24.04.13 Pönen, nicht klönen

Dass der letzte Winter lange gedauert hat, ist mittlerweile bekannt und muss nicht noch einmal wiederholt werden. Was aber nach beinahe jedem Winter wiederholt werden muss:  Das Schiff pönen oder oder anmalen. Zufällig ist "pönen" auch ein altertümlicher Ausdruck für "strafen". Manchem pönen als die gerechte Strafe dafür erscheinen, dass er so vermessen ist, ein traditionelles Schiff in einem ordentlichen Zustand zu erhalten. In diesem Frühling scheint diese Sinnverschiebung von strafen zu malen um so wahrscheinlicher, weil man lange nicht pönen konnte und der Termin der Rum-Regatta zu allem Verdruss auch noch besonders früh liegt. Auf dem zweitmöglichst frühen Termin, sozusagen. Halten wir uns also an Macbeth "Wär's abgetan, so wie's getan ist, dann wär's gut, man tät' es eilig."

Malen muss man mögen. Mit guter Vorbereitung und gutem Material kann es sogar Freude bereiten. Aber leider gibt es auch hierbei vertrackte Situationen, die eher in die Kategorie "Schadenfreude" gehören. Zum Beispiel, wenn eine volle Lackdose umkippt und das kostbare Nass über das saubere Deck fließt. Oder, wenn ... Man kann sich beliebig viele Situationen ausdenken.
Übel ist auch, wenn der alte Lack keine weitere Schicht tragen kann und zuerst komplett entfernt werden muss. Ist das im Top des Großmastes  notwendig, wird die Freude schon ziemlich gedämpft. Aber selbst dann "wär's gut, man tät es eilig". Also genug geklönt, oder um einen netten Nachbarn zu zitieren: "Wie schnell ist Nichts getan!" Glücklicherweise haben wir ein paar trockenen Tage mit angenehmen Temperaturen und mit trockener Luft. Und so sieht das Pönen im Museumshafen aus:


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Der Schipper von WIEBKE BOHLEN geht auf die Palme, die von BODIL und FULVIA bleiben sie mit beiden Füßen auf dem Boden. Der Schipper von PIROLA hätte auch beim Pönen gefilmt werden können, aber er war gerade unter Deck. Vielleicht um Nachschub für den Lackierpinsel zu holen. RYVAR kommt erst später unter den Pinsel, dort wird noch geschweißt.

PS:
Mit einer langen vierpartigen Talje kann man auch ohne kräftige Helfer in den Mast gehen. Die Talje, mit dem Topfall vorgeheisst, erlaubt dem wackeren Maler sich selbst hinaufzuziehen. Oben ist die Eigensicherung erstes Gebot. Der Sicherungsgurt stoppt einen fallenden Mann auf kurzem Weg, wenn er mit einer Würgeschlaufe um den Mast geführt wird. Das ist besonders einfach zu handhaben, wenn der Gurt mit einem Sicherungshaken in sich selbst eingepickt wird. Aber das weiß natürlich jeder schon längst.