06.12.14 Der Nikolaus war da


Der Nikolaus begrüßt seine...
Heute kam der Nikolaus an Bord von Schlepper FLENSBURG, um die Kinder der Stadt zu besuchen. Sie erwarten ihn, geduldig auf dem Bohlwerk unter dem Historischen Krahn an der Hand ihrer Eltern, Großeltern Onkel und Tanten. Ein Musiker intoniert eine Begrüßungsmelodie zu dem Text "Nikolaus, Nikolaus, komm zu uns nach Flensburg 'raus". Ein paar singen zaghaft mit, andere habeen sich einen Becher warmen Kakao besorgt. Derweil sinkt die Sonne an einem wolkenlosen Himmel und sendet letzte goldene Strahlen auf St. Jürgen. Man muss wohl Bischof hier im Norden sein, um das hinzukriegen.  
...kleine Fangemeinde
Pünktlich nähert sich der alte Schlepper, schon erkennen die ersten den Gast - an seiner Mütze. Später wird ihn eine junge Reporterin der KINA fragen, warum er denn die Mütze und den besonderen Mantel trage. Die Antwort kommt so treffend wie überzeugend: "Damit man den Bischoff erkennt". Da waren die bummelig fünfzig Menschen schon in einer kleinen Prozession ins Schifffahrtsmuseum gezogen, wo der Nikolaus, Bischof Gothard Magaard, von seinen Aufgaben als Schutzheiliger der Kinder und Seeleute erzählt. Nach zwei Adventsliedern kommt endlich der Augenblick, auf den die Kinder gerne gewartet haben: Der hohe Gast öffnet seinen Sack und verteilt gute Gaben an die Kleinen. Die älteren Begleiter guckten gerührt. Es ist eine schöne kleine Feier. Radio und Presse sind auch gekommen. Für manche viel zu früh, ist der Sack mit den Gaben geleert und der Bischof macht sich auf seinen Weg zum nächsten Termin. Diesmal jedoch über Land. Nicht jeder Ort im Norden ist schließlich so maritim traditionell auf dem Wasserweg zu erreichen wie Flensburg und sein Historischer Hafen.
Übrigens: Der Ort historische Ort Myra, in dem der originale Bischof Nikolaus vor 1700 Jahren wirkte, liegt am Mittelmeer, also ebenfalls am Wasser.

05.12.14 Praktische Kulturpflege

Wie schön sind doch die alten Holzschiffe mitten in der Stadt! Malerische Zeugnisse der großen maritimen Zeit Flensburgs, von den goldenen Jahren auf und am Wasser. Alles ist wie früher: Die Schiffe, das Bohlwerk, der Historische Krahn (kein Schreibfehler!) die Hafenfront und natürlich auch die Ratten. Während erstere mehr oder minder minder mühsam erhaltene Relikte sind, erfreuen sich letztere größter Vitalität. Die geht so weit, dass ihnen der Lebensraum zu eng wird. Sie beginnen, die Schiffe des Museumshafens für sich zu erobern. 

"In Häfen hat es immer schon Ratten gegeben", war bisher die mehrheitliche Auffassung der Schiffseigner - solange das eigene Schiff nicht betroffen war. Jetzt scheint sich diese Haltung ein wenig zu ändern. Ein Traditionssegler wurde bereits an einen anderen Liegeplatz verbracht. Auf einem anderen wurden in kurzer Zeit sechs Ratten gefangen, nachdem erstmals Fallen aufgestellt wurden. 

Die HAFENMELDUNGEN hatten verschiedentlich über die fortwährende Rattenplage am Bohlwerk berichtet. Im Sommer tummeln sich Ratten, zur Freude mancher Besucher, in der Steinschüttung entlang der Museumswerft. Einige von ihnen sind tierlieb und haben gerne von ihren Fischbrötchen abgegeben, was die Population der Nagetiere auf konstant hohem Niveau hielt. Aber die Zeiten ändern sich und jetzt, in der winterlichen Kälte sind härtere Tage für die flinken Pelztiere angebrochen. Seitdem auch noch LILLE BJØRN durch die Abwrackaktion bei der Museumswerft als Brückenkopf ausfällt, sind die gefräßigen Nager in hellen Scharen in die Umgebung geflohen. Wer einmal auf der alten Hulk zu Besuch war, berichtet mit leisem Gruseln, dass Jackenärmel und Hosenbeine zugebunden werden mussten, um die eigene Unterwäsche frei von Ratten zu halten. Die suchten sich mittlerweile auf anderen Traditionsschiffen eine neue Bleibe.  
Rattenfalle mit Nutella als Köder
Quelle: WIKIPEDIA
Die jetzt arretierten sechs Ratten wurden in einer normalen Rattenfalle gefangen und zwar - kaum zu glauben - mit Nutella als Köder. Diese Haselnusscreme mögen sie wohl. Ob sie deswegen auch Feinschmecker genannt werden können, bleibt allerdings ihr "süßes" Geheimnis. Schließlich darf eine Ratte, die keine Reste von Fischbrötchen findet, nicht wählerisch sein und Hunger ist bekanntlich der beste Koch. Nutella als Köder hat aber auch einen praktischen Grund: Wurst, Schinken, Schnittkäse oder andere feste Nahrungsmittel zerren die intelligenten Nager einfach von außen durch die Gitterstäbe. Danach ziehen sie satt und zufrieden ihres Weges. Das funktioniert bei der schmierigen Creme nicht. Sie kann nur innerhalb der Falle verzehrt werden und so wird sie für die Ratte zur Henkersmalzeit. Guten Appetit! 
Allerdings geraten nicht alle Ratten in diese "Lebendfallen". Als Lernwillige und -fähige Gruppentiere haben sie bald den Bogen raus und verzichten auf die schmackhafte Verlockung. 
Andere Methoden sind in Deutschland dem Privatmenschen verboten, weil sie entweder gegen den Tierschutz, den Artenschutz oder den Umweltschutz verstoßen. Bleibt nur die Frage, was mit den lebend gefangenen Ratten geschieht. Morgen kommt ja der Nikolaus ans Bohlwerk. Ob er sie wohl mitnehmen möchte?

Mittlerweile versuchen sich die Schiffer zu schützen, indem sie alle Zugänge zum Inneren der Schiffe versperren und alle Nahrungsmittel von Bord entfernen.
Jetzt könnte man sagen: Problem erkannt - Problem gebannt und sich anderen Themen zuwenden. Wenn da nicht ein klitzekleines Problemchen übrig bliebe: Holzschiffe müssen gut gelüftet werden, wenn sie nicht Opfer von Schwitzwasser und Schimmel werden sollen. Nun sieht man statt offener Steckschotten Lochbleche und Windhutzen werden verstopft. Doch so kommt weniger Luft in die Schiffe. Nun muss der Innenraum mit elektrischen Lüftern zwangsweise belüftet werden. Bleibt die Sorge, dass am Bohlwerk ein hergelaufener Spaßvogel in der Nacht die Stecker aus den Anschlusskästen zieht. Dann ist bald ein neuer Satz Batterien fällig, es sei denn, man baut ein Relais vor die Lüfter, das die Leitung (12V) trennt, wenn der Landstrom ausfällt. 
Das alles machen die Skipper gerne, besonders vor den Feiertagen, dient es doch der Attraktivität Flensburgs. Im übrigen freuen sie sich, die schönen Schiffe mitten in der Stadt präsentieren zu dürfen.

03.12.14 Afro Danes


Soeben traf eine Ankündigung des Flensburger Schifffahrtsmuseume ein, die wir gerne weitergeben:
Am Sonntag, 7. Dezember um 11.30 Uhr präsentiert das Flensburger Schifffahrtsmuseum das Projekt "Afro Danes" des dänischen Künstlers Jens Galschiøt.

Ziel des Projekts ist die Errichtung eines Denkmals, das an die
100.000 Afrikaner erinnert, die von Dänemark im transatlantischen Sklavenhandel in die Kolonien Dänisch-Westindiens verschleppt worden sind. Der Kolonialhandel hat dem dänischen Gesamtstaat mit seinen großen Handelsstädten Kopenhagen, Altona und Flensburg immensen Reichtum beschert. Das Schicksal der versklavten Arbeiter auf den Plantagen interessierte damals fast niemanden - und ist bis heute kaum im Bewusstsein der Öffentlichkeit. Der Künstler Jens Galschiøt aus Odense plant für den 100. Jahrestag des Verkaufes der Dänisch-Westindischen Inseln an die USA 2017 die Errichtung eines Denkmals, das an diese Menschen erinnert.
Nach den Wünschen des Künstlers sollte die Plastik ursprünglich einen prominenten Unterbau bekommen: Seit dem Umzug des so genannten Idstedtlöwen nach Flensburg war der Sockel am Søren Kierkegaards Plads in Kopenhagen verwaist. Die Verwendung dieses geschichtsträchtigen Fundamentes hätte auch auf Flensburg und seinen Anteil an der dänischen Kolonialgeschichte verwiesen. In der Zwischenzeit wurde der Sockel demontiert. Die Fragestellung des Monuments bleibt jedoch weiterhin bestehen. Das Flensburger Schifffahrtsmuseum präsentiert nun ein Modell der geplanten Skulptur im Rahmen der Ausstellung "Sklaven, Zucker, Rum". Susanne Grigull wird im Rahmen einer Führung durch die Ausstellung das Projekt und die Skulptur vorstellen. "Afro Danes" wird als Teil des Begleitprogramms zur aktuellen Inszenierung "Vom Reisen in ehemaligen Kolonien" der Theaterwerkstatt Pilkentafel präsentiert.

Jens Galschiøt ist in diesem Jahr schon einmal mit einer spannenden Kunstaktion nach Flensburg gekommen. Im Juli präsentierte er auf dem traditionellen Fischkutter ANTON ein Happening unter dem provozierenden Namen "Levende Hav" zur Situation der Flüchtlinge. Dabei arrangierte er 70 Plastiken auf dem Schiff, die ihre Betrachter mit leeren, traurigen Gesichten ansahen.

03.12.14 Die letzten Tage der LILLE BJØRN

Muss noch eine Verbindung zum Rumpf gelöst werden?


 
Der Rest der Aufbauten hängt am Kran


Mittlerweile wurde der Rumpf des alten Frachtseglers komplett entkernt und von allen noch vorhandenen Umweltschadstoffen gereinigt. "Fettfrei" gemacht, nennt man das. Schließlich soll die Hülle versenkt werden, damit die Azubis einer Tauchschule im Binnenland in puncto Wracktauchen praxisnah üben können. Dafür sollen die Aufbauten demontiert werden, nachdem das Rigg zuvor komplett entfernt wurde. Ob die weggebauten Teile auf dem künftigen Übungsgelände noch eine Rolle spielen werden, ist nicht zu erfahren. Wenn nicht, ist das Üben am Wrack der LILLE BJØRN zumindest weniger gefährlich, wenn auch zu Lasten der realistischen Bedingungen. Denn das Rigg eines gesunkenen Großseglers ist oft eine chaotische Umgebung von frei treibenden Leinen, gebrochenen Stengen und Spieren samt Segeln, die sich als Leichentuch über dem geborstenen Rumpf ausbreiten. Wer genau wissen will wie das auf LILLE BJØRN sein wird, sollte einfach einen dieser Kurse belegen.  
Heute ging es darum, die verbliebenen Reste der Deckshäuser abzuheben. Ursprünglich sollten die wohl heil bleiben oder zumindest nicht weiter zerstört werden. Deshalb der prüfende Blick auf die verbindenden Bauteile. Sind auch wirklich alle gelöst? Kann sich nichts verhaken?

Als auf dem Kran schließlich die Spills langsam drehen und die dicken Trossen aufwickeln, kommt der Rumpf deutlich aus dem Wasser. Dann, mit einem Ruck fällt er wieder nach unten und die Reste des großen Deckshauses baumeln an den langen Anschlagketten. Es kann nicht mehr lange dauern, bis  LILLE BJØRN ihre letzte Reise antritt.

Alle füheren Bericht über LILLE BJØRN können hier aufgerufen werden.

01.12.14 Maritimes Weihnachtskonzert im Schifffahrtsmuseum

Alle Jahre wieder! Am 3. Adventssonntag findet im Flensburger Schifffahrtsmuseum wieder das Weihnachtskonzert des Tarper Shantychors "Die Hornblower" statt. Geboten werden traditionelle Shanties, maritime Weihnachtslieder, Erinnerungen an Norddeich Radio und Geschichten vom weihnachtlichen Brauchtum an Bord. Insgesamt können sich die Zuhörer auf einen besinnlichen Abend freuen, bei dem aber auch der Humor nicht zu kurz kommt.

So, 14. Dezember,
19.00 Uhr Flensburger Schifffahrtsmuseum


Einlass: 18.00 Uhr
Eintritt: 8,- Euro