28.09.18 Spritztour

Segeln macht auch bei mäßiger Temperatur Freude, wenn nur der Wind stimmt. Das konnten wir heute wieder einmal bei 11 Grad und böigem NW feststellen.

Der eine kommt, der andere geht. RYVAR kehrt zurück
Häfen sind so was wie Bahnhöfe zur See. Dort kommen und gehen Züge, hier sind es Boote und Schiffe. Als wir bei bei gerade mal zehn Grad Lufttemperatur ablegen, fegen die ersten Böen über den Hafen und machten schon den Start unter Segeln etwas sportlich. Denn der Wind kommt im Hafen aus Nordwest, das heißt, wir kreuzen bis in die Förde. Nur sollte dafür auch schon das Klüversegel stehen. Das geht aber bei einem Kurs "hoch am Wind" nicht so besonders gut, weil dieser Wind im Hafen alle zehn Meter aus einer anderen Richtung kommt. Also drehen wir erst einmal eine "Ehrenrunde", bis alle Segel gesetzt sind. 


Unterdessen kommt RYVAR von einer mehrtägigen Reise zurück. Unter Segeln, wie es sich für ein Schiff aus einem Museumshafen gehört. Denn vor 102 Jahren, als der Frachtsegler gebaut wurde, hatte er noch keine Maschine. Die wurde erst neun Jahre später eingebaut. Vor dem Bohlwerk fällt auf der großen Ketsch der Klüver, während er auf unserer halb so großen Ketsch gesetzt wird. 

Als das Video entstand, war der Wind noch moderat. Später nahm er kräftig zu. 

Wie üblich bei westlichen Winden ist der Hafen recht gut geschützt. Aber schon vor der Sonwik frischt er kräftig auf. Die vorhergesagten vier Windstärken gibt es zwar auch, aber die sind mittlerweile eher selten. Statt dessen halten die Böen um sechs bis sieben immer länger durch. Bei diesem Wind kann unser Boot immer noch Vollzeug tragen, aber es ist schwieriger, Fehler bei den Manövern zu korrigieren. Aber außer uns sind nur wenige Boote unterwegs. Um so mehr Platz könnten wir uns nehmen, wenn Halsen oder Wenden nötig sind. 
Aber schließlich bleibt es dann bei einer Wende in der Ronshoved-Bucht. Das ist um dreizehn Uhr. Bis wir wieder vor der Hafeneinfahrt ankommen, ist es gerade mal 65 Minuten später. Dazwischen bringenSturmböen unser "altes Mädchen" zur Raserei. Segler auf modernen Segelbooten mögen über diese Euphorie nachsichtig lächeln. Aber wenn die Logge sieben Knoten zeigt, ist das für unsere Verhältnisse schon richtig schnell. Hätte der Wetterbericht uns heute gleich die volle Wahrheit über die Windstärke zugemutet, wären wir auch gesegelt Aber dann eher mit je einem Reff im Groß und Besan. Dann machen wir zwar mit weniger Lage, aber dafür mehr Geschwindigkeit gesegelt. Nun ja, man kann nicht alles haben. So ist es eben beim traditionelle Segeln mit kleiner Crew. Zwar kann man auch unterwegs die Segelfläche kürzen, dank Smeereep*) ist das kein Problem. Sogar Segelwechsel sind möglich. Allerdings bringt das beim Segeln auf kurze Distanz nicht allzu viel Gewinn, denn diese Manöver kosten natürlich auch Zeit. 

ALF POLLAK vor der Sonwik 
Also bringen wir die Gischt zum fliegen. Mittlerweile treffen wir auf mehr Boote mit Ziel Flensburg. Bei jeder Böe, wenn wir noch ziemlich auf Kurs bleiben können, weil unser Langkieler dem Wind durch eine stärkere Krängung ausweichen kann, machten sie Sonnenschüsse, abrupte Schwenker nach Luv.
Während wir auf dem Weg nach Norden noch fotografieren und ein kleines Video filmen konnten, haben wir jetzt andere Prioritäten. Mittlerweile kommt der Flensburger Hafen nahe. Eine riesige weiße Fähre versperrt die Sicht auf das Werftgebäude. Einer der Neubauten der Werft navigiert, von zwei Schleppern unterstützt, im engen Fahrwasser vor der Marineschule. Für uns bleibt Platz in Lee des turmhohen Schiffes. Von der Brücke sehen ein paar Leute auf uns herunter. Einer antwortet auf unser Winken. Was mögen sie jetzt wohl denken?

Hinter der Flensburger Werft weht nur noch eine schwache Briese. Unsere Spritztour ist zu Ende.


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*) Wir sparen noch mehr Zeit beim Reffen, weil wir komplett auf Reffbändel verzichten und das überschüssige Segeltuch in "Faulenzer" fallen lassen 

28.09.18 Vertrackte Situation

Neue Fotos von der Havarie zeigen die vertrackte Situation der AMPHRITITE an der Brücke über den Alsensund in Sonderburg.

Gestern  konnten wir erleichtert berichten, dass bei dem Unfall keine Menschen verletzt wurden. In der letzten Nacht  erhielten wir Fotos vom Tag und Ort der Havarie des alten Dreimast-Schoners. Hierfür herzlichen Dank an den Fotografen!


Wer möchte in der Haut des Schiffsführers stecken, wenn der kostbare alte Segler von einer Strömung unter eine Brücke gedrückt wird? Wir kennen nicht die genaue Ursache für die Havarie und wollen darüber auch nicht spekulieren. Aber wir können beim Betrachten der Bilder "Aus Schaden klug werden" wie man so sagt und dem Segelverein DJS Clipper 1973 wünschen, dass der materielle Schaden überschaubar bleibt.

AMPHRITITE hilflos an der Brücke. Das siehtweder von weitem...
… noch aus der Nähe gut aus.
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Fotos (2) von Claudius Meyer

27.09.18 Gute Nachricht

Die Besatzung der AMPHRITITE hat die Kollision mit der Brücke "Christian X." in Sonderburg unbeschadet überstanden. Anders der alte Schoner. Er wird auf der Werft repariert. 

Vor zwei Tagen berichteten wir von AMPHRITITE und ihrem Missgeschick an der Sonderburger Brücke. Heute bekamen wir folgende Nachricht:

"Bei der Haverie der Amphritite in Sonderburg ist niemand zu Schaden gekommen. Alle 20 Schüler des Erdkunde Leistungskurs aus dem Gymnasiums im Schloss aus Wolfenbüttel sind wohlauf und zum Glück nur mit dem Schrecken davon gekommen. Es ist niemand verletzt. Wir haben am gleichen Tag noch die Überfahrt nach Svendborg in die Werft angetreten - allerdings nur mit Motor und ohne Segel. Der komplette Kurs freut sich bereits auf den zweiten Segeltörn, der hoffentlich im Juni auf dem gleichen Schiff stattfinden kann.
Viele Grüße vom betreuenden Lehrer."
Wir freuen uns über die gute Nachricht und wünschen den jungen Seglern, dass jetzt auch  kein Aufsatz mit dem Thema "Mein aufregendstes Segelerlebnis" als endgültiges Ende des Schreckens fällig wird. 

27.09.18 Auf und nieder

In Flensburg gibt es praktisch keine Gezeiten. Trotzdem schwankt der Wasserstand beträchtlich. Während der Wasserstand in den letzten Tagen immer wieder kräftig sank - in der letzten Nacht um mehr als einen Meter - stieg er heute noch kräftiger an. Die Kette der Tiefdruckgebiete lässt die Ostsee schaukeln. 


Am Nachmittag 16:00 Uhr hat der Pegelstand seinen höchsten Punkt bereits
überschritten. An der Steinschüttung der Museumswerft ist das Maximum
gut zu erkennen.
Der als "Seiche" bekannte Effekt treibt das Wasser der Ostsee hauptsächlich von West nach Ost und danach wieder von Ost nach West, ähnlich dem Wasser, wenn es in einer flachen Schale schwappt. Heute bekamen wir deshalb wieder einmal einen höheren Wasserstand im Flensburger Hafen. Dafür wird es heute irgendwo weiter im Osten einen tieferen Wasserstand geben. Motor dieser Schwankungen ist vermutlich immer noch die andauernde Westwindlage mit ihren auf- und abschwellenden westlichen Winden. Der Rest ist Schwingung der trägen Wassermassen. Diese Bewegungen lassen sich nicht genau vorhersagen, das Ostseebecken ist dafür zu komplex geformt und auch die Windverhältnisse sind über der Ostsee zu unterschiedlich.

Vor fünf Tagen war der Wasserstand schon einmal um einen Meter gesunken und wir vermuteten, dass er jetzt im Herbst öfter stark schwanken wird. Heute konnten wir einen "Tidenhub" (so würde man die Schwankung als Folge der Gezeiten an der Westküste nennen) von 1,50 Metern beobachten. Und das in nur 12 Stunden. Dass der tiefste Pegelstand heute auch wieder um Mitternacht erreicht wurde, ist vermutlich Zufall.

Pegelstände der letzten beiden Tage
Abb: Pegelonline
https://www.pegelonline.wsv.de/gast/stammdaten?pegelnr=9610010

25.09.18 Brückentag für AMPHRITITE

Vor vier Tagen lag die 131 Jahre alts Schoneryacht AMPHRITITE in Flensburg an der Stadtpier. Heute erreicht uns der Bericht über eine Havarie in Sonderburg.

Foto: Facebook Henrik Cornelius



Der "Nordschleswiger"  berichtet in seiner heutigen Ausgabe:

"Am Dienstag hat die kräftige Strömung im Sonderburger Hafenbecken um kurz vor acht Uhr dem Kapitän des Dreimasters „Amfritite” einen Strich durch die Rechnung gemacht. Das große Segelschiff rammte die Christian X. Brücke und diese war anschließend mehrere Stunden lang gesperrt.

Der Dreimaster musste vom Lotsenboot Balder und einem Fischkutter freigezogen werden. Die Strömung macht den Seeleuten nicht zum ersten Mal zu schaffen. Vor einigen Jahren landete auch die „Georg Stage” in der Brücke, erklärt der Hafenmeister Finn Hansen. Die Mannschaft der Amfridite kann sich auf eine Rechnung für die Rettungsaktion gefasst machen."
(Ilse Jacobsen)
AMPHRITITE ist häufig Gast im Flensburger Hafen, oft gemeinsam mit dem Toppsegelschoner ALBATROS. Beide sind Schiffe des Vereins CLIPPER DJS e.V. Wir wünschen dem Schiff und seiner Besatzung, dass bei der Kollision niemand zu Schaden kam. 

AMPHRITITE (vo.) gemeinsam mit ALBATROS am 21. September 2018 an der Schiffbrücke in Flensburg

22.09.18 Tief-Lieger

Das Hafenwasser steht nicht immer gleich hoch. Mit dem ersten Herbssturm aus West sank der Pegelstand um fast einen Meter.

Ungewohntes Bild: Bohlwerk hoch über
dem Wasser.
Pünktlich zum Herbstbeginn hat sich, von Sturmböen durchsetzt, starker Westwind eingefunden. Wie immer bei dieser Wetterlage bläst der Wind das Wasser aus der Westlichen Ostsee nach Osten. So schnell wie die unzähligen Kubikmeter Ostseewasser aus der Förde geweht werden, so schnell kann es nicht aus der Nordsee nachströmen. Dafür sind die Belte und der Sund zu eng und zu flach. Also sinkt der Wasserstand an der Ostseeküste Schleswig Holsteins, besonders in den Förden und Buchten. 







Entsprechend tief liegen die Jollen oder ...
Schon vor Mitternacht sank der Pegel um etwa 60 Zentimeter. Am Morgen war er dann einen Meter unter den mittleren Stand gesunken. Das ungewohnte Bild der "gesunkenen Schiffe" werden wir währen der kühlen Jahreszeit vermutlich öfters mal zu sehen bekommen. So war es bisher und daran wird vermutlich auch der viel diskutierte Klimawandel nicht allzu viel ändern.



Und wie geht es jetzt weiter? Kommt das
Wasser auch mal wieder zurück? Oder gleicht die Nordsee den Wasserstand wieder aus? 





Die einfache Antwort ist: Es kommt darauf an, wie es mit dem Wind weitergeht. Wenn er weiter stark aus Westen weht, wird der Wasserstand von der Nordsee aufgefüllt. Lässt der Wind einfach nach, kommt das Wasser aus der östlichen Ostsee hierher zurück. Dreht der Wind jedoch auf Ost, müssen wir mit Hochwasser rechnen. 

...wie MYTILUS (oben) und WIEBKE BOHLEN (unten)
Auf jeden Fall lohnt es sich, seine Festmacherleinen sowohl für steigende und für fallende Pegel anzupassen. Wenn das geliebte Boot erst einmal in den Leinen hängt, hilft sonst nur noch ein kräftiges Messer. Auch könnte es sich lohnen, immer wieder mal im Hafen nachzusehen, wie hoch oder niedrig das Wasser aktuell steht. Wer zu weit weg wohnt, oder mitten in der Nacht aufwacht und beim Gedanken an sein Boot nicht wieder einschlafen kann: die Internet-Anwendung Pegelonline zeigt ständig den aktuellen Pegelstand. 

21.09.18 Sommer adé!

Pünktlich zum Herbstanfang zieht eine Kaltfront über uns hinweg. Sie wird ein paar Monate lang unser Wetter bestimmen. Heute sind außerdem Tag und Nacht genau gleich lang: Äquinoktium. Und bis zum 21. März 2019 werden wir täglich weniger helle Stunden und Minuten haben als dunkle. 


Großwetterlage heute
Quelle: www.wetter.net
Man nennt ihn "Sommer der Superlative". Nie waren die Tage und Nächte heisser als in diesem Jahr, nie fiel weniger Regen, so hört man seit Monaten. Damit jetzt erstmal Schluss, der Herbst fängt an. Zwar bestehen die Medien darauf, den Herbst am ersten September beginnen zu lassen. Das ist der vermeintlich leichteren Verständlichkeit geschuldet. Wer könne denn, so wird unterstellend gefragt, sich so ein krummes Datum wie den 21. September merken?  Der selben Logik folgend, müsste man auch Weihnachten auf den ersten Dezember verlegen. So kommt's dass die ersten Tüten mit Lebkuchen und Spekulatius schon jetzt in den Regalen der Supermärkte auf Käufer warten. Da sind wir doch schon eher konservativ und bleiben beim Bewährten.

Die Kaltfront von heute gehört zu dem Tiefdrucksystem mit dem sagenumwobenen Namen "Elena". Er stammt aus dem griechischen und bedeutet lt. Wikipedia  "die Sonnenhafte, die Strahlende, die Schöne". In unserem Fall kann man das nur einen Etikettenschwindel nennen, denn von alledem brachte das Wetter heute nichts. Dennoch hat der Herbst auch angenehme Seiten. Man kann wieder Punsch trinken ohne Schweißausbrüche zu riskieren, Sträuße mit Astern in die Vase stellen, oder auch mal wieder den Lieblingspullover anziehen und die geliebte Cordhose aus dem Schrank holen. Oder man kann sich einfach auf die beiden Hochdrucksysteme freuen, die jetzt vor der Biskaya liegen und hoffen, dass sie dem jetzt vergangenen Sommer noch "ein paar südliche Tage" hinterher senden. Ansonsten bleibt uns, was Rainer Maria Rilke in seinem Gedicht Herbsttage reimte:
Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr. /Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben, /wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben /und wird in den Alleen hin und her /unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.
Im übrigen beginnt in genau sechs Monaten der Frühling. Also, Kopf hoch, wird schon nicht so schlimm werden, das mit der dunklen Jahreszeit!

Später am Abend ist der Wasserstand im Hafen gesunken, wie oft bei westlichem Wind. Bis 23 Uhr war er etwa 60 Zentimeter niedriger als normal. Und schon kommen an manchen Booten die Leinen steif. Man muss sich wohl doch erst noch wieder an den Herbst und seine Westwinde gewöhnen. Nur gut, dass Axel deswegen angerufen hat. Lieber einmal nachgesehen haben als einmal das Nachsehen haben. 

21.09.18 Inkognito


Im Zuge der neu errichteten Tore am Bohlwerk hat der rote Logger RYVAR zusammen mit der Jagt MEJSEN ein eigenes kleines schützendes Torhaus bekommen. Den erhofften Schutz bietet es aber nur teilweise.


Liegeplatzraub am Bohlwerk:
ARKEN alias RYVAR (re.) 
Seitdem die Tore am Bohlwerk nachts geschlossen werden, gibt es "nahezu null" Vorfälle. Mission accomplished, könnte man mit G. W. Bush feststellen. Das Vandalismusproblem von Land aus scheint also bislang gelöst zu sein.
Was bei der Lösung nicht berücksichtigt wurde, ist die von der Wasserseite ausgehende Gefahr im Historischen Hafen. Man könne, so wurde schon während der Diskussion, ob und wie das Bohlwerk geschützt werden könne, befürchtet, dass Übetäter im Schutze der Nacht auch aus der Wasserseite kommend, das Bohlwerk erreichen könnten. Dagegen wären die Tore an Land wirkungslos. Hätte man diese Warnung nur ernst genommen!
Gestern Nacht wurde die Theorie von der Praxis eingeholt. Denn seit heute morgen liegt auf dem Liegeplatz der RYVAR ein zum verwechseln ähnlicher Logger. Größe, Farbe, Takelage, Deckslayout - alles täuschend echt und daher unauffällig. Allerdings flog der  Schwindel schon heute morgen auf, denn ein Detail haben der oder die Liegeplatz-Besetzer übersehen. Die Namenschilder und Heimathafen wurden nicht ausgetauscht. War man sich der Sache zu sicher oder war es einfach kriminelle Schlamperei? Jedenfalls liegt seit gestern 22 Uhr auf dem Liegeplatz der RYVAR ihr Klon mit dem Namen ARKEN aus NYKÖBING.

Also, nein Sachen gibt es! die kann sich Keiner nicht ausdenken!

19.09.18 Abhängen

"Segelsport" ist mehr als knatternde Leinwand, schlagende Schoten, gischtende Wellen. Er bedingt mehr, als guten Wind und eine Handbreit Wasser unterm Kiel. Besonders, wenn das Sportgerät ein traditionelles Holzboot ist.

Abhängiger Skipper
Heute erzählte ein Passant, Tourist vermutlich, wehmütig von seinem alten Segelboot, das er kürzlich verkaufte, nachdem er es jahrelang mit großer Hingabe gesegelt habe. Es sei ganz aus Holz gebaut gewesen, ein anderes habe er nicht haben wollen. Und dass ihm wichtig gewesen sei, es immer in guter Ordnung zu halten. Dann fragte er unvermittelt, ob ich den Unterschied kenne in der Art wie ein Holländer und ein Deutscher auf ein gut gepflegtes Boot reagiert? Ohne die Antwort abzuwarten kam schon die Pointe: Ein Deutscher sage, so der Passant, "Viel Arbeit", der Holländer dagegen "Mooi Schip", also "schönes Schiff". Wessen Glück von der Zustimmung der Passanten abhängt sollte wohl besser in Holland segeln.

Wenn der glückliche Eigner es nicht immer nur bequem haben will, stellt ihn sein schönes Boot vor ein ständiges Dilemma. Denn ob segeln oder pflegen: Beides fordert geeignetes Wetter. In diesen Tagen sind die Voraussetzungen noch gut genug, um wenigstens den Großmast wieder ordentlich unter Lack zu bekommen. Aber für die kommende Woche sind häufiger Starkwind bis zu Orkanböen und heftige Regenfälle vorhergesagt. Bootspflege hängt eben auch vom Wetter ab.

Überhaupt - Abhängigkeit, wohin man blickt. Tags zuvor fragte ein befreundeter Nachbar, warum wir bei dem schönen Wetter "am Boot rummachen" anstatt zu segeln? "Genau deswegen". Zwar kann Regenwetter zum segeln immer noch schön genug sein, aber es ist unmöglich, dabei zu schleifen oder zu lackieren. Bei Sturmböen segeln sollte einem sportlichen Traditionsschiffer möglich sein. Eine Lackierung gelingt jedoch bei schwachem Wind erfahrungsgemäß besser als bei sieben Beaufort. Und wie jeder andere Geräteturner auch, ist der Schipper im Mast von seinen Helfern abhängig. Diese Abhängigkeiten gehören einfach zum Erfolg dazu. Andere jedoch nicht.

Blickt der Skipper bei seiner Mastkur von hohen Warte auf das Bohlwerk, sieht er dort jede Menge Leute die einfach mal "abhängen" wollen. Leider aber auch darunter immer noch solche, die schon vor einer Weile von der Gesellschaft abgehängt wurden  von Alkohol und anderem Zeugs abhängen.

Ein englischer Bootsfreund erklärte uns, "I've got things to use things". Sein Boot sah demnach aus. Der Maschinenraum glitzerte von Salzkristallen. Der Kutter war vor Jahren gekentert, aber das Salz war immer noch nicht abgewaschen. Nun wollte er ihn verkaufen, weil unbrauchbar. Mittlerweile hat ihn ein neuer Eigner picbello auf Vordermann gebracht. Mancher klagt, Segelsport koste Zeit und Geld. Stimmt. Das fällt dem besonders auf, der keine Freude an der Arbeit hat. Womit wir wieder am Anfang der kleinen Geschichte von den Abhängigkeiten sind.

15.09.18 Kommt bestimmt

Auch wenn das Thermometer zwischen 20 und 30 Grad anzeigt, kommt  niemand an der Erkenntnis vorbei: "Der nächste Winter kommt bestimmt!" Und  mit ihm die Nässe von oben. Ob als Regen oder als Schnee ist unerheblich.

Schon bei dem Gedanken sieht man Algen und Moos auf den liebevoll gepflegten Decksplanken wachsen. Dazu der Zeitverlust! An vielen Tagen im Herbst und auch im Frühjahr ist es eigentlich warm genug, um den Lack auf Rundhölzern und Deckshäusern zu erneuern. Aber die Luft ist viel zu früh feucht und immer wieder ziehen Regenschauer über den Liegeplatz. Wer sein Boot im Winter in einer Halle lagert kennt diese Sorge nicht. Aber bei einem Holzboot, das 361 Tage im Jahr im Wasser liegt, bleibt als Lösung nur, das Boot winterfest mit einer regenfesten Plane zu schützen. Die sollte außerdem stabil sein, um Sturm und Schneelast stand zu halten. Sie sollte auch das Tageslicht durchscheinen lassen. Und schließlich sollte sie von einer Frau oder einem Mann alleine zu montieren sein.
Glücklich, wer in diesem Fall nicht mehr tun muss als den Segelmacher seines Vertrauens anzurufen. Wenn es danach geht, gibt es in jedem Hafen viele unglückliche Bootseigner. Die meisten von ihnen versuchen, ihre schwimmenden Geliebten mit nicht geeigneten Planen aus dem Baumarkt zu schützen.
Wer jedoch mit kleinem Budget eine professionell konstruierte und hergestellte Winterplane haben möchte, muss selber Hand anlegen. Dazu haben wir uns in diesem Jahr entschieden. Das Material haben wir für etwas über 500 Euro im Internet gekauft. Die Werkstatt ist ein etwa 25 m2 großer Schuppen mit ebenem Boden. Außerdem haben wir eine kräftige Schere, ein Locheisen mit Durchmesser 12 mm, einen 500 Gramm schweren Hammer, einen Kunststoff- Hammer und last but noch least ein Heißluftgerät mit schmaler Metalldüse. Daran sollte man aber nicht allzu sehr sparen. Denn es wird doch einige Stunden lang benötigt, um Kunststoffplanen zu schweißen. Ein "günstiges" Gerät, beim Discounter gekauft, hat nach kurzer Zeit den Dienst quittiert. Schlussendlich benötigen wir auch eine Andrückrolle von etwa fünf Zentimetern Breite mit elastischer Oberfläche.

Für die Planung können wir nur wenige Empfehlungen geben. Die wichtigste: ein genauer Decks-Plan und ein Seitenriss des Bootes sind absolut notwendig. Falls der schon vorliegt, sollten die wesentlichen Maße zur Vorsicht nochmals nachgemessen werden. Sodann muss die Firsthöhe des Planenzeltes festgelegt werden. Falls ein vorhandenes Gestell benutzt werden soll, ist diese Frage leicht beantwortet. Falls nicht: Man sollte darunter zumindest aufrecht knieen und in der Plicht auch stehen können.  Weiterhin sollte schon bei der Planung bekannt sein, wie breit das Planen-Material geliefert wird. Auf jeden Fall war uns wichtig, dass die Plane in Stücken gefertigt und an Bord transportiert werden kann, wobei jedes einzelne Stück nicht mehr als um die 20 Kilo wiegen sollte. Unsere Plane wurde als Rolle von drei Metern Breite geliefert, der Quadratmeter wiegt etwa 400 Gramm. Das bedeutet aber auch, dass die einzelnen Stücke miteinander wasserdicht verbunden werden müssen. Hierbei haben wir uns für eine überlappende Verbindung mit darunter geschweißten schmalen Bahnen entschieden, die als Wasserfalle dienen und die auch horizontale Zugkräfte aufnehmen können. Man kann Planenstücke miteinander auch durch ganz gewöhnliche Nähte verbinden, vorausgesetzt, man hat eine solide Nähmaschine. Allerdings werden diese Nähte niemals wirklich dicht halten. Apropos Zugkräfte: Die Konstruktion muss das Gewicht von nassem Schnee tragen und die Kraft von Sturmböen aushalten können. Der Hersteller unserer Plane nannte als Verwendungszweck "LKW-Dachplane", was den Anforderungen an eine Bootsplane enthalten sollte - nehmen wir mal an.
An den Rändern sind genügend viele Ringkauschen für Zurrbändel notwendig, mit denen die Planenstücke untereinander und mit dem Gestell und dem Boot (Rumpf, Mast(en) und Bäumen verbunden werden. Wir haben einen Abstand von 25 cm gewählt. Bei dünnerer Plane, müsste der Abstand kleiner sein, also mehr Kauschen eingeschlagen werden. Weiterhin sollte die Konstruktion punktuelle Belastungen der Plane vermeiden und die Gefahr von ständiger Reibung oder Flattern ausschließen. Auch dürfen sich keine Wassertaschen bilden. In denen kann nasser Schnee gefrieren. Da kommen schnelle einige hundert Kilogramm zusätzliches Gewicht zustande. Notfalls muss das Gestell durch Dachlatten und dergleichen versehen werden, mit der die Plane in der Fläche unterstützt wird und um das Wasser besser abzuführen. Die letzten Anpassungen müssen warten, bis das Gestell für den Winter aufgebaut ist. Bis dahin ist zum Glück noch etwas Zeit.

Von außen sieht es noch etwas faltig aus. Die Ein-
schnitte für Püttinge/ Wanten kommen ganz zum
Schluß
Erste Anprobe, noch ohne Gestell. Die Plane ist
am Besanmast geteilt, dort ist auch der Einstieg
vorgesehen. Wahlweise Backbord oder Steuerbord.

11.09.18 Jahrestag

Geschichte wiederholt sich nicht, sagt man. Gut so und gut gegen Langeweile. Es gibt aber auch Wiederholungen, die immer wieder spannend sind.

Vor 21 Jahren verließ WIEBKE BOHLEN, Nachbau der Kreuzeryacht MARIE von Colin Archer aus dem Jahr 1902, die Werft zu einer zweiten Jungfernfahrt. Vorausgegangen war eine Monate dauernde grundlegende Restauration der Ketsch. Diese Reise, als Erprobungsfahrt geplant, hatte es in sich, obwohl sie nur von Marstal nach Flensburg führten sollte Der Wetterbericht hatte SW um vier vorhergesagt. Was daraus wurde, zeigt das Foto von der Kieler Bucht südlich von Aerö. Auf Kalkgrund wurde die See zu ungemütlich für die noch nicht ganz eingeübte Mannschaft. Also ging es zurück zum Ausgangspunkt. Der war, wen wundert's, erheblich schneller erreicht, als die Strecke bis zum Ausgang der Förde.

10. September 1997
Das Boot noch nicht fertig umgebaut, das Rigg modifiziert, die Segel neu, Positionen der Holepunkte und Klampen noch nicht erprobt. Aber Lyngby Radio hatte SW drei bis vier Beaufort angekündigt. Das versprach gute Bedingungen für den Probetörn. Doch Petrus fühlte sich nicht an die Vorhersagend der Wetterfrösche gebunden. Das ist bis heute so geblieben.






Liegt es nun am Jahrestag  oder kündigt sich im September einfach nur der Herbst an, mit Starkwind und kräftigen Böen? Bei einem kleinen "Ausritt", 21 Jahre später, blies es jedenfalls wieder kräftig mit starken Böen aus Südwest. Glücklicherweise ist das Boot mittlerweile gut eingesegelt und die Mannschaft auch. Die ist natürlich jetzt ein paar Jahre älter, wie jeder Blick in den Spiegel zeigt. Es ist schon ein bisschen ungerecht: Menschen kann man pflegen so lange man will, dennoch sehen sie immer älter aus. Boote altern natürlich auch, doch ihnen sieht man es bei guter Behandlung nicht an. Im Gegenteil, sie werden immer attraktiver.
Und wohin ging es diesmal? Wie damals zurück zum Ausgangshafen. Allerdings geplant. Ein Tagesausflug ist schließlich auch sehr schön, zumal, wenn er sportlich ist.


11. September 2018
Viel hat sich in den zwei Jahrzehnten getan. Dennoch kann gibt es auch heute noch "room for improvement", wie man so sagt. Aber Winschen und Rollsegel stehen weiterhin nicht auf der Wunschliste. Es geht immer noch ohne.