15.07.16 Mother's little helpers (3): der Toppnant

Im Winter liegt der Klüverbaum (re.)unter der Plane
geschützt an Deck. Ist es warm genug, wird er dort
auch lackiert.
Viele nordische Segelboote haben einen Klüverbaum. Er kann im Gegensatz zu einem Bugspriet an Deck genommen werden. Das ist beim Segeln in rauer See sehr hilfreich. Denn wenn der Klüverbaum in einer Welle unterschneidet, kann er brechen - eine gefährliche Situation. Man stelle sich das einmal vor: der abgebrochene Teil der Spiere, an Wasserstag, Klüvergeien und dem Vorsegel hängend, wird neben dem Boot mitgeschleift während er wuchtig gegen den Rumpf poltert und die Schoten über das Vorschiff peitschen. Deswegen wird der umsichtige Bootsführer den Klüverbaum rechtzeitig einholen und an Deck fahren.

Auch auf der Helling zählt jeder Meter. Der Toppnant ist an
der Nock des Klüverbaums gut zu erkennen.
Auch in anderen Fällen ist diese Möglichkeit nützlich. Viele kleine Häfen Skandinaviens sind im
Ist wenig Platz im Hafen, wird der Klüverbaum eingeholt.
Wasserstag, Klüvergeien und sonstige Leinen hängen
aufgeschossen bereit.
Sommer dicht. Die Päckchen reichen von einer Hafenseite zur anderen. Da machen ein paar Meter in der Gesamtlänge einen großen Unterschied, wenn es darum geht, einen Liegeplatz zu finden. Zu welchen Zweck auch immer: Um den Klüverbaum einzuholen, muss zuerst das Segel eingeholt, die Klüvergeien und das Wasserstag gelöst werden. Es ist deswegen immer mit einer Talje versehen. Die Geien sind schnell gelöst, wenn sie ebenfalls mit Taljen oder Pelikanhaken gespannt werden. Ist die letzte Verbindung entlastet, wird der Klüverbaum nur noch von der Klüverbrille und dem Schloss, seiner Befestigung an Deck, gehalten. Wird es gelöst, fällt der Klüverbaum unweigerlich mit seiner Nock nach unten und klemmt fest. Das passiert, sobald das Schloss gelöst wird. Es kann unterschiedlich konstruiert sein. Häufig ist es ein Bolzen, der horizontal durch Klüverbaum und die Beting geht. Bei WIEBKE BOHLEN ist der Klüverbaum formschlüssig in der Beting gefasst. 
In jedem Fall muss das Schloss entlastet werden, um es zu öffnen. Dazu muss der Klüverbaum leicht nach vorne gezogen und dabei in der Waage gehalten werden. 
Die Leine rechts ist der Toppnant
Auf WIEBKE BOHLEN ist an der Klüvernock ein Toppnant befestigt, der durch einen Jollblock im Masttopp geführt und auf der Nagelbank zwischen den Großwanten belegt ist. Er verhindert, dass der Klüverbaum nach unten kippt. Durch seine Zugrichtung zum Mast hin zieht der Toppnant den Klüverbaum kräftig nach hinten. Dieser Zug wird durch die Hilfstalje aufgefangen und das Schloss kann jetzt gelöst werden. Werden beide sinnig gefiert, gleitet er sanft auf das Vordeck. Sollte er kippen wollen, genügt ein kleiner Zug auf den Toppnanten und schon geht es weiter. Ist erst einmal mehr als die Hälfte seiner Länge an Deck geholt, werden Talje und Toppnant nicht mehr benötigt. Wer mit einem sehr langen und schweren  Klüverbaum geplagt ist, kann eine Streckertalje im Toppnanten gut gebrauchen. Wir haben auch schon Schiffe gesehen, bei denen das achtere Ende des Klüverbaums auf einer Rolle fährt. Das war bei großen englischen Trawlern zu besichtigen. Deren Klüverbäume sind teilweise doppelt so lang wie der auf unserem Boot und entsprechend schwer.

Und wie lange dauert der Spaß?
Das Manöver schafft die beste aller Vorschoterinnen ganz alleine. Auch in kabbeligem Wasser legt sie den sechseinhalb Meter langen Klüverbaum in nur 10 Minuten aufs Vorschiff. Der Skipper braucht meist ein bisschen länger. Was'n Wunder: schließlich muss er auch noch die Verantwortung tragen.

P.S. Gut für den Lack. Wenn das Boot mit geborgenen Segeln im Hafen liegt, wird er dicht parallel über dem Klüverbaum zum Vorstag gespannt. Dann hinterlässt dort garantiert keine Möve mehr ihre Ausscheidungen.