10.09.14 Shanties der Signalgasten



Im Herbst werden die Abende schon etwas länger und die Dunkelheit senkt sich merklich früher über den Hafen. Da kommt ein Angebot des Schifffahrtsmuseums gerade zurecht, um die Stimmung aufzuhellen:

Am Freitag dem 26. September um 19.30 Uhr

präsentiert der Shantychor "Die Hornblower" im Flensburger Schifffahrtsmuseum in einem zweistündigen Konzert traditionelle Seemannslieder. Im Gegensatz zu den meisten anderen deutschen Shantychören haben Die Hornblower aus Tarp weniger Seemannsschlager, sondern vorrangig traditionelle seemännische Arbeitslieder in ihrem Repertoire. Bereits vor fast 25 Jahren entstand 1990 innerhalb der kurz zuvor gegründeten Marinekameradschaft der Shantychor Die Hornblower. Die meisten Mitglieder gehörten dem inzwischen aufgelösten Marinefliegergeschwader 2 an. Bis heute wird der traditionelle Charakter eines Männerchores gewahrt. Schon der Name "Hornblower", der den so genannten Signalgast auf alten Segelschiffen bezeichnet, verweist auf die maritime Tradition des Chores. Entsprechend wird bei der Auswahl der Lieder großer Wert auf authentischen Hintergrund gelegt. Das spiegelt sich auch in der historischen Vorbildern nachempfundenen Arbeitskleidung wider, in der die Hornblower bei passender Kulisse in der Regel auftreten - so auch schon wiederholt im Flensburger Schifffahrtsmuseum. Aber auch über die regionalen Grenzen hinaus haben sich die Tarper Shantysänger mit unzähligen Auftritten einen hervorragenden Namen gemacht. Bei Konzertreisen im In- und Ausland sowie Fernseh-, Rundfunk- und CD-Aufnahmen sind die Hornblower die Botschafter Tarps. 


Eine aktuelle CD ist in Vorbereitung. 
Konzertbeginn: 19:30 Uhr, 
Einlass: 18:45 Uhr 

Eintritt: 6,- Euro

07.09.14 Dichtung und Trockenheit (4)

In den bisherigen Beiträgen zum Thema "Decksnähte abdichten" wurde die Reparatur eines traditionell gelegten und kalfaterten Decks in drei Abschnitten beschrieben. Jetzt fehlen noch vier letzte Schritte: Nachkalfatern, Isolieren, Abkleben und Vergießen.
Zuvor lohnt sich ein Blick in die mittlerweile geöffnete und gereinigte Plankennaht. Sind die Flanken sauber und trocken? Ist das Kalfat am Grund der Naht hell und trocken? Wenn nein, muss hier noch ein wenig nachgebessert werden. Die Flankennaht soll ausschließlich helles, gesundes glattes Holz ohne Risse zeigen. Anderenfalls muss der letzte Schritt so lange wiederholt werden, bis das gewünschte Ergebnis erreicht ist. Zum Abschluss wird die offene Naht von Staub und allen Resten der alten Versiegelung gereinigt. Die Anschlussstellen zur bisherigen Versiegelung müssen besonders gut gereinigt werden, weil Staub und unsaubere Kanten bei künftigen Regengüssen ungefähr so wirken, wie ein undichter Stopfen in der Badewanne.
Nun bekommt das Kalfat noch behutsame(!) Schläge mit einem geeigneten "Kalfateisen". Behutsam deswegen, weil es (das Kalfat) nicht erneuert wurde. Aber seine Oberfläche hat vermutlich beim Schleifen der Plankenseiten ein wenig gelitten und soll nun verdichtet werden. Bewährt hat sich auf unserem Schiff mit Baumwollkalfat in ca. vier bis fünf Millimeter breiten Fugen ein normaler Hammer von 1500 Gramm. Der entwickelt einen ziemlichen Druck, deshalb immer nur locker und leicht mit Setzschlägen aus dem Handgelenk heraus schlagen!
Als geeignetes Werkzeug hat sich ein Stück drei Millimeter dickes und drei Zentimeter breites Kupferblech bewährt, das mit zwei Fingern in der Nut nach jedem Schlag um etwa drei Zentimeter versetzt wird. 
Da wir die ganze Operation nach einem kräftigen Regenguss, oder nach tagelangem Dauerregen durchziehen, kann es sein, dass uns beim Verdichten des Kalfats Wasser aus der Fuge spritzt, oder dass unser "Kalfateisen" an der Klinge nass wird. Das ist nicht schlimm. Jedoch kann das Holz dabei erneut nass werden. Diese Nässe muss und kann mit einem Heißluftgerät (Föhn) vor jedem weiteren Schritt getrocknet werden. Es geht dabei nur um die Holzoberfläche, nicht aber um das Kalfat. Dies zu trocknen ist 1. überflüssig und 2. auch nur mit viel Ausdauer und langem Föhnen möglich. Also einfach sein lassen. Sobald die Decksnaht geschlossen ist, trocknet es in den folgenden Tagen und Wochen von ganz alleine.

Vor dem Vergießen wird das Kalfat mit einem trennenden Material abgedeckt. Es soll verhindern, dass die Versiegelung nicht nur am Holz, sondern auch auf dem Kalfat festklebt. Das täte zwar seiner Wirkung keinen Abbruch, jedoch wäre der Aufwand bei einer irgendwann später notwendigen Reparatur unnötig hoch. Hoch, weil dann das Kalfat mit der festklebenden Versiegelung aus der Naht herausgerissen wird. Dann muss tatsächlich neu Kalfatert werden.

Als Trennmaterial kann alles verwendet werden, das dauerhaft ist, leicht in die Fuge eingelegt werden kann und nicht an dem Kalfat festklebt. Zum Beispiel klappt es mit geschlossenporigem Schaumstoff ganz wunderbar, der als Matten in der Verpackung von Elektrogeräten verwendet wird. Man kann es frei Hand in ca. vier Millimeter breite Streifen schneiden, ob mit Schere oder Messer ist egal. Leider sind die Schneidrollen von Aktenschreddern nicht geeignet, soweit versucht wurde. Bänder aus Kunststofffolie sind leider zu leicht, schon bei geringem Wind flattern sie so sehr, dass einem die Lust an der Freude vergeht.

Nun kommen wir zum letzten Schritt: Abkleben und versiegeln.
Abkleben ist eigentlich selbsterklärend: Immer an der Kante entlang, nicht über die Fuge kommen. Die Enden, wo die Reparaturstelle an die alte Versiegelung anstößt, kann gerne einen Zentimeter weit überlappen.


Es hat sich bewährt, vor dem eigentlichen Versiegeln einen alten Eimer in Lee bereitzustellen und Einmal-Handschuhe anzuziehen. Zudem ist es sinnvoll an einer anderen geeigneten Stelle zu prüfen, ob die Presse auch richtig "läuft" und nachzusehen, ob der Inhalt der Kartusche mit der Versiegelungsmasse für die gesamte Reparaturstelle ausreicht. Anderenfalls sollte eine neue Kartusche
bereitliegen. Über das eigentliche Vergießen gibt es nichts Wesentliches zu sagen. Die Naht wird abschließend mit einem leicht gerundeten Werkzeug abgezogen. Der Baumarkt hält dafür Fugenspachtel bereit. Es geht aber auch mit der runden Spitze eines Tafelmessers, eines Teelöffels oder ähnlicher Geräte. Nicht erforderlich ist, die Spitze mit Wasser oder Seifenwasser zu befeuchten, wenn man das Feierabendbier noch einen Moment warten lässt bis alles wieder aufgeräumt und gereinigt ist.
Als Versiegelungsmasse haben wir mit Produkten auf der Basis on PU (Polyurethan) gute Erfahrungen gemacht. Die vernetzen unter feuchten (nicht jedoch nassen) Bedingungen sehr gut. Das von uns verwendete Produkt erfordert auch keinen Primer, wenn Teak verarbeitet wird. Die Nähte haben länger als vier Jahre gehalten. Probleme gab es nur anfangs, als wir die Flanken nicht sauber genug vorbereitet hatten, zumal die Nähte vorher mit silikonhaltigem Material vergossen wurden.
Nun ist die Naht dicht, die Klebebänder können abgezogen und in den bereitgestellten Eimer entsorgt werden. Es hat sich bewährt, die frisch reparierte Stelle schon vor dem Aufräumen abzusperren. Wer jemals miterleben musste, wie der geliebte Lebenspartner (oder Partnerin) achtlos auf die frische Versiegelung trat und dann das makellose Teakdeck mit schwarzen Streifen verzierte, weiß warum. Die kleine Mühe sollte einem der Bordfrieden wert sein.

 Alle Nachrichten zum Thema "Dichtung und Trockenheit"

01.09.14 Stürmische Überfahrt

Mittlerweile wurden Einzelheiten von der Reise der DAGMAR AAEN über die Dänemarkstraße bekannt. Diese Meeresenge zwischen Grönland und Island verbindet die Irminger See mit dem Nordpolarmeer. Das Revier ist wegen seiner vielen Stürme wesentlicher Teil der Wärmepumpe im Nordatlantik, die unser Klima in Europa entscheidend bestimmt. Einer dieser Stürme machte dem Expeditionsschiff aus Wewelsfleet zu schaffen, als es von seiner letzten Station in Grönland nach Island reiste. Bei bis zu neun Beaufort Windstärke gegenan türmten sich die Wellen drei bis vier Meter hoch. Zeitweise machte das Schiff nur sehr wenig Fahrt auf das Ziel zu. Dennoch konnte der Zielhafen Ísafjörður (Island), sicher erreicht werden. Der Nachfolgende Orkan mit zwölf Beaufort brach aus, als DAGMAR AAEN bereits sicher in dem Hafen auf der isländischen Halbinsel Hornstrandir angekommen war. 
Der ausführliche Bericht aus dem Logbuch der DAGMAR AAEN kann hier aufgerufen werden.

01.09.14 DAGMAR AAEN zurück in Island

Heute gab es wieder einen ersten Kontakt mit dem AIS-System von DAGMAR AAEN, dem Expeditionsschiff des Bad Bramstetters Polarforschers Arved Fuchs.
Am frühen Morgen hat die Expeditions-Crew den roten Haikutter im Hafen von
Lage von Ísafjörður im Nordwesten von Island
(Grafik: WIKIPEDIA)
Ísafjörður ("Eisfjord") festgemacht. Die kleine Siedlung liegt im äußersten Nordwesen der größten Vulkaninsel der Erde. Der Ort wird bereits im Jahr 920 in einem Reisebericht von Helgi Hrólfsson beschrieben, der dort eine Harpune fand und ihn deshalb "Skutulsfjörður" (Harpunenbucht) nannte (Aus WIKIPEDIA).

Vor ihrer Abreise aus Grönland konnten die drei Bergsteiger der Expedition zum J.-C.-Jacobsen-Fjord und damit an Bord zurückkehren, wo sie am 02. August an Land gesetzt wurden. Dazwischen bestiegen sie den Gunnbjörn Fjeld, höchster Berg Grönlands, komplett zu Fuß. Vom Zusammentreffen berichtet das Logbuch der DAGMAR AAEN am 28. August:
"Essen, raus aus dem Klamotten und schlafen. Das waren die größten Wünsche der drei Bergsteiger, als sie wieder zurück waren an Bord der "Dagmar Aaen". Braungebrannt, mit langen Bärten und verdreckten Bergstiefeln saßen sie an Deck und genossen nach 26 Tagen das Barbeque, das die Crew vorbereitet hatte. Damit ist die Besteigung des Gunnbjörn Fjeld, des mit 3.694 Metern höchsten Berges Grönlands, endgültig abgeschlossen.
Sagenhafte 415 Kilometer mussten die Chilenen Pablo Besser und Cristian Donoso sowie Tim B. Frank aus Hamburg insgesamt zurücklegen, um vom Jacobsen Fjord aus den Berg im Inlandeis zu erreichen und nach der Besteigung an den Ausgangspunkt zurückzukehren. Und das alles mit schweren Rucksäcken und voll beladenen Schlitten im Schlepptau. Gletscherspalten und Schmelzwasserseen zwangen die drei immer wieder zu großen Umwegen. Aber all die Strapazen sind nun vergessen. An Bord wurde kräftig auf den großen Erfolg angestoßen."
Die Bergsteiger kamen pünktlich am verabredeten Treffpunkt an, DAGMAR AAEN erst zehn Stunden später, weil bei einem schweren Sturm das Wasserstag brach und sie vor dem Wind ablaufen musste, um das Rigg nicht weiter zu gefährden. Der Schaden konnte vor der Querung der Dänemark-Straße mit Bordmitteln repariert werden. 

01.09.14 Dichtung und Trockenheit (3)

Das Messer wird mit mäßigem Druck parallel zu den Flanken
mit mäßigem Druck gezogen, Die Klingenspitze zeigt etwas zu
Mitte der Naht.
In den vorherigen Beiträgen zum Thema "Undichtes Deck" ging es um die Vorbereitung der Arbeit. Muss das Deck unter Zeitdruck dicht gemacht werden, ist sie besonders wichtig. Aber nun geht es zur Sache.

Die alte Versiegelung ist entfernt und kann in den Müll. Reste
haften noch an den den Planken. Sie werden in den nächsten
Schritten sorgfältig entfernt.
Zuerst wird die defekte Versiegelung aus der Naht herausgeschnitten. Der Schnitt führt dicht parallel zur Kante über die ganze Länge der Stelle, die repariert werden soll. In der Praxis hat sich bewährt, nicht mehr die eindeutig defekte Stelle aufzuschneiden, mindestens aber etwa 20 Zentimeter. Kürzere Reparaturstellen sind auch nicht viel schneller erledigt. Sorgfältiges arbeiten auf geringstem Platz braucht einfach mehr Zeit. Allerdings gibt es Leckstellen, wo selbst diese wenigen Zentimeter zuviel sind, wie zum Beispiel an den Plankenstößen.
Jetzt ist eine ruhige Hand vonnöten. Reste der Versiegelung
werden mit einem vorsichtigen Schnitt unmittelbar an der
Flanke herausgeschnitten. WICHTIG: Das Holz soll unversehrt
bleiben, deshalb niemals gegen die Richtung der Holzfasern
schneiden!
Andererseits sollte die Reparaturstelle auch nicht zu lang angelegt werden, schließlich arbeiten wir unter Zeitdruck, und in Luv ziehen die nächsten Regenwolken heran. Wenn die Versiegelung über mehrere Meter Länge erneuert werden muss, reparieren wir lieber mit einem Tag Abstand in mehreren Etappen.

Im Schnitt benötigt jeder Meter Plankennaht, einschließlich Vorbereitung und anschließendem Aufräumen etwa eine Stunde - falls keine Komplikationen auftreten.

Die Versiegelung wird immer in mehreren Schritten entfernt. Der erste Schnitt parallel zu den Flanken ist dient nur dazu, den folgenden
Feinschliff: Um die Flanken absolut sauber zu bekommen, wird
Schleifpapier (Körnung 80) mehrfach gefaltet, bis es mit Druck
durch die offene Naht gezogen werden kann. Das reinigt beide
Flanken im selben Durchgang.
Schnitten die Spur vorzugeben. Beim letzten Schnitt ändert sich der Widerstand, den die Klinge bietet, weil sie dann das Kalfat erreicht hat. Die meisten Nähte sind nicht tiefer versiegelt als die Breite der Naht. In unserem Fall sind das so um die vier bis fünf Millimeter. Aber es gibt auch deutliche Abweichungen hiervon. Einige Nähte können erheblich tiefer versiegelt worden sein. Um auch nicht versehentlich in die Planke zu geraten, weist die Klingenspitze immer etwas zur Mitte der Naht.
Anschließend kann die alte Versiegelung aus der Naht herausgezogen werden.

Jetzt kommt die Feinarbeit, denn immer noch haften Reste der alten Versiegelung an den Kanten der Holzplanken. Sie müssen sorgfältig bis auf das rohe Holz entfernt werden. Dazu wird das Messer vorsichtig exakt neben der Plankenkante angesetzt und mit ganz sanftem Druck geführt. Die Klinge muss jetzt wirklich scharf sein, gegebenenfalls erst einmal schärfen oder die Klinge abbrechen, um ein neues, scharfes Werkzeug zu bekommen. Schlussendlich werden die Flanken mit Schleifpapier sauber geschliffen. Zwischen durch wird die Arbeitsstelle immer wieder mit einem Pinsel oder einer Bürste sauber gefegt. Staub oder Gummi-Reste dürfen nicht zurückbleiben.

Ein Wort zu den Enden der Reparaturstelle. Ist dort ohnehin eine natürliche Kante, wie zum Beispiel die Fischung oder ein quer laufendes Laibholz, ergibt sich der Abschluss von selbst. Wo die neue an eine noch intakte alte Versiegelung ansetzen soll, machen wir einen schrägen Schnitt mit sauber ausgearbeiteter Spitze.

Auf diesem Weg können ein paar Komplikationen auftreten. Drüber und wie es mit der Reparatur weitergeht mehr in einem nächsten Bericht.

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