22.09.18 Tief-Lieger

Das Hafenwasser steht nicht immer gleich hoch. Mit dem ersten Herbssturm aus West sank der Pegelstand um fast einen Meter.

Ungewohntes Bild: Bohlwerk hoch über
dem Wasser.
Pünktlich zum Herbstbeginn hat sich, von Sturmböen durchsetzt, starker Westwind eingefunden. Wie immer bei dieser Wetterlage bläst der Wind das Wasser aus der Westlichen Ostsee nach Osten. So schnell wie die unzähligen Kubikmeter Ostseewasser aus der Förde geweht werden, so schnell kann es nicht aus der Nordsee nachströmen. Dafür sind die Belte und der Sund zu eng und zu flach. Also sinkt der Wasserstand an der Ostseeküste Schleswig Holsteins, besonders in den Förden und Buchten.


Entsprechend tief liegen die Jollen oder ...
Schon vor Mitternacht sank der Pegel um etwa 60 Zentimeter. Am Morgen war er dann einen Meter unter den mittleren Stand gesunken. Das ungewohnte Bild der "gesunkenen Schiffe" werden wir währen der kühlen Jahreszeit vermutlich öfters mal zu sehen bekommen. So war es bisher und daran wird vermutlich auch der viel diskutierte Klimawandel nicht allzu viel ändern.


Und wie geht es jetzt weiter? Kommt das
Wasser auch mal wieder zurück? Oder
gleicht die Nordsee den Wasserstand wieder aus? Die einfache Antwort ist: Es kommt darauf an, wie es mit dem Wind weitergeht. Wenn er weiter stark aus Westen weht, wird der Wasserstand von der Nordsee aufgefüllt. Lässt der Wind einfach nach, kommt das Wasser aus der östlichen Ostsee hierher zurück. Dreht der Wind jedoch auf Ost, müssen wir mit Hochwasser rechnen. 
...wie MYTILUS (oben) und WIEBKE BOHLEN (unten)
Auf jeden Fall lohnt es sich, seine Festmacherleinen sowohl für steigende und für fallende Pegel anzupassen. Wenn das geliebte Boot erst einmal in den Leinen hängt, hilft sonst nur noch ein kräftiges Messer. Auch könnte es sich lohnen, immer wieder mal im Hafen nachzusehen, wie hoch oder niedrig das Wasser aktuell steht. Wer zu weit weg wohnt, oder mitten in der Nacht aufwacht und beim Gedanken an sein Boot nicht wieder einschlafen kann: die Internet-Anwendung Pegelonline zeigt ständig den aktuellen Pegelstand. 

21.09.18 Sommer adé!

Pünktlich zum Herbstanfang zieht eine Kaltfront über uns hinweg. Sie wird ein paar Monate lang unser Wetter bestimmen. Heute sind außerdem Tag und Nacht genau gleich lang: Äquinoktium. Und bis zum 21. März 2019 werden wir täglich weniger helle Stunden und Minuten haben als dunkle. 


Großwetterlage heute
Quelle: www.wetter.net
Man nennt ihn "Sommer der Superlative". Nie waren die Tage und Nächte heisser als in diesem Jahr, nie fiel weniger Regen, so hört man seit Monaten. Damit jetzt erstmal Schluss, der Herbst fängt an. Zwar bestehen die Medien darauf, den Herbst am ersten September beginnen zu lassen. Das ist der vermeintlich leichteren Verständlichkeit geschuldet. Wer könne denn, so wird unterstellend gefragt, sich so ein krummes Datum wie den 21. September merken?  Der selben Logik folgend, müsste man auch Weihnachten auf den ersten Dezember verlegen. So kommt's dass die ersten Tüten mit Lebkuchen und Spekulatius schon jetzt in den Regalen der Supermärkte auf Käufer warten. Da sind wir doch schon eher konservativ und bleiben beim Bewährten.

Die Kaltfront von heute gehört zu dem Tiefdrucksystem mit dem sagenumwobenen Namen "Elena". Er stammt aus dem griechischen und bedeutet lt. Wikipedia  "die Sonnenhafte, die Strahlende, die Schöne". In unserem Fall kann man das nur einen Etikettenschwindel nennen, denn von alledem brachte das Wetter heute nichts. Dennoch hat der Herbst auch angenehme Seiten. Man kann wieder Punsch trinken ohne Schweißausbrüche zu riskieren, Sträuße mit Astern in die Vase stellen, oder auch mal wieder den Lieblingspullover anziehen und die geliebte Cordhose aus dem Schrank holen. Oder man kann sich einfach auf die beiden Hochdrucksysteme freuen, die jetzt vor der Biskaya liegen und hoffen, dass sie dem jetzt vergangenen Sommer noch "ein paar südliche Tage" hinterher senden. Ansonsten bleibt uns, was Rainer Maria Rilke in seinem Gedicht Herbsttage reimte:
Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr. /Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben, /wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben /und wird in den Alleen hin und her /unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.
Im übrigen beginnt in genau sechs Monaten der Frühling. Also, Kopf hoch, wird schon nicht so schlimm werden, das mit der dunklen Jahreszeit!

Später am Abend ist der Wasserstand im Hafen gesunken, wie oft bei westlichem Wind. Bis 23 Uhr war er etwa 60 Zentimeter niedriger als normal. Und schon kommen an manchen Booten die Leinen steif. Man muss sich wohl doch erst noch wieder an den Herbst und seine Westwinde gewöhnen. Nur gut, dass Axel deswegen angerufen hat. Lieber einmal nachgesehen haben als einmal das Nachsehen haben. 

21.09.18 Inkognito


Im Zuge der neu errichteten Tore am Bohlwerk hat der rote Logger RYVAR zusammen mit der Jagt MEJSEN ein eigenes kleines schützendes Torhaus bekommen. Den erhofften Schutz bietet es aber nur teilweise.


Liegeplatzraub am Bohlwerk:
ARKEN alias RYVAR (re.) 
Seitdem die Tore am Bohlwerk nachts geschlossen werden, gibt es "nahezu null" Vorfälle. Mission accomplished, könnte man mit G. W. Bush feststellen. Das Vandalismusproblem von Land aus scheint also bislang gelöst zu sein.
Was bei der Lösung nicht berücksichtigt wurde, ist die von der Wasserseite ausgehende Gefahr im Historischen Hafen. Man könne, so wurde schon während der Diskussion, ob und wie das Bohlwerk geschützt werden könne, befürchtet, dass Übetäter im Schutze der Nacht auch aus der Wasserseite kommend, das Bohlwerk erreichen könnten. Dagegen wären die Tore an Land wirkungslos. Hätte man diese Warnung nur ernst genommen!
Gestern Nacht wurde die Theorie von der Praxis eingeholt. Denn seit heute morgen liegt auf dem Liegeplatz der RYVAR ein zum verwechseln ähnlicher Logger. Größe, Farbe, Takelage, Deckslayout - alles täuschend echt und daher unauffällig. Allerdings flog der  Schwindel schon heute morgen auf, denn ein Detail haben der oder die Liegeplatz-Besetzer übersehen. Die Namenschilder und Heimathafen wurden nicht ausgetauscht. War man sich der Sache zu sicher oder war es einfach kriminelle Schlamperei? Jedenfalls liegt seit gestern 22 Uhr auf dem Liegeplatz der RYVAR ihr Klon mit dem Namen ARKEN aus NYKÖBING.

Also, nein Sachen gibt es! die kann sich Keiner nicht ausdenken!

19.09.18 Abhängen

"Segelsport" ist mehr als knatternde Leinwand, schlagende Schoten, gischtende Wellen. Er bedingt mehr, als guten Wind und eine Handbreit Wasser unterm Kiel. Besonders, wenn das Sportgerät ein traditionelles Holzboot ist.

Abhängiger Skipper
Heute erzählte ein Passant, Tourist vermutlich, wehmütig von seinem alten Segelboot, das er kürzlich verkaufte, nachdem er es jahrelang mit großer Hingabe gesegelt habe. Es sei ganz aus Holz gebaut gewesen, ein anderes habe er nicht haben wollen. Und dass ihm wichtig gewesen sei, es immer in guter Ordnung zu halten. Dann fragte er unvermittelt, ob ich den Unterschied kenne in der Art wie ein Holländer und ein Deutscher auf ein gut gepflegtes Boot reagiert? Ohne die Antwort abzuwarten kam schon die Pointe: Ein Deutscher sage, so der Passant, "Viel Arbeit", der Holländer dagegen "Mooi Schip", also "schönes Schiff". Wessen Glück von der Zustimmung der Passanten abhängt sollte wohl besser in Holland segeln.

Wenn der glückliche Eigner es nicht immer nur bequem haben will, stellt ihn sein schönes Boot vor ein ständiges Dilemma. Denn ob segeln oder pflegen: Beides fordert geeignetes Wetter. In diesen Tagen sind die Voraussetzungen noch gut genug, um wenigstens den Großmast wieder ordentlich unter Lack zu bekommen. Aber für die kommende Woche sind häufiger Starkwind bis zu Orkanböen und heftige Regenfälle vorhergesagt. Bootspflege hängt eben auch vom Wetter ab.

Überhaupt - Abhängigkeit, wohin man blickt. Tags zuvor fragte ein befreundeter Nachbar, warum wir bei dem schönen Wetter "am Boot rummachen" anstatt zu segeln? "Genau deswegen". Zwar kann Regenwetter zum segeln immer noch schön genug sein, aber es ist unmöglich, dabei zu schleifen oder zu lackieren. Bei Sturmböen segeln sollte einem sportlichen Traditionsschiffer möglich sein. Eine Lackierung gelingt jedoch bei schwachem Wind erfahrungsgemäß besser als bei sieben Beaufort. Und wie jeder andere Geräteturner auch, ist der Schipper im Mast von seinen Helfern abhängig. Diese Abhängigkeiten gehören einfach zum Erfolg dazu. Andere jedoch nicht.

Blickt der Skipper bei seiner Mastkur von hohen Warte auf das Bohlwerk, sieht er dort jede Menge Leute die einfach mal "abhängen" wollen. Leider aber auch darunter immer noch solche, die schon vor einer Weile von der Gesellschaft abgehängt wurden  von Alkohol und anderem Zeugs abhängen.

Ein englischer Bootsfreund erklärte uns, "I've got things to use things". Sein Boot sah demnach aus. Der Maschinenraum glitzerte von Salzkristallen. Der Kutter war vor Jahren gekentert, aber das Salz war immer noch nicht abgewaschen. Nun wollte er ihn verkaufen, weil unbrauchbar. Mittlerweile hat ihn ein neuer Eigner picbello auf Vordermann gebracht. Mancher klagt, Segelsport koste Zeit und Geld. Stimmt. Das fällt dem besonders auf, der keine Freude an der Arbeit hat. Womit wir wieder am Anfang der kleinen Geschichte von den Abhängigkeiten sind.

15.09.18 Kommt bestimmt

Auch wenn das Thermometer zwischen 20 und 30 Grad anzeigt, kommt  niemand an der Erkenntnis vorbei: "Der nächste Winter kommt bestimmt!" Und  mit ihm die Nässe von oben. Ob als Regen oder als Schnee ist unerheblich.

Schon bei dem Gedanken sieht man Algen und Moos auf den liebevoll gepflegten Decksplanken wachsen. Dazu der Zeitverlust! An vielen Tagen im Herbst und auch im Frühjahr ist es eigentlich warm genug, um den Lack auf Rundhölzern und Deckshäusern zu erneuern. Aber die Luft ist viel zu früh feucht und immer wieder ziehen Regenschauer über den Liegeplatz. Wer sein Boot im Winter in einer Halle lagert kennt diese Sorge nicht. Aber bei einem Holzboot, das 361 Tage im Jahr im Wasser liegt, bleibt als Lösung nur, das Boot winterfest mit einer regenfesten Plane zu schützen. Die sollte außerdem stabil sein, um Sturm und Schneelast stand zu halten. Sie sollte auch das Tageslicht durchscheinen lassen. Und schließlich sollte sie von einer Frau oder einem Mann alleine zu montieren sein.
Glücklich, wer in diesem Fall nicht mehr tun muss als den Segelmacher seines Vertrauens anzurufen. Wenn es danach geht, gibt es in jedem Hafen viele unglückliche Bootseigner. Die meisten von ihnen versuchen, ihre schwimmenden Geliebten mit nicht geeigneten Planen aus dem Baumarkt zu schützen.
Wer jedoch mit kleinem Budget eine professionell konstruierte und hergestellte Winterplane haben möchte, muss selber Hand anlegen. Dazu haben wir uns in diesem Jahr entschieden. Das Material haben wir für etwas über 500 Euro im Internet gekauft. Die Werkstatt ist ein etwa 25 m2 großer Schuppen mit ebenem Boden. Außerdem haben wir eine kräftige Schere, ein Locheisen mit Durchmesser 12 mm, einen 500 Gramm schweren Hammer, einen Kunststoff- Hammer und last but noch least ein Heißluftgerät mit schmaler Metalldüse. Daran sollte man aber nicht allzu sehr sparen. Denn es wird doch einige Stunden lang benötigt, um Kunststoffplanen zu schweißen. Ein "günstiges" Gerät, beim Discounter gekauft, hat nach kurzer Zeit den Dienst quittiert. Schlussendlich benötigen wir auch eine Andrückrolle von etwa fünf Zentimetern Breite mit elastischer Oberfläche.

Für die Planung können wir nur wenige Empfehlungen geben. Die wichtigste: ein genauer Decks-Plan und ein Seitenriss des Bootes sind absolut notwendig. Falls der schon vorliegt, sollten die wesentlichen Maße zur Vorsicht nochmals nachgemessen werden. Sodann muss die Firsthöhe des Planenzeltes festgelegt werden. Falls ein vorhandenes Gestell benutzt werden soll, ist diese Frage leicht beantwortet. Falls nicht: Man sollte darunter zumindest aufrecht knieen und in der Plicht auch stehen können.  Weiterhin sollte schon bei der Planung bekannt sein, wie breit das Planen-Material geliefert wird. Auf jeden Fall war uns wichtig, dass die Plane in Stücken gefertigt und an Bord transportiert werden kann, wobei jedes einzelne Stück nicht mehr als um die 20 Kilo wiegen sollte. Unsere Plane wurde als Rolle von drei Metern Breite geliefert, der Quadratmeter wiegt etwa 400 Gramm. Das bedeutet aber auch, dass die einzelnen Stücke miteinander wasserdicht verbunden werden müssen. Hierbei haben wir uns für eine überlappende Verbindung mit darunter geschweißten schmalen Bahnen entschieden, die als Wasserfalle dienen und die auch horizontale Zugkräfte aufnehmen können. Man kann Planenstücke miteinander auch durch ganz gewöhnliche Nähte verbinden, vorausgesetzt, man hat eine solide Nähmaschine. Allerdings werden diese Nähte niemals wirklich dicht halten. Apropos Zugkräfte: Die Konstruktion muss das Gewicht von nassem Schnee tragen und die Kraft von Sturmböen aushalten können. Der Hersteller unserer Plane nannte als Verwendungszweck "LKW-Dachplane", was den Anforderungen an eine Bootsplane enthalten sollte - nehmen wir mal an.
An den Rändern sind genügend viele Ringkauschen für Zurrbändel notwendig, mit denen die Planenstücke untereinander und mit dem Gestell und dem Boot (Rumpf, Mast(en) und Bäumen verbunden werden. Wir haben einen Abstand von 25 cm gewählt. Bei dünnerer Plane, müsste der Abstand kleiner sein, also mehr Kauschen eingeschlagen werden. Weiterhin sollte die Konstruktion punktuelle Belastungen der Plane vermeiden und die Gefahr von ständiger Reibung oder Flattern ausschließen. Auch dürfen sich keine Wassertaschen bilden. In denen kann nasser Schnee gefrieren. Da kommen schnelle einige hundert Kilogramm zusätzliches Gewicht zustande. Notfalls muss das Gestell durch Dachlatten und dergleichen versehen werden, mit der die Plane in der Fläche unterstützt wird und um das Wasser besser abzuführen. Die letzten Anpassungen müssen warten, bis das Gestell für den Winter aufgebaut ist. Bis dahin ist zum Glück noch etwas Zeit.

Von außen sieht es noch etwas faltig aus. Die Ein-
schnitte für Püttinge/ Wanten kommen ganz zum
Schluß
Erste Anprobe, noch ohne Gestell. Die Plane ist
am Besanmast geteilt, dort ist auch der Einstieg
vorgesehen. Wahlweise Backbord oder Steuerbord.

11.09.18 Jahrestag

Geschichte wiederholt sich nicht, sagt man. Gut so und gut gegen Langeweile. Es gibt aber auch Wiederholungen, die immer wieder spannend sind.

Vor 21 Jahren verließ WIEBKE BOHLEN, Nachbau der Kreuzeryacht MARIE von Colin Archer aus dem Jahr 1902, die Werft zu einer zweiten Jungfernfahrt. Vorausgegangen war eine Monate dauernde grundlegende Restauration der Ketsch. Diese Reise, als Erprobungsfahrt geplant, hatte es in sich, obwohl sie nur von Marstal nach Flensburg führten sollte Der Wetterbericht hatte SW um vier vorhergesagt. Was daraus wurde, zeigt das Foto von der Kieler Bucht südlich von Aerö. Auf Kalkgrund wurde die See zu ungemütlich für die noch nicht ganz eingeübte Mannschaft. Also ging es zurück zum Ausgangspunkt. Der war, wen wundert's, erheblich schneller erreicht, als die Strecke bis zum Ausgang der Förde.

10. September 1997
Das Boot noch nicht fertig umgebaut, das Rigg modifiziert, die Segel neu, Positionen der Holepunkte und Klampen noch nicht erprobt. Aber Lyngby Radio hatte SW drei bis vier Beaufort angekündigt. Das versprach gute Bedingungen für den Probetörn. Doch Petrus fühlte sich nicht an die Vorhersagend der Wetterfrösche gebunden. Das ist bis heute so geblieben.






Liegt es nun am Jahrestag  oder kündigt sich im September einfach nur der Herbst an, mit Starkwind und kräftigen Böen? Bei einem kleinen "Ausritt", 21 Jahre später, blies es jedenfalls wieder kräftig mit starken Böen aus Südwest. Glücklicherweise ist das Boot mittlerweile gut eingesegelt und die Mannschaft auch. Die ist natürlich jetzt ein paar Jahre älter, wie jeder Blick in den Spiegel zeigt. Es ist schon ein bisschen ungerecht: Menschen kann man pflegen so lange man will, dennoch sehen sie immer älter aus. Boote altern natürlich auch, doch ihnen sieht man es bei guter Behandlung nicht an. Im Gegenteil, sie werden immer attraktiver.
Und wohin ging es diesmal? Wie damals zurück zum Ausgangshafen. Allerdings geplant. Ein Tagesausflug ist schließlich auch sehr schön, zumal, wenn er sportlich ist.


11. September 2018
Viel hat sich in den zwei Jahrzehnten getan. Dennoch kann gibt es auch heute noch "room for improvement", wie man so sagt. Aber Winschen und Rollsegel stehen weiterhin nicht auf der Wunschliste. Es geht immer noch ohne.

31.08.18 Werfttage

Höchste Zeit für eine Reinigung.
Spätsommerzeit ist für uns Werftzeit. Dann ist die Luft noch angenehm warm, aber nicht mehr heiß und die Werft hat noch Lücken im Terminkalender - wenn wir uns im Frühjahr anmelden. Zu Saisonende, schlimmer noch zu Saisonbeginn, sind freie Termine oft noch schwieriger zu bekommen als bei einem Facharzt. Allerdings geht im Spätsommer die Werftzeit von den kostbaren Segeltagen ab. Wie beispielsweise von der Kongelig Classic an diesem Wochenende.

Gleich der Vorsorgeuntersuchung beim Arzt, geht es auch bei unserem Werftbesuch in
erster Linie um die jährliche Vorsorge und in zweiter Linie um die Wartung. Unser alter Verstellpropeller muss einmal jährlich abgeschmiert werden. Das geht leider nicht "von innen". Und die Unterwasserfarbe sollte ebenfalls rechtzeitig erneuert werden.
Also hin zur Werft und rauf auf den Slipwagen. Schon bei den letzten Manövern in Maschinenfahrt zeigte sich unsere "alte Dame" etwas ungehalten über die Ruhestörung. Sie wird ja auch nur selten mit Maschinenkraft bewegt - schließlich haben wir ein Segelschiff und bei der überbordenden allgemeinen Besorgtheit wg. Feinruß und NOx traut man sich ohnehin kaum noch, den Startknopf zu drücken. Aber in letzter Zeit zeigen Besucher am Bohlwerk auf unseren Propeller und fragen, ob unter dem üppig wachsenden Biotop auch noch Metall zu finden sei. Und tatsächlich, der dicht besiedelte Quirl am Heck wirkte schon seit ein paar Wochen nicht mehr so, wie ein blanker Propeller.

Trotz der Spätsommerzeit sind wir nicht alleine auf der Werft. Außer uns sind da noch unter anderen MYTILUS, KÄTHE von FRIEDRICHSKOOG und RUTH.

MYTILUS
WIEBKE BOHLEN (li.)
und KÄTHE von FRIEDRICHSKOOG (re.)
Werfttage sind auch so etwas wie Ruhetage, zumindest am Wochenende, wenn die Werft arbeitsfrei hat. Das Nübel Noor ist sehr schön und lädt zum spazierengehen und Blumen pflücken ein.

... schmückt jeden Raum
Ein Blütentraum...









31.08.18 Glück im Unglück

DAGMAR AAEN hat Glück im Unglück. Das Schiff hatte wegen vermehrt auftretenden Packeises auf die Passage einer besonders gefährlichen Durchfahrt verzichtet. Auf der Rückfahrt nach Süden versagte der Verstellpropeller erneut seinen Dienst. Schiff und Mannschaft sind wohlauf.
Die rote Markierung zeigt auf Aasiaat
Erstellt mit Google Maps

Am Dienstag wurde das Expeditionsschiff von Arved Fuchs erneut von einem technischen Problem getroffen. Es geschah vor der Westküste Grönlands nahe Upernavik. Wieder scheint ein Bauteil des Verstellpropellers gebrochen zu sein, wie bereits bei der Überfahrt von Island nach Grönland. Damals wurde der Propeller auf einer isländischen Werft repariert. Arved Fuchs sagt dazu: „Wir haben Glück im Unglück gehabt. Der Schaden am Antrieb hat uns elf Seemeilen südlich von der Stadt Upernavik ereilt. Der Wind war auf unserer Seite und wir konnten unter Segeln in den dortigen Hafen einlaufen. Erneut haben sich die Vorteile eines Segelschiffes gezeigt. Ein reines Motorschiff wäre in diesem Fahrtgebiet mit den zerklüfteten Küsten, den vielen Untiefen und Eisbergen sowie unvorhersehbaren Strömungen ohne einen funktionierenden Antrieb in echte Schwierigkeiten geraten“, und ergänzt: „Dieser erneute Zwangsstopp ist für mich und die Crew sehr ärgerlich, da er Zeitverlust sowie zusätzliche Kosten bedeutet. Die Stimmung an Bord ist dennoch gut. Wir alle wissen, dass eine Expedition auf einem traditionellen Segelschiff immer unvorhersehbare Ereignisse auf den Plan rufen kann, im Positiven wie im Negativen“ und betont: „Wir sind froh, dass uns der Schaden nicht im Smith Sund, im hohen Norden, im Packeis ereilt hat. Dort, abseits jeder Infrastruktur, hätte ein Schaden weitreichende Konsequenz für das Schiff haben können. Jetzt aber heißt es Ruhe bewahren und genau zu arbeiten. Wir werden den Fehler finden, beheben und die Expedition fortführen.“
Verstellpropeller der DAGMAR AAEN. Die Schubstange
ist in der Propellerwelle verbaut und kann nach Beddarf
horizontal bewegt werden.

Der rote Haikutter wurde nach Aasiaat  geschleppt, wo das Schiff aus dem Wasser genommen werden kann. Ein dänischer Experte für Verstellpropeller wird derzeit eingeflogen um die Ursache der wiederholten Störung zu finden. 

Verstellpropeller haben sich in Skandinavien seit Jahrzehnten bei Berufsfahrzeugen bewährt. Die Wirkung beruht darauf, das der Anstellwinkel der Propellerblätter bei drehender Welle stufenlos von "voll voraus" bis "Voll zurück" verändert werden kann, wobei sich der Schub entsprechend verstärkt bzw. vermindert. Diese Propeller werden auch heute noch für moderne Schiffe gebaut, darunter große Frachter und Segelschiffe. Als verstellendes Element dient eine Stange im Inneren der Antriebswelle. Sie ist bei DAGMAR AAEN vermutlich gebrochen, so die Presseinformation von Arved Fuchs.

Wir wünschen der Crew eine baldige und endgültige Reparatur und einen künftig störungsfreien Ablauf der Expedition.

30.08.18 Fest im Hafenquartier

Der Spätsommer ist Zeit der Straßenfeste. Am kommenden Sonntag feiert das "Forum Hafenquartier" in Flensburg zum dritten Mal das Norderstraßenfest.

Das Fest entlang der Norderstraße (die mit den baumelnden Schuhen) hat sich seit seiner Premiere im Jahr 2015 als Fest von Nachbarn für Nachbarn etabliert. Kommunikation statt Kommerz,  nur so, nur zum Vergnügen. Wer Lust hat, kommt einfach hin, egal wie alt, egal wie bunt, egal wie was sonst.











































P.S. Wer mit dem PKW anreist findet rings herum öffentliche Parkplätze in Parkhäusern und auf der Schiffbrücke. Nur eben nicht in der Norderstraße.

29.08.18 Frischer Montag

Erfrischendes Vergnügen: Mit einer Gaffelketsch auf der Förde kreuzen - mal vor, mal am Wind. Wir schreiben über den Segeltrimm am Wind:

Nach verregneten Tagen geht es am Montag endlich wieder an die frische Luft. Im Hafen ist der Südwest noch schwach, gewinnt jedoch mit jeder Meile nach Norden an Kraft und schon vor der Meierwik gesellen sich Böen um sechs Beaufort zu dem mäßigen Südwest. In der Wasserslebener Bucht sehen wir RYVAR. Sie gibt das Signal "dreimal lang" mit dem sich hier Traditionsschiffe untereinander begrüßen. Da muss also noch ein zweites sein. Zeit zum lange herumgucken haben wir nicht, wir müssen die Segel schiften. Jetzt hören wir auch das Typhon von Salondampfer ALEXANDRA "Dreimal lang". Jetzt nimm der Wind zu und die Böen dauern länger. In Luv sind alle Wellen von Schaum gekrönt.
Wir kreuzen wieder einmal vor dem Wind und sind schon bald bei den Ochseninseln. Vorsichtshalber luven wir etwas an. Bei dem frischen Wind möchten wir keine Patenthalse riskieren. RYVAR, der große rote Frachtlogger aus dem Museumshafen kommt wieder in Sicht. Man hat es wohl eilig, denn er nähert sich zügig in Maschinenfahrt und entschwindet bevor wir ihn erreichen können.
Wir müssen an den Rückweg denken. Hoch am Wind kreuzend in den Hafen zu segeln ist nicht im Handumdrehen erledigt. Vor Glücksburg heißt es noch einmal "rund achtern!" Danach holen wir die Schoten so dicht wie möglich, um hoch am Wind zu kreuzen. Als wir vorhin vorm Wind kreuzten, krängte unser Boot sehr wenig. Aber jetzt legt es sich über bevor es Fahrt aufnimmt. Nun müssen auch die Segel für die neue Situation getrimmt werden: Das Klüverstag, vorhin noch nach Lee gerundet, wir so hart wie möglich durchgesetzt. Die Klüverschot wird dicht genommen, dann folgt die Fockschot. Die Baumfock wird dichter getrimmt, ihr Unterliekstrecker ebenso. Die Großschot holt den Baum jetzt weiter mittschiffs und das Unterliek des Großsegels wird ebenfalls flach gestellt. Ist das Segel gut getrimmt, wehen die Windfähnchen am Achterliek waagrecht aus und beim Besan ebenso: Hoch am Wind muss der Besanbaum nahezu mittschiffs stehen und das Unterliek komplett flach getrimmt werden. Jetzt noch einmal alle Schoten kontrollieren. Meist haben wir die Klüverschot im ersten Anlauf viel zu dicht gestellt. Jetzt bekommt das Segel etwas(!) mehr Luft und schon läßt der Druck auf die Pinne nach und das Boot gewinnt an Höhe und wird schneller. Wenn alle Segel mit dem Kurs und untereinander harmonieren, segelt sich unser Boot alleine und der Rudergänger hat eine Ruhepause. Allerdings nicht für ewig, denn bald schon ist die nächste Wende fällig. Schlussendlich noch ein Blick auf die Gaffelsegel. Ist das Piekfall richtig durchgesetzt, sind die Segel glatt und faltenfrei. Heute klappen die Wende besonders gut und wir kommen rasch voran. Ein paar Segler mit Vorfahrt queren unsere Bahn. Wir weichen frühzeitig aus, sonst müssten wir einen viel größeren Haken schlagen. Dumm nur, wenn der andere Segler ebenfalls den Kurs ändert. Das macht aus dem Ausweichmanöver so etwas wie das Spiel "Absetzen", das wir als Kinder mit Fahrrädern spielten. Dabei ging es darum, dem anderen so in die Quere zu fahren, dass er abspringen musste.
Über dem dänischen Ufer brauen sich dunkle Regenwolken zusammen. Darunter ziehen graue Regenschleier über die Wälder und Felder. Die Natur braucht das Wasser dringend, wir nicht. Wir ziehen die Regenjacken über. Bald lässt der Regen nach und mit ihm der Wind.
In der Wasserslebener Bucht segelt uns der weiße Toppsegelschoner ANNY aus GÜCKSTADT in einiger Entfernung entgegen.














Ist doch schön, nette Nachbarn zu haben! 
Der nächste Tag bring eine angenehme Überraschung. Dieses Video hat uns die Crew der ANNY geschenkt:


WIEBKE BOHLEN auf der Kreuz

In den Hafen hinein zu segeln, hat es bei dem Südwestwind wieder einmal in sich. Wir zählen die Kreuzschläge nicht bis wir zum Bohlwerk hin steuern können, aber es sind reichlich. Nun, wir wollten es sportlich und wie bekamen was wir wollten. Hat Lust auf mehr gemacht!

27.08.18 Nochmal gut gegangen

SVARTLÖGA
Foto: svartloga.dk
Die dänische Ketsch SVARTLÖGA kenterte am 25.08. in einer Fallböe und sank innerhalb von Minuten. Alle elf Personen auf dem 24 Meter langen ehemaligen schwedischen Minensucher wurden von holländischen Rettungskräften sicher an Land gebracht. Über das Unglück berichtet der Unterstützer-Verein der SVARTLÖGA auf seiner dänischen Internetseite (Von Google übersetzt):






"Eine traurige Nachricht und gute Nachrichten
Anfang August segelte Svartlöga von Den Helder in Holland gegen Zeebrügge in Belgien. Die Wettervorhersage versprach einen guten halben Wind und wir gingen vom freien Segel. Gegen Mittag reduzierten wir das Segeln aufgrund einer Reihe starker Winde. Um 16 Uhr wurden wir von einer sehr schweren Brise mit großen Fallwinden getroffen, die das Schiff in relativ kurzer Zeit zum Absturz brachte. Jeder trug einen Anzug und das Sicherheitsverfahren wurde befolgt.Jeder wurde in der Rettungsflotte gerettet und das automatische Alarmsystem epirb plus ein Telefonanruf alarmierte den niederländischen Rettungsdienst, der den Rettungsdienst in 40 Minuten ausfindig machte und alle 11 an Bord eines Rettungsbootes brachte. Alle 11 sind gut und niemand wurde verletzt - und dafür sind wir dankbar. Wir haben nichts mit dem Schiff zu tun, sondern stehen in Kontakt mit der Botschaft und der Versicherung.Vielen Dank an den niederländischen Rettungsdienst, die Küstenwache und die Maritime Police, die uns professionell gerettet haben, und an unseren privaten Zufluchtsort für Unterkunft, Wärme, Unterkunft und Telefonkontakt. Wir hatten zwei wundervolle Wochen zusammen und sind natürlich traurig, dass es so endete, aber glücklich, am Leben zu sein. Jeder tat so, wie er sollte, und der Kapitän und die Mannschaft sendeten allen eine herzerwärmende Begrüßung."

24.08.18 Ganz schön kirre

Auch verregnete Tage haben ihr Gutes. Man kann sein Holzboot stressfrei innen auf den unerbittlich näher rückenden Winter vorbereiten. 

Der Geruch von Wurzelteer dringt bei Freunden alter Holzboote unmittelbar über die Riechschleimhaut in den Bulbus Olfactorius und bewirkt:

  1. die Vorstellung von Segelboot, vorzugsweise mit Gaffel
  2. ein Gefühl der Sehnsucht nach dem "endlosen, weiten Meer"
Letztere ist bekanntlich Voraussetzung für den Schiffbau. Somit sind wir jetzt reif für das nächste Holzboot. Dabei sollte heute lediglich das bereits vorhandene für den Winter konserviert werden. Die Rezeptur ist einfach, aber wirkungsvoll. Man nehme je zur Hälfte Kiefernwurzelteer und Leinölfirnis, rühre die dunkelbraune Substanz sorgsam durch und bürste sie mit einem Flachpinsel dünn (DÜNN!) auf die staubfreien Innenseiten der Rumpfplanken, Spanten, Balkweger, Bodenwrangen und alles aus Holz, was ein Boot ausmacht. Ein Hauch genügt und schon schmückt seidig, feiner Glanz die Oberfläche. Das war´s schon. Am nächsten Tag ist die Wirkung vielleicht etwas enttäuschend, denn die Oberfläche, die am Vortag noch makellos glänzte, hat vermutlich matte Stellen bekommen. Das ist normal, denn Holz saugt unterschiedlich stark, je nachdem unter welchem Winkel seine Fasern angeschnitten sind. Also warten wir ein paar Tage und behandeln die matten Stellen noch einmal dünn (DÜNN!) wie gehabt. Nun dauert es vielleicht eine Woche oder auch zwei bis die Oberfläche getrocknet ist. Die Zeit hängt ab vom Luftaustausch, der Temperatur und der Feuchtigkeit der Planken. Es versteht sich von alleine, dass die nicht nass sein dürfen. Die übliche Feuchtigkeit vom Holz macht jedoch nichts aus.
Leinöl hat verschiedene angenehme Eigenschaften: Es ist wasserabweisend, atmungs- und kriechfähig, einfach auszubessern, umweltfreundlich und nicht zu teuer. Außerdem hat es sich als Rostschutz und -konservierung bewährt. Wir haben beispielsweise das Maschinenfundamet mit Leinölfirnis behandelt.  Allerdings ist es nicht sehr belastbar. Aber dort, wo wir es auftragen ist UV-Licht und Abrieb ohnehin kein Thema.
Sein größter Nachteil ist, dass es sich bei Raumtemperatur selbst entzünden kann. Dagegen hilft, mit Leinöl getränkte Lappen nach der Arbeit in einem verschlossenen Glas aufzubewahren oder mit Wasser(!) nass zu machen und wegzuwerfen.
Letzte Frage: Warum behandeln wir unser Boot gerade JETZT? Ganz einfach: Leinölfirnis kann man sehr gut bei etwa 20 Grad verarbeiten.
Wurzelteer schätzen wir sehr. Er hilft gegen Bakterien und Pilze. Und, um ehrlich zu sein, es riecht einfach göttlich. "Es rauscht wie Freiheit, es riecht wie Welt" dichtete Joachim Ringelnatz in seiner Ode an "Segelschiffe". Vorher hat er vermutlich an Planken geschnuppert, die mit Wurzelteer behandelt wurden. Doch Vorsicht: Nach dem Auftrag sollte man lange und gründlich lüften. Wie Teer im Tabak ist er auch in der Kiefernwurzel schädlich.

Ach ja, und was soll die Überschrift? Auch Wildschweine finden den Duft von Wurzelteer unwiderstehlich. Jäger ködern sie damit und locken sie an einen gewünschten Platz um sie dort zu zählen oder zu jagen. Der Geruch macht sie einfach kirre (ruhig).   Deswegen sollte man sich vor der Einreise nach Dänemark umsehen, ob vielleicht Wildschweine das Boot als Köderschiff ansehen und im Kielwasser folgen. Die Schwarzkittel haben nämlich in Dänemarkt Einreiseverbot. Um sie abzuhalten bauen dänische Grenzschützer sogar Zäune entlang der Demarkationslinie.

23.08.18 Blauer Himmel, Blaue Jungs

Wie angekündigt, wehte der Wind gestern aus Südwest. Und weil er gegen Nachmittag auf West drehen sollte, als "Damenbriese" bei moderaten drei Beaufort, zog es uns wieder auf die Förde. Zumal bei der passablen Sommertemperatur von 20 Grad. Dazu ein leicht bewölkter Himmel! Er passt einfach besser zu unserer dänisch-deutschen Region. Und dieses Licht! Obwohl erst Ende August, scheint die Sonne wie durch hauchdünne Gaze und gibt dem bewaldeten Steilufer eine schon fast herbstlich-wehmütigen Stimmung. Nur noch wenige Tage und buntes Laub wird die Farbskala bestimmen.
Angekündigt waren auch Böen um sechs, die schrecken uns nicht ab. So entscheiden wir uns für "Vollzeug" und verlassen den Hafen wo der Wind noch schwach aus Süd weht. Südwest in der Flensburger Förde bedeutet seewärts vor dem Wind zu segeln. Da wäre es doch praktisch, einen Spinnacker im Arsenal zu haben. Ein Spinnacker oder auch ein Gennacker ist doch einfach ideal für Vormwindkurse. Wir haben weder noch. Zwar sieht man immer mehr dass traditionelle Arbeitsboote die bei den Segeln Anleihen aus der Regattaszene machen. Aber die großen Vorsegel stehen bei diesen Booten einfach nicht wirklich gut. Wahrscheinlich müsste auch das Großsegel halb gerefft gesetzt werden, damit die große Blase vorne genügend Wind abbekommt. Bei gerefftem Groß entfällt dann auch noch das Toppsegel für den Antrieb. Da kann man die teuren Yachtsegel auch gleich beim Segelmacher lassen. Also nix für traditionelle Gaffelsegler, zumal diese Segel dazu noch einen peinlichen Stilbruch bedeuten.
Dieses Stilempfinden bezahlen wir regelmäßig damit, dass wir vor dem Wind kreuzen. Tatsächlich kommen wir damit schneller zum Ziel, obwohl der Weg erheblich länger ist und die Halsen auch ein bisschen Zeit benötigen. Der wichtigste Grund ist für uns, dass wir entspannter segeln können als platt vor dem Wind. Mit Wind von schräg achtern haben wir das Boot jederzeit gut unter Kontrolle, anders als insbesondere beim "Schmetterling" segeln. Zwar neigt die Fock wegen mangelnder Beschäftigung zu lustlosem Herumflattern. Stellen wir sie aber mittschiffs, ist sie ruhig und hilft sogar noch ein bisschen mit.
Gestern zahlte sich unsere Segelführung zusätzlich aus. Die angekündigten Böen kamen plötzlich und hielten nicht lange durch. Bevor sie in spürbaren Flautenlöchern versickerten, machten sie noch einen neckischen Dreher, als wollte der Wind schon mal den für den Abend angekündigten Schwenk nach rechts trainieren. Kein Wunder also, dass auch die modernen Jachten auf der Förde, die mit Kurs Nord unterwegs waren, ohne Spinn- oder sonstigem -acker segelten.


Für Kurzweil war also gesorgt und irgendwann hatten wir auch Holnis Enge in einem unserem Alter angepasst würdigem Tempo erreicht. Da wachte der Wind endlich auf und Entschied sich, endgültig aus West zu wehen. Schon setzten auch Jachten mit Kurs auf Flensburg, eben noch unter Maschinenfahrt unterwegs Segel und rauschten mit schäumender Bugwelle los. Und wir hinterher. Mit vollen Vorsegeln. und dicht geschoteten Bäumen. Hoch am Wind kann der Besan nahezu mittschiffs geschotet werden. Das entlastet den Rudergänger und reduziert den Strömungswiderstand im Wasser. Gut getrimmt, läuft die Ketsch ohne eine Hand an der Pinne maximale Höhe. Leider bleibt der Wind unstet und böig. Richtungsänderungen folgt das Boot geduldig. Aber schnelle Dreher werden mit einem Griff an die Pinne schneller ausgesegelt. Wechsel zwischen schnell einsetzenden Böen und Flautenlöchern können die Nerven ein wenig strapazieren. Wenn leichtere Jachten "Sonnenschüsse" fahren, legt sich unser schweres Boot erst einmal über bevor es Fahrt aufnimmt. Im Ergebnis sind wir dann nicht einmal viel langsamer. Aber tatsächlich, erreicht eine schwere Gaffelketsch nicht die Höhe am Wind wie eine ebenfalls gut gesegelte moderne Slup. Bei grober See und stürmischem Wind sähe der Vergleich schon anders aus.
Vor der Marineschule in Mürwik segeln drei Marinekutter aus ihrem Hafen. Die Segel stehen prachtvoll und sie machen gute Fahrt. Entsprechend gut ist die Stimmung an Bord der marine-grauen Boote. "Nimm zuerst ein kleines Boot" Das Buch haben wir vor Jahren gelesen, nun fällt der Titel wieder ein. Passt auch auf unsere "Blauen Jungs", zumal das große "Boot" immer noch auf der Werft ist. Da wird traditionelle Seemannschaft aufs Wesentliche reduziert.
In der Hafeneinfahrt kommt uns ein Traditionssegler entgegen. Auch hier gute Laune an an Deck. Noch fünf Schläge gegen den schwachen Wind, er weht im Hafen aus Südwest, und wir können die Segel bergen. Das Bohlwerk hat uns wieder.

21.08.18 RAKELs Stunde schlägt

In Norwegen sind zehntausende Begeisterte auf den Beinen um die Rückkehr der MAUD zu erleben. Allein in Oslo waren 20000 Menschen an der Pier um zu begrüßen, was von MAUD übrig blieb. Das Expeditionsschiff Roald Amundsens kehrte aus Gröndland heim, wo sie nach 85 Jahren auf dem Meeresgrund geborgen wurde. Nun wird sie restauriert und Zentrum eines eigenen Museums. Norwegen bewahrt sein maritimes Erbe.

Und hier?
Anfang Juni kommen weniger als zehn Interessierte zur Museumswerft als das Expeditionsschiff FEUERLAND des weithin vergessenen Pioniers und Entdeckers Günther Plüschow nach einer Odyssee von Südamerika über Hamburg und Büsum schließlich auf der Museumswerft Flensburg eintrifft. In diesen Tagen wird OLINE, einer der ältesten Segler der Ostsee, in ihrem Leichenhemd aus Plastikplane ebendort zu Wasser gelassen. Und gleichzeitig schlägt, kaum 15 Seemeilen entfernt RAKEL, dem letzten großen Fischereisegler aus der Werft von Colin Archers in Larvik die letzte Stunde. Ihr Rumpf wird auf der Werft von Christian Jonsson mit Kettensägen in handliche Stücke zerlegt, passend für den Müllcontainer. Welch schmähliches Ende für ein großartiges Segelschiff! Wo waren die Organisationen, die sich hierzulande die Bewahrung des maritimen Erbes aufs Panier geschrieben haben?

Seit das Schiff auf einer Fahrt nach Helgoland beinahe gesunken war (Die BSU berichtete von gravierenden Mängeln) wurde das Schiff zum Abenteuerspielplatz für einige Projektamateure. Ihr Enthusiasmus reichte leider nicht für eine Rettungsaktion. Keiner hatte die Mittel, die Professionalität, oder Netzwerke, ohne die hier und heute derartige Projekte zum Scheitern verdammt sind. RAKEL wechselte noch in den letzten Jahren mehrfach ihre Besitzer, der letzte bekam sie für eine Dänische Krone und nannte sich "Finanzier". Ohne die Bereitschaft und Leidensfähigkeit von Chr. Jonsson und seiner großen Liebe zu alten Holzbooten, wäre es mit RAKEL schon vor ein paar Jahren zu Ende gegangen.

Aber RAKEL starb nicht anonym und unbeachtet. Heute bekamen wir eine E-Mail von Gerd Büker, dem Archivar und rührigen Geist des Schiffshistorischen Archivs Flensburg. Er schreibt:
"Trotz wohlmeinender Versuche durch engagierte Enthusiasten konnten die erforderlichen Mittel zur Restaurierung des Schiffes nicht aufgebracht werden.
Als Chronisten können wir das bedauernswerte Ereignis nur zur Kenntnis nehmen und für die Nachwelt  dokumentieren und vor der Vergessenheit bewahren.
Es bleibt zu hoffen dass möglichst viele der alten, bewahrenswerten Schiffe als Zeugnisse einer vergangenen Küstenkultur erhalten werden können.
Leider hat das Schicksal unerbittlich nun auch die RAKEL erfasst: Nun ist es endgültig zu spät  sie wird nun auf der Werft Christian Jonsson seit 20. August 2018 abgewrackt."

Ende eines bewegten Schiffslebens
nach 122 Jahren. Es fehlte nicht viel
Geld, um sie zu retten. Vielleicht hatte
sie einfach den falschen "Stallgeruch".
Für Dänemark zu norwegisch,
für Norwegen zu deutsch, 
für Deutschland zu unbedeutend.
Fotos: Gerd Büker
Schiffshistorisches Archiv Flensburg
(danke!)
































17.08.18 FEUERLAND im Schifffahrtsmuseum

In der Ausstellung im Schiffahrtsmuseum über das Expeditionsschiff FEUERLAND von Günther Plüschow steht das eigentliche Objekt auf der anderen Straßenseite. Dennoch lohnt der Besuch.

FEUERLAND als Modell von Adi Born
Bild aus der Bauzeit der FEUERLAND  
Nach der Rückkehr von seiner letzten Antarktis-Expedition machte uns Arved Fuchs auf ein Schiff aufmerksam das, wie seine DAGMAR AAEN noch in diesen Tagen, Polarregionen bereiste die vor nur 90 Jahren nicht einmal vollständig kartografiert waren. Als die Eiskappen der hohen Breitengrade noch nicht schmolzen, keine Kreuzfahrtschiffe Touristenströme in die Antarktis karrten und es kein Plastik gab, das heute die einst unberührten Gewässer zu Müllkippen der Zivilation herabgewürdigt. 
Diese Spanne der Veränderungen von einst zu jetzt, hat dieses Schiff  überdauert. Wenn wir bereit sind seinem Kielwasser zu folgen, können wir Zusammenhänge in Entwicklungen sehen, die nur scheinbar so weit von einander entfernt sind wie der 54ste Breitengrad Süd, auf dem Ushuaia liegt und der 54ste Breitengard Nord, Koordinate Flensburgs. 
Das Wasserflugzeug als Modell, eine Heinkel HD 24W
mit der Kennung D-1313, der Glückszahl Plüschows


FEUERLAND als Versorgungsbasis
Dieses Schiff heißt FEUERLAND. Es ist nach den Worten von Carola Buchner vom Verein FEUERLAND e.V. von einem ganz besonderen Zauber umgeben, der Menschen berührt und zusammenbringt. Wie anders wäre es zu verstehen, dass Repräsentanten der noch heftig verfeindeten Länder Argentinien und Großbritannien miteinander die Ankunft des Schiffes in Hamburg feierten? 

Aber wir greifen vor, also eines nach dem anderen. 
FEUERLAND als Viehtransporter
Das Segelschiff aus dem Jahr 1927, oder besser gesagt das, was von dem einst see- und eistüchtigen Expeditionsschiff des seinerzeit sehr bekannten Flugpioniers und Expeditionsfliegers erhalten blieb, liegt seit Anfang Mai auf dem Gelände der Museumswerft. Grau verwittert zeigt der imposante Bau die ersten Spuren der beginnenden Restauration, die aus ihm ein vorzeigbares Traditionsschiff machen soll. Schließlich steht die FEUERLAND auf der Liste der beweglichen Denkmäler des Landes Schleswig-Holstein. 
Und tatsächlich muss es einen Zauber geben ohne den das Schiff seine sieben Lebensstufen nicht überlebt hätte. Es hat so ziemlich alles überstanden, womit das letzte Jahrhundert einem Hochseekutter begegen konnte. 
Das beginnt schon mit seiner Vorgeschichte, als der Marineoffizier und -FliegerGünther Plüschow mit seinem Flugzeug und wichtigen Dokumenten aus Tsingtao fliehen konnte, als die von China auf 99 Jahre gepachtete Kolonie Kiautschou des deutschen Kaiserreichs von Japan und seinen verbündeten Engländern eingenommen wurde. Seine spektakuläre Flucht machte ihn damals außerordentlich populär. Wo immer der "Flieger von Tsingtao" auftrat, waren ihm volle Zuhörersäle sicher, seine Bücher und Aufsätze verkauften sich blendend. Der mittlerweile aus dem Militärdienst ausgeschiedener Pilot baute darauf eine neue Zukunft und zwar als Expeditionsflieger. 


Aus der Luft konnten die letzten nicht vermessenen und dokumentierten Gebiete der Erde erforscht werden. Eines dieser Gebiete war Feuerland, die Südspitze des amerikanischen Kontinents. Nach jahrelanger Vorbereitung, und Planung ließ er sich 1927 in Büsum ein geeignetes Schiff bauen. Ähnlich wie die DAGMAR AAEN, die zur Zeit auf einer weiteren Reise in Polarregionen unterwegs ist, war das Schiff von Günther Plüschow im wesentlichen ein Fischkutter der Nordsee, besonders stark gebaut, wie jene auch. Er nannte es FEUERLAND, nach dem Ziel seiner Expeditionen. Das Schiff war schwimmende Basis und Versorgungsstation für das Wasserflugzeug, mit dem die eigentlichen Expeditionen unternommen wurden. Nur sehr wenige Schiffen dieser geringen Größe (16,20 Meter Länge) wagten damals die und lange gefährliche Reise. An seinem Bestimmungsort Feuerland sollte das Schiff als Basis für die Erkundungsflüge ins Niemandsland zwischen Argentinien und Chile eingesetzt werden. "Als Tender, Reparaturwerkstatt, Treibstofftransporter, Dunkelkammer zur Entwicklung des Filmmaterials und schwimmende „Schutzhütte“ gegen die eisigen Stürme trug die „Holzpantine“, wie Plüschow sie liebevoll nannte, dazu bei, die Expeditionen zum Erfolg zu führen." (aus: Feuerland, ein Büsumer Fischkutter entdeckt die Welt).
Die erste Reise mit der FEUERLAND konnte erfolgreich beendet werden, Von ihr gibt es beeindruckende Fotografien, die Meteorologen heute noch als Referenz für die Klimaentwicklung nutzen. In seinem Buch "Silberkondor über Feuerland" veröffentlichte er seine Eindrücke von dieser Reise. Noch vor Ende seiner zweiten Expedition im Jahr 1929 musste der Amateurforscher und Abenteurer sein Schiff jedoch verkaufen. Die Expedition kostete Günther Plüschow und seinen Mechaniker Ernst Dreblow auch das Leben. Vom letzten Flug kehrten sie nicht mehr zurück.

Für die FEUERLAND begann das zweite ihrer sieben Leben, von der die
FEUERLAND auf dem Weg zurück nach Hamburg
Ausstellung im Schifffahrtsmuseum  berichtet. Sie verliefen ganz anders als die ersten vier Jahre. Und sie bekam auch einen neuen Namen: PENELOPE. Den sollte sie bis zu Beginn des zweiten Jahrtausends behalten, als ihr letzter Eigner, Bernd Bucher sie entdeckte und ihre Bedeutung für die deutsche Schifffahrtsgeschichte erkannte. Er gab ihr ihren urspünglichen Namen "FEUERLAND" zurück. Die meisten Jahre dazwischen diente das Schiff profanen Aufgaben, und unterscheidet sich dadurch nicht von vielen alten Schiffen aus der selben Zeit, die irgendwann als Steinfischer oder Wohnschiff benutzt wurden. Dennoch wurde PENELOPE-FEUERLAND auch Zeitzeuge der Weltgeschichte im zweiten Weltkrieg, den sie wegen fehlender Ersatzteile als Auflieger noch ruhig verbrachte und ganz heiß während des Falklandkrieges, als Argentinien die britischen Falklandinseln gewaltsam besetzte und Großbritannien sich die Inselgruppe genau so gewaltsam zurück holten. PENELOPE überstand den Beschuss durch eine Fregatte und auch durch einen Harriett-Düsenjäger. 


Jetzt kümmert sich ein  Unterstützerverein um die Zukunft des geschichtsträchtigen Schiffes. Er hat sich die Museumswerft in Flensburg als idealen Ort für die Restauration gewählt und wirbt derzeit Sponsoren ein, die das Projekt finanzieren wollen. Die Ausstellung zur Geschichte dieses Schiffes im Schifffahrtsmuseum ist Teil dieser Bemühung.

Die Ausstellung hat uns sehr angesprochen, die ausgewählten Unterlagen, Bilder, Konstruktionszeichnungen und Texte zeichnen ein interessantes Bild aus den acht Jahrzehnten Schifffahrtsgeschichte, die ja eben auch eine Geschichte der "kleinen" Einheiten ist, die mit ihren Besatzungen Großes geleistet haben.

Die Ausstellung wird am Sonntag, dem 19. August 2018 um 11.30 Uhr eröffnet und endet am 03. März 2019

Das Grußwort der Eröffnung wird Dr. Michael Paarmann, Landeskonservator, Landesamt für Denkmalpflege Schleswig-Holstein sprechen und das musikalische Rahmenprogramm gestaltet NORMA, Sängerin und Liedermacherin aus Nordfriesland.

14.08.18 Der letzte Fanö-Ewer

Typisch für Plattbodenschiffe: die scharfe Kimmung
Über Wasser wirkt er wie ein Kielboot.
 "Ewer, Lastesel der Küste". Die Seite in den HAFENMELDUNGEN erinnert an den einst häufigsten Schiffstyp an den deutschen und auch dänischen Küsten. Es gab nichts, was in der Küstenfahrt nicht von diesen Plattbodenschiffen transportiert wurde. Alles was Menschen und Betriebe benötigten, kam mit Ewern auf die Bauplätze, in die Kaufläden, zu den Werften, Bauernhöfe und Häfen. Es gab kaum einen Bereich des täglichen Lebens, der nicht auf den Transport übers Wasser angewiesen war. Entsprechend viele der Lastesel hat es einst gegeben. Wie vieles andere auch, galten sie nur noch wenig, als ihre Zeit vorüber war, als sie durch modernere Transportmittel ersetzt, oder gleich überflüssig wurden.
Die Schiffsschraube hat nur wenig Platz, nach oben,
unten und auch nicht nach hinten. Vermutlich wurde der
Ewer ursprünglich nicht für den Maschinenantrieb
gebaut.

Heute gibt es nur noch wenige Ewer. Wenn sie zu sehen sind, oder wenn von ihnen erzählt wird fehlt nur selten der Zusatz "der einzige erhaltene" oder "der letzte seiner Art", so zum Beispiel bei der PROVIDENTIA HF42 aus Flensburg.

Heute haben wir auf der Werft von Chr. Johnsson in Egernsund zufällig einen weiteren "letzten" angetroffen. Er ist der letzte von vielen, die einst die Nordeeinsel Fanö versorgten Dieser Ewer ist komplett aus Eichenholz gebaut. Der Zahn der Zeit hat sichtbar an dem alten Rumpf genagt. Nun soll er restauriert werden. Die Chancen auf einen erfolgreichen Abschluss stehen nicht schlecht. Zumindest fehlt es nicht an der Kompetenz der Bootsbauer.

Der erste Blick auf den in der Bootshalle aufgebockten Rumpf irritiert. Er erinnert an Schiffsmodelle, die häufig ohne den Teil des Rumpfes unter Wasser gebaut wurden. Aber der Eindruck täuscht in diesem Fall. Der Ewer hat tatsächlich einen komplett flachen Boden, gebaut aus breiten Planken. Über der Wasserlinie bot er dennoch das Bild eines schmucken Seglers mit Klipperbug. Da keine Vorrichtung für ein Mittelschwert zu erkennen ist, haben vermutlich Seitenschwerter die seitliche Abdrift durch den Wind verhindert, wie bei den meisten seiner Artgenossen.

13.08.18 Böses Erwachen

Das Steuerhaus ist auf den
ersten Blick unversehrt...
Als vor ein paar Wochen an beiden Enden des Bohlwerks Tore montiert wurden, schrieben wir noch "Über allen Schiffen ist Ruh". Schließlich sollten die Absperrungen die nächtlichen Übergriffe auf Schiffe und Einrichtungen des Museumshafens verhindern.  Und tatsächlich, seit die Tore spätabends geschlossen werden, hörten nächtliche Umtriebe nahezu komplett auf. Keine Saufgelage, keine Übergriffe auf die Boote, Vermüllung oder Sachbeschädigungen. Schon entspannen sich die Anrainer des Bohlwerks. Keine Unruhe am Abend ("Ist das Boot weit genug weg gebunden?") und am Morgen ("Ob heute alles in Ordnung ist?") und Axel, der sich um die Sauberkeit der Fischhütte kümmert erzählt, dass morgens kein Müll auf dem Bohlwerk liegt, noch nicht einmal Zigarettenkippen!. Endlich Normalität am Bohlwerk!


...doch innen verwüstet
Bis heute. Wollten die Vandalen in einer Nacht alles nachholen, was sie in den letzten zwei Wochen versäumten? In der Fischütte wurde eine Scheibe eingeschlagen, die Inneneinrichtung verwüstet und Geld gestohlen, das ehemalige Steuerhaus der DAGMAR AAEN aufgebrochen und innen durchwühlt. Schließlich wurde auch in der Dusche der Münzautomat und der Sicherungskasten mit einem Hammer zerschlagen und, wie man auch hier hört, Geld entwendet.  Und um die schlechte Nachricht vollständig zu melden: Auch das Werftcafé wurde heimgesucht, die Türe aufgebrochen und der Innenraum verwüstet. Ob etwas entwendet wurde, wissen wir nicht. Und um die Liste vollständig zu machen, der Versuch, die Fenster aufzubrechen, scheiterte zwar, aber ein Fensterrahmen ist jetzt weitgehend zerstört.

Die Polizei hat den Schaden aufgenommen und einen Mann festgenommen. Ob sie ihn wegen der  Übergriffe auf das Bohlwerk und das Werftcafé verhafteten, ist nicht bekannt.


und eine eingeschlagene
Scheibe in der Türe
Zerstörung in der Dusche,
am Fenster des Werftcafés