11.05.13 Der 34. Morgen vor der Rum-Regatta

Die Teilnehmerliste findet schon einzelne Leser
Morgens um acht ist die Welt noch in Ordnung. Die Buden des Gaffelmarktes sind noch geschlossen. An der Hafenkante laufen nur wenige Menschen zur Dusche oder sonst wo hin. Noch ist der Himmel trüb. Das Wetter kann sich nicht entscheiden, ob es sonnig oder regnerisch werden will.

Die "Großen" liegen in Päckchen ...
Vierundachzig Schiffe haben sich zur 34. Rum-Regatta angemeldet. Bis heute morgen acht Uhr haben zwanzig von Ihnen ihr Begrüßungsgeschenk nicht abgeholt. Das muss einen ernsten Grund haben. Denn schließlich gibt es traditionell für jedes teilnehmende Schiff der Rum-Regatta eine Flasche besten Flensburger Regatta-Rum. Aber vielleicht kommt ja noch jemand. Sonst wäre die 34ste auch die kleinste Veranstaltung der letzten Jahre. Doch jeder weiss: Masse ist nicht immer Klasse.

Selbst nach so vielen Jahren ist nicht ganz klar, ob die Teilnehmer aufgrund eines weisen Planes ihren Liegeplatz finden, oder ob die Verfechter der Chaostheorie in dem Kunterbunt ein praktisches Beispiel für die Kraft der Selbstorganisation vor sich haben. Doch irgendwie hat es sich eingebürgert, dass die Mehrzahl der größeren Schiffe südlich des Regattabüros auf GENSINE festmachen, die kleineren nördlich von ihr am Bohlwerk.
Noch schläft der Wind und noch schlafen die meisten Segler. Der Abend vor der Regatta fordert oftmals höchstes Standvermögen.
Auch auf den kleineren Einheiten herrscht noch Ruhe, nur ganz frühe Vögel sind schon ausgeflogen und begrüßen den neuen Tag mit einem zünftigen Frühstück in der Plicht. Bald wird alles auf den Beinen sein. Frühestens dann, wenn Scharen anderer Segler über das eigene Schiff klettern, ist die Nacht vorüber. Es sei denn, die Nachbarn sind so rücksichtsvoll wie die neben WIEBKE BOHLEN. Sie schwebten wie auf Engelflügeln über das Deck, kaum ein Laut war zu hören. Eine Nacht, wie in einem Sanatorium. Nicht geflunkert! Genau so war das. Die Crew sagt: Danke!
... und die Kleinen ebenfalls

... die Kleinen auch...


Die ganz kleinen sind schon munter....
 ... oder bereits ausgeflogen
 









Weitere Beiträge zur 34. Rum-Regatta:

10.05.13 Drei Fliegen mit einer Klappe

Manchmal kreuzen sich die Ereignisse und geben damit völlig neue Möglichkeiten. Sie müssen aber auch genutzt werden. Dafür ist mal wieder nur sehr wenig Zeit.
Worum geht es?
  1. Vor ein paar Tagen berichteten wir über die Kontroverse um zwei betagte Traditionsschiffe im Flensburger Hafen, die in der Nähe eines futuristischen Neubaus auf der Ostseite des Hafens ("Klar Schiff" genannt) liegen. Dort sind sie nicht gelitten. Deshalb sollen sie auf einen anderen Liegeplatz auf der Westseite das Hafens verwiesen werden, wo sie teils nicht hin wollen und teils ebenfalls nicht willkommen sind. Nun scheint sich eine Lösung anzubahnen, denn der Eigentümer, Investor oder wie er sonst zu nennen ist, von Klar Schiff hat seine Liebe zu Schiffen bekundet, soweit sie "in einem gewissen Rahmen auch präsentabel " sind (siehe 03.05.13 Am Ende Licht in den Hafenmeldungen).
  2. In der Ratsversammlung wird heftig über einen Hotelbau auf den "Kieler Anlagen" gestritten, der als notwendig, andererseits als nicht erwünscht geschildert wird. Die "Kieler Anlagen" sind Parkplatz und grenzen an den Hafen und beginnen nur wenige hundert Schritte südlich von Klar Schiff
  3. Die Stadt Flensburg sucht Bauland für neue Wohnbauten, hat aber dabei Probleme.
Was liegt also näher, als der Gedanke, künftig THE WORLD vor Klar Schiff festmachen? 
  • Das Schiff ist zweifellos "präsentabel" 
  • KIMIK und LIBELLE wären von Klar Schiff aus unsichtbar
  • Den Kieler Anlagen bliebe ihre Nutzung erhalten und sie könnten zu geringen Kosten  mit dem Titel "Kieler Parkanlagen" aufgewertet werden
  • Kaisers Hof kann weiter gammeln, gibt es doch eine exklusive Herberge gegenüber
  • Die Stadt erhält Wohnraum allererster Luxusklasse.


Also: Wenn schon Klar Schiff, dann aber richtig. Alles klar?

Doch wie gesagt, es bleibt mal wieder nur wenig Zeit für Entscheidungen. THE WORLD reist sonst morgen schon wieder ab.

10.05.13 In Flensburg ist die Welt zu Gast

THE WORLD, weltgrößtes Appartementschiff
Die Welt - THE WORLD - ist heute morgen in Flensburg eingelaufen und hat auf der Hafen-Ostseite festgemacht. Sie soll, so ist dem Flensburger Tageblatt zu entnehmen, bis Samstag Abend hier bleiben. Die Passagiere  haben somit einen Logenplatz auf ihren Terassen vor ihren Appartements, von denen aus sie das Spektakel der aus- und einlaufenden Traditionsschiffe  betrachten können. Während der Liegezeit kommen die Teilnehmer der Fjord Regatta aus Sønderborg (heute Nachmittag), der Rum-Regatta (morgen Vormittag und Nachmittag) vorbei gesegelt. Zwischendurch können sie das Feld der Lüttfischer-Regatta betrachten, die am Samstag ab 12 Uhr im Hafen um Platz und Sieg segeln. 
Sei es ihnen gegönnt, so sie denn an Bord sind, und mögen sie viel Freude an den alten Schiffen haben. Ab Mitte sechzig - das Durchschnittsalter der Eigner des Luxusliners - sollte man ohnehin keine Gelegenheit versäumen, seinen Tagen Glanz zu geben.


09.05.13 RAGNA getuned



Der Bericht von gestern handelt von einem vermuteten Versuch auf der Smakke-Jolle ABBI, beim Antrieb den Weg in die Moderne Zeit zu wagen. Mit einem Elektro-Außenbordmotor soll das Arbeitsboot auch in windstillen Zeiten seine Mannschaft (oder sagt man besser: seine Passagiere?) von A nach B bringen. Dabei muss jedoch lobend darauf hingewiesen werden, dass dieser Antrieb zumindest leise ist. Es hätte ja auch ein knatternder Zweitakter sein können.
Auf dem Wikinger-Nachbau RAGNA wird dagegen konsequent auf Tradition gesetzt. Getrieben von der koordinierten Kraft von sechs vp (viking power) wird das elegante Boot mit unbändiger Kraft an den Riemen durch die Wellen gezogen. Auch das ist leise und zusätzlich sehr konsquent. Denn schließlich handelt es sich auch bei RAGNA um einen Nachbau der Museumswerft eines historischen Gokstad-Bootes. Um die Sache "rund" zu machen, wurde jetzt auch das kennzeichnende "Design-Element" aufgehübscht, der Drachenkopf. Er ziert den Vorsteven und soll den Sagen zufolge böse Geister abwehren. "War Land in Sicht, nahm man sie ab, um nicht die guten Landgeister zu erschrecken. Dasselbe galt anscheinend wenn das Reich des Jenseits in Sicht war. In dieser Stevenschlange saß das Eigenleben des Schiffes..." (aus: Die Wikinger, von Eric Graf Oxenstierna, Akademische Verlagsanstalt, Kettwig).

So gesehen könnte man sagen: lieber kopflos sein als von allen guten Geistern verlassen. In dem Sinne: Gute Reise! 


08.05.13 ABBI gedopt

Anscheinend unverfänglich...
Smakkejollen werden gesegelt oder gerudert. Das war früher und, so denkt man, ist es auch heute, insbesondere, wenn es um ein Boot  des Museumshafens geht. Nehmen wir einmal ABBI. Sie ist der Nachbau einer Kadrejerjolle aus dem Öresund. Mit diesen Booten haben Schiffshändler ihre Kundschaft auf den Segelschiffen bedient, die den Sund passierten (Schiffshistorisches Archiv Flensburg). ABBI liegt heute Steg der Lüttfischer im Museumshafen. Immer wieder ist es schön zu sehen, wie dieses flinke Boot mit seinem Smakkesegel schnell und wendig im Flensburgerhafen kreuzt.

...tatsächlich hochbrisant...
Nur gibt es leider Tage an denen der Wind nicht so richtig will. Darunter leiden auch die Segler der alten Jolle. Früher war das auch schon ärgerlich, aber mangels anderer Alternativen griff man frohgemut zu den Riemen und pullte zu seinem Ziel.
Was aber, wenn es damals bereits weitere Alternativen gegeben hätte?
Derartige Fragen werden oft zum Vorwand genommen, um historische Boote zu modernen zu machen.
Bei den Klassischen Yachten ist das schon lange gang und gäbe. Es werden Karbonsegel an Karbonmasten gesetzt und die Rümpfe innen mit Leichtmetallverbindungen versteift um die größeren Kräfte aufzufangen. Dabei bleibt vieles auf der Strecke. Die Rümpfe, der Sportsgeist und die Einstellung der Segler zu ihrem Steckenpferd. Fragt eigentlich mal jemand, wie sich das mit der Traditionspflege und dem kulturellen Anspruch verträgt?
Im Augenblick wird anscheinend versucht, auch ABBI mit modernster Antriebstechnik in die Moderne zu katapultieren. Hoffentlich bleibt es bei dem Versuch.