27.02.15 Basteln am Terminkalender

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Die Termine der Freunde des Kartonmodellbaus nehmen im Veranstaltungskalender des Flensburger Schifffahrtsmuseums einen großen Raum ein. Die meisten werden für Freunde und Besucher ausgerichtet. Dann kann sich jeder, auch Kinder, davon überzeugen, wieviel Freude das herstellen und besitzen der kleinen Wunderwerke bereitet. Dabei stimmt das Vorurteil schon längst nicht mehr, dass Kartonmodelle nichts für ernsthafte Modellbauer sind und dass neben Schiffen und Flugzeugen keine Vorlagen angeboten werden.
Tatsächlich gibt es Modellbaubögen für alle Schwierigkeitsgrade und von allen denkbaren Objekten: Vögel gehören dazu, wie auch Bauwerke und ganze Dioramen.
Die Termine werden von einer Gruppe Enthusiasten sorgfältig vorbereitet und dann auch noch ausgeführt. Heute ging es um die Vorbereitung der nächsten Veranstaltungen, aber vorher berichtete jeder über den Fortschritt der Arbeit an seinen Modellen. Da gab es Exemplare in einer Präzision, die nichts zu wünschen übrig lässt. Dabei wurden die Tricks und Kniffe weitergegeben, die man kennen muss, wenn man ein gutes Ergebnis anstrebt. Aber auch weniger detaillierte Modelle werden ausführlich vorgestellt und gewürdigt.
Wer Interesse am Kartonmodellbau hat, wird gerne als Gast aufgenommen, ein Besuch verpflichtet zu nichts. Termine der Veranstaltungen sind auf der Übersicht in den HAFENMELDUNGEN zu finden. Der nächste ist der Tag des Kartonmodellbaus am 08. März im Schifffahrtsmuseum.

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27.02.15 FRIEDAs leere Hülle

Damit FRIEDAs Kiel ausgebaut werden kann*), musste das Schiff insgesamt leichter werden. Motor und die Treibstofftanks tragen ein Gutteil dazu bei. Wer jetzt von oben in den Rumpf blickt, fühlt sich an eine abgenagte Weihnachtsgans erinnert. Wo früher das kleine Deckshaus über dem Motor trohnte, klafft jetzt ein großes Loch und unten kann man zwischen den Spanten die Streben des Slipwagens sehen. Weiter oben, unterhalb der Seitendecks sind zwischen den Spanten die Planken zu erkennen. Wie die helle Farbe verrät, sind sie noch ziemlich neu. In der Tat: Sie sind erst vor ein paar Jahren bei einer umfassenden Reparatur ausgetauscht worden. Jetzt ist der Rumpf nur noch eine leere Hülle.
Derweil steht das demontierte Deckshaus seitab auf dem Werftplatz. Es wird als Muster für ein neu zu bauendes Dach über der Maschine und der Schlupfkoje im Heck gebraucht. Die alte Niedergangstreppe führt jetzt ins Nirgendwo; anscheinend soll sie erhalten werden.
Das alte Deckshaus von Frieda wurde komplett abgehoben
Alte Planken sind nicht immer Kandidaten für einen Austausch; es kommt bei jeder auf ihren aktuellen Zustand an und was erhalten werden kann, bleibt an seinem Platz. Für Spanten und Decksbalken, Balkweger, Bodenwrangen und die vielen anderen tragenden Teile gilt dasselbe.
Große Reparaturen an alten Schiffen erfordern immer Kompromisse. Der verständige Eigner will originale Substanz erhalten. Aber häufig ist es günstiger, ganze Partien am Rumpf komplett zu entfernen und durch neue Teile zu ersetzen. Dummerweise kann auch bei sorgfältiger Prüfung nicht immer zuverlässig abgeschätzt werden, wie tief in die alte Struktur eingegriffen werden muss. Es ist gut, über dieses Risiko mit der Werft zu sprechen, und zwar vor dem Auftrag. Zumindest sollten gemeinsame Besprechungen über den Baufortschritt vereinbart werden. Dabei sollten die verbleibenden Risiken ebenfalls besprochen werden. Für manchen kommt vielleicht auch der Tag, an dem Arbeiten zurückgestellt werden müssen, weil das Budget zu Ende geht. Wer diese Möglichkeit nicht von Anfang an bedenkt, steht vor einem großen Problem, wenn die Arbeit ungeplant eingestellt werden muss, wie am Beispiel der RAKEL zu sehen ist.  



Hier waren früher an der Rumpfaussenseite die Treibstofftanks und dazwischen der Motor. Sie mussten der Schlankheitskur vor der Reparatur weichen.

Hier war die "Navi" und ein Unterschlupf für Rudergänger oder Schiffer. Deutlich unterscheiden sich die alten Holzteile durch die dunkle Farbe von jüngeren, hellen. Die Farbe sagt jedoch nichts über die Festigkeit aus. Die
muss deparat geprüft werden. 


27.02.15 Arche verschleppt - schon wieder

Blieb alleine zurück. Ihr Pendant
kam in Flensburg abhanden.
Foto: Flensburger Tageblatt
(Ausschnitt)
Manchen, der heute an der Schiffbrücke entlanggeht, kann das Gefühl beschleichen, dass alles ganz anders aussieht, als in den letzten Wochen. Und in der Tat: Es sieht anders aus. Wo gestern noch die Aussicht an einer haushohen Bretterwand endete, ist heute nichts als Hafen, Hafen und noch einmal Hafen zu sehen. Des Rätsels Lösung: Die Arche ist weg. Am Morgen hat sie mit Schlepperhilfe die Reise nach Middelfahrt, ihrer nächsten Station, angetreten. Die Internetseite der ARCHE NOAH nennt diesen Ortswechsel eine Verschleppung. Aber, aber, wird jeder sagen, der die kleine alte Stadt kennt. So schlimm ist es dort garnicht, zumal im Vergleich zu dem Aufenthalt in Flensburg. Immerhin wurde sie hier bestohlen. Langfinger haben eine Giraffe mitgehen lassen, am hellen Tag direkt vor dem Eingang in die schwimmende Ausstellung. Vielleicht hat das afrikanische Steppentier aber auch nur Gefallen an Flensburg gefunden und ist einfach ausgebüxt.  
Jetzt also Middelfahrt. Dort, wo der kleine Belt besonders eng ist wird sie nun während der nächsten sieben Wochen große und kleine Besucher anlocken. Anschließend geht es nach Kopenhagen und Norwegen, war aus der Zeitung zu erfahren.

25.02.15 FRIEDA hat Rücken

Der Loskiel wurde bereits zu großen Teilen entfernt. Jetzt steht das Schiff nur noch auf den nicht
ausgebauten Resten unter dem eigentlichen Kiel. Um den ebenfalls auszubauen, muss der gesamte  Rumpf
angehoben werden. Dazu wurden Stapel aus Holzklötzen zu beiden Seiten errichtet, als Unterlage für Keile,
die den Rumpf stützen werden, sobald das Schiff angehoben ist.



Ganz schön schmerzhaft, wenn man Rücken hat. Ein morsches Rückgrat zieht den ganzen Körper herunter. Das ist bei Menschen so und auch bei Schiffen. Unterschiedlich ist nur, wo es schmerzt. Sind es die Bandscheiben, quält der Ischiasnerv, ist es der Kiel, schmerzt der Blick auf das Bankkonto.
Der Kiel des Snurrewadenkutters FRIEDA ist so morsch, dass er eigentlich nur noch aus Torf besteht. Er kann den Rumpf nicht mehr stützen, und das Schiff zieht zunehmend viel Wasser. Das kommt von den Spalten zwischen den Planken. So war es im letzten Sommer, als ein Nothafen angelaufen werden musste, weil der Wasserstand in der Bilge unaufhörlich stieg. Das Leck konnte durch Kalfatern nicht mehr geschlossen werden. Seitdem hatte die alte Dame ein Pflaster aus Bleiblech an der Kielplanke. Aber Bleiblech kuriert keinen Rumpf und kann einem "weichen" Schiff  nicht seine alte Festigkeit zurückgeben. Um das zu erreichen, muss der Kiel ausgetauscht werden.
Diese Transplanation bekommt man selten zu sehen. Sie ist etwa so anspruchsvoll wie wenn man unter einem Haus das komplette Fundament austauscht. Dabei kann die gesamte Statik durcheinander kommen und der Rumpf seine Form verlieren. Die Folge: weitere Lecks an den übrigen Planken und überlastete Verbände.
Um den Kiel auszubauen, muss der Rumpf angehoben werden ohne seine Geometrie zu ändern. Wenn schon ein gesunder Schiffsrumpf keinen punktuellen Druck verträgt, ein Rumpf ohne Kiel verlöre seine Form und Festigkeit. Also muss er in den besonders kritischen Bereichen auf möglichst großer Fläche unterstützt werden. Ideal wäre ein äußeres Gerüst, ähnlich einer negativen Form. Die müsste jedoch für jedes Schiff individuell angepasst werden.
Für FRIEDA wurde eine andere Lösung gefunden.
Wer mit offenen Augen über eine traditionelle Holzschiff-Werft geht, sieht  Holzkeile in allen möglichen Größen. Keile gehören vermutlich zu den ältesten Werkzeugen, die sich Menschen geschaffen haben. Schon die Steinquader der Pyramiden wurden mit Hilfe von Keilen angehoben. Und jetzt also der alte Kutter FRIEDA. Werden sie zwischen den Stapel aus Holzquadern und den Rumpf getrieben, heben sie den Rumpf an. Jeder Schlag mit einem Hammer auf den Keil, wird im Verhältnis der Steigung des Keiles übersetzt. Ursache dafür ist das Prinzip der "Schiefen Ebene".

In der Werfthalle wartet der künftige Kiel darauf, bearbeitet zu werden. Im Hintergrund der Kutter ANEMOR

Draußen ist schon der künftige Ballastkiel abgelegt. Er soll die Stabilität verbessern und den Innenballast
ersetzen. Das sorgt für Platz und Übersicht in der Bilge.





25.02.15 Künstler auf See

Früher war vieles anders, manches besser. Segeln und Schifffahrt im allgemeinen war ein Thema in Literatur, Film und Schlager. Schiffe waren darin oft mehr als nur Staffage und Handlungsort. Man denke nur an "Die Schatzinsel" und, nicht zu vergessen: "Die Meuterei auf der Bounty". Einer unserer Lieblinge ist "Sturmfahrt nach Alaska" mit den unvergessenen Gregory Peck und Anthony Quinn und darin speziell das Rennen der Dory-Schooner PILGRIM und SANTA ISABEL bei acht Beaufort. Die Handlungen sind ohne Schiffe nicht denkbar. Andere Schauspieler und Sänger sind auch als Schiffsliebhaber in Erinnerung geblieben wie beispielsweise Humphrey Bogart mit seiner Segelyacht SANTANA und Freddy Quinn mit seinen Yachten. Auf ihren Schiffen verbrachten sie ihre freie Zeit.
Die See und das Leben auf und an ihr spielt in der Unterhaltung heute keine besondere Rolle mehr, von der Band "Santiano" einmal abgesehen. Die Begeisterung für Schiffe wird heute eher über "events" vermittelt. In Flensburg sind das in diesem Jahr beispielsweise die Rumregatta und das Dampf-Rundum.



Heute kam eine Nachricht über das Internet; sie erinnert an John Steinbeck, den großen amerikanischen Schriftsteller und Nobelpreisträger. Auch er war dem Meer eng verbunden. Sein Schiff, mit dem er eine Reise an der amerikanischen Ostküste in einem journalisten Bericht dokumentierte, soll restauriert werden und den Tourismus in Port Townsend beflügeln. Dort gibt es ein maritimes Zentrum für Bootsbau, zugehöriges Gewerbe und Handwerk und seit 39 Jahren gibt es hier jährlich ein großes Fest der Holzboote. 

Hier die Nachricht:

Kutter "The Western Flyer"
(Bild: Skip Bold)

Restaurierung des Wracks von Steinbeck-Schiff gesichert
Kutter "The Western Flyer"
(Bild: Skip Bold) 
(25.02.15) In Port Townsend steht die zwei Millionen Dollar teure Reparatur des Kutters "The Western Flyer" in den Startlöchern, auf der der Autor John Steinbeck 1951 das Buch "The Log of the Sea of Cortez” (Anm.: dt. "Logbuch des Lebens") schrieb. Es ist die Chronik einer 6000 Meilen-Reise des Schriftstellers mit seinem Freund, dem Biologen Don Ricketts, im Jahr 1940 von Monterey nach Mexiko.
Der Holzkutter wurde 1937 in Tacoma erbaut und in Alaska und vor Mexiko und Kalifornien im Einsatz. Nach der Steinbeck-Reise war er wieder im Fischereigeschäft im Nordwestpazifik vor den Küste von British Columbia und Alaska tätig. 1970 wurde es in “Gemini” umbenannt, ging durch verschiedene Hände und landete 1997 in Swinomish. Der letzte Besitzer, ein irischer Migrant, der in Key West wohnt, hatte es 2010 erworben mit dem Plan, es zu restaurieren, um es dann nach Salinas zu bringen. Eine gesprungene Planke wurde dem Schiff dann aber zum Verhängnis: Am 24.9.2012 sank die “Western Flyer” im Swinomish Channel unterhalb der Twin Bridges im Puget Sound. Nach zwei Wochen wurde sie geborgen, sank kurz darauf erneut auf dem La Connor Channel und wurde im Januar 2013 von einem großen Kran nach Port Townsend transportiert. Am 5.7. wurde das Wrack dort an Land gesetzt.
Das Schiff steht derzeit auf dem Gelände der örtlichen Werft aufgepallt und trägt, verfallen und schlamm- und algenverkrustet, deutlich die Spuren zweier Untergänge.
Der kalifornische Geschäftsmann John Gregg will das Schiff aber als Ganzes erhalten und mit den besten Holzbauern der Welt binnen zwei Jahren rekonstruieren. Schon jetzt ist das alte Schiff Pilgerort für Steinbeck-Fans. Entsprechend hofft man in Port Townsend auf einen zunehmenden Steinbeck-Tourismus, bis das Schiff nach Monterey verlegt wird.
Quelle:Tim Schwabedissen
PS. Sieht man sich die Seite von Port Townsend mal etwas genauer an, insbesondere das Northwest Maritime Center (NWMC), kann man nur sagen "Donnerwetter und Hut ab, das ist allerhand für einen Ort mit nicht einmal 9000 Einwohnern!"