28.05.18 Einladung zum Geburtstag

Wer lange raucht, wird endlich alt und ALEXANDRA wird jetzt sogar 110! Zur Feier des runden Geburtstages lädt die Crew die Freunde der "Alex" am kommenden Samstag, 2. Juni 2018 von 13 Uhr bis 18 Uhr ein.


 Dazu haben wir folgende Information erhalten:
"Auf der Dampferbrücke sind die Pforten zu einem Brückenfest und natürlich auch zu „open ship“ auf der „ALEXANDRA“ geöffnet. Auch für das leibliche Wohl wird gesorgt. Kaffee, Kuchen, Bier, Wein, Bratwurst, an dem Tag kostet alles nur 110 Cent.
Ein besonderes Highlight ist der offizielle Schiffspoststempel zum 110 Geburtstag.
An Bord wird ein Postamt eröffnet. Dort gibt es „Alex“-Postkarten mit „Alex“-Briefmarken.
Diese werden dann abgestempelt und in einem eigens aufgestellten Postkasten in die offizielle Post gebracht.
Die Kleinen haben die Möglichkeit sich nicht nur mit Kohle schminken zu lassen."

Falls die aktuelle Wettervorhersage zutrifft, wird Petrus mitfeiern bei Sommerwetter mit strahlendem Sonnenschein und mäßigem Ostwind bei angenehmen 25°C.


26.05.18 Segeln mit Damenbriese

Auf dem Weg zum Museumshafen gesehen: Schiffe aus
drei Epochen der langen Geschichte dieser Region.  
MS DEUTSCHLAND vor der Marineschule
Hochsommer im Mai. War das Wetter  bis zur Rumregatta eher bescheiden, werden wir seitdem nach Herzenslust verwöhnt. Wer kann, sollte man meinen, wird diese Tage mit mäßigem bis frischem Wind und strahlendem Sonnenschein nutzen und auf seinem schwimmenden Untersatz wieder und immer wieder die Segel zu setzen und ein paar Stunden auf der Förde verbringen. Gemessen an der Zahl der Boote in den Jachthäfen, müsse man an einem Tag wie heute die Förde trockenen Fußes überqueren können. Jedoch, kaum zu glauben! es immer noch jede Menge Wasser zwischend den Booten, Schiffen, Jachten, Surfbrettern und was sonst noch alles für den Wassersport in den Häfen bereit liegt. Und so segeln wir in paradiesischer Ruhe aus dem Flensburger Hafen, auf das traumhaft schöne Revier und sind - nahezu alleine auf dem Wasser. Nur MS DEUTSCHLAND zieht auf der deutschen Seite der heimischen Meeresarmes ihre Bahn, symbolträchtig vor der Marineschule in Mürwik. Was könnte den Unterschied zur Zeit vor 100 Jahren besser sichtbar machen? Schon auf dem Weg zu unserem Boot werden wir an die wechselhafte Geschichte dieser Region erinnert.
Nicht ganz zur Geschichte dieser Region gehörend, aber auch ein maritimes Erbe des Nordens, sehen wir den Hochsee-Ewer PROVIDENTIA HF42 auf Gegenkurs. Dem Schiff begegnen wir schon seit zwanzig Jahren in den verschiedensten Stadien seiner Entwicklung. Zweimal wurde eine große Restaurierung begonnen und dann wieder abgebrochen. Das Schiff hat sicherlich tiefe Spuren im Leben seiner früheren Eigner hinterlassen. Nun gehört es der Ostseeschule und bringt jungen Menschen traditionelle Seemannschaft nahe. Nicht nur das. Auch seine letzte Stufe der Restauration wurde durch den tatkräftigen Einsatz vieler Schüler und Schülerinnen abgeschlossen. Nun darf der 113 Jahre alte Segler als Traditionsschiff zahlende Gäste an Bord nehmen und damit seinen Unterhalt zumindest teilweise abarbeiten. Wir ändern unseren Kurs und bringen uns in Position, um PROVIDENTIA möglichst nahe passieren zu können.



Mittlerweile sind schon mehr Segler auf dem Wasser. Die meisten trainieren für eine Regatta. Bei den  Ochseninseln ist ein großer Pulk Laser unterwegs. Die sind erheblich flinker als wir. Wir verzichten auf unser Wegerecht und drehen ab.
Nach ein paar Stunden auf dem Wasser segeln wir zum Hafen zurück. Auf dem Weg rätseln wir, warum wir die flensburger 12mR Yacht SPHINX noch gesehen haben. In gerade mal eineinhalb Wochen beginnt der Robbe& Berking Sterling Cup. Da müsste die Yacht doch eigentlich pausenlos gesgelt werden. Kaum zu Ende gedacht, sehen wir die Silhouette der Rennyacht
Eben erst wurden die Segel auf SPHINX gesetzt
von Abeking & Rasmussen
 in der Wasserslebener Bucht. Sie kreuzt mit rauschender Bugwelle Richtung Nord und Bald haben wir sie aus den Augen verloren.
Jetzt müssen wir uns über den besten Kurs einigen, auf dem wir bei achterlichem Wind in den Hafen hinein segeln wollen. Wir entscheiden uns, von der Westseite aus auf der Enge vor der Werft zu nähern. So können, wir vor dem Wind kreuzend, uns möglichst viele Entscheidungsmöglichkeiten offen halten. Und siehe da: Die Taktik geht auf . Wir können wieder einmal in einem Schlag bis tief in den Hafen hinein segeln.  Ein schöner Ausflug auf die Förde geht zu Ende.

Für morgen wurde Gewitter und Regen vorhergesagt. Mal sehen, was kommt.

25.05.18 Werftgeschehen aktuell

Doch keine Folge der ungewohnten Sonneneinstrahlung. Als gestern jemand sagte, er habe abends zuvor den Schoner VANADIS im Flensburger Hafen gesehen, wollten wir das zunächst als "Küstenklatsch" abtun. Zu lange ist es her, dass dieses wunderbare Schiff mit dem Ruf die älteste erhaltene Rennyacht überhaupt zu sein, den ehemaligen Heimathafen besucht hat. Die 150 Jahre alte Schönheit war über zwanzig Jahre lang mit dem Namen VALDIVIA Mitglied im Museumshafen Flensburg, nachdem sie vom vorletzten Besitzer grundlegend überholt und in ihren ursprünglichen Zustand versetzt wurde. Mit dem ausgeprägten Fall ihrer Masten und dem schwarz gemalten Rumpf  konnte sie glaubhaft an ihre frühere Rolle als Schmugglerjäger erinnern. Leider hatte schon damals der ursprüngliche Innenausbau den Lauf der Jahre seit 1868 nicht überdauert. Er galt zu ihrer Bauzeit als einer der schönsten weit und breit. Mittlerweile ist ihr Rumpf weiß gemalt und an Deck glänzt alles von satter Lackierung und poliertem Messing.
VANADIS, man glaubt ihr die Geschichte der Rennyacht
eines schwedischen Idustriellen aus dem Jahr 1868
Heute bekamen wir den Tipp, mal wieder nach Egernsund zur Werft von Christian
Ihre Linien lassen amerikanischen Schoner als Vorbilder 
erkennen.
Johnson zu fahren, dort läge VANADIS ex VALDIVIA auf der Helling. Und tatsächlich, schon von weitem verrieten die schräg stehenden Masten, welchen Schoner wir dort aufgepallt sehen würden. Zuerst sehen wir den Klüverbaum, der bis weit über die Straße Havnevej ragt, an der die Werft liegt. Das Unterwasserschiff schon zur Hälfte fertig gemalt, das Freibord und die Schanz in hellem cremeweiß. Und dann ihre Linien! Holz gewordene Hydrodynamik, könnte man
schwärmen. Wenn der Blick über ihre Rundungen gleitet und dabei die Wasserströmung nachzeichnet glaubt man sogleich ihren Ruf, ein schnelles Schiff zu sein. Dennoch, so hört man, hat sie auch in ihren besten Tagen kein einziges bedeutendes Rennen gewonnen. Aber dazu gehören auch immer zwei, das Schiff und seine Mannschaft. An Deck, wir sagten es bereits, glänzt alles unter Lack. Auch die Decksplanken. Unter der Lackierung sei das Deck jetzt seit Jahren komplett dicht. Sie werde allerdings regelmäßig geschliffen und erneuert.

FRIEDA, auch sie ein Schmuckstück
Gleich hinter ihr auf dem Slipweg liegt heute FRIEDA, auch ehemals ein Schiff aus dem Museumshafen Flensburg. Seit sie den Besitzer wechselte, sieht sie stets aus wie neu - auch sie eine wahre Augenweide. Sie wurde allerdings auch umfangreich überholt und in in wichtigen Bereichen strukturell verbessert. Der Eigner lobt jetzt ihre Segeleigenschaften und ist von ihrem Verhalten in der See begeistert. So muss das auch sein denken wir. Schließlich freuen wir uns deswegen auch immer wieder über unser eigenes Boot.
Wir sprechen auch über die Vor- und Nachteile der unterschiedlichen Methoden, Decksnähte zu versiegeln. Auf FRIEDA ist man mit dem traditionellen Teer sehr zufrieden und gestreifte Hosen hat es auch nicht gegeben, selbst wenn man ohne Unterlage auf dem Deck sitzt.

MISTRAL, ein amerikanischer Yachtbau von 1938 nach
einem Entwurf von Francis L. Herreshoff
Draußen vor dem Slipweg liegt auch der Schoner MISTRAL aus Flensburg. Sie wartet wohl, dass auf der Helling ein Platz frei wird.

RAKEL liegt immer noch an ihrem Liegeplatz in Egernsund. Längsseits hat der kleine Kutter festgemacht, der sie nach Lübeck schleppen soll. An Deck liegen Werkzeuge und Material. An Bord ist niemand, den wir ansprechen können.

24.05.18 Yachting Heritage Centre aktuell

Das Leben schreibt immer noch die unwahrscheinlichsten Geschichten, deren Handlungsstränge kein auf seinen Ruf bedachter Schriftsteller zu entwerfen wagt.
Die Einladung heute in das Yachting Heritage Centre in Flensburg ist der vorläufige Schlusspunkt einer Geschichte dieser Art. 
Das Kontor des Firmengründers
Die Belegschaft
Dort wurde die aktuelle Ausstellung anlässlich des 111-jährigen Bestehens der international hoch angesehenen  Werft  von Abeking & Rassmussen eröffnet. Rund 100 geladene Gäste kamen zu diesem Ereignis, das Oliver Berking mit einer tour d'horizon über wesentlichen Stationen der verschlungenen Wege eröffnete, die Abeking & Rasmussen mit der Robbe & Berking Werft verbinden. Für die Werft Abeking & Rasmussen war ihr Geschäftsführer Hans Schaedla, Urenkel von Henry Rasmussen gekommen. Ihm blieb danach nur noch die Feststellung, dass er soeben den Vortrag zu hören bekam, den er selber halten wollte. 
Die Geschichte beginnt 1877 in Svendborg, wo  Henry Rasmussen als Sohn einer Familie von Schiffbauern zur Welt kommt. Schon früh interessiert er sich für das Segeln und baut bereits in jungen Jahren sein erstes Boot. Wer sich dem Heritage Centre nähert, kann es
High-tech für den traditionellen Holzbootsbau
schon vor dem Betreten der Räume sehen. Mit dreißig Jahren gründet Henry Rasmussen seine eigene Werft in Lemweder bei Bremen, wo sie bis heute besteht. Anfangs werden kleine Boote hergestellt, später kommen größere Yachten hinzu, alle aus Holz gebaut. Wichtige Kunden werden in Deutschland, aber auch in den USA gefunden, dort allein 99 mal für Concordia-Yachten. Über die Entwicklung informiert die Website des Heritage Centre:

"Die Geschichte der Werft, die heute von Henry Rasmussens Urenkel Hans Schaedla geleitet wird, begann in einer Zeit, in der es noch ganz normal war, dass Boote einzeln, von Hand und meist aus Holz gebaut wurden. Bei A&R waren es Piraten- oder Olympiajollen, Yachten der Meter-Klassen, Schärenkreuzer, Seefahrtkreuzer und Schoner. Später wurden die Yachten noch größer und auch aus Stahl oder, noch später, Aluminium angefertigt. Dann kam die Zeit der industriell produzierten Plastikyachten. Liebevoll von Hand  gebaute Boote wurden zu einer vom Aussterben bedrohten Spezies, zu Raritäten. Sie sind es bis heute geblieben. Nicht so bei Abeking & Rasmussen ! Auch 111 Jahre nach der Werftgründung werden dort ausschließlich einzeln angefertigte Yachten und Schiffe gebaut. Spezialschiffe, wie Lotsenboote, Seenotrettungskreuzer oder Marineboote sind es heute und immer wieder viel beachtete und spektakuläre Megayachten."
Unter anderen Bauten sind es auch genau zehn Yachten 12mR Klasse, die letzte von ihnen SPHINX, im Jahr 1939. Sie wurde für den Norddeutschen Regattaverein gebaut, überdauerte den kurz nach dem Stapellauf ausbrechenden Weltkrieg, wurde anschließend trickreich an zwei Mitglieder mit chilenischem Pass des Norddeutschen Regattavereins verkauft - Deutsche durften nach den Statuten keine Schiffe besitzen, die länger als sechs Meter waren. Die neuen Eigner waren außerdem Besitzer einer großen Holzhandlung. So bezahlten sie die Yacht mit einer Ladung Holz, die anschließend bei Abeking & Rasmussen gegen "12 Hummelboote, fünf Piraten, zwei kleine Kielboote vom Typ Sonderling und acht Hansajollen" eingetauscht wurden. 
Die Hansajollen wurden ein großer Erfolg; sie sind bis heute eine nationale Klasse im DSV.  
SPHINX kam später als Ausbildungsschiff unter dem Namen OSTWIND an Oliver Berking, gemeinsam mit zwei weiteren Eigner aus Flensburg. Aus der Restaurierungswerkstatt entstand schließlich die heutige Robbe & Berking Werft. 
Die Ausstellung zeigt viele originale Exponate aus dem Bestand der Werft, darunter das Kontor von Henry Rasmussen, Halbmodelle, Zeichnungen, zauberhafte Schiffsmodelle, alte Fotografien, Bootsbauwerkzeuge - man muss sich das einfach mal selber ansehen. 111 Jahre sind eine lange Zeit. Sie hat viele Zeugnisse hinterlassen - zu viele um sie hier einzeln aufzuführen.
Die Ausstellung hat uns auch durch ihre Präsentation angesprochen. Um das Foyer, mit dem wunderbar erhaltenen 30-er Schärenkreuzer 
BREMEN in der Mitte, werden in angrenzenden Kabinetten besondere Themenschwerpunkte aus der Geschichte der Werft abgehandelt. 
Für uns war es ein lohnender Besuch. Die Ausstellung ist bis zum 15. Oktober geöffnet. 


35-er Schärenkreuzer BREMEN von Abeking und Rasmussen, dient während der Eröffnung als stilvolles Buffet

23.05.18 Übung macht den Meister

Die "Lüttfischer" des Museumshafens setzen sich seit Jahren aktiv für die jüngsten Segler ein, um sie mit den traditionellen Fischerjollen der Elbe und Ostsee vertraut zu machen. Heute konnten wir wieder einmal beobachten, wie mit vollem Einsatz auf MINNA RÖDER (oben) und ABBI (unten) den Flensburger Hafen segeln erkundeten. Sie hatten genau wie wir selber auch mit den besonderen Verhältnissen bei Ostwind hinter den hohen Silos am Harniskai zurecht zu kommen. Wie lautet einer unserer Lieblingssprüche aus dem Film "Sturmfahrt nach Alaska"? "Der Wind weht für Gerechte und Ungerechte gleich stark"(56:11 min)  Man kann auch sagen "Für Groß und Klein". Als wir nach 20 Wenden endlich den Hafen segelnd hinter uns lassen, waren die Jollen schon wieder in der Hafenspitze angekommen. Übung macht den Meister.





21.05.18 Sommersegeln

Ostwind, drei Beaufort, Böen sechs, leichte Bewölkung, keine Niederschläge. Herz, was willst du mehr. Dem, der heute nicht segelt ist nicht zu helfen. So ging es uns in den letzten Tagen. Aber heute wollten wir endlich wieder mal raus. 

ANNY von Glückstadt bei den Ochseninseln
Schoner ANNY aus Glückstadt hatte offenbar den selben Gedanken. Als wir zu unserem
Boot gehen, ist ihr Liegeplatz verwaist. Später sehen wir sie bei den Ochseninseln. Man kann sie kaum verwechseln. Mit ihrem ausgeprägten Mastfall sieht sie selbst fest vertäut noch schnell aus. Mit weissen Masttoppen und einem steilen Klipperbug lässt sie uns an ein Schmuggler- oder Piratenschiff denken. An dem abgelegenen Liegeplatz der Ochseninseln sowieso. Aber heute ist guter Wind und wir lassen die beiden dänischen Inselchen in der Inneren Flensburger Förde links liegen.
Schon im Hafen hatten wir unsere Standard- Besegelung gesetzt: Klüver, Baumfock, Großsegel, Besan. Das reicht als Antrieb, denn auch wenn der Wind im Hafen nur schwach weht, einzelne Böen lassen erahnen, dass es "draußen" stärker zur Sache geht.
Ostwind im Hafen bedeutet immer, dass uns die hohen Speicherhäuser mit windstillen Zonen und unkalkulierbaren Wirbeln auf die Probe stellen. Heute müssen wir direkt nördlich vom Museumshafen einen großen Bogen nach West machen, der uns bis vor die Pier der Stadtwerke führt. SIONNACHAN, die klassische Yacht aus dem Historischen Hafen, startete kurz vor uns. Nun zeigt sie uns, wo es lang geht. Dann ein Schlag zur Ostseite. Der bringt uns fast bis an die Pier, wo eine Böe unerwartet von Nord einfällt, gerade als ein Motorboot und ein Segler unter Motor dicht hinter uns passieren wollen. Schon hängen wir kurz vor dem Harniskai in einer abgebrochenen Wende fest und müssen
BRITTA, eine Viking Einheitsklasse von 1948 aus Norwegen
uns doch tatsächlich (bitte nicht weitersagen) mit "voll zurück" der Maschine vor einem harten Anleger retten. Dann die Wende, wieder auf Backbordbug. Auf der anderen Hafenseite kreuzt SIONNACHAN unseren Kurs und erweicht unser Herz mit dem Ruf "wir haben keine Maschine"! Wurden wir doch gerade daran erinnert, wie hilfreich so ein Dieselantrieb auch für einen Segler sein kann. Für das nächste Mal kreuzen im Hafen merken wir uns, dass es klug ist, einen Schlag nicht bis auf die letzten Zentimeter auszureizen. Mit dieser Lehre im Kopf wenden wir nun mit gutem Abstand vor der Werftpier und sind schon bald in der Förde. Eine klassische Yacht, eine Viking, gebaut in Norwegen kreuzt nahe vorbei. Wie leicht und anmutig sich ihr Rumpf auf den Wellen wiegt!
Wie erwartet wird der Wind kräftiger, je weiter wir nach Norden kommen und steigert sich nach und nach auf geschätzte fünf bis sechs Beaufort. Was als Böe angekündigt wurde ist jetzt die allgemeine Windstärke und ein paar Böen kommen noch obendrauf. Viele Wellen zeigen Schaumköpfe und auf dem Wasser geben jetzt lange Streifen die Windrichtung an. Gut, dass wir uns nicht für mehr Segelfläche entschieden haben. Unten im Rumpf hören wir etwas poltern. Eine Tür war nicht sicher verschlossen. Nun liegt der Inhalt des Schapps auf dem Boden. Nördlich der Ochseninseln sehen wir bei Holnis einen roten Rumpf mit hohen Masten. Nanu? DAGMAR AAEN lag doch noch an ihrem Liegeplatz als wir aus dem Hafen segelten. Als wir näher kommen erkennen wir den Logger RYVAR aus dem Museumshafen auf Gegenkurs. Hallo, und willkommen zurück! RYVAR war einige Tage unterwegs. Nahe der Tonne 12, die alljährlich bei der Rumregatta gerundet werden muss, gehen wir in eine Wende, lassen die Schoten fliegen, denn nun kommt der Wind backstags. Das ist die optimale Richtung für unsere Gaffelketsch und schon bald zeigt der Plotter sechs bis sieben Knoten über Grund. Herz, was willst Du mehr! Das ist ja so schnell wie ein gemütlicher Radler und strampeln brauchen wir auch nicht. Viel zu schnell sind wir wieder im Hafen.


Bei der Werft nimmt der Wind noch einmal zu, das ist wohl der Düseneffekt in der Enge zwischen der hohen Werfthalle im Westen und den Silos im Osten der Hafenmündung. Wir machen uns daran, die Segel zu bergen. Das Bohlwerk erreichen wir schon ohne Baumfock, dann werden die Dirken durchgesetzt. Nach dem Museumshafen ist wenig Betrieb auf dem Wasser. Wir gehen  in eine scharfe Wende um den Klüver zu bergen. Auf Backbord kommt der besser an Deck. Dann die Besanschoten dichtgeholt, das Boot stellt sich in den Wind. Großschoten dicht und das Großsegel runter. Das Achterliek immer schön nach hinten ziehen. So sieht das Ergebnis meist ganz ordentlich aus. Nun die Maschine starten und warmlaufen lassen, während der Besan geborgen wird. Jetzt mit langsamer Fahrt zum Liegeplatz. Ein Blick auf die Fahnen an den Schiffen im Museumshafen hat uns gezeigt, dass der Ostwind hier auf Nordost
gedreht hat. Also laufen wir von Süden aus längst der Poller des Bohlwerks. Bei unserer Einfahrt "Ruder hart Steuerbord" und dann "Maschine zurück". Gehorsam folgt das Boot dem Radeffekt. Aber die Drehung reicht nicht ganz, der Wind hat sich gerade besonnen,
WIEBKE BOHLEN, fertig zum Einlaufen
Foto: 
Sebastian Hendrix (Danke!)
dass er eigentlich aus Ost kommen wollte und drückt den Bug gegen die gewünschte Richtung. Also "Maschine voraus", Ruder immer noch hart Steuerbord. Dann wieder Maschine zurück. Im Zickzack geht es langsam in die "Box", wo wir vor dem Ablegen die Vorleinen und die Achtersprings als Führungsleinen gespannt hatten.
Einigen Gästen der Fischbude vergeht der Appetit, weil unser Diesel natürlich nicht nur Vortrieb sondern auch Abgase erzeugt. Er wird nur wenig gebraucht; schließlich haben wir ein Segelschiff. Dagegen protestiert er mit einer blauen Abgasfahne. Aber bald haben Bens Gäste alles  überstanden. Wir liegen an unserem Platz und der Motor wird nicht mehr benötigt.

18.05.18 Zwei Projekte im Vergleich

In Flensburg werden derzeit zwei historisch bedeutende Schiffe originalgetreu nachgebaut. Von beiden gibt es nur noch Fragmente der ursprünglichen Rümpfe und beide benötigen zu ihrer Fertigstellung gleich hohe Budgets. Das eine ist FEUERLAND, ein ehemaliges Expeditionsschiff. Das andere eine 12mR Yacht, die JENETTA. Während das Projekt FEUERLAND auf der Museumswerft gerade angelaufen ist, hat das Projekt JENETTA bei der Robbe & Berking Classics ein paar Monate Vorlauf. 


FEUERLAND
Am achten Mai begann die originalgetreue Restaurierung des historischen Schiffes auf der Museumswerft Flensburg. Sie wurde dafür vom Förderkreis Kulturdenkmal Expeditionsschiff FEUERLAND e.V. ausgewählt. 

FEUERLAND einst: 1928 im Atlantik
FEUERLAND jetzt: auf der Museumswerft angekommen
Das Schiff hat seit seiner Fertigstellung im Jahr 1927 in Büsum ein wechselvolles Schicksal durchlebt. Der Fliegerheld und Forscher Günther Plüschow hat das Schiff 1927 für seine zweite Südamerika-Expedition bauen lassen. Er nutzte sie als schwimmende Basisstation für sich und seine Crew. Schon 1929 musste er sie aus Geldmangel an einen englischen Schafzüchter verkaufen. Sie bekam den Namen PENELOPE und machten mehrere Reisen für eine Familie Hamilton. 1938 wurde das Schiff aufgelegt. Im Jahr 1946 kaufte die Regierung der Falklandinseln die PENELOPE und so fuhr sie die nächsten Jahre als Transporter zu entlegenen Farmen auf den Falklandinseln. Als Kapitän Buchner, der die Falklands 2001 mit einem Expeditions-Kreuzfahrtschiff besuchte, die FEUERLAND entdeckt und gekauft hatte, versuchte er das Schiff auf eigenem Kiel nach Büsum zu fahren. Aber das Deck war mittlerweile undicht und die Sicherheit der Besatzung durfte nicht gefährdet werden. So kam die FEUERLAND schließlich 2006 mit dem Containerschiff MONTE CERVANTES nach Hamburg. Von da aus besuchte es noch einmal seine "Geburtsstadt" Büsum und kam anschließend zu seiner bislang vorletzten Station wieder nach Hamburg auf die Werft des Vereins "Jugend in Arbeit". Nun erreichte sie Flensburg als vorläufig letzte Station - auf einem Sattelschlepper. Die wechselvolle Geschichte hat - man sieht es auf den ersten Blick - tiefe Spuren an dem Rumpf hinterlassen, der jetzt hier restauriert werden soll.

Wenn das Projekt FEUERLAND auf der Museumswerft in Flensburg eines Tages erfolgreich abgeschlossen sein wird, ist vermutlich von dem jetzt auf dem Gelände an der Schiffbrücke aufgepallten Rumpf nicht mehr viel übrig geblieben. Kurz gesagt: Die Restauration wird voraussichtlich auf einen Neu- oder Nachbau herauslaufen. Dafür wurde als Kostenrahmen rund eineinhalb Millionen Euro veranschlagt. 

JENETTA
JENETTA einst
Foto: Robbe & Berking Classics
Die Werft Robbe & Berking Classics hat sich auf den Bau und die Restauration Klassischer Yachten spezialisiert, die nach der "Meter-Formel" entworfen wurden. Nach erfolgreichen Projekten, wie die Restaurierung der SPHINX und der Neubau der Baunummer 434 von Johann Anker, soll jetzt die berühmte JENETTA zu neuem Leben erweckt werden. Das Projekt führt die Werft in eigener Regie durch, ein Käufer wird derzeit noch gesucht. 
JENETTA wurde 1939 von dem berühmten amerikanischen Yachtdesigner Alfred Mylne für den britischen Zuckerkönig Sir William Burton als 12mR Yacht gebaut. Das war ein Jahr, nachdem die FEUERLAND auf den Falklands aufgelegt wurde. Sie ist die längste ihrer Art überhaupt - und sie war auch eine der schnellsten. Auch sie hatte eine wechselvolle Geschichte und kam in den achtziger Jahren nach Kanada. Während ihre Erfolge auf den Regattabahnen verständlicherweise gut dokumentiert sind, ist über ihre späten
Jahre nur wenig bekannt. An ihren Resten war abzulesen, dass zuletzt Reparaturen mit ungeeignetem Material versucht wurden, bis sie vor zehn Jahren im Lake Pitt bei Vancouver sank. Was von ihr übrig blieb, hat Oliver Berking vor zwei Jahren im Container nach Flensburg geholt. 
JENETTA: nur die Kielsektion blieb erhalten
Viel ist nicht mehr von ihr zu gebrauchen, wenn man vom Ballastkiel absieht. Der ist allerdings sehr wertvoll. Denn ein Nachbau einer Yacht auf dem originalen Kiel, darf unter seinem ursprünglichen Namen im Yacht Register geführt werden. Zwei Jahre soll es dauern, bis die neue JENETTA vollendet ist.
Zufällig wird auch dieses Projekt mit etwa 1,5 Millionen Euro bewertet.  


Wir sind gespannt auf den Fortschritt der beiden Projekte, die kaum unterschiedlicher sein könnten, aber zufällig gleichzeitig in Flensburg für den selben Betrag jeweils einem historischen Schiff zu einem neuen Leben verhelfen sollen. 

17.05.18 FEUERLAND: Alles im Lot

Auf der Museumswerft verkünden erste Hammerschläge den Beginn der Restaurierungsarbeiten an dem historischen Expeditionsschiff FEUERLAND. An Vor- und Achtersteven geben Lotleinen die erste Orientierung für die Mittelebene des Rumpfes vor. 

Vor neun Tagen erreichte die FEUERLAND, das Expeditionsschiff des Amateurforschers und Fliegers Günther Plüschow bzw. was von ihr noch übrig ist, die Museumswerft in Flensburg. 
FEUERLAND
Foto: WIKIPEDIA
Wie berichtet, soll der kaputt getrocknete Rumpf hier originalgetreu wieder hergestellt werden. Schließlich ist das Schiff  unter der Objektnummer 21806 als "bewegliches Kulturdenkmal" in die Denkmalliste des Kreises Dithmarschen eingetragen. 
Jens Fiedler, Initiator und Geschäftsführer des Förderkreises Expeditionsschiff FEUERLAND e.V. berichete bei der Ankunft des historischen Schiffes, dass unter allen möglichen Werften nur die Museumswerft in Flensburg für die anspruchsvolle Restauration infrage kommt. Nachdem der Versuch, diese Aufgabe durch den Verein "Jugend in Arbeit Hamburg" zu bewältigen an dessen Insolvenz scheiterte und die Mittel für Ein-Euro-Jobs gestrichen worden seien, musste für das Schiff eine neue Heimat gefunden werden. Hierfür hätte sich eigentlich Büsum als Geburtsort der Feuerland angeboten, sagte er, aber die dortige Werft existiere nicht mehr. Den Tipp, die Museumswerft auf die FEUERLAND anzusprechen, kam von Arved Fuchs, dessen DAGMAR AAEN im Museumshafen liegt und der auch zum Führungsteam des Fördervereins des Schifffahrtsmuseums gehört. Dort ist noch in diesem Jahr eine Ausstellung zu dem Flugpionier und Feuerland-Forscher Günther Plüschow geplant. Die Flensburger Museumswerft habe sich durch ihre Erfahrung bei Bau und Reparatur historischer Holzschiffe für dieses Projekt qualifiziert. Tags drauf berichtete das Flensburger Tageblatt: 
"Die Flensburger Museumswerft sei der ideale Partner für das Projekt, sagte Fiedler. Deren Leiter Uwe Kutzner ergänzte, die Werft sei spezialisiert darauf, historische Holzschiffe nachzubauen oder zu restaurieren, die in der Region von Bedeutung waren. „Wir sind überaus glücklich, diesen Auftrag abwickeln zu dürfen." *)
Zudem sprächen die Umgebung mit dem Historischem Hafen, Schifffahrtsmuseum und Museumshafen für diese Wahl. 

Zur Durchführung des Projektes erfahren wir, dass Beginn und Dauer in erster Linie von der Finanzierung abhängt. Die Gesamtkosten werden auf 1,4 Millionen Euro geschätzt, davon ein knappes Drittel alleine für den Rumpf. Alle Angaben natürlich mit den notwendigen Vorbehalten. Bei idealen Voraussetzungen könnte der Rumpf mit sechs Leuten in einem Jahr fertiggestellt werden. 
Die Restauration wird im wesentlichen in sechs Schritten durchgeführt, erfuhren wir:
  1. Der Rumpf ist derzeit verdreht und muss zunächst ausgerichtet werden
  2. Die Kielplanken und der Kiel werden herausgenommen
  3. Steven und Kiel werden erneuert
  4. Die Balkweger werden erneuert
  5. Jede zweite Planke wird durch neue Planken ersetzt
  6. Stopperplanken vollenden die Restauration des Rumpfes
Während der Arbeit müsse der Rumpf durch eine Überdachung gegen das Wetter geschützt werden.

Zur Finanzierung wurden verschiedene Ideen skizziert. Unter anderem die, dass "Plankenpaten" gewonnen werden sollen, welche eine Patenschaft für einen oder mehrere Meter Planke übernehmen - bei 1000 Euro pro Meter. Allgemein soll ein Mix von Sach- und Geldspenden den Bau finanzieren.

Wenn sie fertiggestellt ist, soll die FEUERLAND als Traditionsschiff vom Museumshafen aus Reisen unternehmen. Als Wunschziel wurde Südamerika genannt. 

Die Überlegungen der Museumswerft gehen noch weiter in die Zukunft. Nach Abschluss des Projektes "FEUERLAND" soll an der selben Stelle der Westindiensegler gebaut werden, dessen Modell in der kleinen Werfthalle besichtigt werden kann.
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*) Quelle:  https://www.shz.de/19798036 ©2018

16.05.18 RAKEL: Neues Leben aus Ruinen?

Wer hätte das gedacht! Seit das ehemalige Fischereifahrzeug aus der Werft des berühmten norwegischen Schiffsbauers Colin Archer am 22. Juni 2013 auf der Fahrt von Bremerhaven nach Helgoland in Seenot geriet, stand ihr Schicksal in den Sternen. Jetzt könnte das Schiff eine neue Chance bekommen

RAKEL heute in Egernsund. 
Da fährt man arg- und ahnungslos zu seiner Werft nach Egernsund, um einen Termin für die alljährliche Reinigung und Kontrolle zu vereinbaren. Kurz vor der Werft sehen wir den Rumpf der RAKEL, die seit mehr als vier Jahren zwischen Hoffen und Bangen auf eine vollständige Restauration wartet. Nachdem auf der Werft von Christian Johnson wichtige strukturelle Verbesserungen an dem sanierungsbedürftigen Rumpf vorgenommen wurden, ging dem damaligen Eigner das Geld aus. Das Schiff war zu diesem Zeitpunkt nicht schwimmfähig und belegte einen Platz auf der meist gut ausgelasteten Helling. Nach einigem Hin und Her wurde der Rumpf durch kräftige Kunststoffplanen soweit abgedichtet, dass es wieder zu Wasser gelassen werden konnte. Seitdem liegt es in Egernsund auf. Verschiedene Versuche die Restaurierung fort zu setzen und das Schiff mit einem neuen Betriebskonzept wieder in Fahrt zu bringen, scheiterten. Wir berichteten in mehreren Artikeln über diese wechselvolle Phase im Leben des mittlerweile 122 Jahre alten Seglers.
Wir sehen also diese traurige Schiffsruine und bedauern wie schon vorher oft unsere Unfähigkeit, dem alten Segler zu helfen. Aber kurz danach erfahren wir, dass er jetzt wohl eine neue Chance bekommt und in seinem langen, wechselvollen Leben ein neuer Abschnitt beginnen soll. Was ist geschehen?

Das, was von dem alten Schiff noch vorhanden ist, hat erneut den Eigentümer gewechselt. Der will  den Rumpf noch in diesem Sommer nach Lübeck verholen, um dort die Restauration zu vollenden. Als wir ihm heute begegneten, montierte er gerade die Schraubenwelle eines alten Fischkutters. Der soll den Rumpf der RAKEL nach Lübeck schleppen. Zuvor soll RAKEL Auftriebstanks bekommen, die ihn notfalls über Wasser halten sollen. Das sei eine Forderung des Hafenmeisters in Lübeck, erfahren wir.

Wir wünschen dem Schiff und seinem neuen Eigner viel Erfolg! Auch wenn die Voraussetzungen sehr unsicher scheinen: Auch der wunderbar wiedererstandene Finkenwärder Hochsee-Ewer PROVIDENTIA HF42 wurde gerettet, nachdem er einmal kurz vor seinem unabwendbar scheinenden Ende zu stehen schien. Das war auch in Egernsund. Vielleicht gibt es ja einen "Genius Loci", der diesmal RAKEL unter die Arme greift.

15.05.18 Mother's Litte Helpers (7): Von Hand schleifen

Manchmal sind es Kleinigkeiten, die das Leben einfacher machen. Sie müssen nicht unbedingt Geld kosten. Hier zwei Helferlein, die uns immer wieder nützlich sind.

An einem Holzboot gibt es immer was zu schleifen. Mal muss der Lack erneuert, mal ein neues Bauteil geglättet werden. Grobe Unebenheiten werden mit dem Hobel geglättet, alte Farbschichten mit dem Kratzer abgezogen. Danach kommt schleifen, schleifen, schleifen.

Dafür gibt es verschiedene mehr oder minder teure Elektrogeräte. Alle brauchen Schleifpapier, das meist mit einer Klettverbindung an den Geräten befestigt wird. Es dauert oft nicht lange, und die Aufnahme am Werkzeug will partout nicht mehr die zugehörigen Schleifblätter festhalten. Ergebnis: die Blätter fliegen weg und eine neue Aufnahme muss her. Das passiert natürlich besonders gerne während die ersten dunklen Wolken am Horizont aufziehen oder ein wichtiger Besuch unmittelbar bevorsteht.
Das alleine ist schon Grund genug, sich nach einer Alternative umzusehen. Dazu kommt der teilweise nervtötend schrille Ton der meisten Elektrowerkzeuge.

Deshalb wird bei uns an Bord größtenteils alles von Hand geschliffen. Das ist zwar körperlich anstrengend, aber ein Besuch im Fitness Studio treibt auch die Schweißperlen auf die Stirn. Leider ist es nicht einfach, gutes Schleifpapier billig zu bekommen. Was in Baumärkten angeboten wird ist meist viel zu dünn. Wenn es knittert, was immer wieder vorkommen kann, reißt es zuerst an den Kanten und zerfällt kurz danach in kleine Stücke, noch bevor die Schleifkörner stumpf geworden sind. Mit anderen Worten: Man  verwandelt pro Quatratmeter Oberfläche vermutlich auch einen Quadratmeter Schleifpapier in kleine Fetzen. Allerdings könnte man auch Schleifpapier für den Bedarf von Schreinern oder anderen Profis kaufen. Das ist aber entsprechend teuer. Wir haben gute Erfahrungen mit drei anderen Möglichkeiten gemacht:
  • Wir bestechen einen Möbeltischler und bekommen seine gebrauchten meterlangen Schleifbänder der Flachschleifmaschine. Die sind zwar schon etwas stumpf, aber das Trägermaterial ist sehr belastbar. Dazu sind sie erschwinglich, wenn der Tarif "eine Flasche guten Burgunders für drei Schleifbänder" akzeptiert wird. 
  • Wir kleben billiges selbstklebendes Tape auf die Rückseite des dünnen
    Rückseite von dünnem Schleifpapier, an den Rändern
    mit Silbertape verstärkt. 
    Schleifpapiers aus dem Baumarkt. Mit der Verstärkung hält es viel länger als ohne. Das lohnt also den Preis für das "Silbertape". Wir bekommen es hier beim Billigheimer.
  • Wir verzichten auf Elektrogeräte, schleifen von Hand, benutzen aber die dazu gehörigen Schleifpapiere mit dem Klettvlies auf der Rückseite. Sie halten erheblich länger als das "normale" Schleifpapier aus dem Baumarkt. Durch Sonderangebote bei ALDI oder LIDL ist es zudem unterm Strich auch erheblich billiger. Bewährt haben sich die runden Blätter für Exzenterschleifer.
Bleibt noch ein Vorteil den Elektrogeräte gegenüber dem konventionellen Schleifen mit der bloßen Hand haben könnten, wenn das Klettvlies lange genug durchhielte. Genügend große Aufnahmeflächen eignen sich besser zum Schleifen ebener oder schwach gerundeter Oberflächen. Wo die Hand den oft vorhandenen Beulen folgt, werden durch eine ebene Schleif-Fläche Erhebungen schneller abgetragen und im Ergebnis wird die geschliffene Fläche besser geglättet. Allerdings neigen rotierende Elektrogeräte dazu, dass sich das Schleifpapier unterschiedlich abnutzt. In der Rotationsmitte am wenigsten, an den Rändern am stärksten. Letzteres besonders, weil nahezu Jeder oder Jede mit zu viel Druck arbeitet und außerdem nur mit dem Rand des Tellers. Ergebnis: Das Schleifpapier ist nach kurzer Zeit unbrauchbar, obwohl der größte Teil seiner Fläche noch scharf ist.
  • Deshalb schleifen wir auch derartige Flächen von Hand, aber kleben das Schleifpapier
    Handelsübliches Schleifpapier mit Teppich-Klebeband auf
    ein Kantholz geklebt. Wichtig: Bis an den Rand kleben!
    mit doppelseitig klebendem Band ("Teppichklebeband") auf einen handlichen Holzklotz passender Größe. Bei großen Flächen kleben wir einfach mehrere Schleifpapiere nebeneinander, wie es gerade sinnvoll ist. Die Verlängerung der Standzeit ist nach unserer Erfahrung phänomenal. Besonders dann, wenn wir den Klotz mit dem Schleifpapier in kurzen Abständen immer wieder hart aufschlagen. Dann setzt es sich nicht zu.

13.05.18 Nun ist sie vorbei

Die 39. Rumregatta ist Geschichte - eine schöne Geschichte. Bei herrlichem Sommerwetter und frischem Wind gab es am Samstag auf der Flensburger Förde Segeln vom Feinsten.

BODIL nur mit Fahrtwind
Noch am Freitag bestimmt die Flaute, Feind jeden Seglers, auf der Flensburger Förde das Regiment. Anstatt wie die meisten Teilnehmer aus Flensburg zur ca. 20 Seemeilen entfernten dänischen Hafenstadt  Sonderburg zu segeln, um mit den meisten Teilnehmern der tags darauf startenden Rumregatta nach Flensburg zurück zu fahren, wollen wir auch in diesem Jahr den einlaufenden Schiffen und Booten entgegen segeln um möglichst viele schöne Fotos von dem Feld der alten, historischen, traditionellen oder auch nur so aussehenden Booten und Schiffen zu schießen.
Selbst die als besonders schnelle Seglerin bekannte ANA
bemüht ihren Motor.
Doch wie so oft im Leben gilt auch jetzt: Der Mensch denkt, Gott lenkt. Ein J.W. von Goethe dichtete. Nach vier Stunden haben wir dennoch die Ochseninseln erreicht aber noch keinen Teilnehmer der Fjord Regatta gesehen. Erst am Nachmittag kommen sie, vom Dieselwind bewegt, mit rauschenden Bugwellen durch Holnis' Enge und streben unverzüglich Richtung Flensburg. Allen voran JENSINE aus dem Jahr 1852, laut dem  Schiffshistorischen Archiv Flensburg der "älteste hölzerne Segler Dänemarks im Originalzustand" (wenn man mal vom Dieselmotor absieht). Also nix mit Fotos von alten Seglern mit vielen Quadratmetern Leinwand an den Masten. Um Aufsehen zu vermeiden ("habt ihr einen Maschinenschaden?") packten wir schließlich ebenfalls die Segel ein und drückten den Startknopf. Das hat auch seine gute Seite, kann doch der Motor mal wieder zeigen, wozu er an Bord ist.
Zwischenhoch über Dänemark und Schleswig-Holstein lässt die Luft still stehen. "Tiefe Stille herrscht im Wasser, ohne Regung ruht das Meer", wie
Die alten Schiffe liegen auch unter dem Historischen Krahn
Wer als Letzter von rund einhundert Schiffen in den Hafen einläuft, muss festmachen, wo noch ein freier Platz ist. Aber es macht sich schon bemerkbar, dass in diesem Jahr weniger Traditionssegler nach Flensburg kamen, als sonst. Das Flensburger Tageblatt berichtet von 99 Seglern, die an der Regatta teilnehmen. Wir finden gleich am Bohlwerk einen guten Platz neben angenehmen Nachbarn und machten uns erst mal was zu essen. Nicht, dass es während der Rumregatta an Nahrung mangelt, aber
... und auch am übrigen Bohlwerk
die Skipperin kocht eben doch besser. Auf der hölzernen Anlegebrücke herrscht Hochbetrieb, denn zusätzlich zu den ohnehin meist sehr zahlreichen Gästen von Bens Fischütte, versammeln sich zahllose Besucher und Schiffsleute um mal zu gucken, wer alles gekommen ist. Über das  vielsprachige Stimmengewirr hinweg klingen die Melodien eines gemischten Chors junger Leute. A capella gesungene, tolle Melodien und ein endloses, fröhliches Repertoire. Langsam senkt sich die Dämmerung über den Hafen und auf Schiffen und Booten gehen unter Segeln die Lampen an, lassen hier die Leinen aus dem Dunkel aufscheinen und dort
Auch die Jollen sind gut vertreten.
die eine Ecke eines Deckshauses. An Bord der alten Fischkutter und Frachtsegler sitzen Gruppen junger und jung gebliebener Seefreunde und Sehleute zusammen.
Schon um Mitternacht lichtet sich die drangvolle Enge auf dem Bohlwerk und zwischen den Buden des Gaffelmarktes. Wer will, kann jetzt ruhig schlafen.

Am Samstag Morgen um sieben Uhr ist die Welt immer noch in Ordnung. Wenige
Fotografen sind an der Kaikante auf der Suche nach einem interessanten Motiv unterwegs.
Begegnung auf der Regattabahn
Auf dem Gaffelmarkt bauen die erste Gastronomen Tische und Bänke auf. Um neun Uhr ist Skipperbesprechung die wir diesmal wieder schwänzen. Wir sind bekennende Regattamuffel und wollen das auch nicht ändern. Aber schon bei der Begrüßung auf dem Motorgüterschiff GESINE haben wir eine Startnummer bekommen, die wir jetzt wunschgemäß auf Steuerbord befestigen. Man kann ja nie wissen. Schließlich hat so eine Wettfahrt auch ihre interessanten Seiten. Nehmen wir beispielsweise den Start. Bei Regatten, die unter Wettkampfbedingungen stattfinden, fällt an der Startlinie oft die Entscheidung über Sieg
Beim Kreuzen wird es manchmal eng ...

und Niederlage. Als Erster über die Startlinie: Der einzige Moment, wo die Chancen unterschiedlicher Schiffe noch gleich verteilt sind und allein Taktik und Gefühl für das eigene Schiff zählt.  Die Rumregatta ist glücklicherweise nur eine "unernste" Geschwaderfahrt auf der bekanntlich nicht der Erste, sondern der Zweite den begehrten Preis erhält. Nur hat sich das bei manchen Teilnehmern auch nach mehrmaliger Teilnahme immer noch nicht rumgesprochen. Vielleicht weil zu oft vom Rum gesprochen wird, wenn wir
... manchmal auch nicht
uns mal diesen Kalauer erlauben dürfen.
Es gibt Schiffe die auch unter guten Skippern schlecht abschneiden, und es gibt andere,  die immer Erste werden (oder Zweite, respektive) ohne damit ein Werturteil über die Skipper zu fällen.
Wie gesagt, unser Vergnügen ist, möglichst als Erste über die Startlinie zu gehen. Ob uns das heute wieder einmal gelungen ist, wissen wir leider nicht, notiert wird nur, wann die Ziellinie überfahren wird. Weil der Wind beim Start aus Ost weht, starten wir auf der Westseite, segeln auf Backbordbug, haben also das Wegerecht schon gleich beim Start. Ab der ersten Wende müssen wir bis Holnis Enge kreuzen.
Ideal für halben bis raumen Wind: Das Besanstagsegel
Foto: Johannes Bieniek
Dort, Beim Runden der Tonne 12 fällt uns auf, dass wir jetzt doch die Hälfte der Regatta mitgesegelt sind. Wie es dazu kam? Null Ahnung - sind wir doch eigentlich Regattamuffel. Zurück geht es heute erheblich schneller. Backstags mit vier bis fünf Windstärken. Ideal, für das Besanstagsegel. Sobald es steht, geht die Geschwindigkeit um fast einen Knoten rauf. Der Gedanke, jetzt auch noch schnell auf den großen Klüver zu wechseln, müssen wir seufzend verwerfen. Zu viel Zeit ginge dabei verloren. Aber die 15 qm mehr an Segelfläche wäre noch gut zu verkraften. Doch wir sind
Dazwischen auch die Jollen -
mit beachtlicher Geschwindigkeit.
nur zwei Alte plus einem netten Nachbarn an Bord, der aber noch nie auf einem Segelschiff war. Also lassen wir es dabei, sechs Knoten ist für uns auch schon ganz nett.
Bald ist die Ziellinie erreicht und weil wir nun doch so halb gegen unsere Absicht das Rennen mit gefahren sind, zeigen wir auch die Regattanummer 038 und werden mit einem kurzen tröten als Teilnehmer quittiert.
Die Teilnehmer der Rumregatta segeln extrem unterschiedliche Boote: Wikingerboote, Fischerboote, Frachtsegler, Zollkreuzer unterschiedlicher Größe und Baujahre. Um für ein Mindestmaß an Gerechtikeit zu sorgen, wird jedes teilnehmende Schiff oder Boot einer Klasse zugeordnet. Also, alle Wikingerboote gehören zur selben Klasse.
In diesem Jahr gehören wir mal wieder zur Klasse "Besonders schnelle, modifizierte Repliken". Das ist besonders nett, dadurch konnten wir in dieser exklusiven Gruppe mit dem anspruchsvollen Namen immerhin einen ehrenvollen fünften Platz belegen.

Heute, am Sonntag sind die ersten Teilnehmer der Rumregatta schon sehr früh abgereist, andere liegen auch abends noch an der Stadtpier. Mittags haben uns nette Nachbarn geholfen unsere Leinen an den außeren Festmacherpollern zu befestigen. Nun liegt das Boot wieder an seinem gewohnten Platz in der gewohnten Richtung. Die Rumregatta ist Geschichte; eine schöne Geschichte.

Abends am Samstag sendet der NDR im "Schleswig-Holstein- Magazin" einen Bericht über die Rumregatta und GRETA.

10.05.18 Zum Schluss ein Guss

Das Jahr ohne Rumregatta geht heute mit Gewitter und einem Wolkenbruch zu Ende. Der Gaffelmarkt hat auf der Schiffbrücke seine Hütten geöffnet und die ersten Bummler nehmen auf den Bänken und Sesseln bei den Schank- und Imbißhütten Platz. Von fern sind die wummernden Bässe der Lautsprecher von Vatertagsumzüglern zu hören und die ersten alkoholseligen Gäste an einem Weinausschank auf dem Bohlwerk lassen es sich gut gehen. Mittags scheint der Andrang der Besucher insgesamt noch recht überschaulich.

Große Betriebsamkeit bei den Lüttfischern; dort sind zahlreiche Gäste von fern und nah mit ihren Booten eingetroffen. Die weitesten Wege haben Gäste aus England und Polen zurückgelegt. Nun werden sie auf dem Slipweg der Musueumswerft zu Wasser gelassen. Großes Hallo auf dem Steg und in der Hütte, man hat sich ein Jahr lang nicht gesehen und es gibt viel zu erfragen und zu erzählen.

Der Elbfischkutter GRETA ist nun tatsächlich noch segelfertig geworden. Die Crew hat bis in die frühen Morgenstunden an dem Boot gearbeitet. Als jetzt ein Wolkenbruch , legen sie ab für den ersten Schlag nach Sonderburg. Dem Gewitteregen hat das alte Fischerboot nicht viel entgegen zu setzten, einige Nähte an Deck konnten zum Schluss doch nicht mehr kalfatert und versiegelt werden. Nun strömt das himmlische Nass in breiten Bahnen in das Boot. Das ist eine gute Gelegenheit, um die Bilgepumpen zu testen. Die gute Laune der Crew leidet darunter nicht im geringsten. Da hat auch Petrus ein Einsehen, der Regen lässt nach und bald reißen die Wolken wieder auf. Da sind die wackeren Segler schon längs aus dem Hafen verschwunden.


Die Gäste kommen
RAGNA noch nicht ganz dicht
ERIK STEUERMANN aus Haitabu schwimmt schon

Die Ladeluke bekommt noch einen Deckel während die Maschine mit frischem Öl versorgt wird. Bald kann es losgehen

Bewährung für das neue Deckshaus der GRETA
Es gibt kein schlechtes Wetter - wenn die Ausrüstung stimmt



09.05.18 GRETA Auf den letzten Metern

Skizze: © W. Kühn
Die Crew der GRETA hat den Ehrgeiz, den 104 Jahre alten Elbfischerkutter für die unmittelbar bevorstehende Rumregatta weitgehend wiederherzustellen. Nur noch wenige Meter trennen sie von der Ziellinie ihres Projekts.

Diese Ziellinie ist zugleich die Startlinie der "Flensburg Fjord Regatta". Am Freitag um 11:00 Uhr beginnt in der Sonderburger Bucht die Wettfahrt nach Flensburg, wo tagsdrauf die 29. Rumregatta startet. Was ist nicht alles an dem alten Rumpf renoviert und teils neu hergestellt worden? Werftaufenthalte in Egernsund bei Chr. Johnssons Badebyggeri und bei Robbe & Berking in Flensburg, dienten etlichen wichtigen Reparaturen an Rumpf und Deck. Aber Vieles blieb unerledigt. Für diese Rumregatta haben sich die GRETA-Freunde vorgenommen, ein neues Deckshaus samt Schiebeluk zu bauen, das Deck weitgehend dicht zu machen, und den Rumpf samt Rundhölzern gut unter Lack zu bekommen. Das alles unter freiem Himmel bei diesem feuchten Frühjahr - eine große Herausforderung. Und was soll man glauben: Heute sind sie nahezu fertig. Nachmittags ist der Rumpf zwar noch grau und nicht schwarz, aber zur Tagesschauzeit werden die ersten Planken mit dem schwarzen Decklack gemalt. Erfolg macht glücklich. Kein Wunder, dass die Crew gute Laune hat.
Viel bleibt noch zu tun, an dem Boot das schon bei der Gründung des Museumshafens im Jahr 1979 mit dabei war, darunter auch wichtige strukturelle Reparaturen. Aber nun ist erst einmal ein wichtiges Etappenziel erreicht worden. Gratulation und Glückwunsch dazu!

Nachtrag: Am Folgetag wird bekannt, dass die GRETA-Freunde bis um drei Uhr morgens im Einsatz waren. Die Fotos stammen von 21.30 abends





08.05.18 Endstation Anfang (1)

...Denn jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.
Was Hermann Hesse über die Wechselfälle des Lebens schrieb, kann vielleicht auch für das Leben der FEUERLAND gelten, das Expeditionsschiff des Flugpioniers, Forschers und Reiseschriftstellers Günther Plüschow. 


Wer heute zu Fuß, Rad Auto oder Bus an der Museumswerft vorbei kommt, wird vielleicht nicht einmal bemerken, dass dort ein weiterer maroder Schiffsrumpf steht. Aber heute lohnt es sich, genauer hinzusehen, denn über Nacht ist dort ein Schiff mit einer langen und großen Geschichte eingetroffen.

Für die Hintergründe müssen wir ein wenig ausholen, weil seine Ursprünge heute weitgehend vergessen sind. Dabei fassen wir eine lange und spannende Lebensgeschichte  in wenigen Zeilen zusammen, die den Protagonisten Günther Plüschow noch zu  Lebzeiten sehr berühmt machte. Aber seine herausragenden Leistungen sind heute weithin vergessen.

Die Geschichte beginnt vor 104 Jahren, als das Deutsche Reich nach Beginn des Ersten Weltkriegs seine ausländischen Stützpunkte gegen die gegnerischen Mächte verteidigen musste. Darunter auch das "Schutzgebiet Tsingtau" gegen das Kaiserreich Japan, und seinen Verbündeten, das Britischen Empire. Die deutschen Truppen, darunter auch der Marineflieger Oberleutnant zur See Günther Plüschow, müssen schließlich kapitulieren. Plüschow bekommt den Auftrag, wichtige Papiere auszufliegen und  nach Deutschland zu bringen. Er war schon zuvor als "Flieger von Tsingtau" bekannt geworden, weil er mit damals noch sehr jungen Jagdflugzeugen im Kampf imponierende Erfolge erreichte. Nach einer abenteuerlichen Reise erreichte er über den Pazifik und Nordamerika schließlich Europa, und wurde in Gibraltar von den Briten gefangen genommen. Er floh aus der Kriegsgefangenschaft und kam im Jahr 1915 zurück nach Deutschland und setzte seinen militärischen Dienst fort. Er war der einzige Deutsche der je aus britischer Kriegsgefangenschaft floh. Er übernahm wichtige Aufgaben bei den Marinefliegern  und schied 1919 aus dem Militärdienst aus.  Ihm zu Ehren wurde der Hafen der Marineflieger in Kiel Holtenau "Plüschowhafen" genannt.
Nach dem Kriegsende beginnt Günther Plüschow  eine neue erfolgreiche Laufbahn als Forscher und Reiseschriftsteller. Er unternahm drei Expeditionen nach Südamerika, wo er als Pionier der Fliegerei bis heute unvergessen ist. Die erste Reise unternahm er 1925 an Bord der Viermastbark PARMA, für die zweite ließ er sich in Büsum ein Schiff bauen, FEUERLAND, das ihn zusammen mit seinem Team nach Punta Arenas brachte. Den größten Teil seiner Ausrüstung und das Flugzeug, ein Doppeldecker Heinkel HD 24W  kamen per Dampfer PLANET ebenfalls dorthin. Während seiner Expeditionsflüge diente im die FEUERLAND als schwimmender Stützpunkt.
Seine dritte Reise begann er im Jahr 1930 und unternahm weitere Flüge über Argentinien, wo er 1931 in einen Teil  des Lago Argentino stürzte und zusammen mit seinem Begleiter Ernst Dreblow den Tod fand.


























Seit heute Morgen, 03.45 Uhr gibt es auf dem Gelände der Flensburger Museumswerft ein ansehnliches Erinnerungsstück, das nicht übersehen werden darf: Das Expeditionsschiff FEUERLAND, dessen maritimes Leben ebenfalls Stoff für spannende Geschichten liefert. Die wichtigsten Stationen seiner Lebensreise sind Büsum, Punto Arenas, Falkland Inseln, Argentinien, Hamburg und jetzt endlich Flensburg.
Die FEUERLAND, mittlerweile in die Denkmalliste von Schleswig Holstein aufgenommen, soll auf der Museumswerft Flensburg nach musealen Standards restauriert werden. Für dieses 1,4 Millionen Euro Projekt macht sich eine gemeinnützige GmbH stark, die zu diesem Zweck mit viel Elan Geld und Sachspenden zusammentragen will.

Mit dieser Summe soll der ausgetrocknete, Rumpf auf einem wurmstichigen Kiel mit gebrochene Spanten und geborstenen Laibhölzern wieder zu dem schmucken Segler werden, der er vor 90 Jahren war.

Für die Initiatoren ist Flensburg der Ort, wo sich das Schicksal der geschichtsträchtigen FEUERLAND entscheidet: Entweder schwimmt sie wieder als zugelassenes Traditionsschiff mit Liegeplatz im Museumshafen, oder sie wird endgültig abgewrackt.

Um über die besondere Bedeutung des Schiffes zu informieren, plant das Flensburger Schiffahrtsmuseum ab 19. August eine Sonderausstellung mit dem Titel "Die sieben Leben der FEUERLAND".

Bereits am Sonntag der Rumregatta wird der Flensburger Modellbauer Adi Born im Beisein von Arved Fuchs ein detailgetreues Modell der FEUERLAND an das Schifffahrtsmuseum übergeben.

Wie endet das Gedicht "Stufen" von Hermann Hesse?
"So wird vielleicht auch noch die Todesstunde/ uns neuen Räumen jung entgegen senden/ Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden/ Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!"
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Quellen: Internet (u.a.: WIKIPEDIA, Schloss Plüschow, Kiautschou/ Tsingtau, Plüschowhafen). Presseinformation