10.03.13 FRIEDA kiellos


Schon vor ein paar Tagen war der Loskiel des alten Snurrewadenkutters FRIEDA weitgehend ausgebaut worden. Nur ein paar Stücke blieben als Stütze für den Rumpf zurück und erinnerten daran, dass er einmal dem Rumpf Festigkeit gab und dem Segler ein paar Grad mehr Höhe am Wind.
Heute wurde der gesamte Kiel des Snurrewadenkutters FRIEDA entfernt.
Zuvor wurde der Rumpf mit breitflächigen Pallen abgestützt. Die Keile dieser Stützkonstruktion wurden dann vorsichtig eingeschlagen um die verbliebenen Stücke des Loskiels vom Gewicht des ehemaligen Fischkutters zu entlasten. Jetzt konnte der eigentliche Kiel in Stücke gesägt werden. Nur die Kielbolzen hielten bis zuletzt Reste des Kiels unter den Bodenwrangen fest. Dort musste das Holz mit Spaltkeilen und wuchtigen Hammerschlägen zerbrochen werden um Platz für den neuen Kiel zu schaffen. Übrig blieb der leere Rumpf, ohne Rückgrat, nur von den Pallen gestützt. In der Werfthalle wartet bereits der neue Kielbalken darauf, für den Einbau vorbereitet zu werden.
Wer eine solche Reparatur macht, steht immer wieder vor weit reichenden Fragen und Entscheidungen. Eine Entscheidung, FRIEDA betreffend harrt noch ihrer Antwort. Soll der untere Teil des Vorstevens den Platz im Müllcontainer mit den Resten des Kiels teilen? Oder anders gefragt: Wie lange hält das alte Holz und der Geldbeutel des Auftraggebers noch durch? Dazu flimmerte neulich ein passender Spruch über den Bildschirm: "Optimismus ist oft Folge fehlender Informationen". Wie wahr!

Hier geht's zu einem früheren Beitrag zu FRIEDAs Kiel

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08.03.15 Alles aus Papier


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Das Motto des heutigen Kartonmodelltages wurde an einem der Tische groß gezeigt ,auch wenn es noch Messer, Nadeln , Kleber , Pinzetten dazu braucht sind alle Modelle aus Papier.Es ist fast nicht zu glauben .was alles mit Geduld aus diesem Material entstehen kann .Da verwandeln die Aktiven mit Cutter , Brille (mit zusätzlicher Lupe) ,Kleber und im Verhältnis riesigen Händen die filigran bedruckten Bögen in maßstabsgerechte Modelle, 1:100, 1:200 sind besonders gefragt. Das heißt bei 1:100  ein Zentimeter ist im wirklichen Original 1 Meter lang. So sind die kleinen Figuren auf der Fähre wie bunte Perlen ,wenn sie noch nicht angebracht sind.

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Wer bei dem Bilderbuchwetter den Weg in Schifffahrtsmuseum gefunden hat , konnte die Welt im Kleinen entdecken und auch selbst  den Modellbau ausprobieren. Da hat wohl der eine oder andere ein neues Hobby gefunden. Die Verlage waren mit Bögen aller Motive und Schwierigkeitsgrade da . Und wenn es beim Basteln schwierig wird - es gibt den regelmäßigen Stammtisch
da hilft jeder gerne weiter.

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04.03.15 PIROLAs Unterwäsche

PIROLA hoch und trocken bereit zur Unterwäsche
Kaum zu glauben, besonders Schiffe, die das ganze Jahr lang ihren Bauch im Wasser haben, müssen von Zeit zu Zeit "untenrum" gewaschen werden. Dei Wäsche ist nicht so oft wie bei uns Menschen fällig, aber einmal pro Jahr sollte es schon sein. Heute ist es bei PIROLA wieder soweit. Trotz giftiger Unterwasserfarbe wachsen
Organismen auf der Oberfläche, Algen Muscheln, das ganze Programm mariner Pioniere. Hat sich erst einmal eine genügend dicke Schicht gebildet, wachsen weitere auf den schon vorhandenen Siedlern. Sie vergrößern den Widerstand, den das Schiff dem strömenden Wasser bietet. Es wird langsamer und braucht fürs Weiterkommen mehr Energie. Starker Bewuchs auf der Schiffschraube kann sogar den Antrieb zunichte machen. Soweit soll es nicht kommen und deshalb heisst es immer wieder mal "auf zur Unterwäsche".
"Auf" gilt heutzutage wörtlich; tatsächlich wird das Schiff aus dem Wasser und an Land gezogen. Da steht es dann "hoch und trocken", wie die Seeleute sagen. Geht es um die Unterwäsche, sollte der Belag jedoch abgewaschen sein, bevor der Rumpf trocknet. Der Bewuchs haftet ohnehin sehr fest, angetrocknet hafter er noch stärker. Ganz dicker Bewuchs wird zuerst mit einem Schaber abgekratzt. Das kann im Einzelfall ziemlich anstrengend sein. Wer sein Schiff nur alle Jubeljahre reinigt, sollte gute Freunde haben, denn die Arbeit muss erledigt sein, bevor alles getrocknet ist. Nach dem Kratzen kam früher der Schrubber zum Einsatz, heute ist es meist der Hochdruckreiniger. Während man mit dem Schrubber nicht viel falsch machen kann, sollte der scharfe Wasserstrahl des Hochdruckreinigers bei Holzschiffen mit Sinn und Verstand eingesetzt werden. Sonst schadet man dem Rumpf mehr als unvermeidbar. Die Plankennähte sind besonders gefährdet. Bleibt der Wasserstrahl zu lange auf der Versiegelung, kann sie beschädigt werden. Ist das passiert, hilft nur noch eine Reparatur. Im schlimmsten Fall müssen die Planken-Nähte und -Stöße vor dem Anstrich mit Unterwasserfarbe neu kalfatert und versiegelt werden.
PIROLA ist aus Stahl gebaut, da gibt es dieses Risiko glücklicherweise nicht.
Kielholen: Das ganze Schiff wurde auf die Seite
gelegt um am Unterwaaserschiff zu arbeiten.
(Quelle: HAFENBLATT 37, Flensburg)
Viele Schiffseigner reinigen die Antriebsschraube mit besonderer Hingabe. Sie wienern und polieren als hätten sie die wertvollsten Stücke der Reichskleinodien vor sich. Sie hoffen, den Bewuchs auf dem "Quirl" dadurch hemmen oder gar vermeiden zu können. Vergebliche Mühe, bald wird das gute Stück wieder von neuem besiedelt werden, besonders, wenn es im Wasser oft dem Tageslicht ausgesetzt ist.
Früher, als die "Schiffe aus Holz und die Männer aus Eisen" waren, ließ man
PIROLAs Antriebsschraube
Schiffe in Gezeitengewässern trocken fallen und nutzte die wenigen Stunden mit Niedrigwasser, um den Rumpf zu reinigen und notfalls zu reparieren. Wo es keine oder nur geringe Gezeiten gibt, wurden Schiffe "kielgeholt". Das war eine aufwendige Prozedur. Die Schiffe wurden gegen das Ufer abgepallt und dann mit starken Taljen, sogenannte Gien, an ihren Masten auf die Seite gelegt. Zuvor musste natürlich innen alles gesichert und notfalls versteift werden. Im Schifffahrtsmuseum Flensburg kann der Besucher heute Modelle sehen, die zeigen, wie das früher war. Tatsächlich soll es eine Stelle im Bereich des heutigen Bohlwerks für das Kielholen gegeben haben.
So gesehen ist PIROLA auf der Museumswerft schon am richtigen Ort.
Jetzt ist der größte Teil der Algen, Muscheln, und Seepocken schon abgewaschen. Auch heute wird die Gelegenheit genutzt, den Rumpf sorgfältig zu untersuchen. Eine unangenehme Entdeckung: Viele der Opferanoden sind vollständig aufgebraucht. Dabei wurden sie erst vor einem Jahr neu angebracht! Ein beträchtlicher finanzieller Schaden.  Zusätzlich bleibt die beunruhigende Frage "Wie konnte das passieren?" Denn erstens nutzen sich die Opferanoden nicht so schnell ab und wenn, dann nicht nur auf einer Seite des Rumpfes.
Bis das sorgfältig geklärt ist, bleibt nur eine - naheliegende - Vermutung: Das Schiff hat möglicherweise einmal mit der betroffenen Seite nahe bei einem großen Objekt aus Metall gelegen, das elektrisch unsachgemäß angeschlossen war. Zu dem kann sich ein Stromkreis aufgebaut haben, der die Opferanoden aufgefressen hat.
Soweit die schlechte Nachricht. Eine gute Nachricht zum Schluss: Die Opferanoden haben haben sich ihrer Bestimmung gemäß für das Schiff geopfert. Der Rumpf und die Antriebsschraube scheinen unversehrt zu sein.

01.03.15 Schrecken der Leere

Man hätte es nicht erwartet. Solange ARCHE NOAH das Ausstellungs... (ja was denn eigentlich? Schiff kann man es schließlich nicht nennen, eher Prahm oder so) im Hafen festgemacht hatte, dominierte sie mit ihrer schieren Masse das Hafenbild und versperrte die Aussicht auf Alt-Flensburg. Nun ist sie weg, der Blick ist wieder frei - aber, kaum zu glauben, irgendwas fehlt. Nun, das Gefühl des horror vacui (Schrecken der Leere) wird wieder schwinden und vertraute Bilder von Traditionsschiffen und Jachten werden die Blicke fesseln, so wie seit dem 12. Januar  BELUGA II. Sie kommt oft im frühen Jahr nach Flensburg und absolviert hier Ausbildungsfahrten für Schlauchbootführer. Das machen die harten Eleven der Umweltschützer bei jedem Wetter. Heute sollte es eigentlich eher kalt, regnerisch und vielleicht sogar schneeig werden, aber nun war es lediglich meist trüb. Bleibt zu hoffen, dass die Ausbildung darunter nicht allzusehr leidet. Wir hoffen derweil auf weitere Besserung. Schließlich hat für Meteorologen heute der Frühling begonnen.


28.01.15 VIKING adé, es lebe VIKING

Salondampfer ALEXANDRA, letzte ihrer Generation von
Ausflugschiffen
Einst war Flensburg Ausgangspunkt einer lebhaften Personenschiffahrt auf der Förde. Zahlreiche Ausflugsdampfer belebten Anfang des 20sten Jahrhunderts die Aussicht auf das Wasser und die Uferlandschaft. Sie waren Treffpunkt der hierzulande berühmten Petuh-Tanten, die einen deutsch-dänischen Mischdialekt sprachen, den heute nur noch wenige beherrschen und verstehen, aber fast alle lustig finden.
Übrig geblieben ist aus dieser Zeit der "Salondampfer" ALEXANDRA, ein
Ausflugschiff LIBELLE bei einer Inspektion im Jahr 2012
auf der Museumswerft in Flensburg
Dampfschiff, wie man es sich vorstellt. Es ist mittlerweile als schwimmendes Denkmal (Nr. 5177 im Verzeichnis der Kulturdenkmale Schleswig-Holsteins) ausgezeichnet worden.
Auf der der Ostseite des Hafens schwimmt auch noch LIBELLE, Im Jahr 1934 das erste mit einem Verbrennungsmotor angetriebene Ausflugsschiff auf der Förde.
Autsch! Dieser Anblick tut weh: Flensburgs Linienschiff an seinem letzten Bestimmungsort in Grenå.
VIKINGs trauriges Ende
(Foto: Bendt Nielsen - sh:z)
Man soll bekanntlich niemals nie sagen. Doch die Auszeichnung "Denkmal" wird das Ausflugschiff der Fördereederei VIKING, eine ihrer späteren Nachfolgerinnen nie erhalten. Das Schiff wurde in diesen Tagen von der dänischen Abwrackwerft Fornaes geschreddert *). Noch im letzten Jahr pflügte sie unermüdlich die Förde auf ihrer Standardroute Ochseninseln rund nach Glücksburg. Wieviele Touristen auf ihr Seebeine bekamen, ist nicht bekannt, aber das Sonnendeck war bei gutem Wetter meist voller Menschen. Nun ist sie für immer dahin auf dem Weg alles Irdischen. Nur ihr Stahl wird, in Form neuer Schiffsplanken und Spanten, vielleicht einmal wieder über die Meere fahren.
FGS Wappen von Boizenburg
WAPPEN von BOIZENBURG wird VIKING ersetzen
(Foto: Schiffspotter)
Dieses Ende hatte wohl kaum jemand vorausgesehen, zumal VIKING ausgerechnet auf der Rückreise von einem Routine- Werfttermin war und dem Schiff außerdem noch im letzten Jahr im Rahmen der vorgeschriebenen amtlichen Untersuchung die sog. "Schwimmfähigkeit" bestätigt wurde. Als nun dennoch Wasser durch die Stahlhülle drang, entschied sich die Werft kurzfristig, VIKING abwracken zu lassen und für die kommende Saison eine Nachfolgerin zu beschaffen. Sie heißt jetzt noch WAPPEN von BOIZENBURG und hat bislang den Nord-Ostseekanal und die Treene befahren. Künftig soll auch sie VIKING heißen. Wir wünschen ihr gute Fahrt.

Der Wassereinbruch auf der alten VIKING erinnert wegen seiner Begleitumstände an die Havarie der RAKEL. Das letzte originale Fischereifahrzeug des legendären Colin Archer erlitt im Jahr 2013 ebenfalls einen Wassereinbruch. Das Schiff war ebenfalls kurz zuvor im Rahmen der für Traditionsschiffe vorgeschriebenen Untersuchungen duch Gutachter als seetauglich eingestuft worden. Die Prüfungen sind dennoch unverzichtbar aber letzendlich werden Schiffe von der See geprüft.


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*) Auch wer Schiffsausrüstung sucht, kann dort manchmal fündig werden. Die Werft hat ein großes Angebot gebrauchter Teile und Geräte