24.09.12 Werfttage

Nun sind die Werfttage schon wieder vorbei. Vorbei sind Sand und Teer unter den Schuhsohlen, vorbei ist Wasserverbot in der Pantry und vorbei ist, zur Toilette vier Meter Leiter herab zu klettern. Vorbei sind Lösungsmittedämpfe, nasse Klamotten und fettbeschmierte Hände. Das zivilisierte Leben hat uns wieder!

Einmal im Jahr wird WIEBKE BOHLEN an Land gezogen, gründlich gereinigt, untersucht und angemalt, meistens im Früherbst. Dann ist das Wetter oft noch gut und der Terminkalender auf der Werft zeigt manchmal freie Tage. Gutes Wetter ist wichtig, um überhaupt auf die Werft gehen zu können. Denn wenn ein Sturmtief die Förde leer bläst, kann der Slipwagen nicht tief genug herabgelassen werden, um das Schiff mit seinen 2,4 Metern Tiefgang aufzunehmen. Hochwasser kann die Aktion ebenfalls gefährden. Wechselt der Wasserstand plötzlich, kann die Strömung im Noor so stark werden, dass an Auf- oder Abslippen nicht zu denken ist. Das kommt aber glücklicherweise nur selten vor. Deshalb hören wir immer die Wettervorhersagen, wenn das Schiff aus dem Wasser soll. Aber oft treffen sie nicht zu.
Einmal erwischte uns auf dem Slipwagen nachts ein Sturmtief mit sintflutartigen Regengüssen. Das war nicht vorhergesagt. Das Schiff rüttelte und ruckte auf dem schweren Slipwagen, dass wir aufwachten und aus den Kojen flüchteten. Gleichzeitig sprangen die Lenzpumpen an. An Deck standen wir bis über die Knöchel im Wasser, das nicht schnell genug ablaufen konnte, so stark schüttete es von oben. Sturzregen wie ein Wasserfall. Trotzdem konnten wir über die Leiter runterklettern. Der Werftplatz: Ein See. Das Auto stand bis zu den Achsen im Wasser. Es spritzte vom Schiffsdeck, dass es aussah wie ein U-Boot wenn es auftaucht. Wir flüchteten in die Toilette der Werft. Das große Gebäude rüttelte und wankte. Am nächsten Morgen erzählte Christian, dass in seinem Garten die Äpfel auf der Wiese geschwommen sind. Später entdeckten wir, dass der Mastkragen war zu lose gebunden war, weshalb das auf dem Deck hoch stehende Wasser eindringen konnte. Jetzt ist der Mastkragen dicht und wird immer wieder kontrolliert. Als für Samstag wieder eine ähnliche Wetterlage vorhergesagt war, und das Fernsehen von Wasserhosen in der Ostsee berichtete, ahnten wir, was auf uns zukommen könnte.

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Um es kurz zu machen: es kam nicht. Aber schon die Erwartung von Regen störte den geplanten Arbeitsablauf beträchtlich. Bei der Ankunft am Donnerstag wurden wir sogleich aus dem Wasser genommen. So konnten wir den Freitagmorgen schon mit gereinigtem Rumpf begrüßen. Tatsächlich wurde das Wetter schlechter und so konnte er nicht überall richtig trocknen. Immer dort, wo der Untergrund trocken genug war, wurde Farbe aufgestrichen. Gleichzeitig wurde der Propeller auf Hochglanz poliert. Den Seepocken ist das leider ziemlich gleichgültig. Ob blank oder nicht, sie wachsen gleich schnell. Aber blank sieht besser aus, zumindest für ein paar Wochen. Leider blieb auch der Vorsatz auf der Strecke, die Werftarbeiten zu dokumentieren. Aber für den kleinen Film hat es doch gereicht.

Samstags wurde das Wetter vorübergehend trockener und der Anstrich wurde schließlich doch noch fertig. Es blieb sogar Zeit für eine Zeichnung. Auf einer Holzwerft gibt es immer interessante Motive. Neben uns lag LUNA VIII auf der "Intensivstation".  Schiffe, die dort liegen, bleiben meist ein wenig länger auf der Werft. Die Zeichnung zeigt WIEBKE BOHLEN und LUNA VIII im Vergleich ihrer Vorsteven. Keine Frage, welche von den beiden die Rennjacht ist. Bei grober See hingegen ist WIEBKE BOHLEN als Kreuzerjacht das bessere Schiff. 

Am Sonntag, ganz überraschend, mussten wir schon wieder ins Wasser. Es gab eine Sturmwarnung für Montag. Heute wissen wir, Wettervorhersagen können auch mal zutreffen.