28.09.18 Spritztour

Segeln macht auch bei mäßiger Temperatur Freude, wenn nur der Wind stimmt. Das konnten wir heute wieder einmal bei 11 Grad und böigem NW feststellen.

Der eine kommt, der andere geht. RYVAR kehrt zurück
Häfen sind so was wie Bahnhöfe zur See. Dort kommen und gehen Züge, hier sind es Boote und Schiffe. Als wir bei bei gerade mal zehn Grad Lufttemperatur ablegen, fegen die ersten Böen über den Hafen und machten schon den Start unter Segeln etwas sportlich. Denn der Wind kommt im Hafen aus Nordwest, das heißt, wir kreuzen bis in die Förde. Nur sollte dafür auch schon das Klüversegel stehen. Das geht aber bei einem Kurs "hoch am Wind" nicht so besonders gut, weil dieser Wind im Hafen alle zehn Meter aus einer anderen Richtung kommt. Also drehen wir erst einmal eine "Ehrenrunde", bis alle Segel gesetzt sind. 


Unterdessen kommt RYVAR von einer mehrtägigen Reise zurück. Unter Segeln, wie es sich für ein Schiff aus einem Museumshafen gehört. Denn vor 102 Jahren, als der Frachtsegler gebaut wurde, hatte er noch keine Maschine. Die wurde erst neun Jahre später eingebaut. Vor dem Bohlwerk fällt auf der großen Ketsch der Klüver, während er auf unserer halb so großen Ketsch gesetzt wird. 

Als das Video entstand, war der Wind noch moderat. Später nahm er kräftig zu. 

Wie üblich bei westlichen Winden ist der Hafen recht gut geschützt. Aber schon vor der Sonwik frischt er kräftig auf. Die vorhergesagten vier Windstärken gibt es zwar auch, aber die sind mittlerweile eher selten. Statt dessen halten die Böen um sechs bis sieben immer länger durch. Bei diesem Wind kann unser Boot immer noch Vollzeug tragen, aber es ist schwieriger, Fehler bei den Manövern zu korrigieren. Aber außer uns sind nur wenige Boote unterwegs. Um so mehr Platz könnten wir uns nehmen, wenn Halsen oder Wenden nötig sind. 
Aber schließlich bleibt es dann bei einer Wende in der Ronshoved-Bucht. Das ist um dreizehn Uhr. Bis wir wieder vor der Hafeneinfahrt ankommen, ist es gerade mal 65 Minuten später. Dazwischen bringenSturmböen unser "altes Mädchen" zur Raserei. Segler auf modernen Segelbooten mögen über diese Euphorie nachsichtig lächeln. Aber wenn die Logge sieben Knoten zeigt, ist das für unsere Verhältnisse schon richtig schnell. Hätte der Wetterbericht uns heute gleich die volle Wahrheit über die Windstärke zugemutet, wären wir auch gesegelt Aber dann eher mit je einem Reff im Groß und Besan. Dann machen wir zwar mit weniger Lage, aber dafür mehr Geschwindigkeit gesegelt. Nun ja, man kann nicht alles haben. So ist es eben beim traditionelle Segeln mit kleiner Crew. Zwar kann man auch unterwegs die Segelfläche kürzen, dank Smeereep*) ist das kein Problem. Sogar Segelwechsel sind möglich. Allerdings bringt das beim Segeln auf kurze Distanz nicht allzu viel Gewinn, denn diese Manöver kosten natürlich auch Zeit. 

ALF POLLAK vor der Sonwik 
Also bringen wir die Gischt zum fliegen. Mittlerweile treffen wir auf mehr Boote mit Ziel Flensburg. Bei jeder Böe, wenn wir noch ziemlich auf Kurs bleiben können, weil unser Langkieler dem Wind durch eine stärkere Krängung ausweichen kann, machten sie Sonnenschüsse, abrupte Schwenker nach Luv.
Während wir auf dem Weg nach Norden noch fotografieren und ein kleines Video filmen konnten, haben wir jetzt andere Prioritäten. Mittlerweile kommt der Flensburger Hafen nahe. Eine riesige weiße Fähre versperrt die Sicht auf das Werftgebäude. Einer der Neubauten der Werft navigiert, von zwei Schleppern unterstützt, im engen Fahrwasser vor der Marineschule. Für uns bleibt Platz in Lee des turmhohen Schiffes. Von der Brücke sehen ein paar Leute auf uns herunter. Einer antwortet auf unser Winken. Was mögen sie jetzt wohl denken?

Hinter der Flensburger Werft weht nur noch eine schwache Briese. Unsere Spritztour ist zu Ende.


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*) Wir sparen noch mehr Zeit beim Reffen, weil wir komplett auf Reffbändel verzichten und das überschüssige Segeltuch in "Faulenzer" fallen lassen 

28.09.18 Vertrackte Situation

Neue Fotos von der Havarie zeigen die vertrackte Situation der AMPHRITITE an der Brücke über den Alsensund in Sonderburg.

Gestern  konnten wir erleichtert berichten, dass bei dem Unfall keine Menschen verletzt wurden. In der letzten Nacht  erhielten wir Fotos vom Tag und Ort der Havarie des alten Dreimast-Schoners. Hierfür herzlichen Dank an den Fotografen!


Wer möchte in der Haut des Schiffsführers stecken, wenn der kostbare alte Segler von einer Strömung unter eine Brücke gedrückt wird? Wir kennen nicht die genaue Ursache für die Havarie und wollen darüber auch nicht spekulieren. Aber wir können beim Betrachten der Bilder "Aus Schaden klug werden" wie man so sagt und dem Segelverein DJS Clipper 1973 wünschen, dass der materielle Schaden überschaubar bleibt.

AMPHRITITE hilflos an der Brücke. Das siehtweder von weitem...
… noch aus der Nähe gut aus.
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Fotos (2) von Claudius Meyer

27.09.18 Gute Nachricht

Die Besatzung der AMPHRITITE hat die Kollision mit der Brücke "Christian X." in Sonderburg unbeschadet überstanden. Anders der alte Schoner. Er wird auf der Werft repariert. 

Vor zwei Tagen berichteten wir von AMPHRITITE und ihrem Missgeschick an der Sonderburger Brücke. Heute bekamen wir folgende Nachricht:

"Bei der Haverie der Amphritite in Sonderburg ist niemand zu Schaden gekommen. Alle 20 Schüler des Erdkunde Leistungskurs aus dem Gymnasiums im Schloss aus Wolfenbüttel sind wohlauf und zum Glück nur mit dem Schrecken davon gekommen. Es ist niemand verletzt. Wir haben am gleichen Tag noch die Überfahrt nach Svendborg in die Werft angetreten - allerdings nur mit Motor und ohne Segel. Der komplette Kurs freut sich bereits auf den zweiten Segeltörn, der hoffentlich im Juni auf dem gleichen Schiff stattfinden kann.
Viele Grüße vom betreuenden Lehrer."
Wir freuen uns über die gute Nachricht und wünschen den jungen Seglern, dass jetzt auch  kein Aufsatz mit dem Thema "Mein aufregendstes Segelerlebnis" als endgültiges Ende des Schreckens fällig wird. 

27.09.18 Auf und nieder

In Flensburg gibt es praktisch keine Gezeiten. Trotzdem schwankt der Wasserstand beträchtlich. Während der Wasserstand in den letzten Tagen immer wieder kräftig sank - in der letzten Nacht um mehr als einen Meter - stieg er heute noch kräftiger an. Die Kette der Tiefdruckgebiete lässt die Ostsee schaukeln. 


Am Nachmittag 16:00 Uhr hat der Pegelstand seinen höchsten Punkt bereits
überschritten. An der Steinschüttung der Museumswerft ist das Maximum
gut zu erkennen.
Der als "Seiche" bekannte Effekt treibt das Wasser der Ostsee hauptsächlich von West nach Ost und danach wieder von Ost nach West, ähnlich dem Wasser, wenn es in einer flachen Schale schwappt. Heute bekamen wir deshalb wieder einmal einen höheren Wasserstand im Flensburger Hafen. Dafür wird es heute irgendwo weiter im Osten einen tieferen Wasserstand geben. Motor dieser Schwankungen ist vermutlich immer noch die andauernde Westwindlage mit ihren auf- und abschwellenden westlichen Winden. Der Rest ist Schwingung der trägen Wassermassen. Diese Bewegungen lassen sich nicht genau vorhersagen, das Ostseebecken ist dafür zu komplex geformt und auch die Windverhältnisse sind über der Ostsee zu unterschiedlich.

Vor fünf Tagen war der Wasserstand schon einmal um einen Meter gesunken und wir vermuteten, dass er jetzt im Herbst öfter stark schwanken wird. Heute konnten wir einen "Tidenhub" (so würde man die Schwankung als Folge der Gezeiten an der Westküste nennen) von 1,50 Metern beobachten. Und das in nur 12 Stunden. Dass der tiefste Pegelstand heute auch wieder um Mitternacht erreicht wurde, ist vermutlich Zufall.

Pegelstände der letzten beiden Tage
Abb: Pegelonline
https://www.pegelonline.wsv.de/gast/stammdaten?pegelnr=9610010

25.09.18 Brückentag für AMPHRITITE

Vor vier Tagen lag die 131 Jahre alts Schoneryacht AMPHRITITE in Flensburg an der Stadtpier. Heute erreicht uns der Bericht über eine Havarie in Sonderburg.

Foto: Facebook Henrik Cornelius



Der "Nordschleswiger"  berichtet in seiner heutigen Ausgabe:

"Am Dienstag hat die kräftige Strömung im Sonderburger Hafenbecken um kurz vor acht Uhr dem Kapitän des Dreimasters „Amfritite” einen Strich durch die Rechnung gemacht. Das große Segelschiff rammte die Christian X. Brücke und diese war anschließend mehrere Stunden lang gesperrt.

Der Dreimaster musste vom Lotsenboot Balder und einem Fischkutter freigezogen werden. Die Strömung macht den Seeleuten nicht zum ersten Mal zu schaffen. Vor einigen Jahren landete auch die „Georg Stage” in der Brücke, erklärt der Hafenmeister Finn Hansen. Die Mannschaft der Amfridite kann sich auf eine Rechnung für die Rettungsaktion gefasst machen."
(Ilse Jacobsen)
AMPHRITITE ist häufig Gast im Flensburger Hafen, oft gemeinsam mit dem Toppsegelschoner ALBATROS. Beide sind Schiffe des Vereins CLIPPER DJS e.V. Wir wünschen dem Schiff und seiner Besatzung, dass bei der Kollision niemand zu Schaden kam. 

AMPHRITITE (vo.) gemeinsam mit ALBATROS am 21. September 2018 an der Schiffbrücke in Flensburg