13.04.18 Leben am Rand

Sonntag eröffnet das Flensburger Schifffahrtsmuseum die Wanderausstellung "At the water’s edge/ Erinnerungen an den Kalten Krieg". Über Sprach- und Landesgrenzen hinweg weckt das internationale Kunst- und Ausstellungsprojekt der schwedischen Künstlerin Hanna Sjöberg Erinnerungen an die Zeit, als die Ostsee vom Eisernen Vorhang geteilt war. Der Kalte Krieg hatte jahrhundertealte Verbindungen unterbrochen.
Seit seinem Ende hat sich die Ostseeregion zu einer der wichtigsten in der Europäischen Union entwickelt, doch die Erfahrung eines geteilten Meeres hat Spuren bei Generationen von Menschen hinterlassen und wirkt bis heute nach.

Die Künstlerin mit zwei Fotos aus der Ausstellung
Die Ausstellung wird am kommenden Sonntag, 15. April um 11.30 Uhr von der Museumsleiterin Frau Susanne Grigull eröffnet. Frau Hanna Sjöberg, Künstlerin und Kuratorin, gibt eine Einführung in deutscher Sprache.   

Heute bekamen wir Gelegenheit, die Künstlerin und ihre Arbeit kennen zu lernen und einen ersten persönlichen Eindruck von der noch unfertigen Ausstellung zu gewinnen. Zu sehen waren waren zumeist schwarz-weiße Amateur-Fotografien aus der Zeit bis in die 90er Jahre, wie sie wohl in vielen Familien in Alben oder Kartons aufbewahrt wurden und werden. Verblüffend die scheinbare Belanglosigkeit von Bildern nahezu leerer Uferlandschaften, Menschengruppen am Strand oder spielender Kinder. Unter anderem ein Foto auf dem zwei Soldaten mit Gewehren an einem leeren Ufer zu sehen sind. Dazu erinnert sich die Künstlerin an ihre Sommerferien als Kind auf Gotland und an "ein diffuses Gefühl der Ferne ohne konkrete Vorstellungen was auf der anderen Seite der Ostsee vorgeht". 
Die Fotos scheinen nur zufällig in die Ausstellung gekommen zu sein und tatsächlich gibt es keine Auskunft zu Kriterien für die Auswahl. Zu sehen gab es auch eine Schrifttafel mit dem lapidaren Text: "Abends wurde der Strand geharkt und die Grenzsoldaten patrouillierten jede fünfte Stunde". Das macht neugierig und im Kopf entsteht ein Bild vom Leben hinter geharkten Stränden und patrouillierenden Soldaten. Das verbindet die ausgewählten Bilder aus neun Ländern: Der Ausdruck einer monströsen Normalität vom Leben in Gefängnissen, so groß wie die Anrainer der Ostsee hinterm Eisernen Vorhang. Ein Anwesender erinnert sich. "Aufenthalt am Strand war verboten. Wer erwischt wurde musste zur Strafe Kartoffeln schälen oder die Toilette putzen". 

Seitdem die Fotos entstanden sind, ist der Kalte Krieg zu Ende gegangen und das Gebiet der Ostsee ist wieder eine der wichtigsten Regionen Europas geworden. Aber das Gefühl einer diffusen Unsicherheit ist geblieben und nimmt aktuell wieder zu. 

Die Ausstellung macht Station in Flensburg auf einer Rundreise durch die mitwirkenden Länder. Sie endet im Juli in Gdynia, Polen.
Das Projekt wurde finanziert von der Unitas Foundation Tallinn gefördert vom Ostseerat und soll als Kommunikationsplattform verstanden werden, nationale Sichtweisen aufbrechen und den künstlerischen Austausch stärken. Unser Faszit: Das könnte gelingen.
__________________
Quellen: PK und Interview