07.08.18 Erfrischender Ausflug

Der Spuk ist vorbei, aber der Wind immer noch gut für eine rasche Fahrt. 

War das Wetter am Samstag heiter bis wolkig, kommt es am Sonntag schon herbstlich-heftig daher. Schon kurz nach dem Ablegen fallen erste feine Regenschauer auf die noch friedliche Förde. Die Vorhersage von Westwind mit vier Beaufort ist nicht wirklich erschreckend und die weiterhin "niedrige" Temperatur entschädigt für die lange lastende Hitze der letzten Wochen. Die Vorhersage hat jedoch auch Böen um sieben Beaufort versprochen. Sieben ist für uns die Grenze zwischen Vollzeug und einem Reff im Groß - bei halbem Wind. Und den sollten wir ja bekommen, laut Vorhersage. Wie so oft denken wir uns ein Reff kann man ja eigentlich immer stecken und segeln mit Vollzeug los. Nach und nach legt der Wind zu, aus den moderaten vier werden frische fünf und die Böen wollten sich bald auch nicht mehr mit sechs Beaufort begügen. Sie legten einfach nochmal nach. Wir freuen uns, dass die Ketsch immer noch ihre 1:1 Regel einhält. Sie sagt, dass sie bei halbem Wind ihre Geschwindigkeit mit jedem Schritt auf der Beaufort-Skala um einen Knoten steigert.
Wir machen bald über sechs Knoten über Grund. Die ursprüngliche Idee, Holnis zu runden geben wir schon bei Kollund auf. Der kleine Ausflug vom Vortag hatte uns daran erinnert, dass die Windgeschwindigkeit in der gewundenen Enge mit den hohen Ufern immer nochmal zulegt. Und das Goßsegel war ja immer noch nicht gerefft.
Wer auf der Inneren Förde bei Westwind unterwegs ist weiß, Richtung Nord segelnd kommt der Wind raumschots. Zurück muss aber maximale Höhe gesegelt werden. Sonst nimmt das Kreuzen kein Ende. Hoch am Wind segeln läßt das Boot auch stärker krängen, zumal dann, wenn der Wind wieder einmal bockig und schralend daherkommt. Dann ziehen wir auf der Kreuz vor zu halsen, anstatt zu wenden. Mit den Halsen ist das so: Wenn's klappt ist das sehr befriedigend, wenn nicht, hat man was zu diskutieren. Fazit: Besser, es klappt. Heute klappt es mit Hartruder ganz hervorragend. Wir haben mehr Zeit, die Vorsegelschoten dicht zu holen als in der Wende. Denn wir sind darauf angewiesen, dass sie im Manöver ganz dicht belegt werden und ohne Winschen können wir sie anschließend nicht nachsetzen.
Mittlerweile wir sind auf der Fahrt von der "Chaussee" zurück zum Flensburger Hafen. Als wir der Meierwik nahe kommen, ist aus der Wolkendecke eine dunkelgraue Schicht geworden. Über Flensburg gehen dichte Regenschauer nieder. Der Wind hat noch einmal zugelegt, die Wasserslebener Bucht und das Fördeufer bei Kollund ist jetzt einfach weg, wird von Regenschleiern verhüllt. Wir sind jetzt dicht unterm Ostufer. Hier soll uns die Böe nicht treffen. Also halsen wir für einen Holeschlag, jetzt auf Steuerbordbug, weichen ein paar Yachten aus, die  mit rauschender Bugwelle nach Süden streben. Mittlerweile zeigt die Logge beständig über sechs Knoten. Kurze Absprache: Wenn der Wind das nächste mal etwas nachlässt, kommt die nächste Halse. Stattdessen aber kommt die Schauerböe. Sie hat es in sich. Die Ochseninseln, eben noch sichtbar, sind einfach weggewischt, Der Winddruck presst das Seitendeck unter Wasser in der Böe dreht der Wind nach rechts und anstelle der Halse ist jetzt "ablaufen" angesagt. Besanschot freigeben, Großschot ebenso. Der Regen prasselt wie aus einem Wasserwerfer und schleudert vom Unterliek der Segel in breiten Bahnen nach Lee. Sicht nahe bei null. Zum Glück sind nur wenige Boote unterwegs. Unsere Geschwindigkeit nimmt weiter zu. Doch der neue Kurs macht beim Ablaufen alles zunichte, was wir uns vorher mit kreuzen und Höhe knüppeln erkämpft hatten.
So schnell wie die Böe über uns herfiel, so schnell ist sie auch weitergezogen. Wir hatten nicht einmal Zeit, eine Regenjacke über zu ziehen. Glücklicherweise ist der Wind immer noch warm und zuviel Seife ist sowieso schlecht für die Haut. Wie sehen uns strahlend an, lachen. Gut gemacht. Und gut zu wissen, das wir das immer noch können. Der Wind lässt nach und auch unsere Geschwindigkeit. Was solls? Wir hatten ja unseren Spaß!
Im Hafen weht nur noch ein laues Lüftchen.

P.S. Das Video entstand auf dem Rückweg. In der Böe kamen wir nicht zum filmen.

06.08.18 Karibischer Samstag


Passend zum karibischen Sommerwetter veranstaltet das Schifffahrtsmuseum Flensburg am kommenden Samstag ein exklusives Programm: 

Afro-Karibisches Hoffest
11. August 2018 11 – 17 Uhr


Den kulturellen Reichtum Afrikas und der Karibik entdecken. Geboten werden mitreißende Musik- und Tanzdarbietungen, Trommelworkshops, Köstlichkeiten aus Afrika sowie Rum-Spezialitäten.

Den Gute-Laune Auftakt gestalten Papa Boye & The Relatives. Wirklich entziehen kann sich niemand, wenn Bandleader Papa Boye und seine Musiker ihren außergewöhnlichen Mix präsentieren: angefangen vom Calypso über Reggae und Afro-Beats bis hin zu High Life, Pop und R&B.Bouba Fall ist Djembe- und Tanzmeister aus dem Senegal. Gemeinsam mit seinen Freunden kombinieren Bouba & Friends westafrikanische Rhythmen mit Gesang und Tanz. 
Karibisches Flair wird dagegen die Latin Dance Academy aus Hamburg mit einer professionellen Vorführung der Salsa Cubana in den Hof des Schifffahrtsmuseums bringen. Der offizielle europäische Partner des cubanischen Fernsehballetts ist weltweit die größte Dance Academy für kubanische Tänze.

Es wird ein Fest für alle Sinne: zwei ausgewiesene Rum-Experten teilen ihr Wissen mit den Besuchern. Andreas Lackner, Kapitän der TRES HOMBRES, segelt prämierten Barbados-Rum emissionsfrei nach Europa und wird über dieses Abenteuer berichten. Und mit Dirk Becker, Veranstalter von Deutschlands größter Rum-Messe, dem Berliner RUM FESTIVAL, haben wir den Rumfachmann par excellence im Flensburger Schifffahrtsmuseum zu Gast. Er wird erlesene Sorten im Gepäck haben!

Ein informatives Rahmenprogramm rundet die Veranstaltung ab. Die Besucher erhalten auf den Museumsrundgängen Informationen zur Flensburger Kolonialgeschichte und der Deutsch – Ghanaische Entwicklungshilfeverein e.V. stellt seine aktuellen Projekte vor. Ein Tag der interkulturellen Begegnung!

Life on stage:
Papa Boye & The Relatives
Bouba & Friends
Latin Dance Academy, Hamburg u. Flensburg

In Kooperation mit der Flensburger Hofkultur e.V..
Museums-Eintritt: 6,- Euro, Kinder unter 18 Jahren frei

Die Eintrittskarte für das Hofkultur-Konzert mit Papa Boye & The Relatives am 11. August um 20.30 Uhr berechtigt bereits tagsüber zum Besuch des Hoffestes.

04.08.18 Schiffe raten

Was ist das für ein Sommer, wenn man einen Tag als "frisch" empfindet, während das  Thermometer 24 Grad anzeigt! Lag es am Wind, der heute etwas frischer wehte oder lag es an den zurück liegenden Wochen in denen hohe Temperatur und Flaute meist im Doppelpack geliefert wurden? Egal wie. Heute segeln oder nie. Vorhersage drei Beaufort Windstärke, in Böen sechs aus Nordwest. Erstaunlich nur, dass an einem Samstag (!) mit handigem Wind so wenige Segelboote die Gelegenheit zu einem Ausflug nutzten. Es waren darunter auch einige, die uns besonders auffielen:


BONITO kommt uns entgegen
SPHINX läuft uns davon







Die Tjalk aus Holland verbirgt ihren Namen
LEA von ALTONA segelt vorbei








... als dieses Boot.


CATARINA ALT 287  kennen wir schon länger...



Kinder erraten auf langen Reisen gerne aus den Kennzeichen woher Autos kommen und sind sehr zufrieden, wenn es ihnen gelingt. Art und Größe moderner Segelboote kann man oft aus den Segelzeichen der Boote erkennen. Das ist auch bei manchen klassischen Jachten möglich. Wer kennt nicht die unterstrichene 12 der 12-Meter Klasse? Schwieriger ist es bei Traditionsschiffen. Sie geizen mit derart hilfreichen Hinweisen. Aber wer sich ein wenig damit beschäftigt, kann schon nach kurzer Zeit den Schiffstyp einigermaßen genau benennen. Das Internet liefert hierfür oftmals gute Hinweise. Machen wir mal die Probe aufs Exempel:

BONITO
Der Schoner mit dem großen Fisherman-Segel zwischen den Masten gibt uns gleich eine härtere Nuss zu knacken. Das segelnde Schmuckstück ist einem Bericht der Zeitschrift Yacht zufolge von seinem Eigner nicht nur selber gebaut worden, er zeichnete auch die Pläne für den Bau selber. Gratulation! Es steht uns nicht zu, das Ergebnis zu werten, aber haben den schmucken Schoner gerne mit den Blicken verfolgt. Und denken uns: Das ist eine tolle Leistung. Auf den ersten Blick erinnert die Yacht an einen Entwurf des amerikanischen Designers John Alden, der mit seiner MALABAR II bei dem Entwurf Pate gestanden haben könnte. 

SPHINX Die Rennyacht aus dem Jahr 1939 ist die letzte aus der Feder von Henry Rasmussen. Ihre Geschichte ist in der Homepage nachzulesen. SPHINX ist häufig auf der Förde unterwegs. Die 12 im Großsegel signalisiert: Ich gehöre zum Klub der Yachten, die nach der 12 Meter Formel entworfen wurden. Dies und der dunkelblaue Rumpf sind zwar nicht wirklich eindeutig, an Tagen ohne Klassiker-Regatten auf der Inneren Förde aber ziemlich. Zur Not hilft ein Blick auf den Spiegel.

LEA von ALTONA

Erstaunlich, aber die Namensgebung mit einem adligen "von" findet man heute hauptsächlich bei Traditionsschiffen. Ob das historisch begründet ist oder regional? Da müsste man mal nachsehen. Der Historische Hafen Flensburg gibt erst einmal Auskunft über das Boot. Wir wissen nicht, wo es festgemacht hat. Jedenfalls nicht am Bohlwerk. Denn bei unserer Rückkehr war dort von LEA nichts zu sehen.

Unbekannte Tjalk*)
Man kann nicht alles wissen. Das Schiff segelte unter Holländischer Flagge. Doch wir wissen nicht wohin. Auch bei den Ochseninseln haben wir sie nicht gesehen, dabei gibt es dort gute Ankerplätze für Plattbodenschiffe.

CATARINA ALT 287
Der Elbewer ist im Sommer erfreulicherweise häufiger Gast am Bohlwerk. Einer der letzten einer ehemals großen Flotte von Ewern der Elbe, der weitgehend original in Fahrt erhalten geblieben ist und nach Auskunft seiner Internetseite der letzte aus Holz. Was also das Raten betrifft: für uns eine ziemliche Enttäuschung. Aber was das Ansehen betrifft, eine große Freude. Mit ihren harmonischen Proportionen und dem kraftvoll geschwungenen Rumpf. Gut, dass es noch solche Schiffe gibt!

Über das Boot auf dem letzten Bild und seinen Namen brauchen wir uns nicht den Kopf zerbrechen. Wie LEA ist es ein Nachbau, allerdings einer Kreuzeryacht aus dem Jahr 1902.  

*) Manchmal hilft der Zufall. Am 06. August, zwei Tage nach unserer Begegnung, macht die unbekannte Tjalk an der Schiffbrücke fest. Nun kennen wir ihren Namen: WATERGEUS aus Meppel und sie ist eine "Friese Paviljoentjalk", gebaut 1902. Die Informationstafel erzählt, dass sie zum maritimen Erbe Hollands gehört.
Eine Pavillontjalk ist ein Plattbodenschiff, wie man leicht an den Seitenschwertern erkennt. Sie unterscheidet sich von anderen Tjalken durch das erhöhte Heck, auf dem der Rudergänger die lange Pinne bedient. Unter dem Pavillondeck ist Platz für die Mannschaft oder Gerätschaften, Vorräte und was sonst noch auf einer Tjalk außer der Last mitgeführt wird. Tjalken zählten zu den häufigsten Arbeitsschiffen in den Flachwassergebieten Hollands. Trotz ihres eckig wirkenden Rumpfes sind sie gute und schnelle Segler. 

03.08.18 Ende in Sicht

Die Liebe zur maritimen Historie geht kuriose Wege. Die Häfen der Küste waren einst voller Hunderter kleiner und mittelgroßer Segelschiffe mit kleinen, alltäglichen Aufgaben. Wenige nur haben überlebt, die aber dank fachkundiger privater Eigner. Sie zu unterstützen wäre eine lohnende öffentliche Aufgabe. Statt dessen gilt die Aufmerksamkeit - und damit auch Förderung - wenigen, wenngleich spektakulären, Ausnahmen: Blauwasserseglern, Expeditionsschiffen, Yachten bekannter Personen. Doch die Auszeichnung einzelner Schiffe verfälscht das historische Bild der Häfen. 

Während auf der Museumswerft eine Tafel über Geschichte und das Restaurationsprojekt FEUERLAND informiert, geht die Arbeit an dem historischen Rumpf weiter voran. Das Schiff hat eine interessante Geschichte, ist in der Denkmalliste des Landes eingetragen und engagierte Eigner kümmern sich um das "Fundraising".  So weit, so gut.

OLINE mit Lecksegel
Ein paar dutzend Meter weiter steht die Quatze OLINE auf dem großen Slipwagen. Sie ist mit ihren 140 Jahren eines der ältesten hölzernen segelnden Berufsfahrzeuge der Ostsee. Doch bald muss man wohl sagen, dass sie es war.
"Wenn bis Herbst kein Retter kommt, geht sie in den Container", sagt ihr Eigner mit einem traurigen Lächeln. Dabei nagelt er Leisten auf die weißen Planen, die sein Schiff vor dem Absaufen schützen sollen. Sie könnten ihr Leichentuch werden. Der Rumpf ist undicht, Planken müssen getauscht werden. Das übersteigt seine Möglichkeiten. Nun geht der Historische Segler notdürftig mit Lecksegel wieder zu Wasser. Vielleicht zum letzten mal. Nach den zahlreichen Schiffen, über deren Ende wir seit Erscheinen der HAFENMELDUNGEN berichten mussten, ist es jetzt wohl an ihr, abgewrackt zu werden. Sie wird nicht die letzte sein. Allein auf dem Areal der Museumswerft dämmert gleich nebenan der Kutter HARRY seit Jahren an Land in Agonie. Zwischen den Pontons dümpelt der leere Rumpf der LILLE BJÖRN. Gleich neben der Slipbahn wiegt sich die VIER GEBRÜDER im Langzeitschlaf. Das Arbeitsschiff WILHELMSHAFEN hat schon seit Jahren keine liebevoll pflegende Hand gespürt und den Zustand der roten  MARIE kann man auch mit freundlichen Worten bestenfalls "scheintot" nennen.

Besucher des Bohlwerks sagen spontan, dass sie die alten Segelschiffe gerne sehen. Die meisten möchten mehr von ihrer Geschichte und einstige Aufgabe erfahren. Dennoch geht ein Zeugnis der maritimen Vergangenheit nach dem anderen zugrunde, weil jeder Eigner für sich alleine Geld und (viel) Zeit aufbringen muss, um kulturelles Gut zu erhalten. So werden sich die Museumshäfen nach und nach entleeren.

An die Stelle der Originale treten schon heute Fantasieschiffe, und Eventlocations an die Stelle maritime Erinnerungsorte. Doch stimmen die Besucherzahlen, werden nur Wenige die alten Schiffe mit ihrer Geschichte wirklich vermissen.

02.08.18 Volkes Stimme

Der Museumshafen nimmt sein Hausrecht wahr und bestimmt, wann die Öffentlichkeit Zugang zu den Liegeplätzen bekommt. Das ist weiterhin zu jeder Tageszeit gegeben und nachts eben nicht mehr.  
Erste Reaktionen auf die nächtliche Sperrung des Bohlwerks.

Wer sich beim Zeitunglesen über eine Leserzuschrift ärgert, ist selbst schuld. Also ganz ruhig bleiben, ist ja nur die Meinung eines Einzelnen, der sich da meldet. Der Schreiber des nachfolgend zitierten Leserbriefs bezieht sich auf den Artikel des Flensburger Tageblatts vom 3. Juli mit dem Titel "Bohlwerk wird zum Bollwerk". Er wird mit seiner Meinung am 2. August im Lokalteil wie folgt wiedergegeben:
Schiffseigner in der Pflicht
Da wird an der sogenannten Historischen Werft ein "bauliche Gesamtpaket" bestehend aus unhistorischem Tor und "Torhäuschen" installiert und ein öffentlicher Gehweg einfach abgesperrt. Der Eigentümer des Gehwegs, die städtische Hafen-GmbH, wurde "nicht beteiligt".
Müssten nicht die Eigentümer der Schiffe, die vermutlich kostenlos dort festmachen dürfen, selbst für den Schutz der Schiffe aufkommen? Bilden sie eine "internationale Marina"?
Der alternative Gang "landseitig" an der Museumswerft ist ja nicht so attraktiv. Es erweckt den Eindruck, dass jeder Stakeholder an der Hafenkante seinen "Stake" (Anteil) erweitern und festigen möchte. Und die Stadt schaut zu. Und woher kommen denn nun die 70000 Euro - von der EU? Fraglich ist auch, ob die These, es sei Hausfriedensbruch, wenn dort nun öffentliches Wegerecht wahrgenommen wird, vor einem ordentlichen Gericht Stand hält." 
Eines ist klar: der Schreiber lehnt die Sperrung ab. Vielleicht hat er bereits Antwort auf seine Fragen bekommen. Ansonsten helfen wir ihm gerne weiter in der Hoffnung, dass seine Ablehnung dadurch ein wenig abnimmt.

Der neue alte Historische Krahn, Wahrzeichen Flensburgs
am Hafen. Wer ihn sieht, weiss, wo er ist.
Nein, die Eigner der Schiffe liegen nicht umsonst am Bohlwerk. Sie zahlen seit Anbeginn im Rahmen eines Pacht- und Nutzungsvertrages sowohl für das Bohlwerk, als auch für die Wasserfläche bis zu den äußeren Dalben. Nicht zu erwähnen die übrigen Leistungen der Vereinsmitglieder. Unter anderem haben sie das Flensburger Wahrzeichen am Hafen wieder hergestellt - wenn auch mit Hilfe tatkräftiger privater Unterstützer. Eine mittlere fünfstellige Summe musste dafür beschafft werden.
Dafür wird ihnen eine Sondernutzung des Bohlwerks als Vereinsfläche eingeräumt. Mit anderen Worten: Sie haben das Recht ihre Schiffe festzumachen, zu betreten, zu verlassen, zum Schiffserhalt und -Betrieb notwendige Lasten und Geräte zu transportieren, Veranstaltungen durchzuführen und sogar den freien öffentlichen Personenverkehr einzuschränken um den Vereinszweck zu erfüllen.

Nicht vereinbart wurde, dass sie im Gegenzug Übergriffe mancher Besucher jederzeit hinnehmen müssen ohne sich dagegen wehren zu können. Denn die, von denen hier die Rede ist lassen sich, weil meist stockbetrunken und nach Rauschgiftkonsum agressiv, nicht durch wohlmeinende Worte überzeugen.
Die Polizei kann der schlaflose Eigner nachts auch erst dann rufen, wenn der Schaden eingetreten ist, also zum Beispiel wenn die Fender schon ins Wasser geworfen wurden, wie in dem Artikel der Zeitung beschrieben. Einige sehenswerte Schiffe haben sich gegen den Museumshafen als Liegeplatz entschieden, wegen solcher Zustände.
Im Übrigen hat auch die Stadt ein Interesse an der Rückkehr zu zivilisierten Verhältnissen: Die öffentlich zugänglichen Rettungsringe wurden immer wieder entwendet oder ins Wasser geworfen, Schlägereien, Müllbeseitigung und Sachbeschädigung am Bohlwerk gehen schließlich auch zu ihren Lasten. Da macht es keinen Unterschied, wem die Verwaltung dieser Vorgänge nun übertrage wurde. Letztlich war die Kommune betroffen. Und jetzt also der Historische Hafen.
Hätte sich der Schreiber des Leserbriefs wirklich über die Zusammehänge sachkundig machen wollen, wäre es leicht möglich gewesen. Ein Gespräch mit dem Geschäftsführer  der Historischer Hafen gGmbH hätte ihm erspart, einen Leserbrief zu schreiben. Und wir hätten uns nicht beinahe darüber geärgert. Aber vielleicht musste er einfach mal seinen Kropf leeren. Wir wünschen ihm, dass er sich jetzt besser fühlt.

"Ich  bin für eine offene Gesellschaft und finde Tore eigentlich doof", wird die Vorsitzende des Museumshafens zitiert und:  "So eine Maßnahme trifft ja leider immer alle". Da stimmen wir ihr zu.
Die Erfahrung aus einer Woche mit beschränktem Zugang während der Nacht zeigt:
Die nächtlichen Vorkommnisse sind mit geschlossenen Toren weniger geworden.

Es gibt weitere Baustellen zum Thema Sicherheit und Verträglichkeit auf dem Bohlwerk. Sie betreffen rücksichtslose Radfahrer, rüpelnde "Besatzer" der Stichstege, uneinsichtige Angler und Bootsfahrer, die meinen der Museumshafen sei Allgemeingut. Aber immer Eins nach dem Anderen. Es muss ja nicht weitere zehn Jahre dauern, bis auch das erledigt ist.