07.04.13 Vollendet: MARIA HF31

Nach nunmehr einem Jahr kommt das neueste Projekt von Adi Born zu seinem Ende. Das Modell der MARIE ist fertig. Es bleiben noch ein paar Detailarbeiten um dieses Meisterstück vollkommen zu machen  und um die Zeit bis zum Abschied von diesem Kunstwerk zu überbrücken. Die HAFENMELDUNGEN haben die Arbeiten während der letzten zwölf Monate begleitet. Das Video zeigt die neuesten Bilder. Sie lassen ahnen, mit welcher Liebe zum Detail und welcher Hingabe an die Tätigkeit das Schiff Schritt für Schritt aus Holzbrettchen, Buntmetall-Abfall, Garn und Leinengewebe mit Hilfe von Werkzeugen und einer lebenslangen Erfahrung zu dem wurde, was es jetzt ist: Ein Zeugnis von der maritimen Kultur unserer Küsten und von der großen Kunst der Schiffbauer einst und des Modellbauers Adi Born heute.
Neben Aufnahmen des Modells zeigt die Bilderstrecke von gestern wie der Henkel der Teekanne angefertigt wurde, die danach ihren Platz auf dem Herd in der Kajüte finden soll. Um zu verdeutlichen wo der Herd steht, ist eine Videoaufnahme eingefügt, die entstand, als das Deck noch offen und der Blick auf den Herd nur durch die Decksbalken eingeschränkt war. Der Henkel der Kanne besteht aus einem Streifen Messingblech von ca. 1mm Breite. Er soll mit einem Niet an dem Körper der Kanne angebracht werden. Die Viedeobilder der letzten drei Minuten zeigen, wie der Henkel angefertigt und gebohrt wurde.  Sie sollen einen Eindruck davon geben, auf welche Weise das Modell Schritt für Schritt, Stück für Stück mit großer Hingabe und Geduld entstand.
Obwohl der Ewer MARIA HF31 für einen Privatmann und Modell-Enthusiasten gebaut wurde, bleibt es der Öffentlichkeit in Flensburg noch einige Zeit erhalten. Das Modell soll dem Flensburger Schifffahrtsmuseum für einige Monate als Leihgabe übergeben werden.
Uns bleibt nur, "Danke" zu sagen dafür, dass wir den Bau begleiten und darüber berichten durften.




Über Adi und seine Modelle haben die HAFENMELDUNGEN schon früher berichtet. Hier eine Auswahl:

05.01.13 Adi riggt auf
10.04.12 Die Ruhe vor dem Sturm
12.04.12 Große kleine Welt 
31.05.12 Letzte Gelegenheit 
22.07.12 Adis MARIA HF 31 
07.11.12 Adi Borns MARIA HF 31

06.04.13 Christliche Traditionsschifffahrt

Traditionsschiffer, so meint mancher, sind ein ziemlich gottloser Haufen wind- und wettergegerbter Gesellen, die denken, dass Messwein sowas wie Branntwein ist, nur eben mit Mess. Weit gefehlt. Traditionsschiffer sind eng in das Kirchenjahr eingebunden. Jawoll. Das kommt so:
Jetzt zahlt sich eine vorsorgliche Beschriftung aus
Eine Woche nach dem ersten Frühjahrsvollmond ist Ostern. Das war in diesem Jahr am 31. März, eine Woche nach dem frühest möglichen Termin für Ostern, nämlich dem 22. März. Deswegen und wegen der langen Kälteperiode kommen jetzt einige Schipper des Museumshafens ins Schwitzen.
Während auf WIEBKE BOHLEN, verborgen unter der Winterplane, schon seit ein paar Tagen eifrig geschliffen und lackiert wird, rückte heute die Crew der FULVIA an, um das Schiff für die Saison aufzuriggen. Nun mag man sich fragen, was das denn mit Ostern zu tun hat. Die Erklärung ist einfach: Pfingsten wird als beweglicher Feiertag immer 50 Tage nach Ostern gefeiert und, nun kommt's, eine Woche vorher ist das Wochenende nach Himmelfahrt, bekannt auch als das Wochenende der Rum-Regatta.
Chaos mit System
Bis dahin soll das Schiff für die Saison fertig sein. Denn sind die Ausflugsgäste an Deck, ist es vorbei mit takeln und pönen. Auf einem Schiff, unter freiem Himmel, steht jede Arbeit unter Wetter-Vorbehalt. Also heisst es, so früh wie möglich anzufangen um sicher rechtzeitig fertig zu werden. Berufstätige, das sind Menschen, deren Tagesablauf vom Arbeitgeber oder Kunden vorgegeben wird, können dadurch Probleme bekommen, wenn sie nicht ganz flexibel sind. Das mag erklären, warum viele Eigner alter Schiffe bereits im (bürgerlichen) Ruhestand sind. Das wirft aber auch ein Licht auf die Prämisse, dass Traditionsschiffe nur für kulturelle Zwecke, jedoch nicht für die Finanzierung des Lebensunterhalts ihrer Eigner eingesetzt werden dürfen. Wer sich den Alltag der Betroffenen genau ansieht, erkennt schnell, das diese Forderung ziemlich weltfremd ist. Sie wird sogar mit zunehmender Größe des Traditionsschiffes noch weltfremder, falls das möglich ist.
Diese Unvereinbarkeit kann nur mit der Bereitschaft aller Beteiligten gemildert werden, auch einmal die Sichtweise der anderen Seite zu übernehmen. Dann kann man auch mal das eine Auge zudrücken und mit dem anderen nach Kompromissen Ausschau halten. Denn verstehen und verzeihen ist eine ur-christliche Forderung an Jeden, nicht wahr?

04.04.13 Das Nydamboot


Schloss Gottorf: Einladung zur Sonderausstellung
Wer sich für die frühe Geschichte des Schiffbaues und der Seefahrt in Nordeuropa interessiert, sollte sich diesen Termin merken:

Ab dem 14. April ist im Schloss Gottorf das Nydamboot im Rahmen einer Sonderausstellung wieder zu besichtigen. Es wurde vor 150 Jahren gefunden und zählt nach dem Hjortspringboot zu  den ältesten Bootsfunden in Süd-Jütland. Es soll nach wissenschaftlichen Untersuchungen im 4. Jhd. n. Chr. gebaut worden sein.
In der Sonderausstellung wird die Bauweise des Bootes, seine interessante Geschichte in der Zeit nach seiner Entdeckung, die Erkenntnisse aus  neueren Grabungen (1989–1999) sowie die wissenschaftliche Bearbeitung der Artefakte dargestellt.

Die Ausstellung ist ein Kooperationsprojekt des Archäologischen Landesmuseums und des Zentrums für Baltische und Skandinavische Archäologie mit dem Museum Sønderjylland.

03.04.13 Aktuell im Schifffahrtsmuseum

Heute kam eine Information über Wochenend-Aktionen im Schiffahrtsmuseum:
Am kommenden Wochenende bietet das Flensburger Schifffahrtsmuseum zwei Kinderaktionen zur aktuellen Sonderausstellung "Spülsaum" an.

Am Samstag, 6. April können Kinder ab 8 Jahren zwischen 14 und 16 Uhr Bernstein schleifen und so das Gold der Ostsee zum Strahlen bringen. Die Aktion findet in Kooperation mit dem Naturwissenschaftlichen Museum statt.
(Teilnahme: 5,- €)
Am Sonntag, 7. April führt die Flensburger Künstlerin Ute Meyer um 14 Uhr Kinder ab 8 Jahren durch die Ausstellung "Spülsaum". Im Anschluss werden unter ihrer Anleitung eigene Bilder und Objekte vom Spülsaum gemalt und gestaltet.
(Teilnahme: 10,- € inkl. Material).

Für beide Angebote wird rustikale Kleidung empfohlen!
Anmeldung unter Tel. 0461 - 85 29 70 oder
E-Mail: schifffahrtsmuseum@flensburg.de.

Ebenfalls am Sonntag, 7. April heißt es ab 14 Uhr wieder "Erlebnis Technik". Die technische Crew des Schifffahrtsmuseums gibt spannende Einblicke in den Alltag rund um Dampfmaschine und Dieselmotor.

Dr. Thomas Overdick (Museumsleiter)

02.04.13 Marktkonform

Morgens beim Frühstück Zeitung lesen - was kann entspannender sein, bevor der Tag beginnt? Schon manche Idee hat ihre Existenz dieser kleinen Pause vor dem täglichen Adrenalinrausch zu verdanken. So vielleicht auch heute bei der Lektüre des Flensburger Tageblatt.  In der Rubrik "Kultur" macht die Überschrift "Zerissenes im Elbeforum" neugierig. Kompliment, Kompliment. Sowas zu texten, bedarf hohen Talents. Nichts sagen, aber viel andeuten. Wer immer das geschrieben hat, weiss, dass der Mensch in Analogien denkt.
"Schöne Beine" aus Farbe gegossen.
Annemearie Schulte-Wülwer:
"Schöne Beine" aus Farbe gegossen.
Thema sind die Arbeiten der Bildhauerin Annemarie Schulte-Wülwer, deren Interesse Rissen gilt. "Risse als Metapher für Trennung, für etwas das fehlt, durchziehen das Werk..."  und später im selben Artikel "gegossen und getrocknet, nimmt sie die Farbe als Hautschicht oder Fetzen, elastisch, bröckelnd spröde..." usw. usw.
Zur Zeit wird unter der Winterplane die Lackierung des eigenen Schiffes ausbessert. Heute sind der Klüverbaum (liegt an Deck) und die Sülls der Deckshäuser dran. In einigen Häfen liegen Schiffe, die einen neuen Eigner bekommen sollen. Der hält sich aber schon seit Jahren zurück. Dutzende Anzeigen auf einschlägigen Internetseiten wurden geschaltet. Traditionsschiff-liebende Passanten werden mit Texttafeln angelockt, auf denen die Worte "zu verkaufen" den Kern der Nachricht ausmachen. Auch Yachtmakler werden bemüht, mühen sich nicht selbst. Was läuft falsch?

Liebe Freunde, der Markt muss zum Angebot passen! Wer kauft schon Fische auf dem Flohmarkt? Lasst das Schleifen und Pönen, erklärt den schwimmenden Untersatz zum Kunstwerk. Sagt Interessenten, die sich als alte Salzbuckel verkleiden, dass sie sich vom Acker machen sollen! Kunstfreunde sind die wirklichen Liebhaber abblätternder Farbe und körnig-rissiger Lackierungen! Eure Schiffe gehören nicht in Museumshäfen! Das MoMA als künftiger Liegeplatz, das isses!
Nun braucht es nur noch eines Szene-typischen Schmäh etwa in der Qualität von: "Die Rezeption des Schiffes als Methapher für die Vergänglichkeit kulminiert in den vielen Rissen und Sprüngen  der Oberschicht, wie sie nicht nur in der Sozietas, nein, mehr noch,  in jedem gelebten Individuum von Spannung und Verlust Zeugnis gibt..." oder so ähnlich. Nur Mut.