04.10.15 Ende der Saison

ALEXANDRA läuft aus bei schlechter Sicht und kommt
später bei Sonnenschein zurück. Wenn das kein gutes
Omen ist.
Heute lief ALEXANDRA, der alte Salondampfer aus Flensburg zu seiner letzten Fahrt in dieser Sason aus. Es soll auch die letzte Fahrt mit dem mehr als 100 Jahre alten Heizkessel sein. Über den Winter wird er durch einen neuen ersetzt. Ob der dann auch noch mal so lange hält, wird sich zeigen, auch wenn wir das wohl allesamt nicht mehr mitbekommen werden. Aber ist das nicht auch ein tröstlicher Gedanke in unserer schnelllebigen Zeit? Dateien die wir vor wenigen Jahren mit der modernsten Technologie auf unserem Computer erstellt haben, sind heute nicht mehr zu lesen. Aber ein Stahlkessel in der Technik unserer Urgroßeltern funktioniert immer noch. Wer da nicht ins Grübeln kommt.
Wir wünschen dem Schiff ein gutes Gelingen der Transplantation und dem Kessel Version 2.0 ein langes Leben. Ahoi!

07.10.15 Apfel- und Trittbrettfahrer

Die Apfelfahrt naht, die Helfer und Freiwilligen des Museumshafens arbeiten mit Hochdruck an der Vorbereitung des Apfelmarktes auf dem Bohlwerk. Dabei sind die Randbedingungen nicht gerade optimal.
So wirbt der Tourismusverein Glücksburg in einer landesweit verteilten Hochglanzbroschüre mit dem Namen "Lebensart" für eine eigene Apfelfahrt bei der die Traditionsschiffe aus Flensburg nur noch Staffage sind für einen eigenen Apfelmarkt der Randgemeinde. Dass die Traditionsschiffe herablassend "Boote" genannt werden, mag man der Ignoranz vieler gegenüber der maritimen Kulturpflege zuschreiben. Dass jedoch die Flensburger Apfelfahrt, die in diesem Jahr zum 35-sten Mal stattfindet, mit keinem Wort erwähnt wird, lässt eher an Trittbrett- als an Apfelfahrt denken.

Die Nachbarschaftspflege am Ostufer der Förde könnte also besser laufen.

In Kollund, am dänischen Westufer der Förde, läuft hingegen überhaupt nichts mehr. In den letzten Jahren hatte sich dort eine kleine Schwester der Apfelfahrt angesiedelt und erfreulich entwickelt. Jetzt wurde die grenzüberschreitende Zusammenarbeit überraschend abgewürgt. Bisher fuhren die Enthusiasten ds Museumshafens mit ihren traditionellen Jollen zu der nahe gelegenen Schiffslände, auf der jährlich von den dänischen Nachbarn eine sehr schöne Veranstaltung ausgerichtet wurde. Nun hat die Gemeinde im Nachbarland den Geldhahn zugedreht. Das hätte die Enthusiasten aus dem Museumshafen nicht gestört, weil die öffentliche Unterstützung nie bis zu ihnen vordrang. Aber dass diese Nachricht über die Tagespresse kommuniziert wurde, ist schon bitter. Es ist wohl doch noch ein weiter Weg, bis die kulturelle Zusammenarbeit über die Grenzen hinweg zur Normalität gehört.
Oder könnte der Rückfall in die Kleinstaaterei daran liegen, dass immer mehr Lokal- und sonstige Politiker bei Traditionsschiffen eher an Tourismusumsätze als an Kultur denken?

In dieser Situation ist es überaus tröstlich, dass wenigstens unsere Bundesregierung heute passend zur Apfelfahrt in der Tagesschau aufgetreten ist:

Bundeskanzlerin Merkel, Landwirtschaftsminister Schmidt, Wirtschaftsminister Gabriel (von rechts)
Quelle: Tagesschau






















Vermutlich ist der Museumshafen dankbar für die Unterstützung.

07.10.15 Die Kalender sind da

Zwei dicke Pakete schleppte der Postbote heute nach Flensburg Schiffbrücke. Darin Kalender und Kartons, schließlich sollen die Schätzchen makelllos auf den Gabentisch kommen. Ein emsiges falten
und verpacken verband die Kartons mit den Kalendern und ab sofort sind  sie bei Muse Maritim im Schifffahrtsmuseum zu haben.
Außerdem können die Kalender auch per E-Mail oder Post bestellt werden (s.u.).

 





Der Kalender kostet 25,-- Euro plus Versand, falls gewünscht (6,95 Euro im Inland).
Für Sparfüchse gibt es bis zum 30.10.2015 einen Subskriptionspreis von 22,95 Euro (ebenfalls zuzüglich Versand, falls gewünscht)

Bestellungen an:
Museumshafen Flensburg e.V.
Herrenstall 11
24937 Flensburg

oder:
via E-Mail

info@museumshafen-flensburg.de
(Bitte Namen und Lieferanschrift angeben)

Bankverbindung:
IBAN: DE25 2175 0000 0008 0007 19
BIC:   NOLADE21NOS

06.10.15 Stallgeruch

Es wäre schön, könnte von RAKEL, dem letzten verbliebenen großen Fischereifahrzeug von Colin
Archer berichtet werden, das Schiff sei "in trockenen Tüchern". Aber die gibt es noch nicht für dieses maritime Zeugnis einer längst vergangenen Zeit. Das "noch" steht für die Hoffnung, das sich das Schicksal noch einmal wenden könnte. Es hat der 119 Jahre alten Hochseeketsch in den letzten Jahren genügend Dramen zugemutet und jetzt wäre langsam Zeit für ein Happy End. Aber so weit ist es noch nicht, es gibt nur einen Moment Verschnaufpause in der die Fäden neu geknüpft werden können - wenn sie denn sinnvoll genutzt wird.

RAKEL wurde 1896 als Segelfahrzeug für den Fischfang, noch ohne Motor zu Wasser gelassen. Sie durchlief wie meisten Berufs-Segelfahrzeuge dieser Zeit die Entwicklung der Motorisierung, der Umwidmung zu Transport und Hilfszwecken bis sie schließlich aus der gewerblichen Nutzung entlassen wurde und Anfang der 1980-er Jahre als Freizeitfahrzeug in eine neue Zukunft starten sollte. Die Geschichte ist in groben Zügen im Schiffshistorischen Archiv Flensburg nachzulesen.
Wie auch andere Traditionsschiffe wurde sie in einer quasi "Ein-Mann-Reederei" betrieben. Das ging bis zu einem stürmischen Tag im Jahr 2013 südlich von Helgoland gut, als RAKEL mit einem unbekannten treibenden Gegenstand kollidierte und leck sprang. Als der Eigner bei der nachfolgenden Reparatur einen Unfall erlitt und schwer verletzt wurde, konnte er das Schiff nicht länger halten. Es wechselte den Besitzer, der Neue hatte große Pläne, aber unterschätzte die Kosten einer fachgerechten Reparatur. Er brach das Projekt ab. Seitdem liegt RAKEL, notdürftig durch ein Lecksegel aus Kunststoffplane an der Mole der Werft von Christian Johnson in Egernsund. Die Zeit verstrich, Interessenten für das Schiff tauchten auf und verschwanden wieder. Die Kosten für die Sicherung und den Liegeplatz gingen zu Lasten der Werft.
Schließlich fand sich ein dänischer Enthusiast, der RAKEL zum symbolischen Preis von einem Euro erwarb. Er hatte sich in den Kopf gesetzt, die Restauration zu vollenden und RAKEL vom Limfjord im Norden Jütlands aus zu betreiben. Zu dem Zweck gründete er den Verein "Rakels Venner" (Rakels Freunde). Auf Facebook werden seitdem viele Posts veröffentlicht, die auch mit vielen gehobenen Daumen belohnt wurden. Hätte es für jedes "like" einen Euro gegeben, wäre dem RAKEL schon heute gerettet.
Derweil liegt das abgebrochene Projekt immer noch an der Werftpier. Zwar sind Teile des Kiels, Spanten im Vorschiff und auch Planken fachgerecht getauscht worden, aber das Schiff ist weiterhin strukturell geschwächt. Schließlich ging die Restaurierung gemäß dem Auftrag des letzten Eigners nicht davon aus, dass RAKEL halbfertig zu Wasser gelassen werden sollte. Am jetzigen Liegeplatz besteht die Gefahr, das RAKEL in einem der häufigen Stürme aus West zerbrechen könnte. Nur weil das Wetter im letzten Winter ungewöhnlich ruhig war hat sie den Wellenschlag überstanden.
Noch in der letzten Woche sollte sich entscheiden, was mit dem Schiff weiterhin geschehen soll. Die Alternativen waren: Schwimmfähig machen oder abwracken.
Jetzt gibt es für die Entscheidung noch einmal Aufschub: Die Werft hat einen weniger exponierten Liegeplatz in der Nähe organisiert. Dort kann RAKEL nochmals überwintern.
Jetzt fehlt noch das Konzept, mit dem Rakels Venner die Mittel für Restauration und Betrieb des Schiffes dauerhaft auftreiben wollen.

Rakels Venner: Einstweilen wird das Deck geschruppt. 


Vielleicht sind den Bemühungen auch dadurch zur Zeit Grenzen gesetzt, weil das angedachte Projekt für die bisherigen Zielgruppen bei Sponsoren und Helfern den falschen Stallgeruch hat.
Mögliche Sponsoren in Norwegen möchten das Schiff nicht im Limfjord besuchen, dänische Sponsoren vermissen den Bezug zu Dänemark, deutsche zu Deutschland. Vielleicht müsste man über neue Zielgruppen nachdenken, der nationale Befindlichkeiten nicht so wichtig sind. Nur eins ist klar: Gute Absichten und Träume alleine werden RAKEL nicht weiterhelfen.

05.10.15 Termine! Termine!

Der Veranstaltungskalender der HAFENMELDUNGEN wurde aktualisiert.

Im Oktober lohnt sich am 16. ein Besuch im Schifffahrtsmuseum. Dann findet eine Kunstauktion des Museumshafens zugunsten des Historischen Krahns von 1726 statt. Im November gibt es zwei interessante Literaturevents.
Die neuen Termine sind mit dem Hinweis "neu" markiert. Viel Vergnügen!