07.03.14 Die Geschichte der UNDINE (3)

Falls jemand Interesse hat, mehr über die Geschichte vor und nach der Stationierung des Kleinen Kreuzers UNDINE in Sønderborg zu erfahren, können zwei Funde aus dem Internet weiterhelfen.
"Der Standort Flensburg begann seine militärische Geschichtsschreibung im Jahre 1661 mit der Stationierung von Truppen der Herzogtümer aus Schleswig und Holstein, dann der dänischen Marine und ab 1867 den Einheiten des preußischen Heeres. Als Marinestandort trat die Stadt mit der in Dokumenten zunächst lediglich als Funkschule bezeichneten Ausbildungseinrichtung in die Marinegeschichte ein. In einem Schreiben des Staatssekretärs des Reichs-Marineamtes vom 21. Mai 1901 wurde erstmals Flensburg-Mürwik als "... für die Durchführung von Funken-Telegrafie-Kursen in Aussicht genommene Ausbildungsstätte ..." erwähnt.

Die Funkentelegrafie- und die Offiziersschule der Marine legten den Grundstein zur städtischen Entwicklung in Mürwik, da zuvor nur Wald und landwirtschaftliche Äcker das Bild der Landschaft prägten. Wie Wilhelmshaven, Kiel, Sonderburg oder viele andere Städte an der Küste, hatten auch in Flensburg die Marineeinrichtungen viel Anteil an der Wirtschaftskraft. Der Stadtteil Mürwik wurde beispielsweise durch die Funken-Telegrafieschule, die Torpedoschule und die Marineschule erst begründet. Neben dem Parkhotel mit seinem schönen Park, einem unweit entfernten Bauernhaus und einer am Strand befindlichen Gaststätte war das umliegende Gelände Ackerland.

Nachdem die Torpedo-, die Funken-Telegrafie-, und die Artillerieschule ihren Betrieb aufgenommen hatten, wurde auch die Marineschule zur Ausbildung der Seeoffiziere von Kaiser Wilhelm II. 1910 feierlich eröffnet (heutige Marineschule Mürwik, Baubeginn 1906). 1910 wurden per Gesetz am 1. Oktober 1910 die Gemeinden Engelsby, Fruerlund, Twedt und Twedter Holz nach Flensburg eingemeindet und dabei der Ausbau einer Straße von Flensburg nach Mürwik und die Verlegung einer Straßenbahn bei Twedter Holz verfügt. Die Schulen hatten mit der Kaiser-Wilhelmstraße (heutige Mürwiker Straße) nun auch eine feste Anbindung zur Stadt."

(Von "Marineschule" aus Facebook als Auszug übernommen)

Die Erinnerung an den Kleinen Kreuzer UNDINE wird auch im Museum Sonderjylland gepflegt. Sehenswert ist ein Video, das sich mit der Zeit befasst, als die Schiffsartillerieschule der Kaiserlichen Marine in Sonderburg stationiert war:



Dieser Film wird in Youtube mit folgender Beschreibung vorgestellt: 

"Am 6. April 1907 wurde die Schiffsartillerieschule Sonderburg (die heutige Sønderborg Kaserne) eingeweiht. Die Marineschulen waren Ausbildungsstätten für Schiffsartilleristen und Teil der gewaltigen deutschen Aufrüstung der Marine seit 1898. Die Aufrüstung brachte Deutschland auf Kollosionskurs (mit) Großbritannien ... (und seinen) Allianzen mit seinen traditionellen Feinden Frankreich und Russland. Damit war die Bühne für den Ersten Weltkrieg gesetzt.
Zur Marineschule gehörten viele Kriegsschiffe, unter anderem: SMS Prinz Heinrich, SMS Prinz Adalbert, SMS Schwaben, SMS Undine, SMS Stuttgart, SMS Augsburg, SMS Wettin, SMS Mars, SMS Drache, SMS Delphin und SMS Fuchs. SMS ADALBERT und SMS UNDINE sanken 1915 in der Ostsee."
(Den Film hat der Kurator des Museum Sønderjylland - Sønderborg Slot, René Rasmussen erstellt. Übersetzung aus dem dänischen und Links von HAFENBLATT)

Bleibt zum Schluß die Frage, was aus dem Schiff geworden ist.
UNDINE wurde am 7. November 1915 bei einer Sicherungsfahrt für die Fähre PREUSSEN auf der Strecke zwischen Stubbenkammer und Trelleborg von einem englischen U-Boot versenkt. Dabei kamen sechs Seeleute ums Leben, fünf wurden verwundet und acht wurden anschließend vermisst.
Das Schiff geriet danach in Vergessenheit. Erst 84 Jahre später, im Jahr 1999, wurde sein Wrack bei einem Manöver der Schwedischen Marine per Zufall entdeckt.

Im Mai 2003 wurde eine deutsche Suchexpedition gestartet um Einzelheiten über das Wrack und seinen Untergang zu erforschen. Soweit bekannt, ist das Projekt bis heute nicht abgeschlossen. Wer darüber mehr erfahren möchte, kann es hier erfahren.

22.06.14 Traditionswochen adé

"Eines steht jetzt schon fest: 2014 wird für das maritime Flensburg ein extrem maritimes Jahr", schrieb das Flensburger Tageblatt in einer Ausgabe von Anfang Juni. Das Adjektiv "maritim" wird, so WIKIPEDIA, "insbesondere dann angewendet, wenn es um Nutzungen des Meeres durch den Menschen oder eine auf den Menschen bezogene Sichtweise geht."
In Flensburg entsteht der Nutzen durch eine Reihe von Veranstaltungen im Hafen und auf der Förde. Sie beschäftigen außer den Organisatoren fliegende Händler, Gastwirte, das Transportgewerbe und die Hotellerie, samt deren Kundschaft von nah und fern. Kurz gesagt: Maritime Veranstaltungen fördern Flensburgs Tourismus.

Die Saison begann auch in diesem Jahr mit der Rum-Regatta, dann folgten weitere "events", wie man heutzutage sagt. Diese wurden erstmalig unter dem Oberbegriff "Traditionswochen" zusammengefasst, die gestern endeten. 



Ausrichter sind bekannte Größen unter den Hütern traditioneller Schifffahrt, wie Robbe&Berking, der Museumshafen Flensburg e.V., die Klassischen Yachten Flensburg e.V., die Fördervereine der GESINE und des Salondampfers ALEXANDRA und, last but not least, der Historische Hafen Flensburg gGmbH, um nur einige zu nennen.

In diesem Jahr kamen zwei Veranstaltungen einmalig nach Flensburg. Die dänische Traeskibssammenslutningen (wörtlich: Holzschiffsvereinigung) hielt sein Jahrestreffen in Flensburg ab, dem ehemals zweitgrößten Hafen im dänischen Königreich. Zu dieser Gelegenheit kamen viele alte Segel- und Motorschiffe, die meisten in hervorragend gepflegtem originalen Zustand.
Einige kommen nur selten nach Flensburg, andere waren noch nie hier.
Aufgefallen ist die sehr ruhige Art der Zusammenkunft bei diesem Treffen. Die
Gäste saßen auf Bänken an Tischen auf dem Bohlwerk, aßen und tranken eigene Speisen und Getränke. Selbst die Musik war selbst gemacht. Es wurde gesungen und von Bord waren Schifferklavier und andere Instrumente zu hören. Wollte man die Rum-Regatta "leise" nennen, wäre hier der Begriff "ruhig" angebracht.Es war, und das kann man nur auf dänisch benennen, einfach "hyggelig".

Das diesjährige Treffen der EMH (European Maritime Heritage) in Flensburg ist in der öffentlichen Wahrnehmung leider nahezu komplett untergegangen. Sie ist eine europäische gemeinnützige Organisation und vertritt die Interessen privater Eigner traditioneller Schiffe, maritimer Museen und anderer interessierter Gruppen, insbesondere gegenüber der Europäischen Union. Die EHM gibt es seit 20 Jahren. Sie hat die sogenannte Barcelona Charter entwickelt. Diese legt seit 2002 europaweit Prinzipien fest, nach denen historische Wasserfahrzeuge erhalten und wiederhergestellt werden. Der Titel der diesjährigen Konferenz lautete “Maritime culture across frontiers” ("Grenzüberschreitende maritime Kultur").  
Hochkarätige Vertreter von Museen, schiffsbetreibenden Vereinen, von Verbänden und aus der Wissenschaft in ganz Europa berichteten über ihre Projekte und Erfahrungen und diskutierten darüber, wie das maritime Kulturerbe in ihrem jeweiligen Bereich gesichert, entwickelt und an die Jugend weitergegeben wird. Auch die russische SHTANDART wurde im Rahmen eines solchen Projektes gebaut. Der Nachbau der Fregatte ist ein vollständig privates Projekt, für Russland eine Pionierleistung. Sie war während des Treffens Gast in Flensburg.

Einmalig ist auch, das steht zu hoffen, die Rückkehr des Schleppers FLENSBURG in seine frühere Wirkungsstätte. 

In den folgenden Jahren werden weniger Veranstaltungstermine so dicht zusammenfallen wie jetzt. Ob es dann noch einmal "Traditionswochen" geben wird, ist daher ungewiss.
Wegen der Werbung für die neuen "Traditionswochen" gab es in diesem Jahr erstmals keine eigenständige Ankündigung der Rum-Regatta und der Classic Week. Wer darüber trauert, kann sich damit trösten, dass die Tradition der Rum-Regatta Plakate mit dem Ableben der Traditionswochen wieder aufleben wird.

06.03.14 Sonntag am Hafen

Am Sonntag soll - glaubt man den Wetterfröschen - das Wetter frühlingshaft warm werden.
Dennoch wird nicht jeder den Tag am Strand oder sonst wo an der frischen Luft verbringen können oder wollen. Da trifft es sich gut, dass auch die Hafenmeile mit zwei Angeboten aufwarten kann:
Zum einen ist am Sonntag erstmals wieder Fischmarkt auf der Schiffbrücke. Der wird immer wieder gerne besucht. Von den Gartenfreunden wegen der Blumen, von den Seglern und Bastlern wegen der günstigen Leinen- und Tauwerksreste, und wegen vieler Angebote mehr. Außerdem trifft man sich und kann miteinander schnacken.


Kartonmodellbau begeistert Jung und ...
Zum anderen wegen einer Veranstaltung im Flensburger Schifffahrtsmuseum, genannt Tag des Kartonmodellbaus, und während die Herren der Schöpfung auf dem Fischmarkt schicke Gürtel oder Pullis aussuchen, können die Damen der Schöpfung mit oder ohne ihre Kinder sich ihrer eigenen Leidenschaft widmen: dem Modellbauen aus Papier und Karton. Oder war das andersherum? Jedenfalls hat die Art realitätsnahe Modelle - nicht nur von Schiffen! - zu bauen eine über 500-jährige Tradition. Beim Tag des Kartonmodellbaus im Schifffahrtsmuseum präsentiert die Arbeitsgruppe Kartonmodellbau zwischen den Meeren die Vielfalt des Kartonbaus.

Geboten wird:
... Alt - hier mit einem ungewöhnlichen Ergebnis
  • eine Große Modellschau
  • Bastel-Vorführungen
  • Offene Workshops für Kinder und Erwachsene
  • Präsentation und Verkaufsstände verschiedener Verlage





  • Einzelheiten zum Tag des Kartonmodellbaus sind in der Terminübersicht zu finden.
     
     

03.03.14 Happy Days

Sonntag Mittag auf dem Bohlwerk. Morgens lag noch Nebel über dem Hafen. Nun dringt die Sonne hin und wieder durch den Dunst. Der Wind ist noch sehr kalt. Aber vor Bens Bude verzehren schon ein paar Unerschrockene ihr Brötchen.
Musikfetzen kommen von der Südplattform.
Fotograf knipst Rhönradturnerinnen. Später fällt er ins Wasser.
Dort sind auch ein paar Leute versammelt. Diesmal ist es keine Gruppe die mit dem Stadtführer den Hafen entdecken. Musik schallt aus einem Recorder. Mädchen tanzen dazu und - was ist das? - ein Rönrad holpert langsam über die ausgewaschenen Bohlen. Das sieht man hier auch nicht alle Tage. Einige Fotografen versuchen mit langen Objektiven möglichst spannende Bilder zu schießen: Die Presse ist also auch da. Wir erfahren, dass es hier um die Happy Days, ein "Riesenprojekt" geht. Menschen in aller Welt sollen nach derselben Musik tanzen. Die ist von Pharell Williams (nie gehört) und soll alle happy machen In Youtube sei das ein echter Hit und das Fernsehen würde auch darüber berichten und Flensburg sei dann auch dabei. Zu Hause werfen wir den Computer an und versuchen die Wissenslücke zu schließen. Was wir nicht wussten, sieht so aus:



Aha. Am Montag steht in der Zeitung, einer der Fotografen sei ins Wasser gefallen. Unsere Fotos entstanden vorher. Wir wünschen ihm, dass er keinen Schnupfen bekommt. In der Großen Straße werden wir daran erinnert, dass ein paar hundert Kilometer weiter südlich, in Köln, zig-tausende Menschen sich um dieselbe Zeit gerade warmschunkeln. Da finden Sonntags die "Vedelszöch" statt. Die wurden 1933 eingerichtet, um „das Volk wieder vom Zuschauer zum Mitspieler zu machen und dem Feste neue gesunde Quellen zu erschließen“. Dazu ist es hier noch nicht gekommen.

Immerhin ein Versuch. Ein bisschen mehr Beachtung hätten wir den fantasievollen Kostüme schon gewünscht.

28.02.14 Die Geschichte der UNDINE (2)


Es mag Leute geben, die Karton-Modellbau für Kinderkram halten und nicht für eine ernst zu nehmende Angelegenheit. Das kann daher kommen, daß die Hürden für den Einstieg in die Liebhaberei recht niedrig sind, sodass auch Kinder schon damit beginnen können. Alles was man braucht, ist wenig Geld und wenige, einfache Werkzeuge. Die ganze Werkstatt passt in eine kleine Tasche. Jedoch gibt es nach "oben" fast keine Grenze, was Komplexität, handwerkliches Geschick und Sorgfalt betrifft. Ausgangspunkt ist immer ein Modellbau-Bogen, hergestellt von einem einschlägigen Verlag.

Wie kommt ein Verlag eigentlich dazu, einen neuen Modellbaubogen aufzulegen? Schließlich ist auch hier eine lange und aufwendige Vorarbeit notwendig. Bei modernen Objekten gibt es teilweise CAD-Modelle des Schiffes, von denen aus die Druckstöcke entwickelt werden. Das ist für sich alleine genommen schon schwierig genug. Man denke nur daran, dass die Klebezungen richtig gesetzt werden müssen und dass gewölbte Flächen Einschnitte an geeigneter Stelle notwendig machen. Bei historischen Vorlagen ist das noch erheblich schwieriger, weil die Ausgangsmaße häufig aus Fotografien errechnet werden müssen, bevor aus den Zeichnungen ein fertiger Modellbau-Bogen entwickelt werden kann.
Es muß schon gute Gründe geben, ein solches Projekt zu beginnen.
Im Fall der UNDINE gab der Wunsch des Museumsinspekteurs des Museums Sønderjylland - Sønderborg Slot, René Rasmussen den Ausschlag. Er suchte für sein Museum nach einem Modell des Kleinen Kreuzers UNDINE. Das sollte im Maßstab 1:00 gebaut sein und zusammen mit einigen originalen Fundstücken des 1915 versenkten Schiffes Teil einer Dauerausstellung werden um an die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg zu erinnern, als Sønderborg Sitz der Inspektion der Schiffsartillerie der Kaiserlichen Marine war. Hier war der Kleine Kreuzer UNDINE ab 1907 stationiert. Baugleich waren noch zwei andere Schiffe der GAZELLE-Klasse (ARCONA und FRAUENLOB). Jedoch gab es nur von UNDINE ein Modell, aus Karton und,  leider, im Maßstab 1:250.
Der hmv-Verlag erklärte sich bereit, die UNDINE als Modell in diesem Maßstab zu entwickeln. Leider verstarb der Konstrukteur des Modells, Herr Peter Brandt, während des laufenden Projektes. Fast drohte das Vorhaben zu scheitern, bis man sich entschloss, die vorhandenen "kleinen" Modellbau-Bögen durch Kopieren zu vergrößern. Das gelang. Aber es blieb der Zeitverlust. Deshalb bildete die Karton-Modellbaugruppe "zwischen den Meeren" sechs Arbeitsgruppen; sie sollten Teile des neuen Modells gleichzeitig herstellen, um sie anschließend zusammenzuführen. Dass so eine Arbeitsteilung möglich ist, hatten sie bei einem Besuch der Kartonmodellbaugruppe in Apenrade gelernt. Viele Teile müssen in dem fertigen Modell zusammenpassen: Rumpf, Aufbauten, Beiboote, um nur einige zu nennen. Bei der Endmontage passte es diesmal eben nicht. Alle Ungenauigkeiten wurden beim Kopieren ebenfalls im selben Verhältnis vergrößert. Nun war Improvisation und großes Geschick der Modellbauer gefordert und das Modell geändert, um es passend zu machen.
Schließlich haben es die Experten der Gruppe "Kartonmodellbau zwischen den Meeren" rechtzeitig geschafft. Während der Pressekonferenz gestern konnte der Museumsinspekteur das Modell der UNDINE entgegen nehmen. Es bleibt bis zum "Tag des Kartonmodellbaus" am 09. März im Schifffahrtsmuseum Flensburg und wandert dann dauerhaft in das Museum Sonderjylland.