28.05.18 Einladung zum Geburtstag

Wer lange raucht, wird endlich alt und ALEXANDRA wird jetzt sogar 110! Zur Feier des runden Geburtstages lädt die Crew die Freunde der "Alex" am kommenden Samstag, 2. Juni 2018 von 13 Uhr bis 18 Uhr ein.


 Dazu haben wir folgende Information erhalten:
"Auf der Dampferbrücke sind die Pforten zu einem Brückenfest und natürlich auch zu „open ship“ auf der „ALEXANDRA“ geöffnet. Auch für das leibliche Wohl wird gesorgt. Kaffee, Kuchen, Bier, Wein, Bratwurst, an dem Tag kostet alles nur 110 Cent.
Ein besonderes Highlight ist der offizielle Schiffspoststempel zum 110 Geburtstag.
An Bord wird ein Postamt eröffnet. Dort gibt es „Alex“-Postkarten mit „Alex“-Briefmarken.
Diese werden dann abgestempelt und in einem eigens aufgestellten Postkasten in die offizielle Post gebracht.
Die Kleinen haben die Möglichkeit sich nicht nur mit Kohle schminken zu lassen."

Falls die aktuelle Wettervorhersage zutrifft, wird Petrus mitfeiern bei Sommerwetter mit strahlendem Sonnenschein und mäßigem Ostwind bei angenehmen 25°C.


26.05.18 Segeln mit Damenbriese

Auf dem Weg zum Museumshafen gesehen: Schiffe aus
drei Epochen der langen Geschichte dieser Region.  
MS DEUTSCHLAND vor der Marineschule
Hochsommer im Mai. War das Wetter  bis zur Rumregatta eher bescheiden, werden wir seitdem nach Herzenslust verwöhnt. Wer kann, sollte man meinen, wird diese Tage mit mäßigem bis frischem Wind und strahlendem Sonnenschein nutzen und auf seinem schwimmenden Untersatz wieder und immer wieder die Segel zu setzen und ein paar Stunden auf der Förde verbringen. Gemessen an der Zahl der Boote in den Jachthäfen, müsse man an einem Tag wie heute die Förde trockenen Fußes überqueren können. Jedoch, kaum zu glauben! es immer noch jede Menge Wasser zwischend den Booten, Schiffen, Jachten, Surfbrettern und was sonst noch alles für den Wassersport in den Häfen bereit liegt. Und so segeln wir in paradiesischer Ruhe aus dem Flensburger Hafen, auf das traumhaft schöne Revier und sind - nahezu alleine auf dem Wasser. Nur MS DEUTSCHLAND zieht auf der deutschen Seite der heimischen Meeresarmes ihre Bahn, symbolträchtig vor der Marineschule in Mürwik. Was könnte den Unterschied zur Zeit vor 100 Jahren besser sichtbar machen? Schon auf dem Weg zu unserem Boot werden wir an die wechselhafte Geschichte dieser Region erinnert.
Nicht ganz zur Geschichte dieser Region gehörend, aber auch ein maritimes Erbe des Nordens, sehen wir den Hochsee-Ewer PROVIDENTIA HF42 auf Gegenkurs. Dem Schiff begegnen wir schon seit zwanzig Jahren in den verschiedensten Stadien seiner Entwicklung. Zweimal wurde eine große Restaurierung begonnen und dann wieder abgebrochen. Das Schiff hat sicherlich tiefe Spuren im Leben seiner früheren Eigner hinterlassen. Nun gehört es der Ostseeschule und bringt jungen Menschen traditionelle Seemannschaft nahe. Nicht nur das. Auch seine letzte Stufe der Restauration wurde durch den tatkräftigen Einsatz vieler Schüler und Schülerinnen abgeschlossen. Nun darf der 113 Jahre alte Segler als Traditionsschiff zahlende Gäste an Bord nehmen und damit seinen Unterhalt zumindest teilweise abarbeiten. Wir ändern unseren Kurs und bringen uns in Position, um PROVIDENTIA möglichst nahe passieren zu können.



Mittlerweile sind schon mehr Segler auf dem Wasser. Die meisten trainieren für eine Regatta. Bei den  Ochseninseln ist ein großer Pulk Laser unterwegs. Die sind erheblich flinker als wir. Wir verzichten auf unser Wegerecht und drehen ab.
Nach ein paar Stunden auf dem Wasser segeln wir zum Hafen zurück. Auf dem Weg rätseln wir, warum wir die flensburger 12mR Yacht SPHINX noch gesehen haben. In gerade mal eineinhalb Wochen beginnt der Robbe& Berking Sterling Cup. Da müsste die Yacht doch eigentlich pausenlos gesgelt werden. Kaum zu Ende gedacht, sehen wir die Silhouette der Rennyacht
Eben erst wurden die Segel auf SPHINX gesetzt
von Abeking & Rasmussen
 in der Wasserslebener Bucht. Sie kreuzt mit rauschender Bugwelle Richtung Nord und Bald haben wir sie aus den Augen verloren.
Jetzt müssen wir uns über den besten Kurs einigen, auf dem wir bei achterlichem Wind in den Hafen hinein segeln wollen. Wir entscheiden uns, von der Westseite aus auf der Enge vor der Werft zu nähern. So können, wir vor dem Wind kreuzend, uns möglichst viele Entscheidungsmöglichkeiten offen halten. Und siehe da: Die Taktik geht auf . Wir können wieder einmal in einem Schlag bis tief in den Hafen hinein segeln.  Ein schöner Ausflug auf die Förde geht zu Ende.

Für morgen wurde Gewitter und Regen vorhergesagt. Mal sehen, was kommt.

25.05.18 Werftgeschehen aktuell

Doch keine Folge der ungewohnten Sonneneinstrahlung. Als gestern jemand sagte, er habe abends zuvor den Schoner VANADIS im Flensburger Hafen gesehen, wollten wir das zunächst als "Küstenklatsch" abtun. Zu lange ist es her, dass dieses wunderbare Schiff mit dem Ruf die älteste erhaltene Rennyacht überhaupt zu sein, den ehemaligen Heimathafen besucht hat. Die 150 Jahre alte Schönheit war über zwanzig Jahre lang mit dem Namen VALDIVIA Mitglied im Museumshafen Flensburg, nachdem sie vom vorletzten Besitzer grundlegend überholt und in ihren ursprünglichen Zustand versetzt wurde. Mit dem ausgeprägten Fall ihrer Masten und dem schwarz gemalten Rumpf  konnte sie glaubhaft an ihre frühere Rolle als Schmugglerjäger erinnern. Leider hatte schon damals der ursprüngliche Innenausbau den Lauf der Jahre seit 1868 nicht überdauert. Er galt zu ihrer Bauzeit als einer der schönsten weit und breit. Mittlerweile ist ihr Rumpf weiß gemalt und an Deck glänzt alles von satter Lackierung und poliertem Messing.
VANADIS, man glaubt ihr die Geschichte der Rennyacht
eines schwedischen Idustriellen aus dem Jahr 1868
Heute bekamen wir den Tipp, mal wieder nach Egernsund zur Werft von Christian
Ihre Linien lassen amerikanischen Schoner als Vorbilder 
erkennen.
Johnson zu fahren, dort läge VANADIS ex VALDIVIA auf der Helling. Und tatsächlich, schon von weitem verrieten die schräg stehenden Masten, welchen Schoner wir dort aufgepallt sehen würden. Zuerst sehen wir den Klüverbaum, der bis weit über die Straße Havnevej ragt, an der die Werft liegt. Das Unterwasserschiff schon zur Hälfte fertig gemalt, das Freibord und die Schanz in hellem cremeweiß. Und dann ihre Linien! Holz gewordene Hydrodynamik, könnte man
schwärmen. Wenn der Blick über ihre Rundungen gleitet und dabei die Wasserströmung nachzeichnet glaubt man sogleich ihren Ruf, ein schnelles Schiff zu sein. Dennoch, so hört man, hat sie auch in ihren besten Tagen kein einziges bedeutendes Rennen gewonnen. Aber dazu gehören auch immer zwei, das Schiff und seine Mannschaft. An Deck, wir sagten es bereits, glänzt alles unter Lack. Auch die Decksplanken. Unter der Lackierung sei das Deck jetzt seit Jahren komplett dicht. Sie werde allerdings regelmäßig geschliffen und erneuert.

FRIEDA, auch sie ein Schmuckstück
Gleich hinter ihr auf dem Slipweg liegt heute FRIEDA, auch ehemals ein Schiff aus dem Museumshafen Flensburg. Seit sie den Besitzer wechselte, sieht sie stets aus wie neu - auch sie eine wahre Augenweide. Sie wurde allerdings auch umfangreich überholt und in in wichtigen Bereichen strukturell verbessert. Der Eigner lobt jetzt ihre Segeleigenschaften und ist von ihrem Verhalten in der See begeistert. So muss das auch sein denken wir. Schließlich freuen wir uns deswegen auch immer wieder über unser eigenes Boot.
Wir sprechen auch über die Vor- und Nachteile der unterschiedlichen Methoden, Decksnähte zu versiegeln. Auf FRIEDA ist man mit dem traditionellen Teer sehr zufrieden und gestreifte Hosen hat es auch nicht gegeben, selbst wenn man ohne Unterlage auf dem Deck sitzt.

MISTRAL, ein amerikanischer Yachtbau von 1938 nach
einem Entwurf von Francis L. Herreshoff
Draußen vor dem Slipweg liegt auch der Schoner MISTRAL aus Flensburg. Sie wartet wohl, dass auf der Helling ein Platz frei wird.

RAKEL liegt immer noch an ihrem Liegeplatz in Egernsund. Längsseits hat der kleine Kutter festgemacht, der sie nach Lübeck schleppen soll. An Deck liegen Werkzeuge und Material. An Bord ist niemand, den wir ansprechen können.

24.05.18 Yachting Heritage Centre aktuell

Das Leben schreibt immer noch die unwahrscheinlichsten Geschichten, deren Handlungsstränge kein auf seinen Ruf bedachter Schriftsteller zu entwerfen wagt.
Die Einladung heute in das Yachting Heritage Centre in Flensburg ist der vorläufige Schlusspunkt einer Geschichte dieser Art. 
Das Kontor des Firmengründers
Die Belegschaft
Dort wurde die aktuelle Ausstellung anlässlich des 111-jährigen Bestehens der international hoch angesehenen  Werft  von Abeking & Rassmussen eröffnet. Rund 100 geladene Gäste kamen zu diesem Ereignis, das Oliver Berking mit einer tour d'horizon über wesentlichen Stationen der verschlungenen Wege eröffnete, die Abeking & Rasmussen mit der Robbe & Berking Werft verbinden. Für die Werft Abeking & Rasmussen war ihr Geschäftsführer Hans Schaedla, Urenkel von Henry Rasmussen gekommen. Ihm blieb danach nur noch die Feststellung, dass er soeben den Vortrag zu hören bekam, den er selber halten wollte. 
Die Geschichte beginnt 1877 in Svendborg, wo  Henry Rasmussen als Sohn einer Familie von Schiffbauern zur Welt kommt. Schon früh interessiert er sich für das Segeln und baut bereits in jungen Jahren sein erstes Boot. Wer sich dem Heritage Centre nähert, kann es
High-tech für den traditionellen Holzbootsbau
schon vor dem Betreten der Räume sehen. Mit dreißig Jahren gründet Henry Rasmussen seine eigene Werft in Lemweder bei Bremen, wo sie bis heute besteht. Anfangs werden kleine Boote hergestellt, später kommen größere Yachten hinzu, alle aus Holz gebaut. Wichtige Kunden werden in Deutschland, aber auch in den USA gefunden, dort allein 99 mal für Concordia-Yachten. Über die Entwicklung informiert die Website des Heritage Centre:

"Die Geschichte der Werft, die heute von Henry Rasmussens Urenkel Hans Schaedla geleitet wird, begann in einer Zeit, in der es noch ganz normal war, dass Boote einzeln, von Hand und meist aus Holz gebaut wurden. Bei A&R waren es Piraten- oder Olympiajollen, Yachten der Meter-Klassen, Schärenkreuzer, Seefahrtkreuzer und Schoner. Später wurden die Yachten noch größer und auch aus Stahl oder, noch später, Aluminium angefertigt. Dann kam die Zeit der industriell produzierten Plastikyachten. Liebevoll von Hand  gebaute Boote wurden zu einer vom Aussterben bedrohten Spezies, zu Raritäten. Sie sind es bis heute geblieben. Nicht so bei Abeking & Rasmussen ! Auch 111 Jahre nach der Werftgründung werden dort ausschließlich einzeln angefertigte Yachten und Schiffe gebaut. Spezialschiffe, wie Lotsenboote, Seenotrettungskreuzer oder Marineboote sind es heute und immer wieder viel beachtete und spektakuläre Megayachten."
Unter anderen Bauten sind es auch genau zehn Yachten 12mR Klasse, die letzte von ihnen SPHINX, im Jahr 1939. Sie wurde für den Norddeutschen Regattaverein gebaut, überdauerte den kurz nach dem Stapellauf ausbrechenden Weltkrieg, wurde anschließend trickreich an zwei Mitglieder mit chilenischem Pass des Norddeutschen Regattavereins verkauft - Deutsche durften nach den Statuten keine Schiffe besitzen, die länger als sechs Meter waren. Die neuen Eigner waren außerdem Besitzer einer großen Holzhandlung. So bezahlten sie die Yacht mit einer Ladung Holz, die anschließend bei Abeking & Rasmussen gegen "12 Hummelboote, fünf Piraten, zwei kleine Kielboote vom Typ Sonderling und acht Hansajollen" eingetauscht wurden. 
Die Hansajollen wurden ein großer Erfolg; sie sind bis heute eine nationale Klasse im DSV.  
SPHINX kam später als Ausbildungsschiff unter dem Namen OSTWIND an Oliver Berking, gemeinsam mit zwei weiteren Eigner aus Flensburg. Aus der Restaurierungswerkstatt entstand schließlich die heutige Robbe & Berking Werft. 
Die Ausstellung zeigt viele originale Exponate aus dem Bestand der Werft, darunter das Kontor von Henry Rasmussen, Halbmodelle, Zeichnungen, zauberhafte Schiffsmodelle, alte Fotografien, Bootsbauwerkzeuge - man muss sich das einfach mal selber ansehen. 111 Jahre sind eine lange Zeit. Sie hat viele Zeugnisse hinterlassen - zu viele um sie hier einzeln aufzuführen.
Die Ausstellung hat uns auch durch ihre Präsentation angesprochen. Um das Foyer, mit dem wunderbar erhaltenen 30-er Schärenkreuzer 
BREMEN in der Mitte, werden in angrenzenden Kabinetten besondere Themenschwerpunkte aus der Geschichte der Werft abgehandelt. 
Für uns war es ein lohnender Besuch. Die Ausstellung ist bis zum 15. Oktober geöffnet. 


35-er Schärenkreuzer BREMEN von Abeking und Rasmussen, dient während der Eröffnung als stilvolles Buffet

23.05.18 Übung macht den Meister

Die "Lüttfischer" des Museumshafens setzen sich seit Jahren aktiv für die jüngsten Segler ein, um sie mit den traditionellen Fischerjollen der Elbe und Ostsee vertraut zu machen. Heute konnten wir wieder einmal beobachten, wie mit vollem Einsatz auf MINNA RÖDER (oben) und ABBI (unten) den Flensburger Hafen segeln erkundeten. Sie hatten genau wie wir selber auch mit den besonderen Verhältnissen bei Ostwind hinter den hohen Silos am Harniskai zurecht zu kommen. Wie lautet einer unserer Lieblingssprüche aus dem Film "Sturmfahrt nach Alaska"? "Der Wind weht für Gerechte und Ungerechte gleich stark"(56:11 min)  Man kann auch sagen "Für Groß und Klein". Als wir nach 20 Wenden endlich den Hafen segelnd hinter uns lassen, waren die Jollen schon wieder in der Hafenspitze angekommen. Übung macht den Meister.