08.05.18 Endstation Anfang (1)

"...denn jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft zu leben." Was Hermann Hesse über die Wechselfälle des Lebens schrieb, kann vielleicht auch für das Leben der FEUERLAND gelten, das Expeditionsschiff des Flugpioniers, Forschers und Reiseschriftstellers Günther Plüschow. 


Wer heute zu Fuß, Rad Auto oder Bus an der Museumswerft vorbei kommt, wird vielleicht nicht einmal bemerken, dass dort ein weiterer maroder Schiffsrumpf steht. Aber heute lohnt es sich, genauer hinzusehen, denn über Nacht ist dort ein Schiff mit einer langen und großen Geschichte eingetroffen.

Für die Hintergründe müssen wir ein wenig ausholen, weil seine Ursprünge heute weitgehend vergessen sind. Dabei fassen wir eine lange und spannende Lebensgeschichte  in wenigen Zeilen zusammen, die den Protagonisten Günther Plüschow noch zu  Lebzeiten sehr berühmt machte. Aber seine herausragenden Leistungen sind heute weithin vergessen.

Die Geschichte beginnt vor 104 Jahren, als das Deutsche Reich nach Beginn des Ersten Weltkriegs seine ausländischen Stützpunkte gegen die gegnerischen Mächte verteidigen musste. Darunter auch das "Schutzgebiet Tsingtau" gegen das Kaiserreich Japan, und seinen Verbündeten, das Britischen Empire. Die deutschen Truppen, darunter auch der Marineflieger Oberleutnant zur See Günther Plüschow, müssen schließlich kapitulieren. Plüschow bekommt den Auftrag, wichtige Papiere auszufliegen und  nach Deutschland zu bringen. Er war schon zuvor als "Flieger von Tsingtau" bekannt geworden, weil er mit damals noch sehr jungen Jagdflugzeugen im Kampf imponierende Erfolge erreichte. Nach einer abenteuerlichen Reise erreichte er über den Pazifik und Nordamerika schließlich Europa, und wurde in Gibraltar von den Briten gefangen genommen. Er floh aus der Kriegsgefangenschaft und kam im Jahr 1915 zurück nach Deutschland und setzte seinen militärischen Dienst fort. Er war der einzige Deutsche der je aus britischer Kriegsgefangenschaft floh. Er übernahm wichtige Aufgaben bei den Marinefliegern  und schied 1919 aus dem Militärdienst aus.  Ihm zu Ehren wurde der Hafen der Marineflieger in Kiel Holtenau "Plüschowhafen" genannt.
Nach dem Kriegsende beginnt Günther Plüschow  eine neue erfolgreiche Laufbahn als Forscher und Reiseschriftsteller. Er unternahm drei Expeditionen nach Südamerika, wo er als Pionier der Fliegerei bis heute unvergessen ist. Die erste Reise unternahm er 1925 an Bord der Viermastbark PARMA, für die zweite ließ er sich in Büsum ein Schiff bauen, FEUERLAND, das ihn zusammen mit seinem Team nach Punta Arenas brachte. Den größten Teil seiner Ausrüstung und das Flugzeug, ein Doppeldecker Heinkel HD 24W  kamen per Dampfer PLANET ebenfalls dorthin. Während seiner Expeditionsflüge diente im die FEUERLAND als schwimmender Stützpunkt.
Seine dritte Reise begann er im Jahr 1930 und unternahm weitere Flüge über Argentinien, wo er 1931 in einen Teil  des Lago Argentino stürzte und zusammen mit seinem Begleiter Ernst Dreblow den Tod fand.


























Seit heute Morgen, 03.45 Uhr gibt es auf dem Gelände der Flensburger Museumswerft ein ansehnliches Erinnerungsstück, das nicht übersehen werden darf: Das Expeditionsschiff FEUERLAND, dessen maritimes Leben ebenfalls Stoff für spannende Geschichten liefert. Die wichtigsten Stationen seiner Lebensreise sind Büsum, Punto Arenas, Falkland Inseln, Argentinien, Hamburg und jetzt endlich Flensburg.
Die FEUERLAND, mittlerweile in die Denkmalliste von Schleswig Holstein aufgenommen, soll auf der Museumswerft Flensburg nach musealen Standards restauriert werden. Für dieses 1,4 Millionen Euro Projekt macht sich eine gemeinnützige GmbH stark, die zu diesem Zweck mit viel Elan Geld und Sachspenden zusammentragen will.

Mit dieser Summe soll der ausgetrocknete, Rumpf auf einem wurmstichigen Kiel mit gebrochene Spanten und geborstenen Laibhölzern wieder zu dem schmucken Segler werden, der er vor 90 Jahren war.

Für die Initiatoren ist Flensburg der Ort, wo sich das Schicksal der geschichtsträchtigen FEUERLAND entscheidet: Entweder schwimmt sie wieder als zugelassenes Traditionsschiff mit Liegeplatz im Museumshafen, oder sie wird endgültig abgewrackt.

Um über die besondere Bedeutung des Schiffes zu informieren, plant das Flensburger Schiffahrtsmuseum ab 19. August eine Sonderausstellung mit dem Titel "Die sieben Leben der FEUERLAND".

Bereits am Sonntag der Rumregatta wird der Flensburger Modellbauer Adi Born im Beisein von Arved Fuchs ein detailgetreues Modell der FEUERLAND an das Schifffahrtsmuseum übergeben.

Wie endet das Gedicht "Stufen" von Hermann Hesse?
"So wird vielleicht auch noch die Todesstunde/ uns neuen Räumen jung entgegen senden/ Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden/ Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!"
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Quellen: Internet (u.a.: WIKIPEDIA, Schloss Plüschow, Kiautschou/ Tsingtau, Plüschowhafen). Presseinformation 

08.05.18 Was lange währt ...

... wird hoffentlich bald gut. Das Bohlwerk soll in Kürze während der Nachtstunden für Unbefugte gesperrt werden.

Vor drei Tagen hatten wir noch geklagt, dass die Bootseigner am Bohlwerk seit Jahren mit Versprechungen vertröstet werden, wenn es um eine Lösung für das leidige Problem mit nächtlichem Vandalismus geht. Genau genommen sind es mittlerweile 13 Jahre ohne Aussicht auf Besserung.
Heute haben wir von Frank Petry, Geschäftsführer des Historischen Hafen Flensburg gGmbH, erfahren, dass zwei Zäune in Arbeit sind, die das Bohlwerk während der Nachtstunden absperren sollen. Sie sollen an der südlichen Plattform und am Übergang vom Zuweg zur nördlichen Plattform sicherstellen, das nur Berechtigte Zugang bekommen. Wenn Unberechtigte das Bohlwerk betreten, kann das als Hausfriedensbruch strafrechtlich verfolgt werden.
Bleibt noch der Liegeplatz des roten Frachtloggers RYVAR. Hier wird ein Torhäuschen errichtet, wie es am Zugang zum Schwimmsteg der Klassischen Yachten steht.

Die Mitglieder des Museumshafens haben sich jahrelang für einen unbeschränkten Zugang zu den traditionellen, teils historischen Schiffen am Bohlwerk eingesetzt. Aus gutem Grund. Wer die Sache der maritimen Kultur an die Öffentlichkeit tragen möchte, sollte sie nicht aussperren - und wenn es auch nur während der Nachtstunden ist. Und so trafen und treffen sich nachts Liebespaare, Träumer, Ruhesuchende auf dem Bohlwerk genießen die romantische Stimmung und die schönen Bilder, wie sie in Flensburg nur dieser besondere Ort bietet. Leider gibt es aber auch Einige, die sich im Schutz der abgelegenen Stelle sehr schlecht benehmen - mit üblen Folgen für die Bootsleute, den Kiosk und auch den Verein.
So bleibt am Ende leider keine andere Lösung, als alle Besucher nachts auszusperren.

06.05.18 GRETA im Endspurt

Das Projekt des Vereins der Freunde des Elbfischerkutter GRETA  geht heute die letzte Runde: Mast gestellt, Deckhaus gebaut, Schiebeluk vorbereitet, Deck und Steven geflickt.

Vor einem Monat: noch mit marodem Deckshaus
Drei Wochen später: das neue Deckshaus entsteht
Als der Elbfischer GRETA im November 2015 nach Flensburg zurückkehrte und ihr bedauernswerter, wenn nicht sogar hoffnungsloser Zustand erkennbar wurde, glaubten nur Wenige, dass dem über 100 Jahre alten Fischerboot von der Elbe eine zweite Jugend beschwert würde. Zu lange hatte der alte Kutter in einer zugigen Halle gestanden, zu schlecht war die gesamte Substanz des Bootes. Aber GRETA war schon bei der Gründung des Vereins Museumshafen Flensburg dabei und ist nunmehr das einzige Boot aus dieser Zeit im Verein.


Heute ist der alte Finkenwärder Fischkutter Zentrum eines eigenständigen Vereins, dem "Förderverein Elbkutter GRETA".


Heute: "Winsch dir was" - Frauenpower unterm Mastkran
Nach längeren Werftaufenthalten mit dem Ziel, das Boot wieder schwimm- und segelfähig zu bekommen, blieb immer noch sehr viel zu tun. Was vor nur zweieinhalb Jahren als vernachlässigtes Wrack nach Flensburg heimkehrte, sollte wieder ein schmucker Traditionssegler werden.

Längst schwimmt das Boot wieder und an der letzten Rumregatta nahm es auf eigenem Kiel teil - mit respektablem Ergebnis. Doch Vieles war vor einem Jahr noch improvisiert und der berüchtigte "Renovierungsstau" hätte auch Mutige das Fürchten lehren können. Aber "Bangemachen gilt nicht" scheint das Leitmotiv der Aktiven rund um GRETA zu sein.

Mast und neues Deckshaus sind wieder am Platz
Und so wird der geschichtsträchtige Kutter an der kommenden Rumregatta mit einem weitgehend überholten Rigg, neuem Deckshaus und nach vielen weiteren erledigten Reparaturen teilnehmen. Auch wenn noch viel zu tun übrig bleibt: Jetzt stehen die Chancen auf ein Gelingen des Projektes besser als vor einem Jahr.


Heute war ein besonderer Tag: Mit viel Elan und vollem Einsatz wurde der Mast gestellt.  Auch wenn die Uhr jetzt noch schneller läuft als vor ein paar Wochen könnte GRETA tatsächlich wieder an der Fjord- und der Rumregatta teilnehmen.


05.05.18 Alle Jahre wieder

Scherben an Deck und in den Festmacherleinen
Es ist nun schon so etwas wie ein Naturgesetz. Kommt das warme Wetter, kommen die Vandalen. Und alle Jahre wieder wird das Bohlwerk nachts Treffpunkt für die Chaoten am  Hafen. In der Nacht auf heute wurden betrunkene Männer- und Frauenstimmen auf dem Bohlwerk gehört, kurz bevor ein lauter Knall den Rest der Nachtruhe zunichte machte. Man erzählt, das Gröhlen und Schreien hätte nach einer osteuropäischen Sprache geklungen.

Als wir heute morgen zu unserem Boot kamen, war das Vorschiff von Glasscherben übersäht. Sie stammten von einer zerborstenen Flasche Cognac. Nicht die beste Sorte, aber immerhin.

Leider kann man den Vorfall nicht mit dem Gedanken "Das war's nun für dieses Jahr" abtun. Denn diese Übergriffe gibt es nun schon seit wir den Museumshafen kennen. Alle Jahre werden Pläne geschmiedet wie das Problem am besten zu lösen sei; alle Jahre werden im Frühjahr Lösungen angekündigt, die bis zum Herbst nicht begonnen werden. Und alle Jahre wird im Herbst von einer neuen Idee gesprochen, die dann auch nicht realisiert wird. Und jedes Jahr werden Einbrüche berichtet, mit und ohne Diebstahl, Randale auf den Schiffen, Sachbeschädigung, werden Schiffe und Boote losgebunden und Gäste an Bord angepöbelt.

Und alle Jahre macht es noch weniger Freude, sein traditionelles Boot im Flensburger Museumshafen öffentlich zu präsentieren. Wen wundert's wenn es mittlerweile immer weniger sind, die hier ihren Liegeplatz haben.

Wir haben diesmal Glück gehabt, die Schnapsflasche zerschellte an der Ankerwinsch. Die Scherben haben wir so gut es geht, zusammengefegt und entsorgt. Ob wir wirklich alles beseitigen konnten, wissen wir natürlich nicht. Wir wissen aber auch nicht, wann der nächste Angriff kommt. Unsere Freude an dem schönen Frühlingstag hatte einen gehörigen Dämpfer bekommen. Leider.

04.05.18 Endlich!

SPHINX wieder mit Mast und Baum
Hübschen Damen: Sie sehen eigentlich immer aus
wie immer. 
Der März zu kalt, der April weitgehend verregnet. Zwei Wochen Rückstand im Vergleich zum Vorjahr, als wir schon am zehnten April ansegeln konnten. In diesem Jahr hatten wir uns den ersten Mai für den Saisonstart vorgenommen, aber das grausliche Wetter und die konstante Vorhersage einer drastischen Wetterbesserung sorgten letztlich dafür, dass es heute endlich so weit war. Zum ersten Mal in diesem Jahr "Leinen los, vorn und achtern" und weg vom Liegeplatz am Bohlwerk, weg vom Hafen, raus auf die Förde. Die Bedingungen waren heute einfach ideal. Alle Wartungsarbeiten am Boot erledigt, alles Holz unter spiegelnd blankem Lack und alle Blöcke und Leinen da, wo sie hingehören. Um ehrlich zu sein - fast alle. Dafür war das Wetter so ideal, wie man es sich nur vorstellen kann. Strahlender Sonnenschein, angenehmen Temperatur und ein schwacher Wind aus irgend einer Richtung, aber meist aus West.
LILLE STJERN aus dem Museumshafen ist auch
unterwegs, wie beinahe täglich.
Die alten Griechen Ecken die schwierig zu passieren sind
"Skilla" oder  auch "Charybdis"
Gaffelriggs neigen zu einer gewissen Unübersichtlichkeit. Man guckt dreimal, ob alle Fallen und Schoten richtig laufen, aber letztlich zeigen sich kleine Fehler erst beim Segeln. Es ist schon vorgekommen, dass sich ein Zipfel eines Wimpels im Piekfallblock eingeklemmt hat mit dem Ergebnis, dass die Gaffel auch mit Fluchen und Flehen nicht mehr runter kommen wollte. Wer dann an den Mastringen hochklettert um das teure Tuch abzuschneiden, macht das im Zweifelsfall bei Schwachwind lieber als bei Sturm. Heute verschonte uns der Fehlerteufel, und was Wenige, das nicht ganz sauber lief, konnte nach der Rückkehr am Liegeplatz bereinigt werden. Also hatten wir Zeit und Muße, uns die Gegend anzusehen und die wenigen Segler, die mit uns unterwegs waren.
Beim Auslaufen sahen wir SPHINX, die dunkelblaue 12mR Regattayacht, wie sie vorbereitet wurde, um den Mast zu setzen und wir sahen sie bei unserer Rückkehr zum Hafen mit dann bereits stehendem Mast. Im Kontrast dazu freuten wir uns über die kleine geklinkerte Jolle aus dem Museumshafen, die uns bei dem schwachen Wind problemlos überholte. Zwischendurch freuten wir uns, wenn unsere nagelneue Nationale tatsächlich einmal auswehte und damit den scheinbaren Wind sichtbar machte. Ein zweiter Segler aus dem Museumshafen kreuzte weit entfernt in der Wasserslebener Bucht. Wir sahen ihn erst beim Einlaufen wieder. Mancher denkt, segeln bei schwachem Wind sei einfach im Vergleich zu Starkwind oder sogar Sturm. Aber eigentlich ist es nur anders. Geht es bei Sturmgebraus um Kraft und Schnelligkeit, dann braucht man bei schwachem Wind gute Nerven, Geduld und Ausdauer. Wer hat noch nicht zähneknirschend in absoluter Flaute mit Null Knoten auf der Logge zugesehen, dass sich ein anderer Segler nahebei zumindest etwas bewegt. Schon brennen die anklagenden Blicke der eigenen Crew Löcher in das Selbstbewusstsein mit der unausgesprochenen Frage: "Wieso kann DER das?"  Bei Schwachwind haben intime Kenner des eigenen Reviers meist einen Vorteil. Das bekommen wir heute auch bei der Flensburger Werft zu sehen. Der Wind in der Nähe der Werfthalle und der großen Schiffskörper stellt immer wieder große Herausforderungen. Heute können wir uns vor einem unangenehm schralenden Windhauch bis in den Hafen mogeln. Dort entschädigt uns eine günstige Brise aus West für 30 Minuten Zupfen an den Schoten und für einen heftigen Anfall von Selbstzweifeln. Gut so. Besser vor der Saison, als am Ende. Zum Trost grüßt Harald vom "Piratennest" einen Gruß mit seiner Tröte. Da kommt man doch gerne zurück!