23.06.18 Klimaschützer in Klimahauptstadt

"Nur wer selbst brennt, kann Feuer in anderen entfachen" 
Auch ein guter Zweck kann auf kein bisschen Enthusiasmus verzichten. Was besonders junge Menschen mitreißt, ist das Gefühl, das Richtige zu tun. Das mitzuteilen braucht aber mehr als die Funktionärssprache von Projektmanagern. 


KlimaSail -Segler AMAZONE
Besuch im Flensburger Hafen. Seit zwei Tagen liegt BELUGA II an der Hafenspitze um das Weddellmeer zu retten (wir berichteten). Heute haben vor dem Schifffahrtsmuseum gleich zwei weitere Großsegler festgemacht. Zum einen die Dreimastbark ALEXANDER von HUMBOLDT (die mit den grünen Segeln) und AMAZONE, ein Gaffelschoner aus Turku, Finnland.
AMAZONE kommt ebenfalls zum retten hierher, ihr geht es um die Ostsee. Während bei BELUGA II Fauna und Flora der Antarktis im Brennpunkt liegt, will AMAZONE im Dienst der Nordkirche (in Kooperation mit "Brot für die Welt") zeigen, wie wichtig der Umweltschutz ist und zum Handeln anregen. Dazu sollen im Rahmen der Aktion "KlimaSail / Global denken - lokal handeln" mit jungen Menschen ein "neues Bewusstsein für einen neuen Lebensstil" entwickelt werden (Zitat Prospekt). Weiter heißt es:  "Ziel von KlimaSail  ist es ... die Ostsee als ökologischen Nahraum zu erforschen und Klimawandel sowohl als lokale als auch globale Herausforderung zu verstehen. Themen einer nachhaltigen Entwicklung werden bei der KlimaSail in den erlebnispädagogischen Lernort eines Traditionsseglers eingebettet."

Auf einem Törn von Flensburg über Kiel und Rostock nach Greifswald segeln pro Etappe jeweils ca. 20 Jugendliche mit der AMAZONE um "Aspekte des Klimaschutzes zu erlernen und zu erleben. (Bunte) Landprogramme in den Häfen bieten Gelegenheit, die gesammelten Erfahrungen nicht nur den eigenen Familien und Freunden nahe zu bringen, sondern auch den Menschen vor Ort" (immer noch Zitat).

Wir wünschen den jungen Naturschützern dass sie die Reise nicht ganz so dröge erleben, wie sich dieser Text liest. Schließlich sollen sie "Botschafter der heranwachsenden Generation (werden) und in den Kommunen ein wichtiges Sprachrohr in Richtung der Politik".

Wo wir's gerade mit dem zitieren haben, kommt hier ein weiteres Zitat. Diesmal von Augustinus Aurelius, den Kirchenmännern und -Frauen der Veranstalter sicherlich bekannt: "Nur wer selbst brennt, kann Feuer in anderen entfachen".  So isses auch nach ca. 1600 Jahren immer noch.

P.S. Zum Thema KlimaSail berichtete vorgestern auch das "Flensburger Tageblatt".

21.06.18 BELUGA II zu Gast in Flensburg

Greenpeace informiert bis zum 24. Juni im Rahmen ihrer Küstentour 2018 an Bord der BELUGA II über ihre aktuelle Arbeit zum Schutz der Antarktis.

Foto: Maria Feck/Greenpeace
Heute hat die grüne Klipperaak der Umweltorganisation Greenpeace an der Hafenspitze festgemacht. Bis zum 24. wollen die Umweltschützer auf einer Informationstour entlang der Ostseeküste in Flensburg auf die aktuelle Gefährdung der Antarktis aufmerksam machen und für Unterstützung ihrer Forderung an die Antarktis-Kommission CCAMLR werben, im Weddellmeer ein Meeresschutzgebiet einzurichten. Es wäre dann das das größte weltweit. 
Die Bedrohung der Antarktis beschreiben die Umweltschützer in ihrem Internetportal:
"Die Antarktis ist in Gefahr: Der Klimawandel hat in den letzten 50 Jahren zu einem Temperaturanstieg von über 2 Grad Celsius geführt und Fischerei-Trawler lauern darauf, die Heimat von Pinguinen, Walen und Robben als neues Beutegebiet zu erschließen. Sie haben es auf die Grundlage dieses empfindlichen Ökosystems abgesehen: den Krill – kleine krebsartige Tierchen, von denen sich Wale und zahlreiche andere antarktische Lebewesen ernähren."
Weiterhin erfahren wir auf der Seite:
"An Bord der Beluga erfahren Sie mehr über den einzigartigen Lebensraum im Südpolarmeer, den sich eine Greenpeace-Expedition zu Beginn des Jahres ganz aus der Nähe betrachtete. Besucherinnen und Besucher erwartet eine kleine Tour über das Segelschiff vom Typ Klipperaak mit vielen Anekdoten zum Alltag an Bord und zu den Einsätzen als Aktions- und Expeditionsschiff."
Die Führung finden täglich statt um 10.00 bis 13.00 Uhr und um 14.00 bis 19.00 Uhr. Der Eintritt ist frei und die Führungen werden in kleinen Gruppen durchgeführt. Vorsorglich heisst es: "Je nach Wetter und Besucherandrang können Wartezeiten entstehen". 

19.06.18 Abendfahrt mit ALEXANDRA

Das wäre doch mal eine Abwechslung, oder? Salondampfer ALEXANDRA lädt zu einem maritim nostalgischen Abendvergnügen ein:


Am Samstag, 23. 6. 2018, ist es wieder so weit. In Anknüpfung an die Tradition der 70ger Jahre bietet der Salondampfer „Alexandra“ eine Abendfahrt mit Musik der 60, 70 und 80ger Jahre an.
Es darf auch geschwooft werden.

Ab 19:00 h geht`s los. Ablegen ist 19:30 h. Um 22:30 h legt sie wieder an und es kann bis 24:00 h gefeiert werden.

Karten gibt es im Büro des Historischen Hafen Flensburg, Schiffbrücke 37, 24939 Flensburg,
Tel: 0461 – 182 91 805



15.06.18 Kieler Woche in Flensburg

Morgen beginnt die alljährliche Kieler Woche, das Segelevent der Superlative. Natürlich in Kiel, nicht in Flensburg.  Deswegen hatten wir, wie auch  ein paar wenige andere Segler, den schönen Flensburger Hafen und die schönste Förde Flensburgs für uns allein.



Auf dem Wasser begegnen wir PIROLA. Sie hatte etwas früher abgelegt und war schon wieder auf dem Weg zurück zu ihrem Liegeplatz. Wir bummelten noch ein paar Stunden länger auf dem Wasser. Als wir zum Hafen zurück kamen, stand die Sonne schon im Westen und strahlte die Schiffe im Museumshafen wie auf einer Theaterbühne an.


FULVIA af ANHOLDT
CATHARINA









PIROLA, DANA und BODIL (von links)
BETTY, THOR, AURORA von ALTONA und FORTUNA
















Morgen beginnt die Kieler Woche. Natürlich in Kiel, nicht in Flensburg. Gott sei Dank.

P.S. am Tag danach. Die Kieler Woche hat begonnen und, als wär's bestellt, das zu diesem Anlass übliche Regenwetter. Schön, dass wir gestern die Chance nutzen konnten. Ist aber schon bemerkenswert. Trotz weltweit vernetzter gigantischer Rechnerkapazität sind die Wetterfrösche oft nicht in der Lage, das Wetter auch nur drei Tage im voraus zu erkunden. Ist es nicht tröstlich schon Jahre vorher zu wissen, dass es zur Kieler Woche regnet - ganz ohne IT, KI oder IQ, einfach nur aus Erfahrung.

12.06.18 Zu trocken: gesunken.

Wat den Een sin Uhl, is den Annern sin Nachtigall. Das Sommerwetter im Mai und die Folgen.


Der Kutter Möwe sank am Sonntagmorgen.
Foto: Müller/boyens-medien



















Das trockene Sommerwetter der vergangenen Tage erfreute die Sonnenanbeter, machte aber Landwirten und Gärtnern zu schaffen. Hitze und Wind trieben auch Eignern alter Holzschiffe Sorgenfalten auf die Stirn. Wenn dann auch noch das Hafenwasser wochenlang weggesperrt wird weil ein Sperrwerk saniert werden muss, kann das fatale Folgen haben.
Die "Norddeutsche Rundschau" berichtete in ihrer Ausgabe von gestern: 

Kurz vor Öffnung des Sperrwerks kam es im Hafenbecken 1 zu einem Wetter bedingten Unglück. Ein ehemaliger Krabbenkutter sank im sogenannten Museumshafen. Die Feuerwehr konnte einen zweiten Kutter vor dem Versinken retten, wie die Polizeidirektion Flensburg am Montag mitteilte. Ursache war vermutlich die Hitze der vergangenen Tage. Sie trocknete die hölzernen Kutter aus, so dass die Fugen zwischen den Planken undicht wurden. – Quelle: https://www.shz.de/20101442 ©2018
Warum der Zeitungsartikel die Formulierung "sogenannter Museumshafen" verwendet wurde nicht berichtet, wäre aber interessant zu erfahren. 

10.06.18 Doppelte Freude

HILDING in neuer Obhut
Foto: Thomas Kähler


















Gestern bekamen wir die erfreuliche Nachricht, dass HILDING, die Arendal-Sjekte unseres vor einem halben Jahr leider verstorbenen Vereinsfreundes Hännes nunmehr in neue Hände gekommen ist. Das Boot wurde, wie auch die Sjekte ARVED aus dem Lüttfischerhafen, von Willem Dannevig in Arendal gebaut. Heute saß eine der beiden neuen Bootsfrauen auf dem Lüttfischersteg und konnte ihren Blick nicht von dem ihrem Schützling lösen. Ihre Freude über die neue Beziehung sprang sofort über und lässt auf eine wunderbare Zukunft hoffen. Wir wünschen den Dreien "Allzeit gute Fahrt!" und immer die sprichwörtliche Handbreit Wasser unterm Kiel!
Jetzt muss das Boot sich nach den Monaten an Land erst mal wieder an das nasse Element gewöhnen, dann wir aufgeriggt. Wir vermuten sicherlich nicht zu viel, wenn wir annehmen, dass danach Segeln ganz oben auf der To-Do-Liste steht.

07.06.18 High noon auf der Förde

Punkt 12:00 Uhr startet der erste Durchgang des Robbe & Berking Sterling Cup 12mR. Die Startlinie ist nördlich der Ochseninseln und Wendepunkte sind vor Glücksburg und Schausende ausgelegt. Dort sollen die Schönen Schnellen zeigen, ob das "Warming up" vom Vortrag erfolgreich war. Um das aus der Nähe anzusehen, brechen wir in aller Hergottsfrühe auf. Schon eine dreiviertel Stunde vor dem Start verlassen die ersten 12-er den Hafen des FSC. Der Wind weht mit freundlichen vier Beaufort Stärke aus östlicher Richtung. Im Laufe des Tages wird er sich auf Ost-Südost einpendeln.
Außer den Regattayachten sind nicht viele Boote auf der Förde. Wir nutzen die Gelegenheit, möglichst interessante Motive und Situationen 
von der Regatta  zu fotografieren. Hier eine kleine Auswahl.
































































Nach  eindreiviertel Stunden ist das erste Match von dreien zuende. Die beste Vorschoterin aller Zeiten hat in der Zeit um die 200 Bilder eingefangen und der Mann an der Pinne unzählige Wenden und Halsen gefahren. Das war für uns vorerst genug der sportlichen Betätigung und wir machen uns erstens auf den Heimweg und zweitens über den Imbiss und das Mineralwasser her. Später lesen wir im  Internet die Ergebnisse der Rennen. Demnach ist KIWI MAGIC Sieger in allen drei Durchgängen und HETI, die älteste der klassischen Yachten in diesem Rennen, belegt einen ehrenvollen letzten Platz. Schließlich ist sie nach der "First Rule" eingestuft, hat ein Gaffelrigg und segelte ohne  Spinnacker. Doch dabei sein und gute Sportsmanship üben, darauf kommt es schließlich an. Hut ab!  Sie drehte die letzte Runde auf der Bahn tapfer, aber alleine und war wunderschön anzusehen. 

06.06.18 Racing an der Schwiegermutter

Auf dem Weg zu unserem "Logenplatz" an Holnis Kliff
Spannender Segelwechsel bei der Schwiegermutter
Klassikerregatta auf der Flensburger Förde. Am Vortag des Robbe & Berking Sterling Cup 2018 segeln die Teilnehmer des "Warming up" von der Dyvig am Alsensund nach Glücksburg. Klassikerregatten sind für Teilnehmer und Zuschauer immer attraktiv. Besonders an der Flensburger Förde. Anders als bei manchen anderen Revieren kann hier das Geschehen von Land aus gut beobachtet werden. Die Steilufer des Meeresarms bieten sich geradezu als Logenplatz an. Dazu kommt die einmalige Kulisse der Landschaft. Egal von wo aus man auch guckt, egal was auf dem Wasser geschieht - die Landschaft ist immer mit im Bild. Mit ihren sanften Hügeln, bewaldeten Hochufern, weiten Stränden und schroffen Kliffs. Dazu kommt heute das wunderbare Sommerwetter mit zarten Federwolken und einem frischen Wind aus Ost-Südost.
FLICA II passiert die "Schwiegermutter" als erste...
Wir entschließen uns nach Holnis zu fahren - allerdings über Land. Sonst wäre die Freude an den erwarteten Bildern der Yachten auf der Bahn zu kurz. Schließlich gehören sie immer noch zu den schellsten Einrumpfbooten. Als Standort wählen wir das Steilufer der Halbinsel Holnis oberhalb der berüchtigten, "Schwiegermutter" genannten, Untiefe gegenüber der alten Ziegelei bei Broager. Wir sind schon früh aufgebrochen. Vermutlich kommen viele Bootsbegeisterte und wir möchten doch mit ein paar unverstellten Bildern zurück kommen.
...HETI als letzte. Sie ist die älteste auf der Bahn -
und unsere heimliche Favoritin
Vorneweg: Die Eile hätten wir uns sparen können. Vermutlich sind wir heute die einzigen maritim Begeisterten am Ufer. Radler, Spaziergänger und Sonnenanbeter haben andere Interessen. So sind wir weitgehend alleine an dieser schönen Stelle, niemand macht die Plätze auf den Sitzbänken streitig und wir können geduldig auf die klassischen Rennyachten warten die hier vorbei kommen müssen. Es sollen acht Boote sein, darunter die 106 Jahre alte
THEA und VANITY V  
HETI und die 100-jährige THEA. Natürlich  als Lokalmathador auch SPHINX, die ehemalige "Ostwind" der Bundesmarine. Sie alle sind Konstruktionen der besten Yachtdesigner ihrer Zeit. Ihre Namen "Oertz", "Fife" "Anker" und "Abeking und Rasmussen" - um nur einige zu nennen - sind Legende. Während wir uns noch wundern, dass dieses spektakuläre Sport- und Kulturereignis so wenig öffentliches Interesse findet, kommen die ersten Segel hinter der Landzunge von Brunsnaes in Sicht. Weiße Segel und ein roter Spinnacker. Der muss zu SPHINX gehören; nur sie hat so
Und noch einmal HETI 
ein auffälliges Vorsegel. Aber dann: Ein Boot mit schwarzen Segeln zieht unerbittlich vorbei, rundet als erstes die grüne Tonne am Westende der Äußeren Förde. Später, im Yachthafen des FSC in Glücksburg erkennen wir darin FLICA II. Während das Regattafeld auf die rote Fahrwassertonne 12 zusteuert, die als "Schwiegermutter" berüchtigt ist, können wir von unserem Hochsitz durch einen schattigen Hohlweg zum Ufer herabsteigen um das Geschehen auf dem Wasser in Augenhöhe zu verfolgen. Denn jetzt wird es spannend. An dieser Stelle ändert der Wind die Richtung. Wie immer, so auch hier, folgt er dem Hochufer. Jetzt heißt es auf den Booten Segel wechseln. Schon rauschen die Spinnacker wieder runter und werden durch Klüversegel ersetzt. Selbst in der Entfernung sind die raschen Bewegungen an Deck der schnellen Boote zu sehen. Jetzt nur kein falscher Griff - und doch hat eine Yacht tatsächlich einen unrühmlich "Eieruhr" genannten Knoten im teuren Tuch. Schon ist die Chance auf einen der ersten Plätze vertan. Aber aufgeben gilt bei ihr anscheinend nicht. Während wir sie aus dem Blick verlieren, sieht es so aus als könnte sie einen Teil der Schlappe wieder gut machen. Zeit für uns, nach Glücksburg zu fahren. Wir wollen uns ansehen, wie die Boote einlaufen und das spannende Spektakel als Zuschauer verfolgen. Als wir ankommen, finden wir tatsächlich noch einen schattigen Parkplatz neben dem kleinen Noor am Quellental. Nach ein paar Schritten können wir auf die Stege gehen an denen die Teilnehmer der Klassiker-Regatta festmachen. Ungefähr zwanzig Meter lang sind die meisten von ihnen und nahezu ebenso viele Männer und Frauen wirbeln an Deck, sortieren Leinen und ziehen und schieben die schlanken Rümpfe in noch schlankere Boxen. Doch wo auch nur ein Pfosten oder gar ein Nachbarboot in die Nähe kommt wird warnend "Fender!" gerufen, um Schrammen oder Übleres abzuwehren. Glücklicherweise ist das Wort im englischen, dänischen und deutschen Wortschatz gleich. Unterschiedlich wie die Bordsprachen sind auch die Nationalen Farben die nach dem Festmachen gesetzt werden: Englisch, Dänisch, Deutsch, Finnisch und Neuseeländisch können wir unterscheiden. Die Boote kommen aus vielen Ländern und wenn sie zusammen kommen, dann auf Regatten wie dieser heute in Glücksburg.


01.06.18 Nur noch ein Jahr

Kaiser Konstantin legt a.D. 325 den Termin der
Rumregatten kommender Jahrtausende fest
Gemeinfrei WIKIPEDIA
Ab heute dauert es nur noch ein Jahr bis die 40ste Rumregatta auch schon wieder vorbei ist. Nanu wird sich mancher fragen die letzte war doch vor drei Wochen? Auch richtig. Aber da die Rumregatta immer am Wochenende vor Pfingsten stattfindet und dieses christliche Fest immer 60 Tage nach Ostern gefeiert wird und weil für das Osterndatum "auf dem Konzil von Nicäa im Jahre 325 ... folgende Festlegung getroffen (wurde): Osterdatum ist der erste Sonntag nach dem ersten Vollmond im Frühling" (WIKIPEDIA), müssen wir uns diesmal etwas länger gedulden. Denn das Mondjahr ist bekanntlich unterschiedlich lang wie das Kalenderjahr.

Was lernen wir daraus: die Wahl möglicher Termine für die Rumregatta wurde indirekt schon im Jahr 325 festgelegt. Demnach könnte - um ein paar Ecken gedacht - die nächste "unernste Geschwaderfahrt" eigentlich statt der 40sten auch die 1695ste genannt werden. Von den Booten der Ostsee von damals ist bis heute nur das Germanenboot NYDAM TVEIR bekannt. Das konnte allerdings nur gerudert werden. Es ist daher kein Wunder, dass die erste Rumregatta "ehemals segelnder Berufsfahrzeuge" damals noch warten musste.  

Wer sich die Zeit zur 40/1695sten mit schönen Bildern früherer Rumregatten verkürzen möchte, dem kann HIER geholfen werden.  

28.05.18 Einladung zum Geburtstag

Wer lange raucht, wird endlich alt und ALEXANDRA wird jetzt sogar 110! Zur Feier des runden Geburtstages lädt die Crew die Freunde der "Alex" am kommenden Samstag, 2. Juni 2018 von 13 Uhr bis 18 Uhr ein.


 Dazu haben wir folgende Information erhalten:
"Auf der Dampferbrücke sind die Pforten zu einem Brückenfest und natürlich auch zu „open ship“ auf der „ALEXANDRA“ geöffnet. Auch für das leibliche Wohl wird gesorgt. Kaffee, Kuchen, Bier, Wein, Bratwurst, an dem Tag kostet alles nur 110 Cent.
Ein besonderes Highlight ist der offizielle Schiffspoststempel zum 110 Geburtstag.
An Bord wird ein Postamt eröffnet. Dort gibt es „Alex“-Postkarten mit „Alex“-Briefmarken.
Diese werden dann abgestempelt und in einem eigens aufgestellten Postkasten in die offizielle Post gebracht.
Die Kleinen haben die Möglichkeit sich nicht nur mit Kohle schminken zu lassen."

Falls die aktuelle Wettervorhersage zutrifft, wird Petrus mitfeiern bei Sommerwetter mit strahlendem Sonnenschein und mäßigem Ostwind bei angenehmen 25°C.


26.05.18 Segeln mit Damenbriese

Auf dem Weg zum Museumshafen gesehen: Schiffe aus
drei Epochen der langen Geschichte dieser Region.  
MS DEUTSCHLAND vor der Marineschule
Hochsommer im Mai. War das Wetter  bis zur Rumregatta eher bescheiden, werden wir seitdem nach Herzenslust verwöhnt. Wer kann, sollte man meinen, wird diese Tage mit mäßigem bis frischem Wind und strahlendem Sonnenschein nutzen und auf seinem schwimmenden Untersatz wieder und immer wieder die Segel zu setzen und ein paar Stunden auf der Förde verbringen. Gemessen an der Zahl der Boote in den Jachthäfen, müsse man an einem Tag wie heute die Förde trockenen Fußes überqueren können. Jedoch, kaum zu glauben! es immer noch jede Menge Wasser zwischend den Booten, Schiffen, Jachten, Surfbrettern und was sonst noch alles für den Wassersport in den Häfen bereit liegt. Und so segeln wir in paradiesischer Ruhe aus dem Flensburger Hafen, auf das traumhaft schöne Revier und sind - nahezu alleine auf dem Wasser. Nur MS DEUTSCHLAND zieht auf der deutschen Seite der heimischen Meeresarmes ihre Bahn, symbolträchtig vor der Marineschule in Mürwik. Was könnte den Unterschied zur Zeit vor 100 Jahren besser sichtbar machen? Schon auf dem Weg zu unserem Boot werden wir an die wechselhafte Geschichte dieser Region erinnert.
Nicht ganz zur Geschichte dieser Region gehörend, aber auch ein maritimes Erbe des Nordens, sehen wir den Hochsee-Ewer PROVIDENTIA HF42 auf Gegenkurs. Dem Schiff begegnen wir schon seit zwanzig Jahren in den verschiedensten Stadien seiner Entwicklung. Zweimal wurde eine große Restaurierung begonnen und dann wieder abgebrochen. Das Schiff hat sicherlich tiefe Spuren im Leben seiner früheren Eigner hinterlassen. Nun gehört es der Ostseeschule und bringt jungen Menschen traditionelle Seemannschaft nahe. Nicht nur das. Auch seine letzte Stufe der Restauration wurde durch den tatkräftigen Einsatz vieler Schüler und Schülerinnen abgeschlossen. Nun darf der 113 Jahre alte Segler als Traditionsschiff zahlende Gäste an Bord nehmen und damit seinen Unterhalt zumindest teilweise abarbeiten. Wir ändern unseren Kurs und bringen uns in Position, um PROVIDENTIA möglichst nahe passieren zu können.



Mittlerweile sind schon mehr Segler auf dem Wasser. Die meisten trainieren für eine Regatta. Bei den  Ochseninseln ist ein großer Pulk Laser unterwegs. Die sind erheblich flinker als wir. Wir verzichten auf unser Wegerecht und drehen ab.
Nach ein paar Stunden auf dem Wasser segeln wir zum Hafen zurück. Auf dem Weg rätseln wir, warum wir die flensburger 12mR Yacht SPHINX noch gesehen haben. In gerade mal eineinhalb Wochen beginnt der Robbe& Berking Sterling Cup. Da müsste die Yacht doch eigentlich pausenlos gesgelt werden. Kaum zu Ende gedacht, sehen wir die Silhouette der Rennyacht
Eben erst wurden die Segel auf SPHINX gesetzt
von Abeking & Rasmussen
 in der Wasserslebener Bucht. Sie kreuzt mit rauschender Bugwelle Richtung Nord und Bald haben wir sie aus den Augen verloren.
Jetzt müssen wir uns über den besten Kurs einigen, auf dem wir bei achterlichem Wind in den Hafen hinein segeln wollen. Wir entscheiden uns, von der Westseite aus auf der Enge vor der Werft zu nähern. So können, wir vor dem Wind kreuzend, uns möglichst viele Entscheidungsmöglichkeiten offen halten. Und siehe da: Die Taktik geht auf . Wir können wieder einmal in einem Schlag bis tief in den Hafen hinein segeln.  Ein schöner Ausflug auf die Förde geht zu Ende.

Für morgen wurde Gewitter und Regen vorhergesagt. Mal sehen, was kommt.

25.05.18 Werftgeschehen aktuell

Doch keine Folge der ungewohnten Sonneneinstrahlung. Als gestern jemand sagte, er habe abends zuvor den Schoner VANADIS im Flensburger Hafen gesehen, wollten wir das zunächst als "Küstenklatsch" abtun. Zu lange ist es her, dass dieses wunderbare Schiff mit dem Ruf die älteste erhaltene Rennyacht überhaupt zu sein, den ehemaligen Heimathafen besucht hat. Die 150 Jahre alte Schönheit war über zwanzig Jahre lang mit dem Namen VALDIVIA Mitglied im Museumshafen Flensburg, nachdem sie vom vorletzten Besitzer grundlegend überholt und in ihren ursprünglichen Zustand versetzt wurde. Mit dem ausgeprägten Fall ihrer Masten und dem schwarz gemalten Rumpf  konnte sie glaubhaft an ihre frühere Rolle als Schmugglerjäger erinnern. Leider hatte schon damals der ursprüngliche Innenausbau den Lauf der Jahre seit 1868 nicht überdauert. Er galt zu ihrer Bauzeit als einer der schönsten weit und breit. Mittlerweile ist ihr Rumpf weiß gemalt und an Deck glänzt alles von satter Lackierung und poliertem Messing.
VANADIS, man glaubt ihr die Geschichte der Rennyacht
eines schwedischen Idustriellen aus dem Jahr 1868
Heute bekamen wir den Tipp, mal wieder nach Egernsund zur Werft von Christian
Ihre Linien lassen amerikanischen Schoner als Vorbilder 
erkennen.
Johnson zu fahren, dort läge VANADIS ex VALDIVIA auf der Helling. Und tatsächlich, schon von weitem verrieten die schräg stehenden Masten, welchen Schoner wir dort aufgepallt sehen würden. Zuerst sehen wir den Klüverbaum, der bis weit über die Straße Havnevej ragt, an der die Werft liegt. Das Unterwasserschiff schon zur Hälfte fertig gemalt, das Freibord und die Schanz in hellem cremeweiß. Und dann ihre Linien! Holz gewordene Hydrodynamik, könnte man
schwärmen. Wenn der Blick über ihre Rundungen gleitet und dabei die Wasserströmung nachzeichnet glaubt man sogleich ihren Ruf, ein schnelles Schiff zu sein. Dennoch, so hört man, hat sie auch in ihren besten Tagen kein einziges bedeutendes Rennen gewonnen. Aber dazu gehören auch immer zwei, das Schiff und seine Mannschaft. An Deck, wir sagten es bereits, glänzt alles unter Lack. Auch die Decksplanken. Unter der Lackierung sei das Deck jetzt seit Jahren komplett dicht. Sie werde allerdings regelmäßig geschliffen und erneuert.

FRIEDA, auch sie ein Schmuckstück
Gleich hinter ihr auf dem Slipweg liegt heute FRIEDA, auch ehemals ein Schiff aus dem Museumshafen Flensburg. Seit sie den Besitzer wechselte, sieht sie stets aus wie neu - auch sie eine wahre Augenweide. Sie wurde allerdings auch umfangreich überholt und in in wichtigen Bereichen strukturell verbessert. Der Eigner lobt jetzt ihre Segeleigenschaften und ist von ihrem Verhalten in der See begeistert. So muss das auch sein denken wir. Schließlich freuen wir uns deswegen auch immer wieder über unser eigenes Boot.
Wir sprechen auch über die Vor- und Nachteile der unterschiedlichen Methoden, Decksnähte zu versiegeln. Auf FRIEDA ist man mit dem traditionellen Teer sehr zufrieden und gestreifte Hosen hat es auch nicht gegeben, selbst wenn man ohne Unterlage auf dem Deck sitzt.

MISTRAL, ein amerikanischer Yachtbau von 1938 nach
einem Entwurf von Francis L. Herreshoff
Draußen vor dem Slipweg liegt auch der Schoner MISTRAL aus Flensburg. Sie wartet wohl, dass auf der Helling ein Platz frei wird.

RAKEL liegt immer noch an ihrem Liegeplatz in Egernsund. Längsseits hat der kleine Kutter festgemacht, der sie nach Lübeck schleppen soll. An Deck liegen Werkzeuge und Material. An Bord ist niemand, den wir ansprechen können.

24.05.18 Yachting Heritage Centre aktuell

Das Leben schreibt immer noch die unwahrscheinlichsten Geschichten, deren Handlungsstränge kein auf seinen Ruf bedachter Schriftsteller zu entwerfen wagt.
Die Einladung heute in das Yachting Heritage Centre in Flensburg ist der vorläufige Schlusspunkt einer Geschichte dieser Art. 
Das Kontor des Firmengründers
Die Belegschaft
Dort wurde die aktuelle Ausstellung anlässlich des 111-jährigen Bestehens der international hoch angesehenen  Werft  von Abeking & Rassmussen eröffnet. Rund 100 geladene Gäste kamen zu diesem Ereignis, das Oliver Berking mit einer tour d'horizon über wesentlichen Stationen der verschlungenen Wege eröffnete, die Abeking & Rasmussen mit der Robbe & Berking Werft verbinden. Für die Werft Abeking & Rasmussen war ihr Geschäftsführer Hans Schaedla, Urenkel von Henry Rasmussen gekommen. Ihm blieb danach nur noch die Feststellung, dass er soeben den Vortrag zu hören bekam, den er selber halten wollte. 
Die Geschichte beginnt 1877 in Svendborg, wo  Henry Rasmussen als Sohn einer Familie von Schiffbauern zur Welt kommt. Schon früh interessiert er sich für das Segeln und baut bereits in jungen Jahren sein erstes Boot. Wer sich dem Heritage Centre nähert, kann es
High-tech für den traditionellen Holzbootsbau
schon vor dem Betreten der Räume sehen. Mit dreißig Jahren gründet Henry Rasmussen seine eigene Werft in Lemweder bei Bremen, wo sie bis heute besteht. Anfangs werden kleine Boote hergestellt, später kommen größere Yachten hinzu, alle aus Holz gebaut. Wichtige Kunden werden in Deutschland, aber auch in den USA gefunden, dort allein 99 mal für Concordia-Yachten. Über die Entwicklung informiert die Website des Heritage Centre:

"Die Geschichte der Werft, die heute von Henry Rasmussens Urenkel Hans Schaedla geleitet wird, begann in einer Zeit, in der es noch ganz normal war, dass Boote einzeln, von Hand und meist aus Holz gebaut wurden. Bei A&R waren es Piraten- oder Olympiajollen, Yachten der Meter-Klassen, Schärenkreuzer, Seefahrtkreuzer und Schoner. Später wurden die Yachten noch größer und auch aus Stahl oder, noch später, Aluminium angefertigt. Dann kam die Zeit der industriell produzierten Plastikyachten. Liebevoll von Hand  gebaute Boote wurden zu einer vom Aussterben bedrohten Spezies, zu Raritäten. Sie sind es bis heute geblieben. Nicht so bei Abeking & Rasmussen ! Auch 111 Jahre nach der Werftgründung werden dort ausschließlich einzeln angefertigte Yachten und Schiffe gebaut. Spezialschiffe, wie Lotsenboote, Seenotrettungskreuzer oder Marineboote sind es heute und immer wieder viel beachtete und spektakuläre Megayachten."
Unter anderen Bauten sind es auch genau zehn Yachten 12mR Klasse, die letzte von ihnen SPHINX, im Jahr 1939. Sie wurde für den Norddeutschen Regattaverein gebaut, überdauerte den kurz nach dem Stapellauf ausbrechenden Weltkrieg, wurde anschließend trickreich an zwei Mitglieder mit chilenischem Pass des Norddeutschen Regattavereins verkauft - Deutsche durften nach den Statuten keine Schiffe besitzen, die länger als sechs Meter waren. Die neuen Eigner waren außerdem Besitzer einer großen Holzhandlung. So bezahlten sie die Yacht mit einer Ladung Holz, die anschließend bei Abeking & Rasmussen gegen "12 Hummelboote, fünf Piraten, zwei kleine Kielboote vom Typ Sonderling und acht Hansajollen" eingetauscht wurden. 
Die Hansajollen wurden ein großer Erfolg; sie sind bis heute eine nationale Klasse im DSV.  
SPHINX kam später als Ausbildungsschiff unter dem Namen OSTWIND an Oliver Berking, gemeinsam mit zwei weiteren Eigner aus Flensburg. Aus der Restaurierungswerkstatt entstand schließlich die heutige Robbe & Berking Werft. 
Die Ausstellung zeigt viele originale Exponate aus dem Bestand der Werft, darunter das Kontor von Henry Rasmussen, Halbmodelle, Zeichnungen, zauberhafte Schiffsmodelle, alte Fotografien, Bootsbauwerkzeuge - man muss sich das einfach mal selber ansehen. 111 Jahre sind eine lange Zeit. Sie hat viele Zeugnisse hinterlassen - zu viele um sie hier einzeln aufzuführen.
Die Ausstellung hat uns auch durch ihre Präsentation angesprochen. Um das Foyer, mit dem wunderbar erhaltenen 30-er Schärenkreuzer 
BREMEN in der Mitte, werden in angrenzenden Kabinetten besondere Themenschwerpunkte aus der Geschichte der Werft abgehandelt. 
Für uns war es ein lohnender Besuch. Die Ausstellung ist bis zum 15. Oktober geöffnet. 


35-er Schärenkreuzer BREMEN von Abeking und Rasmussen, dient während der Eröffnung als stilvolles Buffet

23.05.18 Übung macht den Meister

Die "Lüttfischer" des Museumshafens setzen sich seit Jahren aktiv für die jüngsten Segler ein, um sie mit den traditionellen Fischerjollen der Elbe und Ostsee vertraut zu machen. Heute konnten wir wieder einmal beobachten, wie mit vollem Einsatz auf MINNA RÖDER (oben) und ABBI (unten) den Flensburger Hafen segeln erkundeten. Sie hatten genau wie wir selber auch mit den besonderen Verhältnissen bei Ostwind hinter den hohen Silos am Harniskai zurecht zu kommen. Wie lautet einer unserer Lieblingssprüche aus dem Film "Sturmfahrt nach Alaska"? "Der Wind weht für Gerechte und Ungerechte gleich stark"(56:11 min)  Man kann auch sagen "Für Groß und Klein". Als wir nach 20 Wenden endlich den Hafen segelnd hinter uns lassen, waren die Jollen schon wieder in der Hafenspitze angekommen. Übung macht den Meister.





21.05.18 Sommersegeln

Ostwind, drei Beaufort, Böen sechs, leichte Bewölkung, keine Niederschläge. Herz, was willst du mehr. Dem, der heute nicht segelt ist nicht zu helfen. So ging es uns in den letzten Tagen. Aber heute wollten wir endlich wieder mal raus. 

ANNY von Glückstadt bei den Ochseninseln
Schoner ANNY aus Glückstadt hatte offenbar den selben Gedanken. Als wir zu unserem
Boot gehen, ist ihr Liegeplatz verwaist. Später sehen wir sie bei den Ochseninseln. Man kann sie kaum verwechseln. Mit ihrem ausgeprägten Mastfall sieht sie selbst fest vertäut noch schnell aus. Mit weissen Masttoppen und einem steilen Klipperbug lässt sie uns an ein Schmuggler- oder Piratenschiff denken. An dem abgelegenen Liegeplatz der Ochseninseln sowieso. Aber heute ist guter Wind und wir lassen die beiden dänischen Inselchen in der Inneren Flensburger Förde links liegen.
Schon im Hafen hatten wir unsere Standard- Besegelung gesetzt: Klüver, Baumfock, Großsegel, Besan. Das reicht als Antrieb, denn auch wenn der Wind im Hafen nur schwach weht, einzelne Böen lassen erahnen, dass es "draußen" stärker zur Sache geht.
Ostwind im Hafen bedeutet immer, dass uns die hohen Speicherhäuser mit windstillen Zonen und unkalkulierbaren Wirbeln auf die Probe stellen. Heute müssen wir direkt nördlich vom Museumshafen einen großen Bogen nach West machen, der uns bis vor die Pier der Stadtwerke führt. SIONNACHAN, die klassische Yacht aus dem Historischen Hafen, startete kurz vor uns. Nun zeigt sie uns, wo es lang geht. Dann ein Schlag zur Ostseite. Der bringt uns fast bis an die Pier, wo eine Böe unerwartet von Nord einfällt, gerade als ein Motorboot und ein Segler unter Motor dicht hinter uns passieren wollen. Schon hängen wir kurz vor dem Harniskai in einer abgebrochenen Wende fest und müssen
BRITTA, eine Viking Einheitsklasse von 1948 aus Norwegen
uns doch tatsächlich (bitte nicht weitersagen) mit "voll zurück" der Maschine vor einem harten Anleger retten. Dann die Wende, wieder auf Backbordbug. Auf der anderen Hafenseite kreuzt SIONNACHAN unseren Kurs und erweicht unser Herz mit dem Ruf "wir haben keine Maschine"! Wurden wir doch gerade daran erinnert, wie hilfreich so ein Dieselantrieb auch für einen Segler sein kann. Für das nächste Mal kreuzen im Hafen merken wir uns, dass es klug ist, einen Schlag nicht bis auf die letzten Zentimeter auszureizen. Mit dieser Lehre im Kopf wenden wir nun mit gutem Abstand vor der Werftpier und sind schon bald in der Förde. Eine klassische Yacht, eine Viking, gebaut in Norwegen kreuzt nahe vorbei. Wie leicht und anmutig sich ihr Rumpf auf den Wellen wiegt!
Wie erwartet wird der Wind kräftiger, je weiter wir nach Norden kommen und steigert sich nach und nach auf geschätzte fünf bis sechs Beaufort. Was als Böe angekündigt wurde ist jetzt die allgemeine Windstärke und ein paar Böen kommen noch obendrauf. Viele Wellen zeigen Schaumköpfe und auf dem Wasser geben jetzt lange Streifen die Windrichtung an. Gut, dass wir uns nicht für mehr Segelfläche entschieden haben. Unten im Rumpf hören wir etwas poltern. Eine Tür war nicht sicher verschlossen. Nun liegt der Inhalt des Schapps auf dem Boden. Nördlich der Ochseninseln sehen wir bei Holnis einen roten Rumpf mit hohen Masten. Nanu? DAGMAR AAEN lag doch noch an ihrem Liegeplatz als wir aus dem Hafen segelten. Als wir näher kommen erkennen wir den Logger RYVAR aus dem Museumshafen auf Gegenkurs. Hallo, und willkommen zurück! RYVAR war einige Tage unterwegs. Nahe der Tonne 12, die alljährlich bei der Rumregatta gerundet werden muss, gehen wir in eine Wende, lassen die Schoten fliegen, denn nun kommt der Wind backstags. Das ist die optimale Richtung für unsere Gaffelketsch und schon bald zeigt der Plotter sechs bis sieben Knoten über Grund. Herz, was willst Du mehr! Das ist ja so schnell wie ein gemütlicher Radler und strampeln brauchen wir auch nicht. Viel zu schnell sind wir wieder im Hafen.


Bei der Werft nimmt der Wind noch einmal zu, das ist wohl der Düseneffekt in der Enge zwischen der hohen Werfthalle im Westen und den Silos im Osten der Hafenmündung. Wir machen uns daran, die Segel zu bergen. Das Bohlwerk erreichen wir schon ohne Baumfock, dann werden die Dirken durchgesetzt. Nach dem Museumshafen ist wenig Betrieb auf dem Wasser. Wir gehen  in eine scharfe Wende um den Klüver zu bergen. Auf Backbord kommt der besser an Deck. Dann die Besanschoten dichtgeholt, das Boot stellt sich in den Wind. Großschoten dicht und das Großsegel runter. Das Achterliek immer schön nach hinten ziehen. So sieht das Ergebnis meist ganz ordentlich aus. Nun die Maschine starten und warmlaufen lassen, während der Besan geborgen wird. Jetzt mit langsamer Fahrt zum Liegeplatz. Ein Blick auf die Fahnen an den Schiffen im Museumshafen hat uns gezeigt, dass der Ostwind hier auf Nordost
gedreht hat. Also laufen wir von Süden aus längst der Poller des Bohlwerks. Bei unserer Einfahrt "Ruder hart Steuerbord" und dann "Maschine zurück". Gehorsam folgt das Boot dem Radeffekt. Aber die Drehung reicht nicht ganz, der Wind hat sich gerade besonnen,
WIEBKE BOHLEN, fertig zum Einlaufen
Foto: 
Sebastian Hendrix (Danke!)
dass er eigentlich aus Ost kommen wollte und drückt den Bug gegen die gewünschte Richtung. Also "Maschine voraus", Ruder immer noch hart Steuerbord. Dann wieder Maschine zurück. Im Zickzack geht es langsam in die "Box", wo wir vor dem Ablegen die Vorleinen und die Achtersprings als Führungsleinen gespannt hatten.
Einigen Gästen der Fischbude vergeht der Appetit, weil unser Diesel natürlich nicht nur Vortrieb sondern auch Abgase erzeugt. Er wird nur wenig gebraucht; schließlich haben wir ein Segelschiff. Dagegen protestiert er mit einer blauen Abgasfahne. Aber bald haben Bens Gäste alles  überstanden. Wir liegen an unserem Platz und der Motor wird nicht mehr benötigt.