05.01.19 Träume und Schäume

Im Wartesaal zum großen Glück
Da warten viele, viele Leute
Die warten seit gestern auf das Glück von morgen
Und leben mit Wünschen von übermorgen
Und vergessen, es ist ja noch heute
Tja, die armen Leute


(Text Walter Andreas Schwarz)


Gestern kam die Meldung vom drohenden Untergang des Dreimasters SEEADLER herein, der in Friedrichstadt nach jahrelanger Verwahrlosung zu sinken droht. Schon 2015 fassten die Husumer Nachrichten die Situation so zusammen: "Bäume und Gras an Deck". Vorgestern musste die Feuerwehr mit starken Pumpen anrücken, um den Rumpf zu stabilisieren. Der Vorfall ist der jüngste in einer Reihe ähnlicher Havarien, über die wir in den letzten Jahren berichteten. Wir erinnern uns an NINIVE, RAKEL, DAGNY, ROLAND von BREMEN, GIDDY UP. Auch das Ende der LILLE BJØRN, die zu Hälfte abgewrackt bei der Museumswerft in Flensburg liegt, gehört in diese Reihe. Und in allen Fällen gab es bis zur letzten Minute große Träume von der Zukunft auf und mit dem Schiff. 
Bei der Museumswerft bahnt sich jetzt auch das Ende der 140 Jahre alten Handelskvase OLINE an, die seit ihrer Ankunft in Flensburg vor nun bald sechs Jahren ihrem Ende entgegendämmert. Nach ein paar Jahren als Gast im Museumshafen wurde sie auf die Wasserfläche der Museumswerft verholt, wo auch schon die Hulken der WILHELMSHAFEN, MARIE und der LILLE BJØRN vor sich hin rotten. Vor ein paar Tagen hatte nun auch OLINE Besuch von der Feuerwehr. Die war angerückt, weil das Schiff zu sinken drohte. Jetzt wurde sie an einen anderen Liegeplatz verholt, wo sie von Pumpen über Wasser gehalten wird. Der neue Liegeplatz ist mal gerade "um die Ecke" auf der anderen Seite des großen Pontons, an dem sie bislang schon angeleint war. Jetzt aber auf der Nordseite, wo sie bei den hier gefürchteten NE-Stürmen vollkommen ungeschützt im Schwell liegen wird. Ein Schelm, der hierbei Arges denkt.
Schade um das Schiff. Es hätte ein besseres Schicksal verdient. Immerhin ist es (noch) das älteste Segelschiff auf der Ostsee. 


--- bekommt das zu sehen
Wer dem Wegweiser nach OLINE folgt ...

02.01.19 Land unter

Bilder und Szenen vom Hochwasser, heute gefilmt und fotografiert von Harald Harpke:





Am Hafen gesichtet

Helfer im Einsatz
Retter unterwegs













Hoch und trocken
Hoch, nicht trocken



















Alle Fotos © Harald Harpke

02.01.19 Wasser marsch

Gestern schrieben wir noch über den Wasserstand im Hafen "Ist er erst einmal so niedrig, kann er nur noch steigen". Als hätte Neptun nur darauf gewartet, schickte er das Wasser umgehend zurück. Heute meldete Flensburg heute bei strahlendem Sonnenschein und mäßigem Nordwestwind "Land unter ". 

Das Wasser im Hafen kletterte schon kurz nach Mitternacht über den mittleren Pegelstand von 502 cm und stieg bis zum Nachmittag um weitere 70 cm. Schon morgens zeigten erste große Pfützen auf der Schiffbrücke und den Norderhofenden die niedrigsten Stellen an. Bald schwappte das Wasser über den Vorplatz der Museumswerft. Wer jetzt noch auf diesem Weg das Bohlwerk erreichen wollte, musste Wathosen mitbringen oder geeignetes Sportgerät. Nachmittags um 15 Uhr erreichte der Pegel den ersten Höchststand von 571 cm. Hier ein Eindruck vom ersten Hochwasser des Jahres: 



Des Einen Leid, des Anderen Freud:
Stand-up Paddeln war heute Nachmittag die einzige Fortbewegungsart auf der Schiffbrücke





Nirderfischerstraße:
Zufahrt zur Schiffbrücke gesperrt
Schiffbrücke
Dauerparkplatz mit Unterbodenwäsche 













Mittags war das Bohlwerk noch passierbar


... von Süden
Jedoch nicht ...











... und die Jollen auch
Die Schiffe schwammen auf Augenhöhe ...

01.01.19 Neujahr bei Niedrigwasser

Silvester 2018 ist Vergangenheit. Wie in jedem Jahr glich der Hafen einem Hexenkessel, als Flensburg mehr als eine Stunde lang den Jahreswechsel feierte. Aber es gab auch einen Ruhepol in dem furiosen Spektakel. Frischluft statt Feinstaub am Morgen danach.

Silvesterabend in der Klimahauptsadt
Es soll Leute geben, die alljährlich zu Silvester um besonders schlechtes Wetter beten. Am liebsten solle es wie aus Eimern schütten, flehen sie. Aber im Himmel wurden ihre Rufe  in diesem Jahr wieder nicht erhört. Und so war auch gestern Nacht anscheined wieder ganz Flensburg auf den Beinen, pilgerte mit Feuerwerk beladen zum Hafen. Besonders bei den Kontorhäusern auf der Ostseite, an der Hafenspitze, am Willi-Brandt-Platz und bei der Museumswerft schienen sich viele in Feierlaune zur großen öffentlichen Silvesterparty eingefunden zu haben. Auch an der gesamten restlichen Hafenhante war kaum noch ein Durchkommen. In den zwei Stunden um den Jahreswechsel krachte, blitzte heulte und donnerte es ohne Unterbrechung. Die in diesem Jahr besonders beliebten Feuerwerk-Batterien brachten eine bislang unbekannte Steigerung der Feuerkraft der Pyromanen. Und so war der Hafen nach kurzer Zeit in dichte Rauchschwaden gehüllt, die auch der Westwind nicht vollends wegblasen konnte. Der Rauch, bzw. Feinstaub an Silvester macht im Mittel 15 Prozent der Werte des Kraftverkehrs im ganzen Jahr aus. Der ist in Flensburg rund um den Hafen ohnehin besonders hoch. Fünfzehn - das ist die Gesamtmenge von 55 Tagen zu 24 Stunden. Diese Menge wurde in der letzten Nacht im wesentlichen während drei Stunden in die Luft geblasen. So erwies Flensburg auch in dieser Nacht seinem selbst gewählten Ziel als Klimahauptstadt keine Ehre. Das Klima in der Fördestadt war zu Silvester mindestens genau so miserabel wie in der übrigen Republik. Wie könnte es auch anders gekommen sein, hat doch der Stadtsprecher im Vorfeld des Tages herausgestellt, dass dies in Flensburg kein Problem sei, das durch Verordnungen geregelt werden müsse. Und außerdem - wer solle das kontrollieren? Während andere Städte in Deutschland mit gutem Beispiel vorangehen und Feuerwerk komplett oder zumindest teilweise verbieten, feiert Flensburg seine Großzügigkeit und Toleranz bis zur Selbstaufgabe. Und prompt wurden in der Nacht auch wieder Fallschirmraketen in großer Zahl abgeschossen. (Anm.: Sie sind Seenotzeichen und dürfen nur im Notfall (logisch) über See gezündet werden. Über See, um Verwechslungen zu vermeiden. Über Land sind sie verboten, weil die Raketen weiterbrennen, auch wenn sie auf dem Boden oder auf Häusern, Schiffen im Hafen, Bäumen oder sonstwo gelandet sind. Das scheint Manchem oder Mancher nicht logisch zu sein.)

Die Wasserschutzpolizei fuhr während des Spektakels bis Mitternacht im Hafen umher, anscheinend um die Aussicht zu geniessen. Denn, wie sagte der Stadtsprecher Teschendorf in der Tageszeitung "Ich muss es auch effektiv überwachen können" Eben.

Neujahrsmorgen 
Und der Ruhepol? Kaum zu glauben, in diesem Inferno war das Bohlwerk der einzige Ort im Hafen, an dem keine Raketen abgeschossen wurden. Den im letzten Jahr endlich installierten Toren und dem zuverlässige "Torwächter" Axel zum Dank konnten die Schiffeigner endlich einmal Silvester ohne Sorge um ihre maritimen Schmuckstücke verbringen.

Eine andere Sorge konnten die Tore jedoch nicht abwehren. Während der Nacht  sank der Wasserstand im Hafen um mehr als einen Meter und der Neujahrsmorgen sah die Traditonsschiffe weit unterhalb der Bohlwerkskante. Bei den Lüttfischern lagen die letzen beiden Boote derweil schon auf Grund. Aber kein Problem. Alle Festmacherleinen waren lang genug und keines der Boote hatte sich "aufgehängt". Wäre ja auch ein schlechter Start ins neue Jahr gewesen.

Bleibt nur der Wunsch, dass dem dem guten Start ein gutes Jahr folgt. In diesem Sinne "Willkommen 2019!"

Am Morgen nach dem Abend vorher. Ist das Wasser erst einmal so niedrig, kann es danach nur noch steigen.

26.12.18 Kein Grog, kein Törn

Seit Gründung des Museumshafens Flensburg hat der Verein den öffentlichen Veranstaltungskalender in Flensburg mit drei maritimen Schwerpunkten bereichtert. So beginnt die Segelsaison der Traditionsschiffe am Bohlwerk mit der Rum-Regatta, gefolgt von der Apfelfahrt und endet mit dem Grogtörn. Der Grogtörm im Vorjahr war der kürzeste und heftigste seit Anbeginn - der von heute fiel gleich ganz aus.


Fahrt ins Graue: Grogtörn 2018

























Man hätte vorgewarnt sein können, denn auf der Internetseite des Veranstalters Museumshafene.V. wird lediglich der Grogtörn des Vorjahres (2017) angekündigt. Aber da die Termine für die Ankündigungen der beiden anderen Veranstaltungen des Vereins in diesem Jahr ebenfalls zwölf Monate nachhinken - obwohl sie stattfanden - schien das so gesehen normal zu sein.

Vormittags fanden sich ein oder zwei Dutzend Menschen unter dem Krahn zusammen. Und tatsächlich fuhren auch diesmal am zweiten Weihnachtstag noch zwei einsatzbereite Traditionsschiffe auf die diesig-trübe Förde. Aber die üblichen Gäste mit der Buddel blieben aus. RAGNA, Nachbau eines Wikingerbootes aus Norwegen, kam jedenfalls vom Grogtörn zurück, wie es losgerudert war - ohne Gäste an Bord. Und das obwohl Knut Steuermann für den Anlass extra einen Teekessel vorbereitet hatte.

RAGNA von Leerfahrt zurück