09.01.19 Ausgeträumt - OLINE gesunken

Nur wenige Tage lang hat OLINE an ihrem neuen Liegeplatz auf der Nordseite des Pontons der Museumswerft überlebt. Sie wurde dort bereits durch elektrische Pumpen über Wasser gehalten. Heute Nacht zog Tief Benjamin über Jütland. Und heute morgen fiel in Flensburg zusätzlich der Strom aus. Jetzt liegt OLINE ein paar Meter tiefer, immer noch am Ponton, aber auf Grund.

Das "Glückskind" Benjamin brachte der 140 Jahre alten OLINE kein Glück. Wie berichtet, lag sie neuerdings ungeschützt an dem großen Ponton der Museumswerft. Und wie befürchtet, ist sie nun gesunken. Und damit war das Ende einer Reihe von Ereignissen erreicht, das schon lage absehbar war.
Der Anfang liegt ein paar Jahre zurück. Da stand ein Eigner, der, selber in die Jahre gekommen, sein altes Schiff  nicht länger unterhalten konnte oder wollte. Denn es waren umfangreiche Reparaturen notwendig, um den Rumpf langfristig zu sichern. Also stand OLINE zum Verkauf. Nach vielen geplatzen Bemühungen fand sich tatsächlich einer, der sich Reparatur, Restaurierung und Infahrthaltung des Traditionsseglers zutraute. Aber was immer er tat, es war zu wenig oder manchmal nicht wirklich geeignet, um das Projekt vorwärts zu bringen. Dazu kamen Seeunfälle, die dem ohnehin geschwächten Rumpf weiter schadeten. Zuletzt musste er das Schiff aus dem Museumshafen verlegen, in dem es einige Jahre seinen Liegeplatz hatte.
Mit dem alten Schiff ging es weiter bergab, auch wenn immer wieder einmal daran etwas gearbeitet wurde. Das Ende war absehbar, als vor zwei Wochen die Feuerwehr anrücken musste, um den Rumpf mit Pumpen vor dem Absaufen zu bewahren. Jetzt kam Sturmtief Benjamin und drückte während der Nacht mit Starkwind und Sturmböen das Wasser der Förde in den Hafen. Die Wellen haben in der Förde bei der nördlichen Windrichtung den längsten möglichen Anlauf. Das erzeugt im Hafen einen starken Schwell. Der lässt die großen Schiffe schaukeln, während die kleinen auf den Wellen tanzen. OLINE bekam die dynamische Belastung in der denkbar ungünstigsten Position zu spüren: Winddruck und Wellenstoß genau von der ungeschützten Seite an einer harten Stahlwand mit untauglichen Fendern abgefedert. Der marode Rumpf des alten Seglers wurde dauernd hart gegen Ponton gestoßen. Durch jahrelange Verwahrlosung geschwächt, war er mittlerweile soweit zermürbt, dass die ohnehin schon zu weit gewordenen Plankennähte unter der dünnen Plastikplane dem mechanischen Druck nachgeben mussten. "Ein Glück, dass die Pumpen von der Feuerwehr noch an Bord sind", mag sich der Eigner getröstet haben. Als dann heute Morgen gegen sieben Uhr der Strom ausfiel, war es mit dem Trost und auch mit OLINE zuende.

Wie in anderen, ähnlichen Fällen hat auch OLINE in den Tagen vor ihrem endgültigen Ende den Besitzer gewechselt.

Vom Deck ist Gerümpel aufgeschwommen
OLINE auf Grund 










Das sah so aus. Vermutlich ein Teil des Aufbaus. 
Mittags bargen Helfer Treibgut von OLINE.
Die Poller waren unter der Last zerissen.










Derweil steigt das Wasser im Hafen weiter
Unterm Krahn schwimmt ein Tank

05.01.19 Abendhimmel über Flensburg

Kaum zu glauben, dass für morgen trübes Wetter angesagt ist. Der Abendhimmel ("Abendrot Gutwetterbot") verspricht das Gegenteil. Mal sehen, wer Recht behält.














Heute gegen 17:00 Uhr














P.S.: Tags drauf war es trüb und nass. Diese Runde ging also an die amtlichen Wetterfrösche.

05.01.19 Träume und Schäume

Im Wartesaal zum großen Glück
Da warten viele, viele Leute
Die warten seit gestern auf das Glück von morgen
Und leben mit Wünschen von übermorgen
Und vergessen, es ist ja noch heute
Tja, die armen Leute


(Text Walter Andreas Schwarz)


Gestern kam die Meldung vom drohenden Untergang des Dreimasters SEEADLER herein, der in Friedrichstadt nach jahrelanger Verwahrlosung zu sinken droht. Schon 2015 fassten die Husumer Nachrichten die Situation so zusammen: "Bäume und Gras an Deck". Vorgestern musste die Feuerwehr mit starken Pumpen anrücken, um den Rumpf zu stabilisieren. Der Vorfall ist der jüngste in einer Reihe ähnlicher Havarien, über die wir in den letzten Jahren berichteten. Wir erinnern uns an NINIVE, RAKEL, DAGNY, ROLAND von BREMEN, GIDDY UP. Auch das Ende der LILLE BJØRN, die zu Hälfte abgewrackt bei der Museumswerft in Flensburg liegt, gehört in diese Reihe. Und in allen Fällen gab es bis zur letzten Minute große Träume von der Zukunft auf und mit dem Schiff. 
Bei der Museumswerft bahnt sich jetzt auch das Ende der 140 Jahre alten Handelskvase OLINE an, die seit ihrer Ankunft in Flensburg vor nun bald sechs Jahren ihrem Ende entgegendämmert. Nach ein paar Jahren als Gast im Museumshafen wurde sie auf die Wasserfläche der Museumswerft verholt, wo auch schon die Hulken der WILHELMSHAFEN, MARIE und der LILLE BJØRN vor sich hin rotten. Vor ein paar Tagen hatte nun auch OLINE Besuch von der Feuerwehr. Die war angerückt, weil das Schiff zu sinken drohte. Jetzt wurde sie an einen anderen Liegeplatz verholt, wo sie von Pumpen über Wasser gehalten wird. Der neue Liegeplatz ist mal gerade "um die Ecke" auf der anderen Seite des großen Pontons, an dem sie bislang schon angeleint war. Jetzt aber auf der Nordseite, wo sie bei den hier gefürchteten NE-Stürmen vollkommen ungeschützt im Schwell liegen wird. Ein Schelm, der hierbei Arges denkt.
Schade um das Schiff. Es hätte ein besseres Schicksal verdient. Immerhin ist es (noch) das älteste Segelschiff auf der Ostsee. 


--- bekommt das zu sehen
Wer dem Wegweiser nach OLINE folgt ...

02.01.19 Land unter

Bilder und Szenen vom Hochwasser, heute gefilmt und fotografiert von Harald Harpke:





Am Hafen gesichtet

Helfer im Einsatz
Retter unterwegs













Hoch und trocken
Hoch, nicht trocken



















Alle Fotos © Harald Harpke

02.01.19 Wasser marsch

Gestern schrieben wir noch über den Wasserstand im Hafen "Ist er erst einmal so niedrig, kann er nur noch steigen". Als hätte Neptun nur darauf gewartet, schickte er das Wasser umgehend zurück. Heute meldete Flensburg heute bei strahlendem Sonnenschein und mäßigem Nordwestwind "Land unter ". 

Das Wasser im Hafen kletterte schon kurz nach Mitternacht über den mittleren Pegelstand von 502 cm und stieg bis zum Nachmittag um weitere 70 cm. Schon morgens zeigten erste große Pfützen auf der Schiffbrücke und den Norderhofenden die niedrigsten Stellen an. Bald schwappte das Wasser über den Vorplatz der Museumswerft. Wer jetzt noch auf diesem Weg das Bohlwerk erreichen wollte, musste Wathosen mitbringen oder geeignetes Sportgerät. Nachmittags um 15 Uhr erreichte der Pegel den ersten Höchststand von 571 cm. Hier ein Eindruck vom ersten Hochwasser des Jahres: 



Des Einen Leid, des Anderen Freud:
Stand-up Paddeln war heute Nachmittag die einzige Fortbewegungsart auf der Schiffbrücke





Nirderfischerstraße:
Zufahrt zur Schiffbrücke gesperrt
Schiffbrücke
Dauerparkplatz mit Unterbodenwäsche 













Mittags war das Bohlwerk noch passierbar


... von Süden
Jedoch nicht ...











... und die Jollen auch
Die Schiffe schwammen auf Augenhöhe ...