28.06.19 Wellen. Warten. Wiederkehr

Manchmal wiederholen sich denkwürdige Begegnungen. So auch heute im Schifffahrtsmuseum anlässlich der - übrigens wirklich sehenswerten -  Ausstellung zeitgenössischer Färingischer Künstler. Sie ist erstmals Teil einer gemeinsamen Präsentation mit dem Museumsberg Flensburg unter dem selben Titel. Die Ausstellung auf dem Museumsberg wurde am 23.06.19 eröffnet, das Flensburger Schifffahrtsmuseum öffnet am Sonntag, dem 30. Juni um 11:30 Uhr seine Pforten.

Zur Sondersausstellung "Kunst der Färöer / Wellen. Warten. Wiederkehr" im Flensburger Schifffahrtsmuseum 


Gezeigt werden im Obergeschoss des Flensburger Schiffahrtsmuseums Werke hierzulande leider noch weithin unbekannter Künstler aus den Bereichen Ölmalerei, Druckgrafik, Installation und Fotografie von Mitte des letzten Jahrhunderts bis in die aktuelle Gegenwart. Sie hätten verdient, schon früher beachtet zu werden. Wir empfanden sie als besonders bemerkenswert, weil sie auf eine besondere Weise frisch und vom gängigen Mainstream der Bildenden Kunst unberührt erscheinen.
Frisch und ünberührt - das wird auch daran liegen, dass der auf dem Kontinent seit Jahrhunderten aktive Austausch von Sichtweisen und Konzepten bis zu den 1920-er Jahren an den abgelegenen Färöer-Inseln im Nordatlantik vorbei ging. Kunst und Kultur war bis dahin hauptsächlich Gegenstand mündlicher Überlieferung, der Musik und des Tanzes. Erst dann wird, zunächst zögernd, der Einfluss skandinavischer Kunst wirksam. Entsprechend stark ist der Einfluss der expressiven Farb- und Formwelten, wie wir sie beispielsweise bei Edvard Munch oder Emil Nolde schätzen. 
Das Spektrum der druckgafischen Arbeiten umfasst sowohl formal-ästhetische Werke als auch unterschwellig düstere Bilder, die jedoch bei uns ganz spontan die Erinnerung an einen Besuch der Inseln wachriefen. Also, wie gesagt, wir fanden den Besuch heute sehr anregend. Unter anderem auch wegen eines kleinen Gedichtes, von Ingolf Rasmussen, Bruder der Künstlerin Jona Rasmussen. Er ist Seemann von Beruf und schreibt, wie anders? in färingischer Sprache. In der Ausstellung ist aber freundlicherweise eine gute Übersetzung ins englische zu lesen. Dichtende Seeleute - in der relativ kleinen Bevölkerung ist künstlerische Tätigkeit sehr weit verbreitet. Vermutlich auch dies Folge des abgeschiedenen Lebens über die Jahrhunderte hinweg. Da bekommen Abschied, Warten und Wiederkehr eine ganz eigene Bedeutung.

Zum Schluss noch zur anfangs bemerkten denkwürdigen Begegnung. Auch sie gibt vielleicht ein bisschen Eindruck von der Besonderheit dieser wunderbaren Inselgruppe, weit draußen im Nordatlantik: Als wir vor mehr als dreissig Jahren auf einer Segelreise von Island nach Skagen in Torshavn auf den Färöern Zwischenstation machten, besuchten wir auch den kleinen Ort  Kirkjubøur auf der Westseite der Insel Streymoy. Dort wollten wir zum Einen die Ruine des Magnusdoms aus dem 13. Jahrhundert sehen, den ein Bischoff erbauen liess, was ihm schlecht bekam, weil er die Kosten des sakralen Gemäuers seinen Gläubigen aufladen wollte. Der zweite Grund war, dass wir die Bekanntschaft des Tróndur Patursson machen wollten, der die Reise des irischen Mönchs St. Brendan (im 6. Jhdt) nachvollzogen hat. Er war Mitglied der der Besatzung des kleinen Curragh BRENDAN, mit dem der Indisch-Britische Forschungsreisende Tim Severin nachweisen wollte, dass die legendäre Reise historisch möglich gewesen wäre. Das aus Weidenzweigen und Lederhäuten gebaute Boot startete 1976 in Irland und erreichte nicht nur die Färöer, sondern kam über Island und Grönland bis nach Neufundland. Nun erfahren wir heute, das derselbe Tróndur Patursson zu den Künstlern gehört, die mit ihren Werken auf dem Museumsberg Flensburg vertreten sind. Diese Ausstellung haben wir also jetzt auch noch auf unserem privaten kleinen Kulturkalender.


27.06.19 Flensburger Frachter versenkt

Am 23. Juni ging die ADELE HAGENAH, Baunummer 606 der FSG, jetzt unter dem Namen VOICI BERNARDETTE, in Fort Pierce, Florida, USA, auf ihre letzte Reise.

ADELE HAGENAH
Foto: www.shipsnostalgia.com
Ihre Karriere als Kauffahrteischiff für Theodor Hagenah, Dornbusch begann 1965 unter deutscher Flagge in Flensburg. Sie war hauptsächlich in Nord- und Ostsee eingesetzt, zuletzt im Dienste der Reederei Maritime Experts, Ems. Zuletzt wurde sie als Museums- oder Ausbildungsschiff angeboten. Aber anscheinend konnte sich dann doch niemand hierzulande für sie begeistern. So wurde sie schließlich im Jahr 2014, nun hieß sie HANNELORE, nach Bolivien ausgeflaggt. Danach kam sie auf die schiefe Bahn und wechselte sie ihre Namen vermutlich öfter als ihren Unterwasseranstrich. Ihre letzte Reise begann in Cap Haitien, Haiti. Schließlich wurde sie von der US Coast Guard aufgebracht, mit  eineTonne Kokain an Bord im Straßenverkaufswert von 35 Mio. US$. Nun liegt sie als künstliches Riff als Attraktion für den Wassersport-Tourismus auf 100 Fuß Tiefe. 


24.06.19 Treffpunkt

Die Zeitung Bild hat Fotos von der Stelle am Rumpf des Lotsenschoners Nr. 5 ELBE veröffentlicht, wo der Wulstbug des Container Feeders den Bug des Traditionsseglers traf.

Aus dem begleitenden Text geht nicht hervor, ob die Kupferplanken (üblicherweise zwei bis drei Millimeter dickes Kupferblech) bei dem Aufprall abgerissen, oder nachträglich abgelöst wurden. Die Falten im Blech geben immerhin einen Eindruck davon, wie tief der Holzrumpf der ELBE bei dem Aufprall eingedrückt wurde. Unter dem Blech sind die Holzplanken sichtbar. Das linke Bild wurde vermutlich aufgenommen, während der Rumpf aus dem Wasser gezogen wurde. Deswegen konnte das bis zur Höhe der Wasserlinie eingedrungene Wasser noch nicht vollständig abfließen und läuft jetzt noch aus den undicht gewordenen Plankennähten heraus.

Auf dem rechten Foto ist zu sehen, dass der Aufprall dicht hinter dem Bug und knapp über dem Kiel oder in Höhe des Kiels liegt. Weil der Rumpf an dieser Stelle noch sehr schlank ist, hatte der Wulstbug nur einen kurzen "Bremsweg" bis er den Kiel traf. Der hat dadurch wahrscheinlich einen großen Teil der Stoßenergie unmittelbar aufgefangen und in den übrigen Rumpf übertragen worden. Den Rest wurde von den Planken selbst und den benachbarten Spanten nebst Bodenwrangen aufgefangen und dann an den Kiel weitergegeben. Schließlich wurde der gesamte Rumpf quer gegen das Wasser gedrückt und dadurch abgebremst.

Was die Bilder nicht zeigen, sind Schäden an den übrigen Teilen des historischen Seglers. Sofern sie nicht unter der ungeheuren Wucht beim Aufprall zerbrachen, haben sie die Kraft elastisch aufgefangen und an die mit ihnen verbundenen Bauteile weitergegeben. Sind dabei Verbindungselemente (Bolzen, Nägel) dauerhaft verformt worden, müssen sie ebenfalls ausgetauscht werden.

Insgesamt wird ein erheblicher Aufwand allein durch die notwendige, detaillierte Untersuchung des gesamten Schiffes entstehen. Sie soll durch sachverständige Fachleute von der Werft in Hvide Sande unterstützt werden, wo der Lotsenschoner erst vor kurzem anch einer umfassenden Restauration abgeliefert wurde. Auf Anhieb fällt kaum ein einzelner Bereich ein, den man dabei unbesehen ausschließen kann. Schließlich sind nicht allein der Rumpf und das gesamte Rigg betroffen, sondern auch die komplette technische Ausrüstung und last but not least die teilweise historische Inneneinrichtung.

Fotos (2) Bild.de










21.06.19 Schoner ELBE angekommen

Heute morgen wurde der Lotsenschoner Nr. 5 ELBE von der Schwingemüdung, wo das 135 Jahre alte Schiff nach der Kollisiion am 08. d.M. an der Hafenmole sank und gehoben wurde, zur Peters Werft in Wewelsfleth geschleppt. 


Assistiert von zwei Schleppern nähert sich Lotsenschoner Nr.5 ELBE der Peters Werft
Foto: NDR.de



















Der Lotsenschoner ELBE hat heute nach einer Schleppfahrt von etwa 20 Seemeilen an einer Mole der Peters Werft festgemacht. Sie soll dort von Mitarbeitern der selben Werft im dänischen Hvide Sande repariert werden, die auch ihre kurz vor der Havarie abgeschlossene Restauration des Traditionsseglersd erfolgreich durchgeführt hat.

Im Dock der Peters Werft liegt auch die Viermastbark PEKING. Auf dem Foto sind ihre Masten zu erkennen, die hoch über die Werftgebäude ragen. Sie wird am Montag ausgedockt. Wenn ihre Restauration im nächsten Frühjahr abgeschlossen ist, soll sie als schwimmendes Denkmal im neu entstehenden Deutschen Hafenmuseum einen Dauerliegeplatz einnehmen. In Fahrt soll sie jedoch nicht mehr gehen.

20.06.19 Neues von Nr. 5 ELBE

Lotsenschoner Nr.5 ELBE kommt schon bald wieder in Bewegung.
Nachdem das schwer havarierte Schiff gehoben wurde, war schnell klar, dass es wieder repariert werden soll. Unklar war noch die Werft und der Transport dorthin. Nun ist auch das entschieden. 



Noch liegt die "No. 5 Elbe" an der Hafenspundwand in Stadersand, bald soll sie nach Wewelsfleth geschleppt werden.
© picture alliance/dpa Foto: Bodo Marks




















In den Hamburg- Nachrichten des NDR wurde heute bekannt, dass der Traditionssegler der Stiftung Hamburg Maritim zu einer Werft nach Wewelsfleth geschleppt werden soll. Bild berichtet ergänzend, dass es sich um die Peters Werft handelt, die auch den Viermaster PEKING nach seiner Rückkehr aus New York wieder instand setzt. Auch dieses Maritime Denkmal ist ein Schiff der Stiftung Hamburg Maritim.
Nachdem Taucher den Rumpf der ELBE von außen abdichten konnten, gab das Wasser- und Schifffahrtsamt grünes Licht für den Transport. Bedingung laut Bild: Die gelben Hebesäcke müssen an Bord sein. Der Plan sieht vor, den Lotsenschoner Nr. 5 ELBE am Freitag auf die Helling zu nehmen. Die Alternative, nämlich den Rumpf per Kran aus dem Wasser zu heben, wurde dem Vernehmen nach ausgeschlossen. Das Gewicht von Wasser und Schlamm im Rumpf stehe dem entgegen; die Gefahr dass der Rumpf unter diesem Gewicht auseinanderbricht sei zu groß. 

Auch die PEKING kommt dieser Tage wieder in Bewegung. Bis sie wieder nach Hamburg kommt, muss sie jedoch bis zum Mai 2020 warten, heisst es in dem selben Artikel der Bildzeitung.