14.10.14 HARRY, FOREENINGEN und die Jagt

HARRY vor sieben Jahren
HARRY und FOREENINGEN jetzt
In alter Zeit, als es die HAFENMELDUNGEN noch nicht gab, hätte die Überschrift nach dem Film von Alfred Hitchcock "Immer Ärger mit Harry" lauten können. Aber Vergleiche hinken bekanntlich und so wird die Leiche des Harry im Film mehrfach ein- und wieder ausgegraben. Das blieb der hier gemeinten HARRY erspart, wie wir mittlerweile wissen. Die Leiche eines Snurrewadenkutters, liegt seit Jahren in der großen Halle der Museumswerft und wird nach und nach mit Material und Werkzeugen zugestellt. Sie ist für viele Besuche mit
einem Hang zur Philosophie Anlass zu tiefsinniger Betrachtung. Damals lag sie, ein leerer Rumpf, ohne Deck, im Norden des Museumshafens, wo mittlerweile andere Wracks ihr trauriges Dasein fristen. Selbst die Deckbalken fehlten, ein Wunder, dass sie überhaupt schwamm. Ihre Baumeister hatten wohl eine Menge Festigkeitsreserve eingebaut. Eines Tages war das längst vertraute Bild der schwimmenden Hülle eines ehemaligen Fischkutters verschwunden. HARRY war auf Tiefe gegangen.
Nur noch wenige Teile ihrer Struktur ragten über die Wasserfläche.
Die Danske Jagt braucht eine Auffrischung
So konnte das Schiff natürlich nicht liegen bleiben. Die  Polizei kam und ein Kran. Der sollte HARRY heben, wäre dabei aber beinahe selber im Hafen gelandet. Schließlich stand HARRY an Land und nahm später den jetzigen Platz ein. Dort stand damals noch die Danske Jagt. Ihr Rumpf wurde Jahre später fertiggestellt. Jetzt steht sie auf dem Slipwagen vor der Werfthalle, in der HARRY liegt. Ursprünglich sollte sie die erste einer Flotte von weiteren Schiffen ihrer Art sein und einen Liniendienst auf der Ostsee bedienen.
Seit ein paar Tagen hat HARRY Gesellschaft bekommen. Ihr wurde der Rumpf des Modells der FOREENINGEN*) beigesellt. Er wurde nach über zwei Jahren fertig und harrt jetzt seiner Komplettierung mit Masten und Rigg. Derzeit sind keine Pläne für die Verwendung des Modells bekannt. Es könnte, so lautet eine Variante, Vorlage für einen Neubau in der Originalgöße von ca. 30 Metern Rumpflänge werden mit etwa ebenso hohen Masten. Das soll dann vor dem Schifffahrtsmuseum seinen Platz finden. Im Wasser, segelfähig oder auch nicht, an Land, in einem Dock, als Voll- oder Halbmodell. Alle Optionen wurden schon genannt. Man wird sehen.

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*) Die Schreibweise hat sich während der Bauzeit immer wieder geändert. Jetzt prangt der Schriftzug in der hier wiedergegebenen Weise am Heck.

14.10.14 Am Wochenende: Apfelfahrt



























Am Freitag findet wieder die traditionelle Apfelfahrt des Flensburger Museumshafens statt. Wie schon seit mehr als drei Jahrzehnten segeln die Traditionsschiffe von Flensburg nach Glücksburg. Dort übernehmen sie Äpfel aus der Region, die am Samstag und Sonntag auf dem Bohlwerk zusammen mit anderen Angeboten auf dem "Apfelmarkt" unters Volk gebracht werden sollen. Die Erlöse kommen ausschließlich dem Verein zugute. Der hat das auch nötig. Wer's nicht glaubt, sollte sich mal den Historischen Krahn auf dem Bohlwek ansehen. Dieses Flensburger Wahrzeichen gehört dem Verein, ist sichtlich angegriffen und muss dringend saniert werden.
Es wird nicht einfach sein, in einem Jahr mit ausgeprägter Apfelschwemme und, damit verbunden, niedrigen Preisen, Äpfel gewinnbringend zu verkaufen. Oft stellen Besucher für sich selber einen Preisvergleich mit Discountern an. Sie sagen: "Die bekomme ich aber woanders billiger" und vergessen, dass der Apfelmarkt von Vereinsmitgliedern und -Freunden in ihrer Freizeit veranstaltet wird, um Jahr für Jahr Flensburgern und Gästen den Museumshafen präsentieren zu können. Dem fällt das Geld nämlich nicht vom Himmel ins letzte Hemd wie dem Mädchen im Märchen der Gebrüder Grimm vom Sterntaler. Braucht jemand einen Grund, seine Äpfel hier zu kaufen statt beim Billigheimer um die Ecke: Wer sein Geld in eine Spendenbüchse steckt, bekommt ein gutes Gewissen, wer sein Geld auf dem Apfelmarkt ausgibt erhält zusätzlich gesundes Obst, oder schmackhaften selbst gemachten Kuchen, oder, oder oder. Und den Museumshafen am Bohlwerk obendrein.

Das wird in diesem Jahr geboten:
 "Am Freitag, 17. Oktober segeln wir (wenn der Wind weht) ab 13.00 Uhr gen Glücksburg und laden dort Äpfel. –Mitsegler/innen gegen Spende sind herzlich willkommen
Mitsegeln
Wer zur Apfelfahrt auf dem Segellogger  Ryvar mitsegeln möchte,erhält die Karten im Touristenbureau Flensburg
Plätze auf anderen Schiffen reservieren Sie über Heidi Breuer im Büro Historischer Hafen (Tel. 0461 18 29 18 01) oder direkt bei den teilnehmenden Schiffen im Museumshafen. Auch spontane Mitsegler/innen sind am Freitag willkommen - wenn Plätze frei sind.

Programm
Freitag, 17.10.14

ca. 13.00 Uhr Ablegen im Museumshafen

ca. 15:00 Uhr: Die großen Schiffe kommen in Glücksburg an und laden etwa 1 Tonne Äpfel
ca. 15:00 Uhr: Die kleinen offenen Boote kommen in Kollund, Dänemark, an
ca. 16:00/17:00 Uhr: Alle Schiffe legen wieder ab und segeln zurück nach Flensburg
Ab 18.00  ist der Herrenstall für Vereinsmitglieder und Freund/innen des MH zum Klönschnack mit guten Getränken geöffnet.  

Samstag, 18.10.14 und Sonntag, 19.10.14

um 10.00 Uhr startet dann auch wieder der traditionelle Apfelmarkt mit Kindervergnügen & Glücksspiel, Apfelschmaus & Trunk, Wurst & Waffeln, Fischen & Schmalz, Maronen & Musik, Fancy Work und Fancy Fotostudio und jeder Menge Hafenflair. der Markt endet jeweils gegen ca. 19.00 Uhr.
Für das Apfelcafé bitten wir alle Backfreudigen, Kuchen zu spenden.

Diese können zum 18.10 einfach am Café abgegeben werden. Als Dankeschön haben alle Spender/innen eine freie Auswahl unter allen Angeboten am Bohlwerk.

Auch die Unterstützung der Tombola und Geldspenden auf das Konto Museumshafen sind hoch willkommen. Die Einnahmen der Apfelfahrt unterstützen wie zu jedem Jahr den Museumshafen dabei, traditionellen Schiffen ein Zuhause im Flensburger Hafen zu bieten."
 (Quelle: Internetseite des Museumshafens)

12.10.14 Maritime Promenade

Flensburg hat als Hafenstadt, was andere Hafenstädte entbehren. Durch seine langgestreckte Ausdehnung direkt in der Innenstadt, gesäumt von der Flaniermeile auf den Kais rundherum bietet der Hafen so etwas wie eine maritime Promenade. Wer mit seinem Schiff gesehen werden möchte: Hier ist der Ort, das gute Stück und seine mehr oder minder virtuose Beherrschung einem mehr oder minder kundigen Publikum vorzuführen. Wie auf jeder Promenade muss dabei natürlich der Eindruck vermieden werden, man wolle Eindruck schinden, obwohl ist das ja wesentlicher Teil des Vergnügens ist, wenn nicht sogar der eigentliche Anlass für die Hafenrunde. Nur darf das eben nicht plump aufdringlich daherkommen, sondern mit Stil und Eleganz. Vier Arten Promenade können unterschieden werden:
  1. An- und Ablegemanöver unter Segeln,
  2. sportliche Übungen wie das Aufkreuzen gegen den häufigen Nord- oder Südwind,
  3. lässiges Am-Wind_Segeln bei Ost oder West,
  4. gekonnte Aufschießer zum Segelbergen bei denen alles wie am Schnürchen klappt.
Sie erregen Aufmerksamkeit und manchmal auch so was wie Bewunderung, und zwar um so mehr, je größer oder exklusiver das Schiff ist. Sie äußert sich entsprechend dem dezenten Auftritt der Promenierenden ebenfalls sehr diskret. Bleiben Spaziergänger stehen um sich das Bild geruhsam anzusehen, ist das schon der Gipfel der Anteilnahme.
Heute kam SPHINX in den Hafen gesegelt. Bei der leichten Brise aus West ging es hier wohl um das sehen und gesehen werden (Typ 3). Wenn das die Absicht war: Voilà, es hat geklappt. Ein schönes Bild!

12 mR Yacht SPINX macht bella figura

11.10.14 Herbst auf der Förde

Dieser Tag zu Anfang Oktober ist so schön wie nur wenige im Sommer. Die Temperatur ist angenehm mild, die Sonne brennt nicht mehr so unbarmherzig, es sind kaum Motorboote unterwegs und die wenigen sind obendrein leise und fahren so langsam, als wollten sie den Frieden auf dem Wasser nicht stören. Morgens ist es - typisch für diese Jahreszeit - noch ein wenig diesig. Deck und Rigg nass von Tau. Bald kommt die Sonne durch und der Südostwind wacht auf. Noch sind weite Flächen auf dem Hafenwasser spiegelgĺatt und die Fahrt beginnt unmerklich langsam. Zwanzig Tonnen brauchen ein wenig stärkeren Winddruck, wenn sie bewegt werden sollen. Auch das ist ein besonderer Reiz: Die Langsamkeit auszuhalten. Jenseits der Hafenmündung rührt sich eine leichte Brise von achtern. Idealbedingungen für das Topsegel. 
Heute ist ein besonderer Tag, denn wir wollen zum ersten Mal die neue Baumfock ausprobieren. Im letzten Winter war das Esszimmer Werkstatt. Ein Fockbaum wurde gebaut. Versuche mit einer alten, selbst angepassten Genua waren erfolgreich und so wurde der Gang zum Segelmacher gewagt. Und jetzt war es soweit. Nach nur einer Woche konnten wir das gute Stück abholen. Das Wetter ist ideal für den Test; gerade bei Schwachwind zeigt sich, wie gut ein Segel zieht. Um es kurz zu fassen: Das Segel erfüllt alle Erwartungen.

WILLOW WREN (li.) und WIEBKE BOHLEN auf der Förde.
Foto: http://foresail.tumblr.com/image/99741429186
Wir sind nicht alleine auf dem Wasser. Eine Gruppe großer, moderner Yachten setzt vor der Sonwik Segel. Sie ziehen unter Spinnacker auf Raumschot-Kurs davon. Wir steuern sachte die Westseite der Förde an, dort könnte die leichte zu einer schwachen Brise werden, hoffen wir. Später sehen wir einen klassischen Schärenkreuzer. Mahagony braun glänzender Rumpf, eine schmale Segelsilhouette. Das ist maritime Ästhetik pur. Mit Segeln aus Stoff wäre die Schönheit perfekt. In einer Böe, so schwach, dass wir sie kaum spüren, legt er leicht über und zieht los. 

Vor Glücksburg läuft eine Regatta. Langsam ziehen die Segler ihre Bahn. Wir müssen zurück, denn der Wind ist immer noch schwach und die Tage sind schon merklich kürzer. Später kommt ein Segler mit Gaffel- und Topsegel auf Gegenkurs in Sicht. Nach einer Weile erkennen wir WILLOW WREN, den viktorianischen Rennkutter. Sie ist in diesen Tagen Gast im Historischen Hafen. Wir gehen für ein paar Fotos dichter an sie ran. Zu Hause stellen wir fest, dass wir nicht als Einzige auf Fotosafari waren. Die Begegnung mit WILLOW WREN wurde von einem Unbekannten in einem Foto-Blog festgehalten. Es lohnt sich, dort mal reinzugucken.

In der Hafeneinfahrt überholt uns eine klassische 12mR Regattajacht. Sie motort, wir segeln. Wir tauschen Grüße. Jetzt kommt der Wind ziemlich genau von Süden. Nach (nur) zwei Schlägen sind wir am Museumshafen vorbei. Der Segelausflug ist zuende.

11.10.14 DAGNY gehoben

Heute wurde das am 30. September nachmittags gesunkene Traditionsschiff DAGNY von zwei Autokränen an die Wasseroberfläche gehoben und gleichzeitig leergepumpt. Nun liegt es auf der anderen Hafenseite.

Das Internetportal aus der Region für die Region Ostholstein "Der Reporter" berichtet über die einzelnen Schritte der Bergung.

DAGNY wieder über Wasser. Die orangefarbenen Gurte wurden zuvor von
Tauchern unter dem Rumpf durchgezogen.
Foto: Lübecker Nachrichten