30.10.18 Erstes Hochwasser im Hafen

Zum ersten mal in diesem Herbst schwappte in der letzten Nacht das Hafenwasser über die Schiffbrücke. Gleichzeitig drehte der Wind auf Nordost. An einem Boot im Museumshafen brach die Festmacherleine. Glücklicherweise gab es darüber hinaus keinen weiteren Schaden an den Booten. 

Mit 1,21 Metern über dem mittleren Wasserstand spritzte gestern am späten Abend das Wasser durch die Planken auf dem Bohlwerk. Dabei bewegten sich die im Museumshafen verbliebenen Boote lebhaft, teilweise sehr lebhaft in dem Schwell, den der frische, in Böen stürmische Nordost-Wind im Hafen aufgewühlte. Wieder einmal zeigte sich, dass die alte Regel immer noch sinnvoll ist, nach der zwei nebeneinander liegende Segelschiffe sorgsam ihre Masten gegeneinander versetzen müssen. Denn anders als eine schunkelnde Tafelrunde bei der alle im  gleichen Takt nach derselben Seite schaukeln, hat jedes Boot seinen eigenen Rhythmus. Da kann es dazu kommen, dass die Masten mit voller Wucht aneinander prallen und dabei schwer beschädigt werden. Die Gefahr ist besonders groß wenn die Festmacherleinen wegen der stark schwankenden Wasserstände länger gesteckt werden als sonst üblich. Dann liegen die Boote bei seitlichem Wind auch schon mal diagonal in ihren Boxen. Bei Menschen und Tieren spricht man in diesem Fall von "kuscheln", was ja als Ausdruck großer Harmonie angesehen wird. Nicht so  bei Booten; da können bei dieser Art der heftigen Annäherung auch schon mal die Fetzen. fliegen. Und dann ist Schluss mit der Harmonie zwischen den zugehörigen Menschen.

27.10.18 Wrack der SS NORDLYSET gefunden

Die Flensburger Schiffbau-Gesellschaft (FSG) ist tragender Pfeiler der maritimen Tradition der Stadt. Seit 146 Jahren werden auf dem dort Schiffe gebaut, das erste ging 1875 zu Wasser. Jetzt wurde das Wrack der NORDLYSET identifiziert. Sie lief nur zwei Jahre später vom Stapel und sank dreieinhalb Monate danach unter dramatischen Umständen auf ihrer ersten Reise. 

Auf der Sandbank Razende Bol südwestlich der Westfriesischen Insel Texel kam es am 18. Dezember 1877 zu einem schweren Schiffunglück, bei dem neun Menschen ihr Leben verloren. An dem Unglückstag herrschte ein schwerer Sturm. Die SS NORDLYSET, ein Zweimaster von 1980 Tonnen mit einer Zweizylinder Compound Dampfmaschine aus Kopenhagen, kämpfte sich in Richtung Antwerpen. Es war die erste Reise für den Frachter und das Schiff war auch eines der ersten seiner noch jungen Reederei, die Dampskibsselskabet NORDEN A/S aus Kopenhagen. An Bord Getreide aus Riga, bestimmt nach Antwerpen. Bei einem Zwischenstopp in Kopenhagen am 15. Dezember wurde für die Reise noch Kohle gebunkert.

An der damaligen Untiefe, fand die Reise ein tragisches Ende. Das Schiff kenterte in dem Sturm und strandete. Dabei ertranken sieben der 23 Besatzungsmitglieder. Das Drama wurde vom Festland aus beobachtet, aber schnelle Hilfe war nicht möglich. Als eine Flaschenpost mit einem Hilferuf der Überlebenden gefunden wurde, kam am 18. Dezember eine Hilfsaktion in Gang. Ein Rettungsboot der KNRM in Den Helder aus Nieuwediep , besetzt mit neun Mann unter der Führung von Dirk Stein machte sich auf den gefährlichen Weg zum Wrack. Die Männer konnten das sinkende Schiff erreichen und die 16 Überlebenden übernehmen. Doch dann wurde das Rettungsboot von einer Welle hochgeschleudert; es kenterte. Dabei verloren der Bootsführer und einer der Ruderer ihr Leben. 


Das Wrack der NORDLYSET. Bug, Heck, Kessel
und Maschine sind noch gut zu erkennen.
Foto gefunden bei: Dampskibsselskabet A/S
Nun wurde das Wrack des Unglücksschiffes identifiziert. Es war schon vor einiger Zeit von den "Northseadivers" entdeckt worden. Aber erst nachdem bestimmte Artefakte gefunden wurden, stand fest, das es sich um die NORDLYSET handelt (Die Northseadivers in den Niederlanden arbeiten mit dem holländischen Archäologie-Institut zusammen). 

Die Nachricht vom Fund der NORDLYSET hat die Reederei NORDEN A/S in Kopenhagen sehr berührt. Das vor 141 Jahren verlorene Schiff war eines ihrer ersten Schiffe überhaupt. Und unter den Opfern der Havarie war auch Daniel Wright, Gründer der damals noch jungen Gesellschaft. 

Quelle: Internet

24.10.18 Bohlwerkbilder von heute

Gestern Abend konnte man am Bohlwerk noch auf die Boote herabsehen, so niedrig war der Wasserstand. Heute sind sie eher auf Augenhöhe zu betrachten. Das sieht dann so aus:


"Land unter" am Steg der Lüttfischer
RAGNA am Ponton der Museumswerft














Haikutter BODIL (vo.), Logger PIROLA (hi.)
Logger RYVAR (rot) und Heckschiff SIGANDOR














Colin Archer WIEBKE BOHLEN und
Skutsje FORTUNA
SIGANDOR, JONGE JAN, RYVAR (von links)














Jagdt VIER GEBRÜDDER auf der Museumswerft


Kragejolle (?) KAP11 auf der Museumswerft












Wikingerskalp an RYVAR. Oder?
















Manchmal wird man durch einen "zweiten Blick" auf längst vertraute Bilder belohnt. RYVAR hatte vermutlich einen verkrauteten Ankerplatz gewählt. Nun hängt zur Erinnerung das trockene Seegras am Patentanker. Mit ein wenig Fantasie kann man sich auch etwas ganz Anderes darunter vorstellen.  Könnte es vielleicht ein Vodoo-Zauber gegen den Klabautermann sein? Ach, was. In drei Wochen beginnt der Karneval. Da wird es sich wohl um ein Teil des Kostüms handeln. Oder guckt gar ein Bison aus der Ankerklüse?

24.10.18 Maritimer Flohmarkt

Trotz des Datums kein Karnevalsscherz! Rechtzeitig zum Saisonende kündigt "Muse Maritim" den ersten Maritimen Flohmarkt im Flensburger Schifffahrtsmuseum an. 


Am besten gleich anmelden!
Beate Falkenberg (Bfalkenberg@muse-maritim.de

23.10.18 Xerxes und Siglinde

Die beiden Luftdrucksysteme mit den Namen "Xerxes" und "Siglinde" machen heute ziemlich viel Wind um ihre Beziehung.


Wetterlage heute 13:00 Uhr
Abb.: Wetterkontor.de
Während der Nacht fallen erste Regenschauer, tagsüber nimmt der Nordwestwind zu. Eine alte Wetterregel der Seeleute warnt: "Kommt erst der Regen, dann der Wind, Seemann wache auf! Geschwind!" und tatsächlich warnt der Wetterbericht für die westliche Ostsee vor Starkwind und Sturm; weiter östlich seien sogar Orkanböen zu erwarten. Noch schlimmer klingt die Warnungen für die Nordseeküste: Hochwasser mit Pegelständen von 1,5 Meter über dem Mittleren Hochwasser. Der Nordwest drückt das Wasser in die Deutsche Bucht, wo es nicht abfließen kann.
Anders an der Ostseeküste von Schleswig-Holstein: Der Nordwest ist hier zwar schwächer, aber immer noch stark genug, um das Wasser in Richtung Östliche Ostsee zu drücken, und zwar schneller, als es vom Skagerak nachfließen kann. Die Wetterlage hat es aber auch in sich. Der Hochdruckwirbel "Xerxes" dreht sich, der Coriolis-Kraft folgend im Uhrzeigersinn, und treibt die Luft von Nordwest gegen das Festland. Der Tiefdruckwirbel "Siglinde" hat sich von Island kommend hinzugesellt. Er dreht sich zwar linksherum, doch er verstärkt dadurch die Nordwestströmung zusätzlich. Das Ergebnis: Im Flensburger Hafen (aber nicht nur dort) sinkt der Pegelstand bis 16:00 Uhr um einen Meter, gemessen am mittleren Wasserstand. Das wird aber vermutlich noch nicht der tiefste Stand sein. Wer jetzt sein Boot an einem Schwimmsteg oder Ponton befestigt hat, ist fein raus. Wer aber seine Leinen an Land fest gemacht hat, sollte eventuell mal nachsehen, ob sie genügend lang belegt sind. Denn Poller oder Klampen an Bord sind meist zu schwach, um das Gewicht des Bootes zu tragen. Im schlimmsten Fall werden sie sich aus dem Rest vom Rumpf verabschieden.
Um 19:00 Uhr ist der Wasserstand im Hafen weitere zehn Zentimeter  gesunken. Ob er damit seinen tiefsten Stand erreicht hat, kann jeder für sich selbst hier abfragen.