03.11.16 Letzte Schwalbe

Noch ein schöner Herbsttag im Hafen. Eine schwache Brise aus Süd, mittags noch über 10°C und die Sonne kämpft sich durch Cirrostratuswolken und lässt die Stadt in winterlich - weißem Licht leuchten. In der Nacht gab es schon den ersten Frost und die nächsten Tage sollen ebefalls kühler werden.
Eine einzelne klassische Segelyacht kreuzt einem Vogel gleich im Hafen. Die erste Schwalbe macht noch keinen Sommer, sagt man im Frühjahr. Wir hoffen, dass diese letzte Schwalbe noch keinen Winter macht.

Letzte Schwalbe?

02.11.16 Abgeriggt

Der November meint es bislang gut mit uns. Auch wenn es schon kühler ist als vor drei Tagen: Heute verwöhnte uns die Sonne mehrere Stunden lang. Beste Voraussetzung, um die Segel abzuschlagen. Die Vorsegel liegen schon seit unserem letzten Ausflug in der Segellast. Das Großsegel war vorgestern dran, heute hat dem Besan die letzte Stunde an der frischen Luft geschlagen.
Früher fand man in Häfen freie Flächen, wo die Segel zusammengelegt werden konnten. Auch im Museumshafen gibt es Platz, aber leider auch Möven, Hunde, Radfahrer. Kurz und gut, wir freuen uns über die breiten Seitendecks der WIEBKE BOHLEN. Sie geben exakt das Packmaß für die Segel vor, die wir zwischen Waschbord und Kabinensüll zusammenlegen. Das geht zu zweit im Handumdrehen, aber wenn eine(r) fotografiert, geht es auch alleine.

Das Besansegel liegt auf dem
Seitendeck...

... wird auf dem Kajütdeck
ausgebreitet und im Zickzack...
Bahn für Bahn zusammengelegt
... passend für den Segelsack
zusammengelegt ...
... auf Vollständigkeit geprüft...
... und für den Winterschlaf zusammengepackt.

30.10.16 Abgesegelt

Morgen soll der Oktober 2016 seinen Spitzenplatz als der trübste seit Beginn der Wetterstatistik weiter festigen. Dabei sind jetzt eigentlich die schönsten Tage auf der Förde. Es ist noch nicht zu kalt, der Wind ist mäßig und sogar die Sonne scheint noch ein paar Stunden. Wessen Uhr heute, nach der nächtlichen Zeitumstellung, noch auf "Sommerzeit" tickt und früh aufbricht, kann bei Sonnenschein ablegen und bei noch hellem Sonnenlicht wieder zurück sein. So eine Chance werden wir in diesem Jahr nicht mehr bekommen. Also stellen wir die Uhr nicht um, verzichten auf die "geschenkte Stunde Schlaf" (sie macht den Unsinn der Zeitumstellung ohnehin nicht zu einem Geschenk) und segeln ein letztes Mal in diesem Jahr.
Das Wetter ist herbstlich-ruhig. Das Hoch mit dem Namen Quinn beschert Sonnenschein und schwachen Wind. Die Luft ist ein wenig dunstig, wie oft an sonnigen Herbsttagen. Die Ufer scheinen in dem weißen Licht zu schwimmen und die kleinen Wellen funkeln im Glanz der niedrig stehende Sonne. Am Morgen ist es im Flensburger Hafen noch leise. Doch auf der Förde ist es mittags richtig still. Nur von ferne klingen Kirchenglocken. Morgen ist Reformationstag.


Im Gegensatz zu uns hat der Wind beschlossen, eine Stunde länger zu schlafen. Wir warten bis er aufwacht und freuen uns über erste Katzenpfötchen auf dem spiegelglatten Wasser. Doch bald schon füllt der Wind die Segel und verwöhnt uns mit einer freundlichen Brise. "Einmal noch nach Bombay" sang einst Hans Albers. Wir kommen heute noch nach Sönderhav bei den Ochseninseln.


P.S. Leider konnten wir gestern ein kleines Video nicht zum Laufen bringen; Blogger kann kein AVI Format verarbeiten. Aber Facebook wohl. Wer also den Standfotos ein wenig Leben einhauchen möchte, sollte einfach auch mal hier reinschnuppern. Und zur Entschädigung für enttäuschte Leser haben wir hier jetzt die Fotos eingefügt.
Nochmals, herzliches Bedauern und schauen Sie bald wieder mal vorbei!

28.10.16 Termine, Termine!

Die Seite "Terminübersicht 2016" zeigt neue Veranstaltungen des Flensburger Schifffahrtsmuseums im November 2016.
Einfach mal reinschauen!

27.10.16 Winterfest

Die Hütte der Lüttfischer ist ideal, um an kleinen Booten
zu arbeiten. Hier wird BIBO, das Beiboot der BODIL aufge-
arbeitet. Rechts und links trocknen derweil die Rettungs-
westen der Kleinen.
Die Buttjolle MINNA ROEDER auf ihrer letzen Reise in
diesem Jahr. Auf der Ostseite des Hafens wartet der Kran
Bis jetzt konnte man den nahenden Winter ignorieren. stiegen die Tagestemperatur zu Beginn des Monats noch noch über 20°C, freuen wir uns jetzt bereits über die Hälfte und bald werden die ersten Nachtfröste das Bohlwerk morgens mit Raureif überzogen haben. Wir hatten es ja geahnt: Der nächste Winter kommt bestimmt und nun wird es langsam Zeit, die Boote darauf vorzubereiten.
Die größeren bleiben ganzjährig im Wasser, die kleineren kommen an Land. So auch die Lüttfischer aus dem Museumshafen. Direkt beim Bohlwerk gibt es an Land keinen Winterplatz für die alten Fischerboote, geschweige denn einen Schuppen, der genügend groß ist und in dem auch im Winter gearbeitet werden kann. Wer keinen Bootsanhänger für den PKW sein eigen nennt, muss an die Steinpier verholen und seinen schwimmenden Untersatz von einem Kran auf den LKW heben lassen, der ihn zu seinem Winterlager fährt.
Auf FULVIA wird die Feuchtigkeit mit Wärme bekämpft.
Der Brennholz-Vorrat wird bald schrumpfen.
GRETA unter ihrer Winterplane

Alle Boote über etwa zehn Meter Rumpflänge bleiben hierzulande auch während des kalten Monate im Wasser. Das bedeutet lange Wochen mit viel Regen oder Schnee auf dem Deck. Darunter schlägt sich die feuchte Raumluft an den kalten Deckplanken nieder und die gemütliche Koje mutiert zur klammen Tropfsteinhöhle. Kein Wunder, dass Heizen und Lüften die Strategie der Wahl ist, wenn es um das Überwintern geht.   Wer nicht gerade an einem
Schwimmsteg oder Ponton festgemacht hat, sollte sich Gedanke darüber machen, wie das Boot bei hohen und niedrigen Wasserständen sicher betreten werden kann. Das Verlassen ist mindestens ebenso wichtig. Vor ein par Jahren blieben wir in der Neujahrsnacht an Bord. Während wier schliefen sank der Wasserstand sehr tief,
PIROLA bekommt zumindest einen Schutz für die Segel.
Sie wird oft auch im Winter gesegelt.
wir konnten das eisglatte Bohlwerk nicht mehr erreichen. Erst ein zufällig am Neujahrsnachmittag vorbeikommender Nachbar befreite uns aus der misslichen Lage.

WIEBKE BOHLEN ist auch beim Lüften  no-go-area für Ratten.
Noch einmal segeln, dann kommt auch ihre Winterplane drauf.
Eine Plane über dem Deck kann das Boot wirkungsvoll schützen - wenn die Zeltflächen steil genug sind. Flache Planen haben sich in der Praxis nicht bewährt, weil das Wasser nicht abläuft bzw. der Schnee darauf liegen bleibt. Planen dürfen auch keine Pfützen möglich machen. Das Regen- oder Schmelzwasser darin wird bei Frost gefrieren und Eis ist erheblich schwerer als Schnee. Sicherheitshalber sollte die Konstruktion deshalb auf der gesamten Fläche für eine massive Eislast vorbereitet sein. Es macht nämlich überhaupt keinen Spaß nach einer Frostnacht das Gewicht von der Plane zu bekommen. Eine Pfütze von etwa einem Meter Länge und 20 cm Breite und Tiefe wiegt schon 40 Kilo. Gut konstruiert, hält ein Planenzelt das Deck weitgehend trocken und schafft ein zusätzliches isolierendes Luftpolster.

Doch wie könnte es anders sein: Nichts ist vollkommen. Deshalb wird auch die beste Plane auf ihrer Unterseite von Schwitzwasser nass. Es wird von der Plane ablaufen, wenn sie steil genug ist und am Rand abtropfen. Es ist sinnvoll, das Wasser außerhalb der Deckfläche abtropfen zu lassen. Wer noch mehr tun will um dauerhaft Freude an seiner Plane zu haben, sollte sie sorgfältig spannen und zumindest anfangs sorgfältig auf guten Sitz kontrollieren.

Überflüssig zu erwähnen, dass der Schutz gegen Regen, Frost und Schnee nur ein Teil der Vorbereitung für den Winter ist. Lüften ist ebenfalls sehr wichtig, um die Räume unter Deck trocken zu halten. Auf WIEBKE BOHLEN wird unliebsamer Besuch von Nagetieren mit Lochblechen vor den "Bullaugen" abgewehrt. Die Ratten, während des Jahres schon ein großes Problem, werden ziemlich agressiv sobald Bens Fischbrötchenhütte als Nahrungsquelle ausfällt. Die Bleche haben sich auch bei Schlagregen bewährt, sodass kein Tropfen nach innen gelangt. Die Lüftung ist recht wirkungsvoll, denn sie lassen Luft auf weit mehr als der Hälfte der lichten Fläche frei hinein und hinaus strömen.