12.08.12 Zwei Segeltage

Nach längerer Abstinenz  konnten wir jetzt endlich mal wieder die Innere Flensburger Förde verlassen und nach Herzenslust auf WIEBKE BOHLEN segeln. Am Freitag ging es vormittags los Richtung Hörup Hav, wenn wir denn so weit kommen sollten.
Um es kurz zu machen, wir kamen so weit. Bei W 4-5 Bft (Vorhersage) hatten wir reichlich Segel gesetzt, darunter unseren großen Klüver mit 35 qm. Hätten wir geahnt, wie stark der Wind tatsächlich wehen würde, wären wir etwas vorsichtiger gewesen. Und so schleppte uns dieses Segel bei einem Backstags- Starkwind mit ziemlicher Kraft hinter sich her bis die Logge ständig zwischen sieben und acht Knoten pendelte. Aber da wir bis auf zwei Halsen keine Manöver fahren mussten, hielt sich die Anstrengung in Grenzen. 
Vor der Passage von Holnis Enge konnten wir noch den Start der 12 Meter Regattajachten beobachten, glücklicherweise ohne ihre Bahn queren zu müssen, denn wir wären ausweichpflichtig gewesen.

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Außer diesen Teilnehmern des Robbe & Berking Sterlin Cup waren wenige Segler unterwegs. Einer davon war D'OLLY, ein Colin Archer Kutter aus Dänemark, auf der Rum-Regatta berüchtigt für seine Schnelligkeit. Heute brauchte er eine ganze Weile, bis er uns überholte. Das lag aber vermutlich auch daran, dass wir bei einem Kurswechsel halsten, während er eine Q-Wende fuhr. Das war für eine Zweier-Senioren-Crew nicht schlecht und wird uns noch lange die Winterabende verschönen. Doch schließlich war unsere Trickkiste leer und so siegten die bekannten Vorteile des Kutters auf Am-Wind Kursen. Wir konnten eine Weile sein Heck betrachten, wie es voraus kleiner und kleiner wurde. 

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Wir haben dann östlich Sonderburg unseren üblichen Ankerplatz aufgesucht, der uns wieder einmal bei dem Westwind sehr gut schützte. Und nach der Erfahrung mit der Windvorhersage gaben wir zur Vorsicht dem Bügelanker reichlich Kette denn sicher ist sicher. Wer mag schon nachts schlaftrunken einen neuen Ankerplatz suchen?
Über nacht hatte sich der Wind gelegt. Bei einer kurzen Kontrolle gegen drei Uhr morgens wurde der "Ankerwächter" mit dem Anblick eines Sternenhimmels belohnt, wie wir ihn nur selten zu sehen. Der Nachthimmel war weitgehend klar und tief schwarz und die Mondsichel verstreute nur wenig Licht. Da bildeten die Sterne in ihre vertrauten alten Zeichen und funkelten wie die Brillianten bei Tiffany's. Dazu schimmerte im Hintergrund das graue Band der Milchstraße. Wie groß ist doch unsere Welt!
Der nächste Morgen bescherte uns einen lauen Ostwind von angenehmen zwei bis drei Beaufort. Wir schaukelten backstags mit Topsegel und Besanstagsegel zurück Richtung Flensburg. Und das in einem älteren Herrschaften durchaus angemessenen Tempo. Auch die Maschine hatte wieder einen Ruhetag. So segelten wir bis in die Meierwik. Nach einem Aufschießer fiel der Anker auf sieben Metern Tiefe. Der sonnige Tag endete mit einem glühenden Abendrot.