08.06.13 Mit RYVAR zu den Gletschern Norwegens

Auch in diesem Jahr fährt der rote ehemalige Heringslogger RYVAR von 2016 aus dem Museumshafen Flensburg mit Teilnehmern der ICE CLIMATE EXPEDITION in geplant vier Tagen nach Bergen, wo sie an Bord von Arved Fuchs begrüßt werden. Anschließend werden die jungen Leute weiter nach Norden zum Sognefjord fahren um das Programm der  diesjährigen Expedition zu absolvieren. Nach Abschluß der Unternehmung wird RYVAR sie wieder zurück bringen.
Während RYVAR heute Abend das Kattegatt erreicht hat, liegt DAGMAR AAEN, das Expeditionsschiff von Arved Fuchs, noch an seinem Winter-Liegeplatz bei der Insel Håkøya bei Tromsö in Norwegen.
Wir wünschen den Teilnehmern der Reise viele interessante Eindrücke und Erfahrungen und eine gesunde Rückkehr!

07.06.13 Emma, Polly, Poller

Dalben mit Polly oder Emma
Vor etwas mehr als einem Jahr berührte das Schicksal von Emma, der Entendame und Polly, ihrer kleinen Tochter, das Gemüt der Menschen am Bohlwerk. Ben hatte sie unter seine Fittiche genommen und ihnen Obhut und Fürsorge geboten. Eine Familie hätten sie sein können, Sogar von Adoption war die Rede. Aber wie die Natur so ist: Sie geht ihre eigenen Wege und nimmt auf menschliche Gefühle keine Rücksicht. Vielleicht wurde den Beiden auch nur der mediale Rummel zu viel, den die HAFENMELDUNGEN losgetreten hatten.

Nun wurde ein kleines Entenglück in unmittelbarer Nähe zu Bens Fischhütte gesichtet, geschützt vor den neugierigen Blicken der Passanten. Romatisch, wie auf Gemälden des neunzehnten Jahrhunderts kuschelt eine Entenmutter  in dem verrotteten Kopf eines Dalbens unmittelbar vor der Fischhütte auf ihrem Gelege. Ist es die Nähe zum Ort des Glückes vom vorigen Jahr, weshalb gerade dieser Platz gewählt wurde um, preisgegeben der sengenden Sonne und den unsäglichen Regenmassen der vergangenen Tage, den schutzbedürftigen Nachwuchs aufzuziehen? Das wäre doch wirklich romantisch! Polly zurück zum Ort ihres Glücks und Ben wäre sozusagen beinahe Opa.
Apropos Romantik. Sie ist für Viele eng verbunden mit dem morbiden Charme von Vergänglichkeit und Verfall. Wäre die Aufgabe der Poller Polly und Artgenossen ein Asyl zu bieten, könnte man zufrieden feststellen: Aufgabe erfüllt, Note eins, setzen. Leider ist das nicht so.

Die Dalben und Poller haben den Zweck, Schiffe daran festzumachen und, wenn nötig, sie bei der Einfahrt zu den Liegeplätzen zu leiten. Dann muss am auch schon mal mit sanfter Gewalt daran vorbeischrammen. Denn die Langkieler sind unter Maschine bei Rückwärtsfahrt schwierig bis fast nicht steuerbar.
Einige Poller des Museumshafens sehen so aus, als könnten sie diese Aufgabe nicht mehr lange erfüllen. Manche in Bohlwerksnähe wackeln, dass man sich fragt ob sie noch lange aus eigener Kraft stehen bleiben. Gespräche mit dem Eigentümer des Bohlwerks samt Pollern und Dalben sollen im Gange sein aber von konkreten Ergebnissen ist noch nichts zu hören. Bald sind die Küken von Emma oder Polly flügge. Dann steht der Sanierung zumindest gefühlsmäßig nichts mehr entgegen.

05.06.13 Ansegeln

Heute war der Tag der Tage, das Wetter sonnig und der Wind hatte nachgelassen. Was kann man  sich für das Ansegeln Besseres wünschen? Also Leinen los und raus. Aber, wie gesagt, der Wind ist schwach. So bleibt genügend Zeit nach links und rechts zu schauen. Schon vor der Hafenausfahrt gibt es was zu sehen: Auf dem Harniskai steht ein kleiner alter Hafenschlepper, proper im Lack und wartet darauf, wieder zu Wasser gelassen zu werden. Direkt darunter liegt PROVIDENTIA, der alte Ewer, der in einer beispiellosen Aktion von Schülerinnen und Schülern der Ostseeschule in Stand gesetzt wird.
Heute wird das schöne Wetter genutzt, um mit Hingabe das Schandeck zu lackieren.
Auf der anderen Hafenseite bekommt der jüngste Neubau der Flensburger Schiffbaugesellschaft (FSG) von SAMSON aus Grenaa, dem Kraftprotz von Krahn, das Brückenhaus aufgesetzt. Er ist nebenbei gesagt der Liebling der besseren Hälfte der Hafenmelder. Sie sagt er sieht aus wie ein Spielzeug.
Endlich auf der Förde, überholt uns die schöne REILA, ein Seekreuzer aus dem Hafen für Klassische Yachten in Flensburg. Bei dem schwachen Wind haben wir mit unserem schweren Dickschiff keine Chance. Wir freuen uns gemeinsam über das schöne Wetter.

Auf dem Rückweg erinnert uns eine Begegnung an das Lied von Reinhard Mey "Über den Wolken". Hätten wir uns über den Abschied der Bodeneffekt-Fahrzeuge von Flensburg gegrämt, wären wir jetzt vollauf entschädigt. Lauter als das Wasserflugzeug wäre auch kein Produkt von Highship Industries geflogen. Aber dafür konnten wir den spektakulären Start des Wasserflugzeugs an diesem Nachmittag gleich mehrmals geniessen.


05.06.13 Lästige Seepocken: Lösung gefunden

Keine Seepocke unter dem Schlauchboot
Einige Traditionsschiffe im Museumshafen haben sich für prakische Schlauchboote als Tender entschieden - auch wenn schön geklinkerte nordische Prahme besser passen würden. Nun, wer praktisch anfängt, möchte nicht zusätzlichen Aufwand in Kauf nehmen. Deshalb bleiben die Gummiflitzer meist neben dem eigenen Schiff liegen. Denn nach Gebrauch an Deck nehmen? Siehe oben. Abgesehen davon, wir sind doch Traditionalisten. Da stört alles was Gummi heißt und aus PVC ist.
Eine Seepocke kommt selten alleine
Aber der Mensch denkt, Neptun lenkt. In diesem Fall lenkt er sie, die  Seepocke, lat. Balanidae auf ein interessantes neues Siedlungsgebiet. Sehr zum Leidwesen des Traditionsschiffers, der es ja eigentlich einfach und besser haben wollte. Was nun tun, gegen die Rankenfüßler die sich zahlreich am Boden festsetzen? Der eine versucht es mit Essigsäure, aber es hilft nicht. Nimmt er einen Kratzer, leidet das Boot. Jetzt wurde ein Versuch mit Antifouling für Schlauchboote unternommen. Ob es wirkt, wissen wir noch nicht. Aber wir können mit Sicherheit vorhersagen, dass die jetzt im Hafen beobachtete Lösung gegen Bewuchs unter dem Schlauchboot die wirksamste ist. Zur Nachahmung empfohlen

01.06.13 AURORA und FRIEDA

Bei einem kurzen Besuch in Egernsund trafen wir auf der Werft von Christian Johnson zwei alte Bekannte: Den Haikutter FRIEDA , eines der "Gründungsschiffe" des Museumshafen Flensburg e.V und AURORA, ebenfalls Teil des schwimmenden Inventars im Museumshafen. Beide traulich vereint auf der Slipanlage. Keine Stellage stört den Blick auf die Rümpfe und so sind die unterschiedlichen Bauformen sehr schön zu vergleichen. Auf der einen Seite FRIEDA von HADERSLEBEN der Haikutter von 1918 und AURORA von ALTONA von 1934, hier ebenfalls mit ihrem vollen Namen genannt auf der der anderen Seite. Zwischen den Daten liegen nicht nur 16 Jahre, sondern auch etliche hundert Kilometer Luftlinie: Während FRIEDA in Skagen gebaut wurde, hat AURORA ihren Ursprung in Rügenwalde. Auch die Bauformen unterscheiden die Schiffe deutlich: AURORA als Spitzgatter und FRIEDA als Haikutter, mit dem für viele Vertreter dieses Schiffstyps charakteristischen "elliptischen" Heck, wie es früher auch für Großsegler charakteristisch war. Als Beispiel hierfür kann ACTIV im Museumshafen dienen.  Hierbei ragt das Heck über Achtersteven und über das Ruder hinaus. Die Spitzgatter hatten bei Fischereifahrzeugen aus Sicht vieler Fischer einen Nachteil: Sie boten weniger Arbeitsfläche an Deck. Deshalb begann man schon früh, den Rumpf über das Ruder hinaus zu verlängern. Diese Rümpfe entsprechen heute auch der Empfindung davon, wie eine klassische "Yacht" auszusehen hat. Das war bei Jachten aber aus einem anderen Grund sinnvoll: Man konnte sich dadurch einen Vorteil erkaufen, wenn es um den Vergleich der Geschwindigkeit verschiedener Jachten ging.
Interessant erscheint das Bild auch aus einem anderen Grund. Es zeigt auf einem Blick, wie traditionelle Schiffe die Jahre überdauern. Im Vordergrund die beiden Museumsschiffe aus Holz, im Hintergrund ein alter Fischkutter, ebenfalls aus Holz gebaut. Er bekommt nun wegen Formeln für Fangqouten ein überhängendes Heck aus Blech angehängt. So ist es heute wie gestern: Berufsfahrzeuge müssen Geld verdienen, um ihre Daseinsberechtigung zu erhalten. Anders bei traditionellen Schiffen, die als Zeugnisse unserer maritimen Kultur berwahrt werden: Ohne Geld verlieren sie die Daseinsmöglichkeit. Aber beides beutet das Aus.

AURORA wird ein wenig mehr Hinwendung fordern als FRIEDA: Während letztere zur Zeit mit ein paar liebevoll aufgebrachten Pinselstrichen zufrieden ist, müssen bei AURORA erst einmal die Grundlagen erneuert werden: Sie erhält neue Planken. Aber dann ist sie bald wieder wie neu.
Auf der Rückfahrt nach Flensburg fing ein großer Schoner unseren Blick: TÄRNAN aus Hamburgsund, gebaut 1913 in Karlshamn, Schweden. Hierzu gibt es ein schönes Video in YOUTUBE: