07.11.18 Herbstruhe am Bohlwerk

Himmlisch ruhiger Herbsttag am Bohlwerk. Wo sich mittags sonst dutzende Gäste der Fischütte versammeln um eines oder mehrere der begehrten Brötchen zu kaufen und sie gleich an Ort und Stelle zu verehren, konmen jetzt nur noch wenige Besucher zum Museumshafen. 


Einige der alten Segler haben das Bohlwerk über den Winter verlassen und liegen bis zum Frühling in anderen Häfen. Und jetzt ist seit dem letzen Wochenende auch noch die Fischütte geschlossen. Die rührigen Gastronomen haben ihren Wirkungskreis zum Weihnachtsmarkt verlegt.

Seit dem herrscht am Bohlwerk nahezu himmlische Ruhe. Kein Gedränge dutzender Fischbrötchenlovers, keine emsig kauenden Menschen auf den Anlegerstegen, dem Geländer und den Sitzmöbeln der "Letzten Fischbrötchen vor der Grenze". Keine Rufe der Verkäufer, wenn
bestellte Brötchen fertig sind "Zweimal Markrele! Einmal Stremellachs" oder was immer sonst. Kein "Plop!, Plop!" Stakkato der Bügelflaschen und kein lebhaftes Stimmengewirr. Selbst die Möwen und Ratten sind jetzt weniger zu sehen, die sich während des Sommers um heruntergefallene Speisereste balgten.


Wer jetzt hierher kommt, besucht den Ort ohne spezielle gastronomische Bedürfnisse. Bleibt also der Wunsch nach Bewegung an frischer Luft,  und der Anblick der alten Boote weshalb Besucher jetzt hierher kommen.


Einige Boote sind bereits für den Winter vorbereitet, liegen unter Winterplanen und lassen nur vom Rumpf einen Streifen frei sichtbar. Oben ragen die Masten aus der Verkleidung. Einzelne Wimpel und Flaggen trotzen dem Herbstwetter. Es ist immer noch gut genug für Arbeiten am Boot. Auf einem Haikutter wird ein Luk erneuter, auf einer Kreuzeryacht entsteht eine neue Winterpersenning. Aber von Tag zu Tag
werden die hellen Stunden weniger.

Wer sich aus Liebhaberei mit alten Schiffen beschäftigt, beherrscht oft mehrere Handwerke, kann Segel und Leinen ausbessern, Holz- und Lackierarbeiten erledigen. Dazu kommen noch viele andere nützliche Fertigkeiten wie löten, schweißen und Motoren warten. Auch Grundkenntnisse als Elektriker oder Mechaniker können das Leben mit den alten Kulturzeugnissen sehr erleichtern. Als die Boote jung und noch in Lohn Brot arbeiteten, hat man schließlich alles selber gemacht, was nicht unbedingt einen Facharbeiter benötigte. Das war bis weit in das letzte Jahrhundert ganz normal. Auch Reparaturen an seinem Motorrad oder, Automobil, wenn schon vorhanden, machten die meisten Besitzer selber. Radwechseln war das Mindeste, was man können musste. Heute haben viele PKW nicht einmal mehr ein richtiges Ersatzrad.

Liegt es am Herbst oder an der Ruhe? Das Bohlwerk als Ruhepol wer hätte das gedacht? Manchmal bringt der Blick zurück ganz merkwürdige Gedanken hoch.

Noch ein prüfender Blick nach oben zum Masttopp - und schon ist es mit der Ruhe zuende. Eine Sorgleine hat sich verabschiedet und die Blöcke direkt unter dem Masttopp hängen leer und ohne Funktion an ihren Schäkeln. Da bleibt keine andere Wahl, als noch einmal hochzuklettern und die Sorgleine für das Klüverfall neu einzufädeln. (Anm.: Über den Winter sind Sorgleinen Platzhalter für die Fallen, um das teure Leinenmaterial zu schonen. Vor der Saison werden die Fallen mit Hilfe der Sorgleinen wieder eingeschoren.) Der Lohn der Mühe? Geld für Fitness-Studio gespart, Körper ertüchtigt und eine tolle Aussicht genossen. Es zahlt sich eben alles aus!

06.11.18 Maritimer Untoter

Beinahe pünktlich zu Halloween machte sich heute morgen in Kiel ein maritimer Untoter von sich reden. Das Boot sank gleich dreimal. Nun machten sich seine Reste des einstigen Stagsegelschoners unangenehm bemerkbar. Sie stiften seit 10 Jahren Streit zwischen den betroffenen Parteien.  

Wer erinnert sich noch an den Stagsegelschoner GIDDY UP? Sie machte in den 1990-ern im Flensburger Hafen fest und lag jahrelang auf der Hafen-Ostseite. Ohne Übertreibung kann man sie eines der meistgesunkene Schiffe nennen. Zumindest ist sie allein im Flensburger Hafen gleich zweimal gesunken und später noch eimal in der Kieler Förde. Beim bislang letzten Mal im Jahr 2009 ging sie an der Außenmole des Kieler Sportboothafens Stickenhörn auf Grund und war eigentlich schon fast vergessen - bis sie sich heute morgen wieder in Erinnerung brachte. Die Kieler Nachrichten brachten den Anlass auf den Punkt: "Wenn versunkene Schiffe sich in Erinnerung rufen wollen, lassen sie Öl frei." 

GIDD UP nach ihrem letzten Untergang 2009
Foto: Kieler Nachrichten online

Das Boot, 1958 an der franzöischen Atlantikküste nach Vorlagen von Tunfischern der Irischen See aus Teak gebaut, kam 1994 nach einigen Reisen im Mittelmeer nach Flensburg. Schon wenige Jahre später lag es verwahrlost am Harniskai und verfiel trotz ein paar Reparaturen immer mehr, bis es im Jahr 2006 gleich zweimal sank. Beim ersten Mal hatte sich ein Schlauch an der Lenzpumpe gelöst, beim zweiten Mal lag es wohl am allgemein schlechten Zustand. Es wurde noch im selben Jahr gehoben um es nach Kiel zu überführen. Dort sank es nach einem missglückten Anlegemanöver vor dem Sportboothafen Stickenhörn abermals. Erneut gehoben, lag es außen an der Mole. Dort sank sie 2009 in einem Herbststurm erneut. Und noch einmal sollte sie gehoben werden. Aber die Bemühungen scheiterten an unklaren Zuständigkeiten. So entschloss man sich, lediglich die Untergangsstelle als Gefahrenbereich zu markieren, die Tanks leer zu pumpen und die Masten zu kappen.

Heute bildetet sich ein "leichter Ölfilm" (kn-online) auf dem Wasser, dem die Berufsfeuerwehr mit einem Ölbekämpfungsgerät zuleibe rückte. Nun streiten sich die beteiligten Parteien Eigner, das Hafenamt und die Wasser- und Schifffahrtsdirektion erneut über die Zuständigkeit für die Schadensbeseitigung. Derweil nimmt die Wasserschutz-Polizei Ermittlingen auf. 

Wer das Schiff kennt, wird sich an seine sehr kräftige Bauart aus massivem Teak erinnern. Aber  fortwährender Verwahrlosung kann auch das beste Holz nicht widerstehen. In Flensburg laufen derzeit mehrere Experimente, um diese Behauptung zu widerlegen. Mal sehen, wie das ausgeht. 

30.10.18 Erstes Hochwasser im Hafen

Zum ersten mal in diesem Herbst schwappte in der letzten Nacht das Hafenwasser über die Schiffbrücke. Gleichzeitig drehte der Wind auf Nordost. An einem Boot im Museumshafen brach die Festmacherleine. Glücklicherweise gab es darüber hinaus keinen weiteren Schaden an den Booten. 

Mit 1,21 Metern über dem mittleren Wasserstand spritzte gestern am späten Abend das Wasser durch die Planken auf dem Bohlwerk. Dabei bewegten sich die im Museumshafen verbliebenen Boote lebhaft, teilweise sehr lebhaft in dem Schwell, den der frische, in Böen stürmische Nordost-Wind im Hafen aufgewühlte. Wieder einmal zeigte sich, dass die alte Regel immer noch sinnvoll ist, nach der zwei nebeneinander liegende Segelschiffe sorgsam ihre Masten gegeneinander versetzen müssen. Denn anders als eine schunkelnde Tafelrunde bei der alle im  gleichen Takt nach derselben Seite schaukeln, hat jedes Boot seinen eigenen Rhythmus. Da kann es dazu kommen, dass die Masten mit voller Wucht aneinander prallen und dabei schwer beschädigt werden. Die Gefahr ist besonders groß wenn die Festmacherleinen wegen der stark schwankenden Wasserstände länger gesteckt werden als sonst üblich. Dann liegen die Boote bei seitlichem Wind auch schon mal diagonal in ihren Boxen. Bei Menschen und Tieren spricht man in diesem Fall von "kuscheln", was ja als Ausdruck großer Harmonie angesehen wird. Nicht so  bei Booten; da können bei dieser Art der heftigen Annäherung auch schon mal die Fetzen. fliegen. Und dann ist Schluss mit der Harmonie zwischen den zugehörigen Menschen.

27.10.18 Wrack der SS NORDLYSET gefunden

Die Flensburger Schiffbau-Gesellschaft (FSG) ist tragender Pfeiler der maritimen Tradition der Stadt. Seit 146 Jahren werden auf dem dort Schiffe gebaut, das erste ging 1875 zu Wasser. Jetzt wurde das Wrack der NORDLYSET identifiziert. Sie lief nur zwei Jahre später vom Stapel und sank dreieinhalb Monate danach unter dramatischen Umständen auf ihrer ersten Reise. 

Auf der Sandbank Razende Bol südwestlich der Westfriesischen Insel Texel kam es am 18. Dezember 1877 zu einem schweren Schiffunglück, bei dem neun Menschen ihr Leben verloren. An dem Unglückstag herrschte ein schwerer Sturm. Die SS NORDLYSET, ein Zweimaster von 1980 Tonnen mit einer Zweizylinder Compound Dampfmaschine aus Kopenhagen, kämpfte sich in Richtung Antwerpen. Es war die erste Reise für den Frachter und das Schiff war auch eines der ersten seiner noch jungen Reederei, die Dampskibsselskabet NORDEN A/S aus Kopenhagen. An Bord Getreide aus Riga, bestimmt nach Antwerpen. Bei einem Zwischenstopp in Kopenhagen am 15. Dezember wurde für die Reise noch Kohle gebunkert.

An der damaligen Untiefe, fand die Reise ein tragisches Ende. Das Schiff kenterte in dem Sturm und strandete. Dabei ertranken sieben der 23 Besatzungsmitglieder. Das Drama wurde vom Festland aus beobachtet, aber schnelle Hilfe war nicht möglich. Als eine Flaschenpost mit einem Hilferuf der Überlebenden gefunden wurde, kam am 18. Dezember eine Hilfsaktion in Gang. Ein Rettungsboot der KNRM in Den Helder aus Nieuwediep , besetzt mit neun Mann unter der Führung von Dirk Stein machte sich auf den gefährlichen Weg zum Wrack. Die Männer konnten das sinkende Schiff erreichen und die 16 Überlebenden übernehmen. Doch dann wurde das Rettungsboot von einer Welle hochgeschleudert; es kenterte. Dabei verloren der Bootsführer und einer der Ruderer ihr Leben. 


Das Wrack der NORDLYSET. Bug, Heck, Kessel
und Maschine sind noch gut zu erkennen.
Foto gefunden bei: Dampskibsselskabet A/S
Nun wurde das Wrack des Unglücksschiffes identifiziert. Es war schon vor einiger Zeit von den "Northseadivers" entdeckt worden. Aber erst nachdem bestimmte Artefakte gefunden wurden, stand fest, das es sich um die NORDLYSET handelt (Die Northseadivers in den Niederlanden arbeiten mit dem holländischen Archäologie-Institut zusammen). 

Die Nachricht vom Fund der NORDLYSET hat die Reederei NORDEN A/S in Kopenhagen sehr berührt. Das vor 141 Jahren verlorene Schiff war eines ihrer ersten Schiffe überhaupt. Und unter den Opfern der Havarie war auch Daniel Wright, Gründer der damals noch jungen Gesellschaft. 

Quelle: Internet

24.10.18 Bohlwerkbilder von heute

Gestern Abend konnte man am Bohlwerk noch auf die Boote herabsehen, so niedrig war der Wasserstand. Heute sind sie eher auf Augenhöhe zu betrachten. Das sieht dann so aus:


"Land unter" am Steg der Lüttfischer
RAGNA am Ponton der Museumswerft














Haikutter BODIL (vo.), Logger PIROLA (hi.)
Logger RYVAR (rot) und Heckschiff SIGANDOR














Colin Archer WIEBKE BOHLEN und
Skutsje FORTUNA
SIGANDOR, JONGE JAN, RYVAR (von links)














Jagdt VIER GEBRÜDDER auf der Museumswerft


Kragejolle (?) KAP11 auf der Museumswerft












Wikingerskalp an RYVAR. Oder?
















Manchmal wird man durch einen "zweiten Blick" auf längst vertraute Bilder belohnt. RYVAR hatte vermutlich einen verkrauteten Ankerplatz gewählt. Nun hängt zur Erinnerung das trockene Seegras am Patentanker. Mit ein wenig Fantasie kann man sich auch etwas ganz Anderes darunter vorstellen.  Könnte es vielleicht ein Vodoo-Zauber gegen den Klabautermann sein? Ach, was. In drei Wochen beginnt der Karneval. Da wird es sich wohl um ein Teil des Kostüms handeln. Oder guckt gar ein Bison aus der Ankerklüse?

24.10.18 Maritimer Flohmarkt

Trotz des Datums kein Karnevalsscherz! Rechtzeitig zum Saisonende kündigt "Muse Maritim" den ersten Maritimen Flohmarkt im Flensburger Schifffahrtsmuseum an. 


Am besten gleich anmelden!
Beate Falkenberg (Bfalkenberg@muse-maritim.de

23.10.18 Xerxes und Siglinde

Die beiden Luftdrucksysteme mit den Namen "Xerxes" und "Siglinde" machen heute ziemlich viel Wind um ihre Beziehung.


Wetterlage heute 13:00 Uhr
Abb.: Wetterkontor.de
Während der Nacht fallen erste Regenschauer, tagsüber nimmt der Nordwestwind zu. Eine alte Wetterregel der Seeleute warnt: "Kommt erst der Regen, dann der Wind, Seemann wache auf! Geschwind!" und tatsächlich warnt der Wetterbericht für die westliche Ostsee vor Starkwind und Sturm; weiter östlich seien sogar Orkanböen zu erwarten. Noch schlimmer klingt die Warnungen für die Nordseeküste: Hochwasser mit Pegelständen von 1,5 Meter über dem Mittleren Hochwasser. Der Nordwest drückt das Wasser in die Deutsche Bucht, wo es nicht abfließen kann.
Anders an der Ostseeküste von Schleswig-Holstein: Der Nordwest ist hier zwar schwächer, aber immer noch stark genug, um das Wasser in Richtung Östliche Ostsee zu drücken, und zwar schneller, als es vom Skagerak nachfließen kann. Die Wetterlage hat es aber auch in sich. Der Hochdruckwirbel "Xerxes" dreht sich, der Coriolis-Kraft folgend im Uhrzeigersinn, und treibt die Luft von Nordwest gegen das Festland. Der Tiefdruckwirbel "Siglinde" hat sich von Island kommend hinzugesellt. Er dreht sich zwar linksherum, doch er verstärkt dadurch die Nordwestströmung zusätzlich. Das Ergebnis: Im Flensburger Hafen (aber nicht nur dort) sinkt der Pegelstand bis 16:00 Uhr um einen Meter, gemessen am mittleren Wasserstand. Das wird aber vermutlich noch nicht der tiefste Stand sein. Wer jetzt sein Boot an einem Schwimmsteg oder Ponton befestigt hat, ist fein raus. Wer aber seine Leinen an Land fest gemacht hat, sollte eventuell mal nachsehen, ob sie genügend lang belegt sind. Denn Poller oder Klampen an Bord sind meist zu schwach, um das Gewicht des Bootes zu tragen. Im schlimmsten Fall werden sie sich aus dem Rest vom Rumpf verabschieden.
Um 19:00 Uhr ist der Wasserstand im Hafen weitere zehn Zentimeter  gesunken. Ob er damit seinen tiefsten Stand erreicht hat, kann jeder für sich selbst hier abfragen.

18.10.18 Abgesegelt

Absegeln ist für viele Segler der letzte Termin fürs gemeinsame Segeln. Danach  werden die Boote über den Winter an Land gestellt. Das war für die Segelvereine entlang der Förde am letzten Sonntag im September. Im Vereinskalender des Museumshafens gibt es diesen Termin nicht, weil die Boote - von den Jollen abgesehen - im Wasser bleiben. Dennoch haben auch einige der "Großen" ihren Tag im Jahr, nach dem sie "eingewintert" werden. 


Bei Fahrensodde
Foto (1) : Philipp Jungschläger

Heute war auch für uns die Saison zu Ende und das Wetter gab sich alle Mühe, uns den Abschied von der Förde schwer zu machen. Die Temperatur war deutlich niedriger als in den letzten Tagen. Im frischen Nordwind kam schon bald der Gedanke an eine warme Jacke auf, obwohl wir, aus dem Hafen kreuzend, eigentlich genug Bewegung bekamen. Wir hatten es uns auch nicht zu einfach gemacht, denn beim Ablegen wehte der Wind recht kräftig, weshalb wir auf Klüver und Besan verzichteten. Wir rechneten mit dem üblichen Düseneffekt in der Hafenmündung. Mit den beiden Segeln verzichteten wir natürlich auch auf den größten Teil der Antriebskraft. Aber den Motor wollten wir nicht benutzen. Schließlich war es ja der letzte Segeltag im Jahr. Nur, je näher wir der Flensburger Werft kamen, umso mehr nahm der Wind ab. Nach einer halben Stunde lag der Hafen hinter uns. Nun konnten wir auch den Klüver setzen. Heute hatten wir die Förde nahezu alleine für uns. Kein Motorgeräusch, keine knatternden Segel, kein störendes Geräusch weit und breit. Dafür genügend Muße, um die liebliche Uferlandschaft genauer zu betrachten und die Ruhe auf dem Wasser zu genießen. Nun nahm der Wind wieder zu, die vorhergesagten Böen ließen keine Langeweile aufkommen. Dazu einzelne Winddreher, die ausgesegelt werden wollten. Und ein letztes Mal in diesem Jahr den Trimm der Segel mit kleinen Tricks zu verbessern: ein Vergnügen, auf das wir nun für ein paar Monate verzichten müssen.
Nach zwei Stunden erreichen wir wieder den Hafen. Beim Harniskai segelt die Arendal-Sjekte HILDING. An der Schiffbrücke bergen wir die Segel. Sie werden in diesem Jahr nicht mehr gebraucht. Jetzt noch zum Liegeplatz, festmachen. Als wir das Boot verlassen, sind nahezu alle Segel abgeschlagen, durchgesehen, zusammengelegt und in ihren Segelsäcken verstaut. 


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17.10.18 Werden und Vergehen

Auch heute könnte noch ein Sommertag sein, wäre nicht dieses besondere Licht der niedriger stehenden Sonne. Doch nun färben sich Wälder und Felder, leuchten in sattem Gold. Morgens glänzen die Boote vom Tau der Nacht und der Dunst will nur langsam weichen. 

Die Zwischenjahreszeiten erinnern von alters her an Werden und Vergehen im Lebenslauf. Das Werden ist dem Frühling, das Vergehen ist dem Herbst vorbehalten. Wie in der Natur, ändern sich auch von Menschen geschaffene Dinge. Ein besinnlicher Rundgang am Museumshafen.

Fischerboot Ka. 11 ...
... Snurrewadenkutter HARRY

Smakke EURIDIKE ...
... Danske Jagdt VIER GEBRÜDER










... und Expeditionsschiff  FEUERLAND
Gokstadtboot RAGNA ...








10.10.18 Am Hafen gesehen

Heute hatten wir einen Tag lang Altweibersommer vom Feinsten. Eine klare Sonne am hellblau leuchtenden Himmel, zart-goldener Dunst über Stadt und Hafen. Auf dem Wasser feine Kräusel einer schwachen Briese. 
Vermutlich ist heute der letzte Tag im Jahr, an dem die älteren Damen der Yachtszene im Hafen zu sehen waren. 


THEA
VIM
ANITRA (li.) und WINGS
SPHINX
THEA (li.) und TIMPE TE
PROVIDENTIA HF 42
WIEBKE BOHLEN, ANNY und  PIROLA
SIGANDOR, JONGE JAN und RYVAR
Während die Regattayachten der 12-Meter Klasse schon an Land kommen, mag sich die Crew der TIMPE TE noch nicht für die Winterpause entscheiden. Ist bei diesem Wetter auch keine Überraschung.



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09.10.18 Filmstar im Hafen





Vor etwa einem Jahr konnten wir auf ein besonderes Projekt aufmerksam machen. Ein junger Mann hatte sich vorgenommen ein ganz besonderes Boot zu restaurieren. Dieses Boot spielte vor 34 Jahren eine zentrale Rolle in einer 10-teiligen Vorabendserie. Nach unserer Erinnerung war diese Serie damals ein regelrechter Straßenfeger. Es war die Verfilmung des des Romans "Riddle of the Sands" von Robert Erskine Childers. Das Boot hieß in seiner Rolle DULCIBELLA, dargestellt von TIMPE TE. Für Freunde Flensburgs war und ist der Film immer noch sehenswert, spielt doch ein Teil der Handlung aus der Zeit vor dem ersten Weltkrieg in der immer noch schönen Fördestadt.
Heute segelte TIMPR TE wieder in flotter Fahrt im Hafen.

07.10.18 Einlaufparade

Sehen und gesehen werden. Was anderen Städten die Promenade oder Flaniermeile ist, das ist Flensburgs Hafen. Langsam an der Hafenkante entlang segelnd kann man die Boote im Hafen in aller Seelenruhe betrachten und sich ganz nebenbei selbst segelnd öffentlich zeigen. Vielleicht bekommt  eine Landratte Lust aufs segeln?
OLINE (li.) und WILHELMSHAFEN
SIGRID (li.) und MARIE


FULVIA
ANNY von GLÜCKSTADT (li.) und PIROLA

FORTUNA (li.) und Bens Fischbude
THOR (li.) und DANA









GRETA
MEJSEN


















Viele Boote nutzen diese Möglichkeit. Wer in den Wenden bis auf "Pantoffelschmeissweite" dicht an die Pier ran kommt wird beachtet - zumindest von den Anglern. 

02.10.18 Herbstfreuden

Der Herbst ist die wohl am stärksten unterschätzte Jahreszeit. Dabei bietet er Abwechslung mit Wind Wolken und sonnigen Stunden. Wer im Sommer über Hitze und Flaute klagte, kommt jetzt auf seine Kosten. Bordleben im Herbst. 




Klagen wir nicht über was wir lange vermissten! Nach langem, heißem, trockenem Sommer. Jetzt wehen Regenschauer über Hafen und Förde. Lange war der Himmel nicht dramatischer als in den letzten Tagen. Mit Wolkenbergen und grauen Schatten, blitzenden Wellen im fahler werdenden Licht. Dunkle Regenfahnen unter schweren Wolken. Jetzt haben wir Wind, für rasche Fahrt mit schweren Booten. Und bläst er zu stark, kommt ein Reff ins Segel oder auch mal zwei. Aufrecht segelt der Langkieler schneller als mit "Lage".
Neue Geräusche unter Deck, wenn der Wind in Fallen und Wanten orgelt und das Boot an den Leinen zerrt! Schnell die warmen Hosen und den Wollpullover übergezogen! Wer jetzt noch in der Plicht den Tag genießt, liebt genau dieses Wetter. Auch unter Deck beginnt die schönste Zeit des Jahres. Der Bordofen bullert, verbreitet angenehme Wärme. Darauf simmert der Wasserkessel, gleich gibt es schwarzen Tee mit Kluntjes. Vielleicht auch ein Stück Kuchen dazu? Ist es draußen kühl, braucht der Mensch mehr Kalorien. Unter Deck flackert Kerzenlicht in den Leuchtern, lässt den Rotwein in den Gläsern funkeln. Im Dämmerlicht rutscht jeder gerne enger zusammen. Zeit für Gespräche oder vertrautes Schweigen. Schwere Tropfen trommeln aufs Deck, eine Böe rappelt im Rigg, ein Bleistift rollt über den Kartentisch.
Am Ankerplatz knackt die Kette wenn der Wind dreht. Kleine Wellen platschen gegen den Rumpf. Nun Stille. An Deck spaziert eine Möwe. Dann wieder prasselnde Tropfen. Gibt  es einen wohnlicheren Platz als die Koje? 

Der Morgen dämmert jetzt viel länger, gewonnene Zeit fürs Frühstück. Kaffee dampft in der Tasse, die Brötchen frisch aufgebacken mit Butter und selbst gemachter Marmelade. Herbst vom Feinsten.

30.09.18 Prima Aussicht

Für Traditionsschiffer ist der Herbst ist die beste Zeit um den Mast zu pflegen. Dann ist das Holz noch trocken und die große Feuchtigkeit und Kälte steht noch bevor.
Blick nach Norden: BODIL, MYTILUS, PIROLA und ANNY

Blick nach Süden. Zu sehen sind MEJSEN, GRETA und THOR.
BETTY und DANA sind abgereist. Im Vordergrund das Heck
von FORTUNA
Soviel Zeit muss sein: Ein Blick auf WIEBKE BOHLEN ...
Es ist bekannt: Der Holzmast auf einem Traditionsschiff benötigt mehr Wartung und Pflege als beispielsweise ein Aluminium-Mast auf einer modernen Jacht. Dabei ist der Aufwand für Kontrolle, Wartung und Pflege für sich alleine genommen nicht einmal besonders hoch. Läge der Mast auf Böcken am Boden, wäre er schon längstens gut gepflegt. Aber da oben mit Schleifpapier und Pinsel herumbaumeln?

Während die Masten von vielen modernen Yachten im Herbst "gelegt" werden, bleiben ihre Kollegen auf Traditionsschiffe meist jahrelang an ihrem Platz. Das liegt unter anderem auch daran, dass der Aufwand den Mast in die Horizontale zu bringen erheblich größer ist, als bei den Sportbooten und Jachten.

Dennoch ist die Kontrolle und Wartung notwendig. Und da der Mast nicht runter kommt zum Schipper, muss der Schipper rauf auf den Mast. Das ist eigentlich nicht besonders schwierig und auch recht befriedigend, besonders dann, wenn die anschließend die Arbeit erledigt ist. Dann sind alle Schäkel und Blöcke kontrolliert, die Wanten und Stagen labsalbt und die Kontakte der Mast-Elektrik überprüft. Dann kann man sich wieder getrost seinem Boot anvertrauen. Allerdings benötigt man dazu aber immer auch einen zuverlässigen Helfer respektive Helferin. Und auch ein bisschen Zeit wird benötigt. Denn mit einmaligem Aufentern ist es nicht getan. Beim ersten Durchgang wird kontrolliert und beim abentern geschliffen und Stück für Stück gleich anschließend der schützende Lack aufgetragen. Beim zweiten mal sollte es mit lackieren gut sein. Wer seinen Mast besonders gut schützen will, kann das dann auch gerne noch wiederholen. In der Praxis steht aber oft das Wetter oder die Leidenschaft zum segeln dagegen. Und - man sollte das in jedem Jahr konsequent durchziehen, denn sonst steigt der Aufwand exponentiell. Dann ist es eben nicht mit einem flotten Anschliff getan. Und wenn der alte Lack durchgeschliffen ist, genügen auch nicht nur zwei oder drei Lagen neuer Lackauftrag. Weil das so ist, sieht man so viele grau oder schwarz verwitterte Masten. Und im Extremfall gibt es wieder Berichte über Bruch in der Takelage wegen mangelhafter Wartung.
… und noch einer, weil's so schön ist

Ausflüge in den Mast haben aber auch ihre schönen Seiten. So sind sie ein sinnvolles Sportprogramm - entweder für den Helfer, der den Skipper in den Mast hochhievt, oder für Letzteren, wenn er sich sich selber nach oben befördert. In unserem Fall gelingt ihm das mit einer vierpartigen Talje. Die geht bis in den Masttopp und wird mit dem Toppfall vorgeheißt. Unser Mast ist ca 13 Meter hoch. Um sich selber vom Deck nach oben zu hieven braucht man etwa zehn Minuten. Das bringt ordentlich frische Luft in die Lungen und der Kreislauf kommt auch gut in Schwung. Einmal Mast rauf und dann von oben bis unten lackieren ist in weniger als zwei Stunden erledigt. Aber man kann sich das auch in kleinere Portionen aufteilen. Besondere Aufmerksamkeit benötigt der Masttopp, also der Teil über den Kälbern. Dort sind die meisten Blöcke angeschlagen und die Wanten und Stagen bilden viele verwinkelte Ecken, die alle sorgfältig gereinigt, geschliffen und gelackt werden müssen.

Aber auch bei jährlicher Pflege müssen Holzmasten traditioneller Schiffen nach einigen Jahren gezogen werden. Sonst kann das Holz in verborgenen Ecken faulen, bis es zu spät ist für eine  Reparatur ist. Wir ziehen es vor, Masten von Hand zu schleifen anstatt mit einer Schleifmaschine - von einem Winkelschleifer ganz zu schweigen! Vergleiche mit Nachbarn, die es anders halten sprechen dafür. Es geht zumindest gleich schnell, ist schonender, gründlicher und der Mast bleibt rund. Und das Lackieren geht auch schneller wenn der "alte" Lack nur angeschliffen wird. 

Lohn der Mühe ist auch die Aussicht über benachbarte Boote, den Hafen, die Passanten auf dem Bohlwerk und natürlich auch das eigene Boot zu seinen Füßen. Prima Aussicht eben.

28.09.18 Spritztour

Segeln macht auch bei mäßiger Temperatur Freude, wenn nur der Wind stimmt. Das konnten wir heute wieder einmal bei 11 Grad und böigem NW feststellen.

Der eine kommt, der andere geht. RYVAR kehrt zurück
Häfen sind so was wie Bahnhöfe zur See. Dort kommen und gehen Züge, hier sind es Boote und Schiffe. Als wir bei bei gerade mal zehn Grad Lufttemperatur ablegen, fegen die ersten Böen über den Hafen und machten schon den Start unter Segeln etwas sportlich. Denn der Wind kommt im Hafen aus Nordwest, das heißt, wir kreuzen bis in die Förde. Nur sollte dafür auch schon das Klüversegel stehen. Das geht aber bei einem Kurs "hoch am Wind" nicht so besonders gut, weil dieser Wind im Hafen alle zehn Meter aus einer anderen Richtung kommt. Also drehen wir erst einmal eine "Ehrenrunde", bis alle Segel gesetzt sind. 


Unterdessen kommt RYVAR von einer mehrtägigen Reise zurück. Unter Segeln, wie es sich für ein Schiff aus einem Museumshafen gehört. Denn vor 102 Jahren, als der Frachtsegler gebaut wurde, hatte er noch keine Maschine. Die wurde erst neun Jahre später eingebaut. Vor dem Bohlwerk fällt auf der großen Ketsch der Klüver, während er auf unserer halb so großen Ketsch gesetzt wird. 

Als das Video entstand, war der Wind noch moderat. Später nahm er kräftig zu. 

Wie üblich bei westlichen Winden ist der Hafen recht gut geschützt. Aber schon vor der Sonwik frischt er kräftig auf. Die vorhergesagten vier Windstärken gibt es zwar auch, aber die sind mittlerweile eher selten. Statt dessen halten die Böen um sechs bis sieben immer länger durch. Bei diesem Wind kann unser Boot immer noch Vollzeug tragen, aber es ist schwieriger, Fehler bei den Manövern zu korrigieren. Aber außer uns sind nur wenige Boote unterwegs. Um so mehr Platz könnten wir uns nehmen, wenn Halsen oder Wenden nötig sind. 
Aber schließlich bleibt es dann bei einer Wende in der Ronshoved-Bucht. Das ist um dreizehn Uhr. Bis wir wieder vor der Hafeneinfahrt ankommen, ist es gerade mal 65 Minuten später. Dazwischen bringenSturmböen unser "altes Mädchen" zur Raserei. Segler auf modernen Segelbooten mögen über diese Euphorie nachsichtig lächeln. Aber wenn die Logge sieben Knoten zeigt, ist das für unsere Verhältnisse schon richtig schnell. Hätte der Wetterbericht uns heute gleich die volle Wahrheit über die Windstärke zugemutet, wären wir auch gesegelt Aber dann eher mit je einem Reff im Groß und Besan. Dann machen wir zwar mit weniger Lage, aber dafür mehr Geschwindigkeit gesegelt. Nun ja, man kann nicht alles haben. So ist es eben beim traditionelle Segeln mit kleiner Crew. Zwar kann man auch unterwegs die Segelfläche kürzen, dank Smeereep*) ist das kein Problem. Sogar Segelwechsel sind möglich. Allerdings bringt das beim Segeln auf kurze Distanz nicht allzu viel Gewinn, denn diese Manöver kosten natürlich auch Zeit. 

ALF POLLAK vor der Sonwik 
Also bringen wir die Gischt zum fliegen. Mittlerweile treffen wir auf mehr Boote mit Ziel Flensburg. Bei jeder Böe, wenn wir noch ziemlich auf Kurs bleiben können, weil unser Langkieler dem Wind durch eine stärkere Krängung ausweichen kann, machten sie Sonnenschüsse, abrupte Schwenker nach Luv.
Während wir auf dem Weg nach Norden noch fotografieren und ein kleines Video filmen konnten, haben wir jetzt andere Prioritäten. Mittlerweile kommt der Flensburger Hafen nahe. Eine riesige weiße Fähre versperrt die Sicht auf das Werftgebäude. Einer der Neubauten der Werft navigiert, von zwei Schleppern unterstützt, im engen Fahrwasser vor der Marineschule. Für uns bleibt Platz in Lee des turmhohen Schiffes. Von der Brücke sehen ein paar Leute auf uns herunter. Einer antwortet auf unser Winken. Was mögen sie jetzt wohl denken?

Hinter der Flensburger Werft weht nur noch eine schwache Briese. Unsere Spritztour ist zu Ende.


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*) Wir sparen noch mehr Zeit beim Reffen, weil wir komplett auf Reffbändel verzichten und das überschüssige Segeltuch in "Faulenzer" fallen lassen 

28.09.18 Vertrackte Situation

Neue Fotos von der Havarie zeigen die vertrackte Situation der AMPHRITITE an der Brücke über den Alsensund in Sonderburg.

Gestern  konnten wir erleichtert berichten, dass bei dem Unfall keine Menschen verletzt wurden. In der letzten Nacht  erhielten wir Fotos vom Tag und Ort der Havarie des alten Dreimast-Schoners. Hierfür herzlichen Dank an den Fotografen!


Wer möchte in der Haut des Schiffsführers stecken, wenn der kostbare alte Segler von einer Strömung unter eine Brücke gedrückt wird? Wir kennen nicht die genaue Ursache für die Havarie und wollen darüber auch nicht spekulieren. Aber wir können beim Betrachten der Bilder "Aus Schaden klug werden" wie man so sagt und dem Segelverein DJS Clipper 1973 wünschen, dass der materielle Schaden überschaubar bleibt.

AMPHRITITE hilflos an der Brücke. Das siehtweder von weitem...
… noch aus der Nähe gut aus.
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Fotos (2) von Claudius Meyer