16.05.15 Die 36. Rum-Regatta

VIKING in Brassfahrt
Lieber heil und heiter als kaputt und zweiter. Nach diesem, zugegeben nicht ganz originalen Motto haben wir heute die "unernste Geschwaderfahrt" des Museumshafens Flensburg heute erlebt. Wegen Alter, Wetter und überhaupt ließen wir die Regatta Regatta sein und fuhren statt dessen wieder einmal drum herum. Und das war gut so. Denn das Wetter war nicht ohne und so dürfte diese Veranstaltung als eine der "schnellen" in die Geschichte eingehen. Nach einem moderaten Anfang mit vier bis fünf Beaufort Windstärken nahm der Wind im Laufe des Tages kräftig zu und setze dem Geschehen nachmittags mit Schauerböen um sieben Bft. und Regen die Krohne auf. Trotzdem war es eine schöne Zeit auf dem Wasser und in diesem Jahr kamen alle Schiffe heil und heiter über die Ziellinie. Kaputt war keines und 13 wurden Zweite, entsprechend der Zahl segelnder Klassen. Nur eines saß kurzfristig auf Schiet, nahm aber keinen Schaden und kam aus eigener Kraft wieder frei.
Jede Mannschaft gab ihr Bestes und so sollte eigentlich keine ganz besonders hervorgehoben werden. Mit einer Ausnahme: einige der "kleinen" Lüttfischerboote haben die ganze Regatta mitgesegelt. Dabei war der Seegang ziemlich ruppig. Wer es nicht gesehen hat kann es kaum glauben, wie die kleinen Arendal-Sjekten und die nicht ganz so kleinen Marinekutter über die Wellen jumpten und eine Bugwelle produzierten, die man sonst nur von Motorbooten kennt. Sie wurden entsprechend vorbereitet und hatten zusätzlich einige -zig Kilo Innenballast gestaut.







KLEINER KERL gibt Gas
Wir segeln so entspannt wie möglich am Rande mit und halten Ausschau nach passenden Motiven für die kleine Digitalkamera. Im übrigen machen wir dasselbe wie jede andere Crew auch: Segeltaktik abstimmen, Ausguck halten, steuern, Schoten und Fallen bedienen und was sonst noch anfällt. Zwischen Glücksburg und Schausende kehren wir um und lassen uns auf dem Weg zurück nach Flensburg vom Regattafeld überholen. Jetzt, auf der Kreuz, kommen die Teilnehmerschiffe von allen Seiten. Weichen wir zweien aus, haben wir schon den nächsten direkt auf Kollosionskurs.


De ALBERTHA auf Siegerkurs
Segeln wir auf Steuerbord-Bug, haben nahezu alle anderen Segler Vorfahrt, die entgegenkommenden sowieso, weil sie auf Backbordbug segeln, und die in Lee auch, wenn sie mehr Höhe laufen. Dazwischen rauschen auch noch normale Fahrtenjachten vor dem Wind ins Wochenende, kreuzen Katamarane, 14 Fuß Rennjollen und SPINX, die blaue 12m-Rennjacht aus Flensburg, macht nach dem Aufriggen einen Probeschlag. Und nicht zu vergessen: die Motorboote. Allerdings sind es wenige, die Wellen waren für viele wohl zu grob.

Jetzt wird die Sicht nach Südwest auf Flensburg von
MYTILUS auf der Bahn
tiefhängenden Schauerwolken weggewischt, alles wird von der grauen Wand verschluckt, der Wind legt zu. Bald setzt Regen ein und prasselt  bis zum Einlaufen in den Hafen herunter. Beim Werftgebäude bläst es meist eine bis zwei Windstärken heftiger als draußen in der Förde, so auch heute. Die Teilnehmer haben an dieser Stelle schon längst die Ziellinie passiert und besonders die großen schieben sich mit Maschinenkraft in den Hafen. Zwischendrin überwinden andere, kleinere, die Enge kreuzend - sportlich, sportlich. Bald haben sich die Boote im Hafen wieder in Päckchen gruppiert. Vollkommen ruhig, ohne besondere Anweisung oder Hilfe von außen, einfach heiter und entspannt. Von der Hafenkante klingen schon die alten Weisen der Gruppe Parelmor: Das ist Rum-Regatta pur.

PS: Die Flecken auf den Bildern stammen von Regentropfen, Linse trockenwischen war zwecklos.