03.08.18 Ende in Sicht

Die Liebe zur maritimen Historie geht kuriose Wege. Die Häfen der Küste waren einst voller Hunderter kleiner und mittelgroßer Segelschiffe mit kleinen, alltäglichen Aufgaben. Die wenigsten haben überlebt, dank fachkundiger privater Eigner. Sie zu unterstützen wäre eine lohnende öffentliche Aufgabe. Statt dessen gilt die Aufmerksamkeit - und damit auch Förderung - wenigen, wenngleich spektakulären, Ausnahmen: Blauwasserseglern, Expeditionsschiffen, Yachten bekannter Personen. Doch die Auszeichnung einzelner Schiffe verfälscht das historische Bild der Häfen. 

Während auf der Museumswerft eine Tafel über Geschichte und das Restaurationsprojekt FEUERLAND informiert, geht die Arbeit an dem historischen Rumpf weiter voran. Das Schiff hat eine interessante Geschichte, ist in der Denkmalliste des Landes eingetragen und engagierte Eigner kümmern sich um das "Fundraising".  So weit, so gut.

OLINE mit Lecksegel
Ein paar dutzend Meter weiter steht die Quatze OLINE auf dem großen Slipwagen. Sie ist mit ihren 140 Jahren eines der ältesten hölzernen segelnden Berufsfahrzeuge der Ostsee. Doch bald muss man wohl sagen, dass sie es war.
"Wenn bis Herbst kein Retter kommt, geht sie in den Container", sagt ihr Eigner mit einem traurigen Lächeln. Dabei nagelt er Leisten auf die weißen Planen, die sein Schiff vor dem Absaufen schützen sollen. Sie könnten ihr Leichentuch werden. Der Rumpf ist undicht, Planken müssen getauscht werden. Das übersteigt seine Möglichkeiten. Nun geht der Historische Segler notdürftig mit Lecksegel wieder zu Wasser. Vielleicht zum letzten mal. Nach den zahlreichen Schiffen, über deren Ende wir seit Erscheinen der HAFENMELDUNGEN berichten mussten, ist es jetzt wohl an ihr, abgewrackt zu werden. Sie wird nicht die letzte sein. Allein auf dem Areal der Museumswerft dämmert gleich nebenan der Kutter HARRY seit Jahren an Land in Agonie. Zwischen den Pontons dümpelt der leere Rumpf der LILLE BJÖRN. Gleich neben der Slipbahn wiegt sich die VIER GEBRÜDER im Langzeitschlaf. Das Arbeitsschiff WILHELMSHAFEN hat schon seit Jahren keine liebevoll pflegende Hand gespürt und den Zustand der roten  MARIE kann man auch mit freundlichen Worten bestenfalls "scheintot" nennen.

Besucher des Bohlwerks sagen spontan, dass sie die alten Segelschiffe gerne sehen. Die meisten möchten mehr von ihrer Geschichte und einstige Aufgabe erfahren. Dennoch geht ein Zeugnis der maritimen Vergangenheit nach dem anderen zugrunde, weil jeder Eigner für sich alleine Geld und (viel) Zeit aufbringen muss, um kulturelles Gut zu erhalten. So werden sich die Museumshäfen nach und nach entleeren.

An die Stelle der Originale treten schon heute Fantasieschiffe, und Eventlocations an die Stelle maritime Erinnerungsorte. Doch stimmen die Besucherzahlen, werden nur Wenige die alten Schiffe mit ihrer Geschichte wirklich vermissen.