19.04.18 Sonnenenergie

Nach dem unerwarteten und langen Wintereinbruch hat sich endlich der Frühling eingefunden. Auf den Booten am Bohlwerk werden jetzt mit Hochdruck die Spuren des nassen Winters beseitigt

Das Tief über den Britischen Inseln hatte sich nach Norden verkrümelt, der Ostwind drehte auf West und anstelle der Kaltluft aus Sibirien kam endlich die Warmluft vom Atlantik bis zu uns. Das gute Wetter soll sogar bis über das Wochenende anhalten!

Behinderte vor vier Tagen noch der Regen die Arbeit am Boot, behinderte uns anschließend das gute Wetter bei den HAFENMELDUNGEN; wir bitten um Nachsicht!

Nachdem RYVAR schon vor vier Tagen einen Ausflug auf die Förde machte, konnte heute auf WIEBKE BOHLEN das Großsegel angeschlagen werden. An Segeln ist aber noch nicht zu denken, weil wieder mal jemand beim Schleifen und Lackieren eingeschlafen ist. Kein Wunder, muss der Lack doch zwischendurch immer wieder trocknen.
Auch auf GRETA geht die Arbeit weiter zügig voran. Zuletzt wurde sogar ein Deckshaus komplett neu aufgebaut.









Während dessen konnte auch FULVIA heute einen ersten Ausflug auf die Förde unternehmen.


15.04.18 Kein Segen durch Regen

Das Wetter und der frühe Termin der Rumregatta macht in diesem Jahr manchen Wartungsplan der Traditionsschiffer obsolet. Das nächste Jahr verspricht - rein kalendarisch - bessere Bedingungen.

Die Crew der GRETA hat sich viel vorgenommen. 
Dass der Winter immer später kommt, wenn er denn überhaupt kommt, mag erklären wer will. In diesem Jahr bringt er einige Wartungspläne durcheinander. Die Boote lagen Anfang März noch unter ihrer Winterpersenning; zur selben Zeit segelten vor einem Jahr schon einige auf der Förde. Das heißt: Vier Wochen fehlen für die Vorbereitung der Segelsaison. Die beginnt hierzulande spätestens mit der traditionellen Rumregatta. Die 39-ste ist in einem Monat schon wieder Geschichte; dabei ist die  To do Liste  noch längst nicht abgearbeitet. Im Gegenteil, mit dem Fortschritt der Arbeiten kommen immer wieder neue Aufgaben hinzu. Sei es, weil es sich gerade so ergibt ("... wo wir gerade dabei sind, wäre es doch vernünftig") oder weil Schäden erst im Laufe der Arbeit entdeckt werden. Wie sagte Brecht? Ja, mach nur einen PlanSei nur ein großes Licht! /Und mach dann noch'nen zweiten Plan/ Gehn tun sie beide nicht". Diesmal liegt es am Wetter, genau gesagt am Regen, der immer wieder den schönen Plan zu Makulatur macht. Das Beste, was man über Regen sagen kann ist dass er hilft, undichte Stellen im Deck zu finden. Mehr fällt dazu nicht ein. Wer sich nämlich sogleich an die Reparatur machen will, wird umgehend vom selben Regen ausgebremst. Längst sind alle verfügbaren Heißluftgeräte vergeben und die Regenplanen gleich dazu. Der Hafen wird zum Zeltplatz. Zum Glück ist wenigstens der Starkwind der letzten Tage nach Osten abgezogen. Und jetzt bessert sich sogar die Wettervorhersage. Mit Beginn der Woche soll es trocken und wärmer werden. Aber das nächste Tiefdruckgebiet lauert schon über den Britischen Inseln. Seine Fronten könnten schon in wenigen Tagen wieder feuchtes und windiges Wetter bringen. So ist das eben mit dem Wetter im April. 

Die gute Nachricht zum Schluss:
Im nächsten Jahr kommt die dann 40-ste Rumregatta 
drei Wochen später, nämlich am ersten Juni. Das ist der erste Tag im Sommer und damit auch schon fast der späteste mögliche Termin. Theoretisch könnte sie sogar noch eine Woche später stattfinden. Aber dazu gab es bisher erst fünfmal seit Einführung des Gregorianischen Kalenders (1525) Gelegenheit. Vier von ihnen scheiden aus, weil länger als 39 Jahre zurück liegend. Das war in den Jahren 1639, 1707, 1791, 1859 und 2011. Also freuen wir uns auf den Termin der 40-sten, er wird erst in zwanzig Jahren wieder besonders spät liegen.

14.04.18 Noch dreißig Tage

In dreißig Tagen beginnt die 39. Rumregatta. Die meisten auswärtigen Teilnehmer treffen sich bereits am Vor-Vortag in Sonderburg und segeln tagsdrauf auf Platz und Sieg in der Fjordregatta während in Flensburg die Jollen, Schmacke, Sjekten, kurz gesagt: die "Lütten", gegeneinander segeln. 

Jemand der nicht so genau weiss wann die nächste, die 39. Rumregatta, stattfindet, kann hier sofort geholfen werden. Am Samstag, dem 12. Mai starten die Teilnehmer der "unernsten Geschwaderfahrt" in der Wasserslebener Bucht (vor dem Flensburger Hafen). Wer nicht so genau weiss, wo das ist - einfach am Vortag den vielen Gaffelseglern folgen, die mittags auf der Flensburger Förde unterwegs sind. Die wollen garantiert alle ebenfalls dorthin.



















Also erst mal tschüüs und bringt gute Laune mit!

13.04.18 Wat mutt, dat mutt.

Zu gerne möchten wir vergessen, dass der Kalender den Monat April zeigt. Für alle, die auf stabiles Wetter hoffen ist der Monat ein notorischer Spaßverderber.  


vor zwei  Wochen noch ein ziemlicher Verhau an Deck,
hoffentlich bald wieder ein vorzeigbares Boot.
Und so sieht WIEBKE BOHLEN heute aus. Deckshäuser;
Luken und Laibhölzer an Backbord sind schon lackiert.
Vor einer Woche Tagen freuten wir uns über den endlich hier angekommenen Frühling. Einen ganzen Monat später als im letzten Jahr konnte die Winterplane abgebaut und ins Sommerlager gebracht werden. Endlich wieder aufrecht an Bord gehen, endlich wieder an Deck arbeiten können ohne kriechen zu müssen! Mit dem Schwung der Begeisterung über die steigende Temperatur wuchs die Vorfreude auf den nahenden Tag an dem zum ersten mal seit dem Herbst "Leinen los!" gerufen wird. Diese Freude währte leider nur kurz. Zwei Tage später kam der Winter zurück. Zum Frühstück zeigte das Thermometer gerade mal vier Grad. Schlimmer noch: Durch den frischen Wind blieben
davon gefühlt nur noch zwei Grad übrig. Das wurde selbst dann nicht viel besser als die Thermometer-Anzeige kletterte, denn der Ostwind hatte inzwischen ebenfalls zugelegt.
Der Außenklüver von RYVAR wird angeschlagen. 
Aber jammern hat bekanntlich keinen Zweck  und wat mutt dat mutt. Gegen Kälte hilft kräftiges Schleifen und Lack verläuft besser, wenn es nicht so warm ist. Zwei Lagen Lack für eine Auffrischung sollen sein, vier für eine Reparatur. Kein Problem bei normalem trockenen Wetter. Zudem wurden die Rundhölzer bereits geschliffen und lackiert. Ebenso die Deckshäuser und Luken sowie die Laibhölzer an Backbord. Die Sturmböen der letzten Woche waren allerdings etwas hinderlich. Dabei gibt's diesmal besonders viel zu tun. Sturm und Nässe haben ihre Spuren hinterlassen. Und das Boot sieht aus, als hätte es den Winter über neben einer Kohlenschute gelegen. Und wo Regenwasser auf lackiertes Holz tropfte, hat es den Lack einfach abgebeizt.
Dass es heute immer noch für Außenarbeiten zu feucht ist, lässt die Zeitreserve im Plan schmelzen wie Schnee an der Frühlingssonne. Jetzt kommen noch die Laibhölzer auf Steuerbord zur Frühjahrskur, der Rumpf wird noch gereinigt und das Rigg komplettiert. Dann können die Segel angeschlagen werden.

Auch die Nachbarn am Bohlwerk versuchen die guten Tage zu nutzen. Auf GRETA wurde in den letzten Tagen mit Eifer geschliffen und gemalt. Und auch BETTY bekommt Farbe aufs antike Holz. Über den Mast von RYVAR haben wir bereits berichtet. Gestern konnten wir ein kreatives Manöver beobachten, in dem das Stag des Außenklüvers am Klüverbaum des Loggers angeschlagen wurde. Da haben es Eigner kleinerer Boote etwas einfacher und überhaupt: Wohin mit der langen Leiter?
Das schlechte Wetter hat auch Vorzüge: Die HAFENMELDUNGEN kommen auch mal wieder dran.

13.04.18 Leben am Rand

Sonntag eröffnet das Flensburger Schifffahrtsmuseum die Wanderausstellung "At the water’s edge/ Erinnerungen an den Kalten Krieg". Über Sprach- und Landesgrenzen hinweg weckt das internationale Kunst- und Ausstellungsprojekt der schwedischen Künstlerin Hanna Sjöberg Erinnerungen an die Zeit, als die Ostsee vom Eisernen Vorhang geteilt war. Der Kalte Krieg hatte jahrhundertealte Verbindungen unterbrochen.
Seit seinem Ende hat sich die Ostseeregion zu einer der wichtigsten in der Europäischen Union entwickelt, doch die Erfahrung eines geteilten Meeres hat Spuren bei Generationen von Menschen hinterlassen und wirkt bis heute nach.

Die Künstlerin mit zwei Fotos aus der Ausstellung
Die Ausstellung wird am kommenden Sonntag, 15. April um 11.30 Uhr von der Museumsleiterin Frau Susanne Grigull eröffnet. Frau Hanna Sjöberg, Künstlerin und Kuratorin, gibt eine Einführung in deutscher Sprache.   

Heute bekamen wir Gelegenheit, die Künstlerin und ihre Arbeit kennen zu lernen und einen ersten persönlichen Eindruck von der noch unfertigen Ausstellung zu gewinnen. Zu sehen waren waren zumeist schwarz-weiße Amateur-Fotografien aus der Zeit bis in die 90er Jahre, wie sie wohl in vielen Familien in Alben oder Kartons aufbewahrt wurden und werden. Verblüffend die scheinbare Belanglosigkeit von Bildern nahezu leerer Uferlandschaften, Menschengruppen am Strand oder spielender Kinder. Unter anderem ein Foto auf dem zwei Soldaten mit Gewehren an einem leeren Ufer zu sehen sind. Dazu erinnert sich die Künstlerin an ihre Sommerferien als Kind auf Gotland und an "ein diffuses Gefühl der Ferne ohne konkrete Vorstellungen was auf der anderen Seite der Ostsee vorgeht". 
Die Fotos scheinen nur zufällig in die Ausstellung gekommen zu sein und tatsächlich gibt es keine Auskunft zu Kriterien für die Auswahl. Zu sehen gab es auch eine Schrifttafel mit dem lapidaren Text: "Abends wurde der Strand geharkt und die Grenzsoldaten patrouillierten jede fünfte Stunde". Das macht neugierig und im Kopf entsteht ein Bild vom Leben hinter geharkten Stränden und patrouillierenden Soldaten. Das verbindet die ausgewählten Bilder aus neun Ländern: Der Ausdruck einer monströsen Normalität vom Leben in Gefängnissen, so groß wie die Anrainer der Ostsee hinterm Eisernen Vorhang. Ein Anwesender erinnert sich. "Aufenthalt am Strand war verboten. Wer erwischt wurde musste zur Strafe Kartoffeln schälen oder die Toilette putzen". 

Seitdem die Fotos entstanden sind, ist der Kalte Krieg zu Ende gegangen und das Gebiet der Ostsee ist wieder eine der wichtigsten Regionen Europas geworden. Aber das Gefühl einer diffusen Unsicherheit ist geblieben und nimmt aktuell wieder zu. 

Die Ausstellung macht Station in Flensburg auf einer Rundreise durch die mitwirkenden Länder. Sie endet im Juli in Gdynia, Polen.
Das Projekt wurde finanziert von der Unitas Foundation Tallinn gefördert vom Ostseerat und soll als Kommunikationsplattform verstanden werden, nationale Sichtweisen aufbrechen und den künstlerischen Austausch stärken. Unser Faszit: Das könnte gelingen.
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Quellen: PK und Interview