24.10.16 Goldener Oktober

BODIL hängt die Wäsche auf.
Das braune Topsegel und der weiße Klüver sollen wieder in die Segellast - trocken, versteht sich









Heute trug der Oktober sein beliebtes Beiwort "golden" zu Recht. Schon vor Sonnenaufgang verspricht der wolkenlose Himmel einen freundlichen Herbsttag. Kein Morgennebel verschluckt das Tageslicht wie in den letzten Tagen. Dazu weht eine schwache Brise aus Ost. Das Bohlwerk und die Schiffe nass vom Tau, lassen ebenfalls einen sonnigen Tag erwarten. Wer kann, bereitet sein Schiff auf den nahenden Winter vor. Heute sind Idealbedingungen um die Segel zu trocknen. In den letzten Tagen hat der Dauerregen die Segel mit Wasser gesättigt. Wer kann, nutzt das ideale Wetter, um das teure Tuch vorm Einwintern komplett trocken zu bekommen. 
Viel mehr kann man trotz des schönen Wetters nicht mehr machen, um seinem Schiff über den Winter zu helfen. Wer dennoch sein Pensum nicht ganz abgearbeitet hat, verbringt den Vormittag damit, den Arbeitsplatz im Freien zu trocknen. Mittags kann ein bisschen geschliffen werden. Malen wird zum Wettlauf gegen die Zeit. Am frühen Nachmittag sollte der Pinsel wieder gut versorgt unter Deck sein.
Wer jetzt noch nicht fertig geworden ist: Morgen soll die Sonne acht Stunden lang scheinen. An den Folgetagen wird sie sich rar machen und der Wind wird zunehmen, verrät der Wetterfrosch.

17.10.16 Angepasst

Die neuen Festmacherdalben im Museumshafen sind heute vermutlich endgültig fertiggestellt worden. Ähnlich den traditionellen weißen Mastspitzen der alten Segler,  bekamen sie als krönenden Abschluß eine weiße Mütze aufgesetzt. Das Ende einer langen Aktion.

Eigentlich stellt man sich das ja ganz einfach vor: Neue Dalben einrammen, alte Dalben rausziehen. Das kann man auch gerne zeitlich etwas strecken, über einen Monat und mindestens drei Projektstufen hinweg. Klingt fast nach Elbphilharmanie oder Stuttgart 2000.
Hoffentlich wird es nicht auch so teuer. Zudem die "Neuen" genau so einfühlsam ihrer Umgebung angepasst sind.


PIROLAs Masttoppen
Vor mehr als einem Monat wurde neben einige der hölzernen Dalben auf der Wasserseite  jeweils ein rostiges Stahlrohr in den schlammigen Hafengrund gerammt. Daraufhin entschwand die schwimmende Pfahlramme und hinterließ außer den rostigen Rohren auch noch ein paar Fragen. Einige Wochen später kamen die Arbeiter zurück und befestigten Fanghaken für die Festmacherleinen an den Rohren. Als wir gestern von einer dreiwöchigen Abwesenheit wieder unseren Liegeplatz anliefen, waren tatsächlich schon die alten Holzpfähle gezogen! Heute kam dann der vorläufige Abschluss des komplexen Tauschmanövers: Die neu montierten Fanghaken wurden wieder entfernt, die Stahlrohre bekamen einen schwarzen Überzieher aus Kunststoff und die Fanghaken wurden wieder angebracht.

 
Tempi passati: Emma Polly Poller
Nun hat die Moderne den musealen Teil des Flensburger Hafens erreicht. Wohin die vertrauten grün-verspakten massiven Holzstämme aus Douglasie auf deren vermoderten Köpfen Grasbüschel sprießen und Enten ihren Nachwuchs brüten? Dahin, alle dahin. Verdrängt von kruder Zweckmässigkeit. Das Herz des Betrachters kann sich nicht mehr an der possierlichen Brutpflege wärmen. Doch immerhin bekamen die utilitären Festmacher ein neckisches weißes Mützchen aufgesetzt, auf dass kein landender Vogel ins endlos tiefe dunkle Rohr stürze.
 
Dalben als Design-Zitat. "Das formale Echo  schlanker Holzmasten als gestalterische Grenzziehung am Rand der Ferne" oder so ähnlich. Irgend etwas wird man sich schließlich dabei gedacht haben. Nehmen wir mal an.

17.10.16 Wieder zurück

Der Rumpf ist komplett mit V4A-Holzschrauben verbunden:
Der Bauherr und erste Eigner in Norwegen war Importeur
von Edelstahl- Verbindungselementen. Hier wird ein Holz-
stopfen eingesetzt, der das Bohrloch verschließt.
Die Plankennähte sind sehr eng gebaut, dennoch werden
sie traditionell kalfatert und anschließend versiegelt.
Leider nicht zur Apfelfahrt, doch besser spät als nie, ist WIEBKE BOHLEN zurück von der Werft und hat am Bohlwerk festgemacht. Noch etwas schmuddelig, mit Sperrholzplatten an Deck. Die sollten die Teakplanken während der Weftzeit schützen. Unter Deck sieht es schon wieder etwas zivilisierter aus als während der letzten zwei Wochen, als Werkzeuge, Farben, Pinsel, Vorräte, in einem geordenten Chaos auf dem Boden, der Back und allen möglichen und unmöglichen Plätzen wie hingespuckt herumlagen.


Zum guten Schluss wird die Planke bündig zum Rumpf
abgerichtet.
Jetzt muss nur ein Teil der Inneneinrichtung wieder montiert werden. Sie waren den Arbeiten am Rumpf im Wege. Die Bolzen der Püttinge beispielsweise können nur von innen gelöst werden. Glücklicherweise wurde die Inneneinrichtung schon so entworfen, dass diese Muttern einfach zu erreichen sind. Außer in der Pantry. Da gibt es einen Schrank, der für diesen Zweck einfach komplett ausgebaut werden kann. Er liegt noch im Vorschiff.



Es bleibt Zeit für einen Blick in die Runde; vor unserer
Baustelle wird ein hölzener Fischkutter verlängert und
mit einem Spiegelheck versehen. Das macht die Arbeit
an Deck leichter. Und das bei einer um über 80 Prozent
reduzierten Fangquote (für Dänemark)!
Aber der neue Scheergang sitzt wie angegossen und die Bootsbauer sind - berechtigt - stolz wie Bolle. Wie vom Holzhändler versprochen, ist das Lerchenholz ganz hell, fein gemasert, astfrei. Doch alles hat seinen Preis. Das Kapitel Plankenreparatur können wir erst abschließen, wenn die noch originale vordere Planke im Scheergang ebenfalls bis aufs rohe Holz geschliffen und lackiert ist. Außerdem müssen Scheuerleisten teilweise neu angebracht und gemalt werden.



Den letzten beißen die Hunde, sagt man. Uns beisst diesmal der Wetterfrosch.
Während der Werftzeit hatten die Bootsbauer absoluten Vorrang, wir passten uns an und arbeiteten dort, wo es den Ablauf nicht störte. Das ist wohl typisch für Arbeiten an einem Boot. Die Wegezeiten sind erheblich. Mal muss von innen, mal von außen gearbeitet werden, mal in der Werkstatt, mal am Boot. Wir sind täglich ein paar dutzende Mal die vier Meter lange Leiter rauf- und wieder runtergeklettert und auf schwankenden Planken in luftiger Höhe um den Rumpf herumgelaufen. Aber dennoch sind wir nicht komplett fertig geworden. Das Wetter war einfach zu schlecht. Nun hoffen wir auf "ein paar südlichere Tage", um mit dem Boot wetterfest in den Winter zu gehen. Und last, but not least, vorher auch noch zu segeln.



Goldener Oktober, doch nicht in diesem Jahr. Die letzten Tage waren regnerisch, zum Teil wehten stürmische Böen über die Fördelandschaft. Als wir heute morgen die Werft verließen (die Helling wurde für den nächsten Auftrag benötigt) war es windig, diesig und feucht.  Dennoch verspricht der Wetterfrosch unverdrossen für morgen Vormittag "meist sonnig". Wir werden sehen.

12.10.16 Schöne Technik

Die Bandsäge ist die Werkzeugmaschine der Bootsbauer schlechthin. Schon von weitem hört man sie "singen". Während sie sich durch dicke Planken frisst und alte Eichen in Sägespäne verwandelt bringt jeder Zahn ihr endloses Band zum Schwingen und erzeugt dabei das typische Geräusch der Holzwerft. Ihr Klang ist weich und melodisch und nicht zu verwechseln mit dem grellen Kreischen der Kreissäge, ihrer jüngeren Schwester. Wenn die traditionellen Holzwerften ihre Arbeit einstellen, wird auch ihr Gesang verstummen. Auch ein anderes Geräusch wird dann nicht mehr zu hören sein. Es entsteht, wenn die hunderte Sägezähne geschärft werden, was regelmäßig notwendig wird. Noch vor sechzig Jahren wurde das Schärfen Lehrlingen aufgetragen. Sie saßen dann Stunden- und Tagelang mit einer Feile in der Hand und gaben jedem Zahn scharfe Kanten in der vorgegebenen Form. Die Wirkung dieser monotonen Tätigkeit auf junge Seelen lässt sich mit der Rezitation der ersten Zeilen von Rilkes Cornet vergleichen: "Reiten, reiten, reiten, durch den Tag, durch die Nacht, durch den Tag". Damals ging ein Lehrling mit 80 DM im Monat nach Hause. Heute werden die "Azubis" vermutlich für so etwas nicht mehr eingesetzt. Ihre Zeit wäre zu teuer. An ihre Stelle trat die Feilmaschine. Auf der Werft von Chr. Johnsson ist tatsächlich noch ein museales Exemplar im Einsatz. Das musss man einfach mal gesehen haben!


P.S.: WIr hätten gerne die Maschine in Arbeit gezeigt, aber dem Titel zum Trotz gibt es auch eine weniger schöne Technik, bei der zwei Anbieter von Standardprogrammen das Datenformat des Anderen nicht verarbeiten können (oder wollen?) Also gibt es hier nur ein Standbild der Vorrichtung. Dahinter verbirgt sich ein Link auf das Video. Also einfach auf das Bild klicken!


Vorrichtung zum Schärfen eines Sägebandes. Die Dreikantfeile bewegt sich horizontal, nach ein paar Bewegungen wird der Feilschlitten zurückgezogen und das Sägeband um einen Zahn nach unten bewegt. Dann beginnt der nächste Durchgang.

12.10.16 Grüße aus Fernost

Heute traf wieder einmal eine Mail von Uwe Grünberg ein, der einst das Flunderboot FZ 110 FORTUNA aus Flensburg nach Bodstedt entführte und ihm zu einem neuen Leben verhalf. Uwe schreibt:
"es gibt ein kurzes Video von Volker Gries, von der 23. Althäger Fischerregatta (Althagen = Ortsteil von Ahrenshoop). Dort ist "Fortuna" als zuerst startendes Boot auf Halbwindkurs zu sehen.
Der Hafen selbst liegt sehr geschützt. Draußen auf dem Bodden war indessen Wind 6 mit Böen 7-8. Im Laufe der Regatta baute sich eine ziemliche Welle auf. Die Entscheidung, noch vor der ersten Kreuz die Segelfläche zu reduzieren, hat sich als richtig bewiesen. Zuerst wurde der Klüver herunter genommen. Daraufhin wurde das Boot jedoch stark luvgierig, so dass er wieder gesetzt und stattdessen der Besan geborgen wurde. Danach lag "Fortuna" wieder gut im Ruder. Auch mit nur drei Segeln (Klüver, Fock, Groß) stand das Wasser bei den starken Böen mehrfach an der Süllkante oder schwappte über. Während der Regatta kollidierten zwei Fahrzeuge. Ein Boot sank, nachdem es kurz hintereinander zwei Wellen von achtern eingeschenkt bekam..."
Dazu sandte er den Link auf das Youtube Video:



Video: Volker Gries in Youtube


Ist es nicht herrlich anzusehen, wie lebhaft die Zeesen und das Flunderboot  losstürmen? Nun, ja, Böen von sieben bis acht Beaufort Windstärke sind ja auch nicht wenig. Wieviel das ist, können wir eventuell schon übermorgen herausfinden. Der Wetterbericht für die Apfelfahrt am kommenden Freitag kündigt Ostwind von fünf mit Böen von acht Beaufort an. Dabei soll es trocken und heiter bis wolkig sein. Wir werden sehen.