gibt es (auch) ein Wrack-Museum. Da hätten wir hier noch mindestens ein weiteres Schiff, das da gut hinpassen würde.

04.07.19 SUNTHORICE abgereist

Wer kennt das nicht? Was immer einfach nur "da" ist, wird irgendwann unsichtbar. Das 117 Jahre alte ehemalige Feuerschiff AUSSENJADE II, alias SUNTHORICE, dominierte mit seinem feuerroten Rumpf und seinen drei hohen Masten die Pier beim Nordertor. Jahrelang. Heute erst haben wir sein Verschwinden bemerkt. Dabei war es schon seit ein paar Tagen weg.

SUNTHORICE
(2012 an der Schiffbrücke aufgenommen)
Neugierig geworden, fanden wir im Internet eine Spur im Hafen von Assens am Kleinen Belt. Von dort wurde seine Anwesenheit zuletzt am frühen Morgen des 30. Juni berichtet. Der Zeitstempel für den Abreisetermin lautet auf kurz vor Mitternacht des 29. Juni. als SUNTHORICE vermutlich aus Flensburg abreiste. Bei unserer Ahnungslosigkeit wissen wir natürlich auch nicht, ob Assens das Ziel oder lediglich Zwischenstation einer längeren Reise ist. Immerhin gibt es dort auf der Assens Shipyardt Ltd. Denmark große Dockanlagen und auch ein historisches Feuerschiff muss immer wieder mal unter der Wasserlinie untersucht und versorgt werden. Wir beschließen, künftig besser hinzusehen. 

28.06.19 Wellen. Warten. Wiederkehr

Manchmal wiederholen sich denkwürdige Begegnungen. So auch heute im Schifffahrtsmuseum anlässlich der - übrigens wirklich sehenswerten -  Ausstellung zeitgenössischer Färingischer Künstler. Sie ist erstmals Teil einer gemeinsamen Präsentation mit dem Museumsberg Flensburg unter dem selben Titel. Die Ausstellung auf dem Museumsberg wurde am 23.06.19 eröffnet, das Flensburger Schifffahrtsmuseum öffnet am Sonntag, dem 30. Juni um 11:30 Uhr seine Pforten.

Zur Sondersausstellung "Kunst der Färöer / Wellen. Warten. Wiederkehr" im Flensburger Schifffahrtsmuseum 


Gezeigt werden im Obergeschoss des Flensburger Schiffahrtsmuseums Werke hierzulande leider noch weithin unbekannter Künstler aus den Bereichen Ölmalerei, Druckgrafik, Installation und Fotografie von Mitte des letzten Jahrhunderts bis in die aktuelle Gegenwart. Sie hätten verdient, schon früher beachtet zu werden. Wir empfanden sie als besonders bemerkenswert, weil sie auf eine besondere Weise frisch und vom gängigen Mainstream der Bildenden Kunst unberührt erscheinen.
Frisch und ünberührt - das wird auch daran liegen, dass der auf dem Kontinent seit Jahrhunderten aktive Austausch von Sichtweisen und Konzepten bis zu den 1920-er Jahren an den abgelegenen Färöer-Inseln im Nordatlantik vorbei ging. Kunst und Kultur war bis dahin hauptsächlich Gegenstand mündlicher Überlieferung, der Musik und des Tanzes. Erst dann wird, zunächst zögernd, der Einfluss skandinavischer Kunst wirksam. Entsprechend stark ist der Einfluss der expressiven Farb- und Formwelten, wie wir sie beispielsweise bei Edvard Munch oder Emil Nolde schätzen. 
Das Spektrum der druckgafischen Arbeiten umfasst sowohl formal-ästhetische Werke als auch unterschwellig düstere Bilder, die jedoch bei uns ganz spontan die Erinnerung an einen Besuch der Inseln wachriefen. Also, wie gesagt, wir fanden den Besuch heute sehr anregend. Unter anderem auch wegen eines kleinen Gedichtes, von Ingolf Rasmussen, Bruder der Künstlerin Jona Rasmussen. Er ist Seemann von Beruf und schreibt, wie anders? in färingischer Sprache. In der Ausstellung ist aber freundlicherweise eine gute Übersetzung ins englische zu lesen. Dichtende Seeleute - in der relativ kleinen Bevölkerung ist künstlerische Tätigkeit sehr weit verbreitet. Vermutlich auch dies Folge des abgeschiedenen Lebens über die Jahrhunderte hinweg. Da bekommen Abschied, Warten und Wiederkehr eine ganz eigene Bedeutung.

Zum Schluss noch zur anfangs bemerkten denkwürdigen Begegnung. Auch sie gibt vielleicht ein bisschen Eindruck von der Besonderheit dieser wunderbaren Inselgruppe, weit draußen im Nordatlantik: Als wir vor mehr als dreissig Jahren auf einer Segelreise von Island nach Skagen in Torshavn auf den Färöern Zwischenstation machten, besuchten wir auch den kleinen Ort  Kirkjubøur auf der Westseite der Insel Streymoy. Dort wollten wir zum Einen die Ruine des Magnusdoms aus dem 13. Jahrhundert sehen, den ein Bischoff erbauen liess, was ihm schlecht bekam, weil er die Kosten des sakralen Gemäuers seinen Gläubigen aufladen wollte. Der zweite Grund war, dass wir die Bekanntschaft des Tróndur Patursson machen wollten, der die Reise des irischen Mönchs St. Brendan (im 6. Jhdt) nachvollzogen hat. Er war Mitglied der der Besatzung des kleinen Curragh BRENDAN, mit dem der Indisch-Britische Forschungsreisende Tim Severin nachweisen wollte, dass die legendäre Reise historisch möglich gewesen wäre. Das aus Weidenzweigen und Lederhäuten gebaute Boot startete 1976 in Irland und erreichte nicht nur die Färöer, sondern kam über Island und Grönland bis nach Neufundland. Nun erfahren wir heute, das derselbe Tróndur Patursson zu den Künstlern gehört, die mit ihren Werken auf dem Museumsberg Flensburg vertreten sind. Diese Ausstellung haben wir also jetzt auch noch auf unserem privaten kleinen Kulturkalender.


27.06.19 Flensburger Frachter versenkt

Am 23. Juni ging die ADELE HAGENAH, Baunummer 606 der FSG, jetzt unter dem Namen VOICI BERNARDETTE, in Fort Pierce, Florida, USA, auf ihre letzte Reise.

ADELE HAGENAH
Foto: www.shipsnostalgia.com
Ihre Karriere als Kauffahrteischiff für Theodor Hagenah, Dornbusch begann 1965 unter deutscher Flagge in Flensburg. Sie war hauptsächlich in Nord- und Ostsee eingesetzt, zuletzt im Dienste der Reederei Maritime Experts, Ems. Zuletzt wurde sie als Museums- oder Ausbildungsschiff angeboten. Aber anscheinend konnte sich dann doch niemand hierzulande für sie begeistern. So wurde sie schließlich im Jahr 2014, nun hieß sie HANNELORE, nach Bolivien ausgeflaggt. Danach kam sie auf die schiefe Bahn und wechselte sie ihre Namen vermutlich öfter als ihren Unterwasseranstrich. Ihre letzte Reise begann in Cap Haitien, Haiti. Schließlich wurde sie von der US Coast Guard aufgebracht, mit  eineTonne Kokain an Bord im Straßenverkaufswert von 35 Mio. US$. Nun liegt sie als künstliches Riff als Attraktion für den Wassersport-Tourismus auf 100 Fuß Tiefe. 


24.06.19 Treffpunkt

Die Zeitung Bild hat Fotos von der Stelle am Rumpf des Lotsenschoners Nr. 5 ELBE veröffentlicht, wo der Wulstbug des Container Feeders den Bug des Traditionsseglers traf.

Aus dem begleitenden Text geht nicht hervor, ob die Kupferplanken (üblicherweise zwei bis drei Millimeter dickes Kupferblech) bei dem Aufprall abgerissen, oder nachträglich abgelöst wurden. Die Falten im Blech geben immerhin einen Eindruck davon, wie tief der Holzrumpf der ELBE bei dem Aufprall eingedrückt wurde. Unter dem Blech sind die Holzplanken sichtbar. Das linke Bild wurde vermutlich aufgenommen, während der Rumpf aus dem Wasser gezogen wurde. Deswegen konnte das bis zur Höhe der Wasserlinie eingedrungene Wasser noch nicht vollständig abfließen und läuft jetzt noch aus den undicht gewordenen Plankennähten heraus.

Auf dem rechten Foto ist zu sehen, dass der Aufprall dicht hinter dem Bug und knapp über dem Kiel oder in Höhe des Kiels liegt. Weil der Rumpf an dieser Stelle noch sehr schlank ist, hatte der Wulstbug nur einen kurzen "Bremsweg" bis er den Kiel traf. Der hat dadurch wahrscheinlich einen großen Teil der Stoßenergie unmittelbar aufgefangen und in den übrigen Rumpf übertragen worden. Den Rest wurde von den Planken selbst und den benachbarten Spanten nebst Bodenwrangen aufgefangen und dann an den Kiel weitergegeben. Schließlich wurde der gesamte Rumpf quer gegen das Wasser gedrückt und dadurch abgebremst.

Was die Bilder nicht zeigen, sind Schäden an den übrigen Teilen des historischen Seglers. Sofern sie nicht unter der ungeheuren Wucht beim Aufprall zerbrachen, haben sie die Kraft elastisch aufgefangen und an die mit ihnen verbundenen Bauteile weitergegeben. Sind dabei Verbindungselemente (Bolzen, Nägel) dauerhaft verformt worden, müssen sie ebenfalls ausgetauscht werden.

Insgesamt wird ein erheblicher Aufwand allein durch die notwendige, detaillierte Untersuchung des gesamten Schiffes entstehen. Sie soll durch sachverständige Fachleute von der Werft in Hvide Sande unterstützt werden, wo der Lotsenschoner erst vor kurzem anch einer umfassenden Restauration abgeliefert wurde. Auf Anhieb fällt kaum ein einzelner Bereich ein, den man dabei unbesehen ausschließen kann. Schließlich sind nicht allein der Rumpf und das gesamte Rigg betroffen, sondern auch die komplette technische Ausrüstung und last but not least die teilweise historische Inneneinrichtung.

Fotos (2) Bild.de