07.10.13 Übernächstes Wochende: 33. Apfelfahrt

Plakat der Apfelfahrt vor elf Jahren
Wieder einmal sind Herbstferien in Schleswig Holstein. Zu ihrem Ende, am Freitag dem 18. Oktober, gibt es in Flensburg noch einen kleinen Höhepunkt: Dann beginnt die Apfelfahrt des Vereins Museumshafen Flensburg.


 
Sie wird auch "Kleinere Schwester der Rum-Regatta" genannt und soll daran erinnern, dass Flensburg bis vor einem halben Jahrhundert mittels kleiner Fischerboote mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen aus dem Umland der Förde  versorgt wurde. Außerhalb der Fischereisaison konnten sich die Fischer dadurch ein zusätzliches Einkommen sichern. Die Waren, hauptsächlich Obst und Gemüse, wurden an der Kaikante direkt an die Haushalte verkauft. Mit zunehmendem Ausbau der Straßen in das Umland ging dieser Wirtschaftszweig später zugrunde.

Wie in jedem Herbst richten die Vereinsmitglieder am Bohlwerk einen Markt  aus. Dort werden Äpfel direkt von den Traditionsschiffen angeboten. Die Erlöse kommen dem Verein zugute. In diesem Jahr, so war in der Zeitung zu lesen, soll mit dem Überschuss der Kran weiter saniert werden. Denn dieses Wahrzeichen der Stadt, das der Verein unterhält, ist wieder einmal etwas bedürftig. Aber das sollte niemanden wundern, wo doch im Land auch Schleusen, Brücken und Straßen desolat sind. Vielleicht kommt der Apfelfahrt dadurch eine viel aktuellere Bedeutung zu, als gemeinhin angenommen wird. Man denke nur an Transportprobleme früherer Zeiten.

Die Veranstaltung beginnt freitags mittags, wenn die Schiffe des Vereins Museumshafen Flensburg e.V. vom Bohlwerk mit Kurs auf Glücksburg aufbrechen, um dort ca. eine Tonne Äpfel zu laden. Die Schiffe werden am späten Nachmittag zurück am Bohlwerk erwartet. Am späten Vormittag des Samstags darauf öffnet der Apfelmarkt unter dem historischen Kran von 1726. Wer auf Äpfel aus ist, wird sie hier finden. Wer auf mehr hofft, lasse sich überraschen. Der Markt endet wie üblich am Sonntag, wenn alles alle ist (Einen Hinweis auf das geplante Programm gibt auch die Web-Seite des "Historischer Hafen Flensburg").
Hier gibt's die leckeren Apfelessig-Gurken




Soweit die Informationen des Veranstalters von heute.

Auf jeden Fall wird es auf dem Apfelmarkt wieder "Omas Gurkenstand" mit den begehrten, selbst eingelegten Gurken geben. Die letzten Male war am Samstag Nachmittag alles ausverkauft! Hausgemachte Essigmischungen und das Rosensalz gibt es nur dort und nur einmal jährlich, nämlich zur Apfelfahrt!

06.10.13 Wer kennt dieses Boot?

Die alten Schiffe am Bohlwerk sind Vielen mehr oder weniger bekannt. Andere, wie zum Beispiel DAGMAR AAEN sogar sehr. Kein Wunder, denn als Expeditionsschiff werden mit ihr weite Reisen unternommen. Über diese wird dann im Fernsehen berichtet. Das schafft Öffentlichkeit.
Die Boote der "Jollensammlung", vulgo Lüttfischer liegen etwas abseits und sind eher etwas für Eingeweihte. Zu diesem Teil des Museumshafens gehen meist nur wenige Besucher. Einige der Boote dort werden für die Jugendarbeit eingesetzt, wie zum Beispiel MINNA ROEDER oder ABBI. Alle haben auf unterschiedlichen Wegen zum Museumshafen gefunden. Eines ist sogar hier gebaut worden, nämlich ARVED. Die Arendal-Sjekte wurde von dem norwegischen Bootsbauer Willem Dannewik während mehr als zehn Jahren an den Tagen der Rum-Regatten  gebaut. Andere Boote bleiben fast unbekannt, zumal, wenn sie längere Zeit abwesend sind.

Daher war gestern auch auf WIEBKE BOHLEN bei einem Ausflug auf die Förde großes Booteraten angesagt, als der schwarze Rumpf mit dem aufgetuchten Sprietsegel in Sicht kam. Es war kein dänisches Boot, denn es zeigte am Heck die Farben schwarz-rot-gold. Dass es aus dem Museumshafen sein könnte, war keine abwegige Vermutung. Denn hier sind die meisten alten Fischerboote  versammelt. Aber welches?

Bald war das typische "Töff-töff" eines kleinen Bootsmotors zu hören. Ein Geräusch, mit dem man vor einigen Jahren noch an jedem Morgen in dänischen Häfen geweckt wurde, wenn die Fischer zum Fang ausliefen. Aber der Name fiel nicht ein.
Beim Näherkommen lösten die zwei jungen Leute auf dem alten Fischerboot das Rätsel auf. Das Boot heißt SORTE SARA. Sie ist als einzige im Lüttfischerhafen motorisiert. Die Snekkersten Jolle von 1897 war auf dem Weg von der Werft von Joachim Dunker in Egernsund zum Museumshafen. Ihre bisherigen Eigner haben sie als großzügige Spende der gGmbH Historischer Hafen Flensburg übereignet. Nicht ohne sie vorher noch einmal gründlich überholen zu lassen. Hierfür herzlichen Dank auch an dieser Stelle!

Nun wird die "Schwarze Sara" hoffentlich häufiger auf dem Wasser zu sehen sein. Zu hoffen ist auch, dass sich jemand verständig um sie kümmert. "Erwirb es, um es zu besitzen!" Ein guter Rat. Er gilt auch heute noch.

04.10.13 DIE VIER GEBRÜDER an Land

Man hatte sich an das Bild so sehr gewöhnt, dass man es kaum noch bewusst
wahrnahm. Wer an den Pontons der Museumswerft vorbeiging, konnte hinterher nicht mehr mit Bestimmtheit sagen, ob die Danske Jagt dort liegt oder nicht. "Die liegt doch immer da" war die übliche Antwort, anstelle eines einfachen "Ja".  
Sie wurde vor einigen Jahren von der Museumswerft Flensburg unter widrigen Umständen gebaut. Als das erste einer Flotte von gleichartigen Schiffen sollte sie Teil einer Frachtlinie von der Insel Kalvø in Dänemark nach Flensburg sein. Oder ersatzweise Ziegel von Egernsund nach Flensburg bringen. Ohne Maschine, nur unter Segeln, versteht sich.
Nachdem sie vor gut vier Jahren zu Wasser gelassen wurde und ihren Liegeplatz
DIE VIER GEBRÜDER im März 2013
an den Pontons einnahm, bewegte sich nichts mehr auf diesem Schiff, von flatternden Planen abgesehen. Vor einem halben Jahr, sie lag schutzlos einem Nordost-Sturm ausgesetzt, beschädigte sie sich an der ebenso vergessen scheinenden MARIE, dem aufliegenden Rumpf eines roten Noch-nicht-Loggers, an dem sein Eigner das Interesse verloren zu haben scheint. Außerdem dümpeln auf der Wasserfläche der Museumswerft seit Jahren ein alter Arbeitsprahm, die WILHELMSHAFEN, und seit 19 Monaten auch die traurigen Reste der LILLE BJØRN, einem ehemaligen Frachtsegler, die nach abenteuerlichen Begebenheiten schließlich von einem "Tierfreund" vorgeblich für den Walschutz eingesetzt werden sollte, bis Gerichte seinen Aktivitätsdrang dämpften. DIE VIER GEBRÜDER lagen sozusagen in einem maritimen Dornröschenreich, wo mit den Schiffen auch die Träume oder Fantasien von einem Leben auf der freien See aufgelegt wurden. 

Während alte Träume  ausgeträumt schienen, wurde auf der Werft ein neues Projekt aufgelegt: der Bau eines Modells der Schnaubrigg FORENING, mit dem an die vergangene Größe der Stadt im lukrativen Sklaven- und Rumhandel mit den damals dänischen Westindischen Inseln erinnert werden sollte.

Gestern, kaum einer hatte das noch erwartet, ging es mit dem Nachbau der Jagt
DIE VIER GEBRÜDER an Land
aus dem Jahr 1794 wortwörtlich wieder aufwärts. Mit dem Slipwagen an Land geholt, wird jetzt ihr Rumpf gereinigt und, wo nötig, repariert. Der eine oder andere Plankenstoß sieht so aus, als bräuchte er eine neue Kalfaterung. 

Nun möchte man wissen, was jetzt mit dem Schiff geplant ist und wie es eigentlich heißt? Sein Name sei DIE VIER GEBRÜDER, war nach einigem Nachdenken zu erfahren. Der Schmied werde jetzt beginnen, die notwendigen Beschläge für das Rigg anzufertigen, war die Antwort auf die zweite Frage. Wenn alles plangemäß laufe, solle der Mast gestellt werden und das Schiff schon im nächsten Frühjahr aufgeriggt sein. Das Datum klingt vertraut. Es wäre ein Jahr nachdem das Modell der FORENING fertig werden sollte. Vielleicht klappt es ja diesmal mit der Zeitplanung. Und vielleicht - man soll die Hoffnung nie aufgeben - kümmert sich dann auch jemand um das Schiff.

02.10.13 Ursachenforschung

Nun hat die sonst stets aktuell berichtende Internetseite "Aktuelle Seenotmeldungen" unter dem Datum 27.09. den Untergang der OLGA von SKAGEN registriert. Hier wird ein treibender Container als mögliche Unfallursache genannt. Ein treibender Gegenstand soll auch das Unglück der RAKEL verursacht haben.

Szenenwechsel.
Wer vom Jachthafen Glücksburg dem Ufer nach Süden folgt, kommt nach
einer Viertelstunde zu einem sehenswerten Strauch. Seine Zweige sind über und über mit Lochsteinen behängt. Sie werden in Skandinavien als sehr nützlich geschätzt. Denn sie können Geister abwehren, die mit dem Menschen gerne übermütigen Schabernack treiben. Diese, äußerst neugierig, suchen immer neue Gelegenheiten für Streiche aller Art. Kommen sie an einen Lochstein, wollen sie sofort wissen, wohin die Löcher führen. Einmal hineingeschlüpft verlieren sie bald die Orientierung. So bleiben sie gefangen und verschonen die Menschen mit ihrem Treiben. Deshalb hängen sie auch neben manchen Haustüren. Die Bewohner der Häuser, so sagt man, führen dadurch ein ruhiges und ausgeglichenes Leben. Warum die Lochsteine aber in großer Zahl an dem Strauch hängen, ist damit nicht erklärt. Es wird vermutlich mit Aberglauben zu tun haben.
Aberglaube ist dem rational Denkenden ein Geheimnis. Besonders die Seefahrt ist ein wahres Dorado für absonderliche Vorstellungen. Man glaubt, dass Schiffe, die an einem Freitag auslaufen, Opfer großer Unglücke werden. Dasselbe blüht auch Schiffen, wenn eine Frau oder gar ein Priester an Bord war. Das sind drei Beispiele für viele Regeln nach denen sich Seeleute früher richteten. Sie wurden getreu befolgt, denn wer konnte wissen, welcher Strafe man sich sonst schuldig machte? Wer den Film "Moby Dick" aus dem Jahr 1956 mit dem unvergessenen Gregory Peck in der Rolle des Kapitän Ahab gesehen hat, weiß wovon hier die Rede ist. Als er das Sankt-Elms-Feuer mit bloßer Hand von der Lanzenspitze strich, war die Mannschaft von seinen übersinnlichen Kräften restlos überzeugt und folgte ihm ohne weiteres Nachdenken in den sicheren Tod.
Dann kam die Zeit der Aufklärung und wissenschaftliches Denken verbreitete sich zuerst in den Städten an Land und zuletzt auf See, zumindest teilweise. Die Schiffe bekamen Maschinen, von Ingenieuren ersonnen, oder Segel, im Windkanal optimiert. Alles Alte, Bewährte wurde ersetzt. Nur, was ersetzte den Aberglauben?
Der Glaube, als sein Gegenteil ist es sicherlich nicht. Wer hat beispielsweise schon von einer Traditionsschiffs-Messe gehört? Solche Veranstaltungen sind sogar für Motorradfahrer mittlerweile Routine und ziehen zehntausende Teilnehmer an, wie noch in diesem Jahr in Hamburg gezählt wurde. Da wird schon mal der geistliche Rat erteilt, nicht schneller zu fahren, als der Schutzengel fliegt. Hat jemand schon mal den Rat gegeben, nur so weit zu segeln, wie der Schutzengel schwimmt? Na, also.

Der Glaube an Übersinnliches  könnte jedoch helfen, sich gegen die Gefahren des Segelns, speziell auf Traditionsschiffen, zu wappnen. Vielleicht war garnicht  Treibgut verantwortlich, sondern der ignorante Umgang mit der Weisheit alter Fahrensleute? Rasch fällt der Verdacht auf eine der beliebten Hochzeiten an Bord. Man stelle sich vor: Mütter, Schwiegermütter, eine Braut, also Frauen(!) an Bord und dazu noch ein Geistlicher(!) Und, um dem die Krone aufzusetzen, das Ganze an einem Freitag!

Vielleicht weist diese Spur zu einer weit gefährlicheren, weil heimtückischen Ursache für das "Sterben der Traditionsschiffe", das in diesem Jahr durch die Presse geisterte, als die beklagte Regulierungswut der Behörden?

In diesem Sinne also: Gute Fahrt!

01.10.13 Arved Fuchs ist wieder da

DAGMAR AAEN in Sicht ...
Heute, kurz vor der angekündigten Zeit, kamen die dunkelbraunen Segel eines Traditionsschiffes in Sicht. Das konnte nur DAGMAR AAEN sein, die heute nach 276 Tagen erstmals wieder nach Flensburg zurückkehrt. Hinter ihr liegen knapp 6000 Seemeilen in den fernen und unwirtlichen Revieren der Arktischen See. Und hinter ihr liegen unvergessliche Erfahrungen aus den drei Abschnitten dieser Reise. Zu den guten Erfahrungen zählen die Beteiligung an der I.C.E Climate Education, bei der zehn junge
... und segelt bis vor ihren Liegeplatz
Menschen, allesamt Teilnehmer eines internationalen Wettbewerbs im Juni und die erstmals eisfreie Reise um Spitzbergen im August.
Ein erster Gruß
Die Segel fallen
Der Namen gebende Teil der Reise sollte zum fernen Franz-Joseph-Land führen, das Arved schon vor rund zwanzig Jahren mit dem Schiff besucht hatte. Viele Stunden für die Planung lagen hinter dem Team, auch um einen Wust von behördlichen Genehmigungen der russischen Instanzen zu bekommen, alle vollzählig und auf neuestem Stand der Bürokratie. Seekarten auf dem aktuellen Stand,Proviant, Ausrüstung, alles was man für eine Expedition benötigt, waren vorhanden. Arved und sein Team sind ja keine Neulinge auf diesem Gebiet. Und so war man sich ziemlich sicher, daß nichts vergessen, nichts übersehen wurde. Die aktuelle Gesetzeslage in Russland kam beruhigend hinzu, sie sollte vor Schikanen lokaler Behörden schützen.
Um so größer war die Überraschung, als das Schiff unter schikanösen Umständen in Murmansk festgehalten wurde, dem letzten Hafen vor der Reise zur Inselgruppe Franz-Joseph-Land. Sie sollte durch internationale Gewässer zu dem ebenfalls zu Russland gehörenden Archipel kurz vor dem Nordpol führen. Jedoch, während vor zwanzig Jahren der Zugang von undurchdringlichem Packeis blockiert wurde, war diesmal der eisige Wind der Behördenwillkür ein nicht zu überwindendes Hindernis. So verstrich ein Tag nach dem anderen in der hintersten Ecke des abgesperrten dreckigen Kohlehafens
Leinen über und fest!
Die "Meute" lauert schon
von Murmansk. (Die Stadt ist auch durch die vergammelnden Reste der ehemaligen sowjetischen Kriegsmarine unrühmlich bekannt). Den Platz hatte man ihm zugewiesen. Trotz intensiver Unterstützung der Botschaft der Bundesrepublik und des Auswärtigen Amtes, trotz wohlwollender Berichterstattung in den russischen Medien spitzte sich die Situation zu, bis zu dem Punkt, an dem auch ein russischer Rechtsanwalt von Rechtsbeugung sprach. Es half alles nicht. Denn eine Expedition in diesem Revier kann nur in einem engen Zeitfenster erfolgreich durchgeführt werden. Und dieses Fenster schloss sich unerbittlich. Schließlich, der Presse war mittlerweile der Zugang zu dem Schiff durch das Militär blockiert, wurde ihm wenigstens die Abreise nach Norwegen gestattet.

Als Resümee bleibt nur der Schluss, dass Russland keine fremden Beobachter in diesem Gebiet haben möchte. Die Vorgänge um das Schiff von Greenpeace in der letzten Zeit verstärken diese Vermutung, zumal in der Arktis die geopolitischen Interessen der Anrainer noch nicht endgültig abgestimmt sind. Schließlich geht es um Bodenschätze, die durch das weichende Eis immer leichter erreichbar werden.

Sei es, wie es ist -Hauptsache Mannschaft und Schiff sind wohlbehalten zurück. Viele Freunde und Neugierige kamen, um sie zu begrüßen. Und natürlich ein ganzes Pulk von der Presse. Es wird wohl noch eine Weile dauern, bis die Reise für alle endgültig zu Ende ist.   

Wer sich für die Reise interessiert, kann noch im Laufe des September alles in einem neuen Buch in Wort und Bild nachlesen. Es heißt "Polarlicht in den Segeln" (ISBN 978-3-7688-3673-9). Zusätzlich gibt es eine sehr ansprechende APP mit vielen medial aufbereiteten Bildern, Videos und Texten.

Wer nicht so lange warten möchte, kann auch in das online-Logbuch der DAGMAR AAEN schauen und die wesentlichen Stationen der Reise vorab nachvollziehen:
Und hier geht es zu den Beiträgen über Arved Fuchs in den HAFENMELDUNGEN

Und schlussendlich auch die Beiträge des NDR von heute:
  • Bildergalerie und Video über die Ankunft heute Mittag in Flensburg