04.07.15 Kunst für Krahn eröffnet

Heute startete die Aktionswoche des Museumshafens zur Rettung des "Historischen Krahns". Auf der nördlichen Plattform, unter dem sanierungsbedürftigen Bauwerk, waren in den letzten Tagen von Helfern und Mitgliedern des gemeinnützigen Vereins Informationsstände und eine Bühne aufgebaut.
Das Wetter meinte es gut mit den Traditionsschiffsfreunden, vielleicht sogar etwas zu gut. Die Sonne brannte von einem nur leicht bewölkten Himmel und trieb das Thermometer weit über die 30 Grad Marke. Trotzdem waren ab mittags zahlreiche Besucher gekommen. Sie wurden durch ein sehr gelungenes Musikprogramm belohnt. Nachmittags "unplugged", wie bei Darbietungen des Museumshafens gewohnt. Die Gruppe "Schippratz" bot Lieder von See, zumeist a capella, Seemannslieder, die sich wohltuend von den üblichen Shanties der Chöre im Buscherum abhoben. Es waren Arbeitslieder, vorgetragen wie sie einst auf Segelschiffen gesungen wurden. Wir wollten eigentlich wegen der Hitze nicht lange bleiben, konnten uns dann aber dem Zauber der Darbietung nicht entziehen. Nicht nur uns ging es so. Während der zwei Stunden Gesang hat kein Besucher seinen Platz verlassen, es sei denn, um sich eine Erfrischung zu besorgen.

Die nachfolgenden Musikgruppen fanden auch ihre Freunde, jedenfalls waren sie von ihren Zuhörern umlagert.
















Ein gelungener Start der Aktionswoche, mal sehen, wie's weitergeht. Morgen ab 15 Uhr liest Jörgen Braker aus "Störtebekers Sturmfahrten". Anschließend kann man sich in der mobilen Siebdruckwerkstatt Stofftaschen selber gestalten. Danach gibt es wieder was auf die Ohren (Sim-Special Duo).

Die Wettervorhersage kündigt für den späten Nachmittag Gewitter an. Aber die sollten schon heute kommen und dann war es doch trocken.

Alle Darbietungen und Angebote während der Aktionswoche sind frei, aber Spenden sind hoch willkommen. Größere Spenden werden durch ein einfaches, aber geschmackvolles "Dankeschön" belohnt.

03.07.15 Versteigerung unterm Krahn

An jedem Tag dieser Woche veranstaltet der Musemshafen Flensburg e.V. eine Aktion auf dem Bohlwerk, um Geld für die Sanierung des Historischen Krahns von 1726 zu sammeln. Für den kommenden Samstag, dem 11. Juli, sollten Freunde von Nautiquitäten unbedingt einen Besuch im Museumshafen einplanen. Dann werden von 15 Uhr bis 20 Uhr auf einem Flohmarkt  und in einer Versteigerung maritime Schmuck- und andere Stücke verhökert. 
Darunter diese beiden prachtvollen Schiffsmodelle. Von Nahem besehen, sind sie als Arbeiten zu erkennen, wie sie Seeleute in ihrer Freiwache bei langen Reisen über die Ozeane bauten. Mit  einfachen Mitteln, ohne das heute handelsüblichen Modellzubehör gebaut, kann man förmlich sehen, wie die gespinstige Takelage von Jan Maat mit seinen hornigen Händen Leine für Leine geknüpft wurde.
Im Augenblick wissen wir nicht, wer diese besonderen Kostbarkeiten spendete. Aber es wird wohl nicht lange verborgen bleiben.

Fünfmastvollschiff PREUSSEN (li.) und Dreimastbarkt GORCH FOCK (re.)



Als das Fünfmastvollschiff  PREUSSEN gebaut wurde, hatte die Frachtfahrt unter Segeln ihren Höhepunkt erreicht. Das Schiff war das größte Rah-Segelschiff  ohne Hilfsmaschine, das je gebaut wurde. Unter Segeln war sie über 20 kn schnell. Sie wurde 1902 gebaut, machte viele weite Reisen. Im Jahr 1910 wurde sie im Ärmelkanal von einem Frachtdampfer gerammt. In dem nachfolgenden Schleppmanöver ging sie im Sturm verloren.
Die Dreimastbark GORCH FOCK wurde Ende 1958 in Dienst gestellt und fährt heute noch als Ausbildungsschiff für den Nachwuchs der Bundesmarine.

02.07.15 Besuch der alten Dame

CINTRA. Im Vordergrund der Klüverbaum von DAGMAR AAEN
Foto: R. Aust
Der Titel hat natürlich nichts mit der Tragikkomödie von F. Dürrenmatt zu tun, er sagt nur was es zeigt. Zumal die alte Dame in unserem Fall nicht Claire heißt, sondern CINTRA. Wir hatten vor zwei Tagen über ihren Besuch im Flensburger Hafen berichtet. Nun bekamen wir Fotos von Roland Aust, die wir unseren Lesern nicht vorenthalten wollen. Zumal sie, von dem alten Fischerei-Logger PIROLA aus fotografiert (er ist etwa gleich alt wie CINTRA),  einen reizvollen Blick über den Klüverbaum des ebenfalls ehemaligen Fischereifahrzeugs  DAGMAR AAEN  auf die Jacht von William Fife wirft. Alle genannten Schiffe haben ein Gaffelrigg. Aber welches Spektrum im Bootsbau sie miteinander dokumentieren. Dabei stammen sie alle aus der selben Tradition: Die frühen Rennjachten waren durch die Bank entweder ursprünglich selber Gebrauchssegler oder aus der Erfahrung mit diesen Schiffen konstruiert. Gemeinsam war ihnen das Gaffelrigg. Es bestimmte bis 1919 das Bild der Regatten, als Nathaniel Herreshoff in den USA für Regattaboote das Bermudasegel erfolgreich einführte. Die Berufssegler blieben bis zuletzt nahezu ausnahmslos dem Gaffelsegler treu.

02.07.15 Von Ferne gesehen


Gestern haben wir die Ankunft der Teilnehmer des Robbe & Berking Sterling Cups aus der privilegierten Position des Seglers auf der Förde miterleben können, überwältigt vom Bild der großen Rennjachten, die in dichter Folge an uns vorbeizogen. 
Wir Traditionssegler sind naturgemäß für Nostalgie empfänglich. Deswegen hat uns das Schauspiel vielleicht stärker bewegt als den Rest der Bevölkerung. Dieser "Rest" ist jedoch offensichtlich immens. Denn waren schon gestern nur wenige Schiffe mit Schaulustigen unterwegs, mussten wir heute feststellen, dass auch an Land nur Wenige das Spektakel beachteten.
Über der Förde strahlte die Sonne von einem makellos blauen Himmel und der Ostwind blies 25 Grad warme Luft über das mäßig bewegte Wasser. Am Strand von Glücksburg spielten Kinder im Wasser und junge und ältere Sonnenanbeter komplettierten ihre Sonnenbräune.
Als wir ankamen, machten sich gerade die noch im Hafen des FSC in Glücksburg verbliebenen Teilnehmer der Regatta fertig zum Auslaufen. Die konzentrierte Geschäftigkeit der Crews und das K
nattern der Segel im Wind machten eine Stimmung voll erregter Spannung förmlich greifbar. Langsam glitt Boot für Boot aus dem geschützten Jachthafen, die kleinen Drachen und 5,5 mR-Jachten schon drinnen segelnd. Von einzelnen Böen erfasst, legten sie sich weit nach Lee über und nahmen mit einer flinken Reaktion des Rudergängers rasch Fahrt auf. Dazwischen die großen "Zwölfer", meist unter Maschine. An Deck die Crews in einheitlichem Dress, jeweils als ein Team zu erkennen. Das alles direkt in der Sandwig, der Bucht mit dem Strand von Glücksburg. Ein Bild wie aus der der oft "golden" genannten Tage vor einhundert Jahren. Wären jetzt am Strand zwei Herrenreiter wie auf dem berühmten Bild von Max Liebermann aufgetaucht, sie hätten gut in dieses Bild von sportlicher Eleganz und großbürgerlichem Zeitvertreib gepasst.

Nun leben wir bekanntlich nicht in den als "golden" verbrämten Zeiten vor mehr als zehn Dekaden, als sich am politischen Himmel schon die dunklen Wolken der kommenden Katastrophe abzeichneten. Anders als heute hätten sich auch nur wenige Normalbürger an dem Bild erfreuen können, weil sie nicht in die Nähe der Refugien der Reichen und Schönen gelangt wären. Das ist heute anders.  Aber dennoch konnten wir nur wenige Zuschauer entdecken, die sich an dem schönen Bild freuten: Ihre Aufmerksamkeit galt eher spielenden Kindern, Sand auf dem Handtuch und in der Sonnencreme.
Nun ja, es muss ja auch nicht allen dasselbe gefallen. Uns jedenfalls zog das Geschehen auf der Regattabahn in seinen Bann. Als das Startschiff  ALPHA TAURI den Hafen verließ, war der Start des großen Spektakels nicht mehr fern. Die Teilnehmer, eben noch auf der weiten Wasserfläche verteilt und auf ihre eigenen Manöver konzentriert wie Musikanten in einem Orchester vor dem ersten Takt, sammelten sich zu großen Pulks vor der Startlinie. Sie war fast auf der anderen Seite der Förde, dicht unter dem dänischen Ufer. Aber wegen der großen Entfernung war das Schauspiel im Überblick besonders gut zu beobachten. Auch die Versuche Einzelner, sich eine vorteilhafte Startposition zu ersegeln, war sehr schön zu erkennen. Auf Backbordbug zu segeln strebten viele an, aber das war bei der Windrichtung nur hoch am Wind zu erreichen. Andere brachen gleich zu Anfang aus und starteten direkt auf Steuerbordbug. Zwar gaben sie damit ihr Vorfahrtsrecht preis, konnten aber mit freiem Feld und Wind größtmögliche Geschwindigkeit segeln. Interessant auch die Segelführung. Einige hatten Vollzeug gesetzt, was sie später mit viel "Lage" bezahlen mussten. Das sieht zwar chic aus, ist aber nicht immer ein wirklicher Vorteil. Andere gingen gleich mit einem Reff ins Rennen. Sie kamen aufrecht segeln auch ganz gut weg. Nur die Wunderschönen mit dem Gaffelrigg, HETI und CINTRA, beide nach der 1st rule der 12 Meter Formel gebaut, segelten wohl in einer Klasse hinterher. Wir hoffen inständig, dass sie sich dadurch nicht entmutigen lassen. Geschwindigkeit darf bei einer klassischen Yacht nicht die wichtigste Bedingung sein. Das sollte man besser den Modernen überlassen. Bei Autorennen kommen ja schließlich auch die klassischen Bugattis und Lagondas nicht mit modernen Motoren daher. 

Waren nach dem Start die Teilnehmer als Feld noch dicht beisammen, suchten sie sich bald eigene Kurse und kreuzten vor der Wendetonne in der Bucht von Schausende. Nun starteten wenige Minuten später in getrennten Feldern die Boote der Drachen- und 5,5 mR-Klasse. Insgesamt waren um die achtzig Boote auf dem Wasser und kämpften um Platz und Sieg. Was für ein Bild! Wie Balletttänzer bewegten sie sich mit- und umeinander nach einer verborgenen Choreografie. Einer Jacht ging augenscheinlich das Vorsegel ungeplant runter, eine kleinere wurde wenig später mit gebrochenem Mast in den Hafen geschleppt. Man kann sich vorstellen, welche Dramen sich an Bord abgespielt haben und welche sich später bei der Manöverkritik noch abspielen werden. Aber Regatta - das ist Material, Können, Sportsgeist und auch immer noch Glück. 
Das Ende des Spektakels nahte. Wir verließen die angenehm schattige Bank an der Uferpromenade, reckten unsere steifen Glieder und gingen zurück. Auf dem Weg trafen wir nur wenige andere Zuschauer. Jachtsport auf der Förde ist wohl kein Thema für Public Viewing. Aber auch das ist eigentlich sehr schön. 

01.07.15 Kaiserwetter auf der Förde

Heute wollen wir segeln gehen, heute kommen die Schönen Schnellen nach Glücksburg. Gemeint sind die Teilnehmer des Robbe & Berking Sterling Cup, die zu ihrem "Tune up" von Dyvig gestartet sind. So viele Rennyachten der 12 Meter Klasse wie nie zuvor in der Förde! Fünfzehn Yachten von den insgesamt verbliebenen 44 dieser Yachtklasse, die einst den America's Cup dominierte. Seit der Gründung des Robbe & Berking Sterling Cup vor zwanzig Jahren kamen nie so viele, um sich in einer Regatta zu messen. Flensburg ist mittlerweile ein Zentrum der 12mR Szene, wie  es einst Rhode Island in den USA gewesen ist. Und die Szene wächst: Ein Neubau von Johann Anker wurde in diesen Tagen fertiggestellt. Der Entwurf stammt aus dem Jahr 1939 und wurde jetzt erst auf der Werft von Robbe & Berking gebaut. Am kommenden Samstag soll die Taufe sein. Weitere Projekte sind geplant.
Heute haben wir zur Feier des Tages Kaiserwetter. strahlender Sonnenschein und angenehme Wärme, die ein frischer SE- Wind erträglich macht. Wenn die Yachten , wie angekündigt um 11 Uhr in der idyllischen Dyvig- Bucht staten, dann müssen die bei diesen Windverhältnissen un ca. 14 Uhr in Glücksburg ankommen. Also segeln wir ihnen entgegen und versuchen, ein paar Fotomotive abzupassen. Bei Holnis Enge sollte das möglich sein, dort müssen alle durch und das Feld ist dicht beieinander.
Als wir gegen elf Uhr den Flensburger Hafen verlassen, ist die Förde noch wie leergefegt. Das muss man sich mal vorstellen: Solch ein Wetter und ein solcher Anlass und auf der ganzen Förde noch nicht einmal fünf Segelschiffe unterwegs - später sollten noch ein paar dazukommen. Aber auch dann sind die Gäste eindeutig in der Überzahl. Unter den wenigen Segler am Vormittag war ein zwölfer mit Gaffelrigg. Vielleicht war es CINTRA, die wir, wie berichtet, im Hafen gesehen haben. Sie trug ebenfalls kein Segelzeichen. Motorboote mit Fotografen waren auch schon unterwegs. Ein paar Fotos von uns haben sie auch geschossen, das fanden wir sehr nett.
Dann kamen sie in Sicht, an ihren bunten Spinnackern schon von weitem zu erkennen. Eine Yacht mit blauem Rumpf  und Segelnummer G4 vorneweg: Es ist die SPHINX. Wir wenden, und lassen uns von dem Feld auf dem Weg zum Zielschiff überholen. Das Rennen ist vorbei, wir segeln zurück nach Flensburg. Die Regattateilnehmer haben einen kürzeren Weg: Sie werden in Glücksburg festmachen.