25.08.17 Kaiserwetter zur Kongelig Classic

Gestern holte der Historische Hafen tief Luft und inhalierte einige Dutzend ganz alte, alte und noch nicht so alte Segelschiffe und -Boote aus Dänemark und Deutschland. Sie versammelten sie sich auf der Strecke vom Historischen Krahn auf dem Bohlwerk bis zur Hafenspitze. Einige kamen geradewegs aus dem Sommerurlaub, andere wollten die Saison noch über die Hanse Sail in Rostock hinaus verlängern. 
Die Kongelig Classic 1855 zeichnet sich als Regatta dadurch aus, dass die ansonsten getrennt segelnden ehemaligen Berufssegler und die immer noch segelnden klassischen Yachten auf der selben Bahn segeln, wenngleich getrennt gewertet. Und dass ihre Etappen Zielhäfen in zwei verschiedenen Ländern verbinden, hat auch Seltenheitswert. Sie beruft sich auf die vermutlich erste Regatta in der Westlichen Ostsee im Jahr 1855. Der Namen gebende dänische König war ihr Schirmherr, der allerdings nach unserer Kenntnis nicht selber teilnahm. Insofern entspricht die Regatta von heute auch diesem Punkt dem Original, denn Seine Königliche Hoheit nahmen auch diesmal nicht teil. 

Heute um zehn Uhr leerte sich der Hafen wieder und entließ die Teilnehmer, teils schon im Hafen unter Segeln, in die Wasserslebener Bucht zur Startlinie. Dort spielte sich auch auf dieser Regatta das übliche Gewusel vor der Startlinie ab, wenn jeder für sich die günstigste Position sucht. Ein schönes Bild wenn die alten Boote auf engem Raum kreuzen, während andere noch mit killenden Segeln ihre "Lappen" vorheißen. Und das ganze Geschehen unter einem strahlend blauen Himmel mit dicken sommerlichen Haufenwolken. Dazu noch ein Westwind von drei bis vier Beaufort, der Traum eines jeden Seglers, der schnell und komfortabel von Flensburg nach Sonderburg reisen möchte. 
Um elf Uhr Ortszeit knallte der Startschuss und das Feld ging auf die Bahn. Den hörten wir aber nicht mehr, denn wir waren schon unterwegs zu unserem Aussichtspunkt


AKELA kommt in Sicht
Als wir, mittlerweile am Steilufer von Holnis auf das Regattafeld warteten, sahen wir um 12:05 Uhr, wie AKELA die "Schwiegermutter" genannte Fahrwassertonne passierte. Das war eine Stunde nach dem Start! Nur 15 Minuten später kamen als erste größere Teilnehmer GRØNNE ERNA und WILLOW WREN gleichauf an der Schwiegermutter vorbei. Nach weiteren 15 Minuten war das Regattafeld in der Äußeren Flensburger Förde verschwunden.  

Wie gesagt, das Etappenziel des ersten Tages war Sonderburg. Der zweite und letzte Tag der Kongelig Classic hat Apenrade als Etappenziel. Wir wünschen den Crews und ihren Booten viel Freude an der Veranstaltung und eine gesunde Heimkehr!



21.08.17 Größte Freude!

Frage: 
Was ist die größte Freude?

Antwort:
Zweitens, sein eigenes Boot segeln zu sehen. Die Gelegenheit hat dazu nicht jeder und wenn, dann vielleicht auch nur ein einziges mal.
Eine länger währende Freude machte uns heute eine liebe Bekannte indem sie uns Fotos schenkte auf denen wir in den Flensburger Hafen kreuzen. Dafür ganz besonders herzlichen Dank!




Zum Besten was uns der Flensburger Hafen bietet gehört, dass wir vom Liegeplatz weg segeln können und auch (fast) ohne Motor wieder zurückkommen können. Bei Wind mit Richtung aus SE bis SW heißt das:
Fotos (3): Heike Ehlerts
kreuzen bis hinter das Bohlwerk. Wir hoffen, dass auch Besucher des Hafens uns gerne zusehen und ein Funke unsere Begeisterung überspringt. 






Die Reihenfolge der Bilder täuscht. Was so aussieht, als wären wir von achtern als Überholer aufgekommen, hat so nicht stattgefunden. Die Fotografin segelte auf einer modernen, gut geführten Jacht. Die war schneller als wir. Das Vergnügen gönnen wir jedem, der uns überholt. Wir dürfen zum Ausgleich länger auf unserem Boot sein. Das macht es wieder wett. 

19.08.17 Historischer Hafen neu im Web

Der Historische Hafen Flensburg informiert mit einer neuen Seite über die Organisationen und Ereignisse in seinem Bereich. Die Seite umfasst als Rubriken "Aktuelles", "Schiffe", "Service und Information" und "Kontakt".

Die meisten unserer Leser kennen den Historischen Hafen. Täglich besuchen aber auch neue Freunde der maritimen Tradition die HAFENMELDUNGEN. Ihnen zur kurzen Information über den Historischen Hafen Flensburg:
Die gemeinnützige GmbH Historischer Hafen ist die Dachorganisation der Flensburger Vereine, die sich der Bewahrung maritimer Kultur widmen. Seine Gesellschafter sind Vereine mit den Schwerpunkten
Ehemalige segelnde Berufsfahrzeuge
Klassische Jachten
Dampf- und Motorschiffe
Schifffahrtsmuseums
Museumswerft Flensburg gehört ebenfalls zum Themenkreis "Maritime Tradition, wenn auch organisatorisch unabhängig.

17.08.17 Regatta naht - Trophäe weg


Bilder von der ersten Kongelig Classis 1855

Siebenmal werden wir noch wach, dann treffen sich im Flensburger Hafen Teilnehmer der Kongelig Classic. Diese dreitägige Wettfahrt durch Förden und Sunde verbindet seit 2012 auf ihren Etappen drei Städte diesseits und jenseits der dänisch-deutschen Grenze: Apenrade, Flensburg und Sonderburg. In diesem Jahr beginnt die Wettfahrt in Flensburg, Ziel ist Apenrade. Ungewöhnlich bei dieser Regatta ist der historische Anlass im Jahr 1855, ungewöhnlich ist auch, dass traditionelle Segelyachten und Arbeitssegler auf derselben Bahn um Platz und Sieg kämpfen. In den drei Städten ist für Kurzweil gesorgt und die Besten der Etappen und der gesamten Regatta werden durch Preise ausgezeichnet und mit Anerkennung belohnt.
Da wundert es nicht, dass die Kongelig Classic jedesmal gut besucht wurde - von Teilnehmern der Regatten und von Besuchern an Land. Kein Wunder auch, dass die Wanderpokale begehrt sind mit denen sich die Schnellsten Segler ihrer Klasse schmücken dürfen, sind darunter doch auch edle Trinkhörner mit Silber von Robbe&Berking.

Im Jahr 1855, dem Jahr der ersten Regatta auf der Ostsee, als das Dabei-sein wichtig und das Gewinnen nicht unwichtig war, wurde das Wort Segelsport noch auf der dritten Silbe betont. Heute geht es manchem wohl mehr um die Trophäen.

Das Flensburger Tageblatt berichtet in seiner gestrigen Ausgabe unter der Überschrift Trinkhorn gestohlen, dass es jemandem offensichtlich zu umständlich war, wegen des Wanderpreises auf der Kongelig Classic zu segeln und zu gewinnen:
"Dreister Diebstahl beim Dänischen Yachtclub (DYC): Aus einer Glasvitrine im Vereinsheim Fahrensodde ist am 4. oder 5. August der Pokal Trinkhorn auf Sockel mt Silber entwendet worden. Der Segler Gerd Mankowski hatte den Pokal bei der deutsch-dänischen Regatta den kongelige Classic mit dem 95 Jahre alten 45-er Kreuzer "Küke" gewonnen: Da es ein Wanderpokal ist, müsste er eigentlich am 25. August bei der nächsten Regatta mitgebracht werden, damit Mankowski ihn verteidigen kann. Wer das Trinkhorn gesehen hat, möge sich an den DYC oder die Polizei wenden."
Anmerkung: Unter DYC war im Internet nur der Düsseldorfer Yachtclub und der Detroid Yachtclub zu finden. Deshalb hier ersatzweise die Kontaktseite der Seglervereinigung Flensburg e.V. mit Sitz in Fahrensodde.

15.08.17 Krankenschwester hilft nicht

Heute morgen berichtet das Flensburger Tageblatt auf Seite fünf den aktuellen Stand der Informationen über die Kollision der RoRo.Fähre FINNSKY mit dem Dampfeisbrecher STETTIN. Demnach ist die Diskussion über die neue Sicherheitsrichtline (SiRi) neu entfacht. Sie wurde schon vor dem Unfall sehr emotionalisiert, weil sie vitale Interessen der Schiffseigner, -Freunde und natürlich auch der vom Tourismus abhängigen Gewerbezweige berührt. Sechs oder acht Wochen vor einer Bundestags- bzw. Landtagswahl ist die erneut aufflammende Aufregung somit normal.

Nicht normal sind die kenntnisbefreiten Argumente beteiligter Interessenvertreter aus den Lagern der Politik und Traditionsschiffer. Dabei hat die BSU (Bundesstelle für Seeunfalluntersuchung) ihre Ermittlungen noch nicht einmal begonnen. Zunächst wurden lediglich Positions- und Radaraufzeichnungen der Schiffe gesichert und der Unfall in die Kategorie "Wenig schwerer Seeunfall" eingeordnet - da meldet sich schon ein Landespolitiker mit der Feststellung, "dass auch bei der Traditionsschifffahrt die Sicherheit gewährleistet werden muss". Das hatte zuvor auch niemand infrage gestellt. Aber deswegen schürt so eine verdeckte Unterstellung zusätzliche Emotionen und erschwert eine allseits akzeptable Übereinkunft. Doch auch auf der anderen Seite wird gezündelt. Das Flensburger Tageblatt zitiert eine Stellungnahme aus der Reihe der Traditonsschiffer, die auf ihre Weise zeigt, wie wenig man die Gesprächspartner im Bundesverkehrsministerium ernst nimmt: Bei einem Unfall wie diesem heisst es da "...hilft es auch nicht, zwei Atemschutzträger und eine Krankenschwester an Bord zu haben." Nun hatte aber auch keiner behauptet, dass mit der Einführung der Siri jedwede Art Unfall verhindert wird. Und dass Krankenschwestern an Bord sein müssen wurde nie gefordert.

Mit einer mehr an der Sache orientierten Äußerung wird der stellvertretende Vorsitzende des Dachverbandes der Traditionsschiffer GSHW zitiert. Er sagt: "Das Betonen der Sicherheit ist natürlich vollkommen richtig, allerdings wäre der Unfall auch mit der neuen Richtlinie nicht verhindert worden" und weiter: "Bis die Ermittlungen der BSU abgeschlossen sind, verbietet sich jede Spekulation".

Recht hat er. Aber es wird vermutlich nicht helfen. Denn vorher wird gewählt.